Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 362 (19.6.1934)
- Date
- 1934-06-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 862 — 19. Juni 1984 KiXOPROCBAMME PER WOCHE Leönoiisiüöter VolKsüino r e I epii n n 8 R f 4 V >'n IS) .l:ini =»is 21. Juni SPIONE IM SAVOY'HOTEL mit Olga Tschechow» und Walter Slezak W »cheniags '.H. ’/»!•' Uhi Sonn u Ke'ertags ’/*4 Uh. ErmSBfgts Sommerprefs« Mandatarmacht für das jüdische X a t i o n a 1 h e i m ergeben. Die Haujitbasis der Entwicklung, die landwirtschaftliche Kolonisation, sei dadurch gefährdet. Für tausende deutscher Juden, denen Palästina die einzige Hoffnung ist, sind die Tore faktisch geschlossen. Wir hoffen auf die kommenden freundschaftlichen Erörterungen mit dem Kolonialminister. Xeville L a s k i wurde zum Präsidenten wieder-. Lionel Cohen an Stelle des ausgeschiedenen Lord Rothschild zum Vizepräsidenten neugewählt. Ungartsck-füdiscke Landesvev Sammlung einberufen Der Kultusminister erließ eine Verordnung, wonach die Abhaltung einer israelitischen Landesversammlung zwecks entsprechender Modifizierung und Ergänzung des veralteten Kongreßstatuts vom Jahre 1868 angeordnet wird. Ort und Zeitpunkt der Landesversammlung werden durch den Präsidenten der Ungarländischen Israelitischen Landeskanzlei und Präsidenten der Pester Israelitischen Religionsgemeinde, Hofrat Samuel Stern, noch bekanntgegeben werden. Diese Regierungsverordnung bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte des ungarischen Judentums. Nach 65jährigen Kämpfen und "Wirren ist die Kongreßorganisation endlich in der Lage, durch selbstgewählte Abgeordnete die reformbedürftige Verfassung umzugestalten oder zu ergänzen, und so die gesamte Organisation zu fe.stigen. In der Regierungsverordnung werden zwei wichtige staatsrechtliche Prinzipien festgelegt: einerseits wird ausgesprochen, daß der ungarländischen israelitischen Konfession eine gesetzliche Autonomie gebührt; anderseits, daß unbeschadet der Organisationsspaltung im ungarischen Judentum nur eine einzige jüdische Glaubensgemeinschaft existiert. Die Distrikts-Repräsentanten der jüdischen Gemeinden werden durch geheime Abstimmung spätestens bis 15. Oktober d. J. gewählt werden. Die Landes Versammlung wird durch den Präsidenten der Israelitischen Landeskanzlei eröffnet. Nach der Fertigstellung des umgestalteten Kongreßstatuts löst sich die Landes Versammlung auf. 78.000 Juden in Jugoslawien Laut Bericht des Statistischen Amtes gab es bei der Volkszählung im Jahre 1931 in Jugoslawien unter einer Gesamtbevölkerung von etwa 14,044.000 Seelen rund 78.000 Juden. Geheimtätigkeit der lettländlschen Hakenkreuzter Riga, 15. Juni. Die Polizei verhaftete in Riga zahlreiche Mitglieder der verbotenen extrem-rechten Organisation „P e r k o n t r u 8 t e‘* (Hakenkreuz) wegen ungesetzlicher Kollektivtätigkeit. Auch der Führer der Organisation, Gustav C e 1 m i n s c h, wurde verhaftet. Die Partei ahmte in Lehre und Taktik die deutschen Nationalsozialisten nach. Die Führer wurden wegen umstürzlerischer Tätigkeit angeklagt; in Anbetracht des Ausnahmezustandes drohen ihnen hohe Strafen. Shertok gegen die Einwanderungspolitik Englands flnHMMHgHHHHHHMDDDMDnDDDIIMDggDDHggHDgfiDDbMHHBflBHBliHHHHBNHi Jerusalem, 15. Juni. Der Leiter des politischen Departements der Palästina-Exekutive der Jewish Agency . Mosche Shertok führte in einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur unter anderem aus: Die Spannung zwischen der benötigten und der vorhandenen Zahl jüdischer Arbeiter wird immer größer. Araber kommen und besetzen jüdische Arbeitsplätze. Nicht nur Araber aus Palästina, sondern auch aus den Nachbarländern. Ich möchte bei dieser Gelegenheit klarstellen, daß wir den Aufschwung der arabischen Bevölkerung keineswegs mit feindseligen Gefühlen beobachten. Unsere ganz Entwicklung in Palästina ist eine lange Reihe von Zahlungen an die Araber. Die Juden haben ein Interesse an der Hebung des Lebensstandards der Araber, erstens, weil damit die Araber zufriedengestellt werden würden und keinen Grund zu Klagen und Erbitterung hätten; zweitens, weil wir eine jüdische Industrie aufbauen, die sich um so besser entwickeln wird, je größer die kaufkräftige Bevölkerung im Lande ist; drittens, weil es um so leichter sein wird, den Grundsatz jüdischer Arbeit in jüdischen Unternehmungen durchzufiihren, je weniger Arbeitslosigkeit es unter den Arabern geben wird. Die Exekutive wird aber die Auffassung der Regierung, daß ihre Aufgabe ausschließlich darin besteht, den Arabern zu helfen, bekämpfen. Diese Politik der Regierung ist ungerecht, nicht nur, weil sie auf Grund des Mandats b estimmte Verpflichtungen gegenüber den Juden hat. sondern auch weil die Regierung Verpflichtungen gegenüber dem gesamten Lande und seiner Zukunft hat. Die Notwendigkeit einer energischen politischen Aktion gegen die jetzigo Einwanderungspolitik der Regierung, erklärte Shertok zum Schluß, steht außer Frage. Die revisionistische Richtung, die glaubt, daß Demonstrationen und Drohungen gegen England irgendeinen politischen Erfolg bringen können, lehnen wir ab. Unser politischer Kampf kann nicht so geführt werden, wie dies vielleicht in früheren Jahren der Fall gewesen wäre. Wir haben jetzt eine Viertelmillion Juden in Palästina, wir kämpfen nicht nur um die Anerkennung des grundsätzlichen Rechtes der Juden in der Diaspora, nach Palästina einzuwandern, sondern auch im vitalen Interesse der jüdischen Wirtschaft Palästinas, die nach Einwanderung verlangt Dieses vitale Interesse muß jetzt in einem gewaltigen politischen Kampf Ausdruck finden. Wir müssen den Widerstand des Jischuw organisieren und dürfen uns nicht einem System beugen, das uns die Möglichkeit nimmt, unsere Arbeit mit unseren Arbeitskräften zu tun, und uns zwingt, arabische Arbeit zu verwenden. Leider ist nicht alles, was in dieser Hinsicht möglich wäre, geschehen. Unsere Front wurde durchbrochen. Es gibt unter den jüdischen Pflanzern Elemente, die sich vom Zionismus bereits emanzipiert haben. Wir haben nicht die politische Macht, dies zu verhüten, aber wir haben die Möglichkeit, nationale Disziplin zu üben und den Widerstand zu organisieren, einen Wall jüdischer Arbeit zu unserem Schutze aufzubauen. Unser politischer Kampf um verstärkte Einwanderung wird nur dann erfolgreich sein, wenn wir den festen Boden des organisierten Jischuw unter unseren Füßen haben. Kritik am Memorandum der Jewish Agency an die Mandatskommission In der „Chwila“ schreibt Dr. I. Schwarzbart: Es ist ein unbegreiflicher Fehler, daß im Begleitbrief des Präsidenten Sokolow zum Memorandum, v:elches der Mandatskommission überreicht wurde, die „Jewish Agency“ anerkennt, daß die Regierung „bei ihrer vorsichtigen Taktik auf dem Gebiete der Immigration geleitet icar von dem Wunsche, das beste für die Zukunft Palästinas und des Jüdischen Nationalen Heimes zu tun“. Zwar macht Sokolow im weiteren Teil des Briefes Vorbehalte, indem er vor der „Überschreitung eines gewissen Punktes der Vorsicht“ warnt, aber trotzdem ist dieses Honorieren der Intentionen der Regierung ein unverzeihlicher politischer Fehler. Wir haben Verständnis für die Politik, welche die Regierung zu einer Änderung ihrer Stellungnahme anstrebt, denn, da es unmöglich ist, eine andere Mandatarmacht zu finden, wäre jede andere Politik unverantwortlich und schädlich. Jedoch ist der Weg, den die Exekutive gewählt hat, falsch, und der Mangel an Mut kann oft ein schlechter Ratgeber sein. Tatsache ist, daß die Regierung nicht geleitet war von dem Wunsche, das beste für das Jüdische Nationale Heim zu tun. Wie kann die Mandatskommission die weiter im Briefe ausgesprochene Hoffnung auf wachsende Erleichterungen der Immigration berücksichtigen, wenn Sokolow selbst der Regierung ein solches Zeugnis ausstellt? Wie können die vielen Proteste, die mit Wissen der Exekutive nach Genf gerichtet sind, Resonanz finden, wenn der Brief der Exekutive anerkennt, daß die Regierung von den besten Intentionen geleitet war? Dies ist unverzeihlich. (Das Memorandum war vor Verlautbarung der neuen Arbeiterschedule verlautmrt worden. Die Red.) Die Zertifikate für Britk Trumpetdor London, 15. Juni. Das vom Zionistenkongreß gewählte Gericht sprach soeben das Urteil in der Frage der Zertifikate für die revisionistische J ugen-dorganisation Brith Trumpeld o r. Das Urteil lautet: Erstens: die Zionistische Exekutive war im Rechte, als sie dem Brith Trumpeldor das Recht auf kollektive Alijah genommen hat, da das Geheimzirkular Nr. 60 des Schilton-Bethar (Kommandantur des Brith Trumpeldor), in dem alle Betharim aufgefordert werden, die Zertifikate der Jewish Agency zurückzuweisen und nur diejenigen Zertifikate anzunehmen, die der Schilton ihnen auf besonderem Wege verschafft, einen Bruch der zionistischen Disziplin bedeutet. Zweitens: die Revisionisten haben kein Recht, zu versuchen, Zertifikate auf anderem Wege als durch die zionistische Exekutive zu erhalten. Drittens: das Verbot der kollektiven Alijah gegenBrithTrumpoldor wird aufgehoben und sein Recht auf Zertifikate wird wiederhergestellt, aber Brith Trumpel-dor darf nicht weiterhin versuchen, sich Zertifikate auf anderem Wege als durch das Palästina-Amt zu versäaffen; das Verbot des Schilton an die Betharim, sich der Zertifikate der Zionistischen Exekutive zu bedienen, muß aufgehoben werden. 3367 Juden kamen im März nack Palästina Jerusalem, 15. Juni. Nach Mitteilung der „Official Gazette“ kamen im März 1934 unter insgesamt 3480 Einwanderern 3367 Juden nach Palästina. Unter den Juden waren 213, die als Touristen ins Land kamen und nach- Sonderfahrten nach Polen Aufenthaltsdauer 4 bis 8 Wo&eo POLN. VERK. “FRANCOPOL“ Wien, III., Rennweg 1 Telephon U 16-4-90 träglich die Bewilligung zu dauerndem Aufenthalt erhielten. 408 Juden gehören der Kapitalistenklasse an, jeder von ihnen brachte mindestens 1000 Pfund mit sich. Der Zustrom neuen Kapitals beträgt demnach im März 1934 mindestens 408.000 Pfund. Der Britk-Habtrfontm-Prozeß Jerusalem, 15. Juni. In dem Prozeß gegen A c h i - M e i r und Genossen vor dem Jaffaer Distriktsgericht sagte der Polizeioffizier, der die Haussuchung im Lokal der Revisionisten vomabm, ans, die bei der Haussuchung beschlagnahmten Briefe weisen auf die Existenz einer besonderen revisionistischen Organisation zur Erregung von Protesten gegen die Palästinaregierung hin. In einem der Briefe wird gesagt, die Juden brauchen einen Mussolini, Achi-Meir sehe sich nach einem solchen um. JULI JULI Die Hitler-Propaganda in Palästina Jerusalem, 15. Juni. Die arabischen nationalistischen Zeitungen füllen gegenwärtig ihre Spalten mit Text und Bildmaterial, vor allem der Bilder von Hitler und Goebbels, das ihnen, wie die Zeitungen selbst zugeben — direkt aus Berlin zugegang e n ist. Die arabische Jugend wird aufgefordert, sich im Kampf gegen die Juden an Hitler ein Beispiel zu nehmen. Die Jaffaer Zeitung „Al Dipo“ druckt Hitlers „Mein Kampf“ ab. Hakenkreuz in der pßlästlnensU seken Polizei Jerusalem, 15. Juni. Der Generalinspektor der palästinensisehen Polizei befaßt sich in einem Communique mit den Meldungen der hebräischeü Zeitungen „Iton Mejuchad“ und „Haarez“, wonach eine Abteilung der Palästinapolizei zum Dienst auf dem Messegelände zu Tel-- Aviv in mit Hakenkreuzen geschmückten Helmen erschienen ist, In dem Communiquö des Generalinspektors wird festgestellt, daß nur ein einziger Polizist ein Hakenkreuz am Helm trug, das aber am Helm bereits angebracht war, als der Polizist diesen ausgefolgt erhielt. Als ein zweiter Polizist die Aufmerksamkeit auf das Abzeichen lenkte, wurde der Helm sofort entfernt und nicht wieder benutzt. Der Generalinspektor bedauert trotzdem diesen Vorfall, den er als „im höchsten Grade geschmackl o s“ erachtet; er findet es beklagenswert, daß sich innerhalb der Palästinapolizei derartiges ereignen konnte. Palästlnenslsck-österrelcklscke Handelskammer Die konstituierende Generalversammlung der österreichisch-palästinensischen Handelskammer hat soeben stattgefunden. Es wurden ein Begrüßungstelegramm des österreichischen Generalkonsuls in Jerusalem Doktor Ivo J 0 r d a und ein Schreiben des Bürgermeisters Dizengoff verlesen. In den Ausschuß wurden gewählt: Für die Samstag, 23« Juni I. J., 8 Uhr abends veranstaltet das Zion. Landeskomitee für Österreich im Hotel Continental, ll.,Taborstr. 4, eine mit folgendem Programm: 1. Dr« Oskar QrUnbaum, Präsident des Zion. Landeskomitees für Österreich: Einleitende Worte „Nach 30 Jahren“ 2. Dr«JakPbIhrllchtRat der Stadt Wien : „Theodor HerzlsPersönlichkeitund seinWerk“ 2. Margarita Bach i Rezitationen 4. Dr.Tulo Nussanblatt i Herzls Wort und Tat: Unbekannte Dokumentein Lichtbildern 5. Prof. Julius Wolfssohn i Paraphrasen über Jüdische Musik Große Herzlfeier Kärntneretraße 28, Toi. R 27-4-86 / Bücherstube Rath, II., Taborstraße 20a/8ektion 2, II., Prateretraße 13 und In eämtllchen zion. Bezirkssektionen Kartan xu haben i Zion. Landeskomitee,