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Die Stimme · 1934-06-19 · Heft 362 (19.6.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 362 (19.6.1934)
Date
1934-06-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nt. 361 — 15. Juni 1934 DIE STIMME Seit« 9 Rumänischer Ministerpräsident Uber die Juden Czernowltz, 14. Juni. Ministerpräsident Tatarescn traf mit allen Mitgliedern des Kabinetts in Czern o tv i t?, ein, um hier eine Ministerratssitzung abzuhaltcn. Die Mitglieder der Regierung wurden am Bahnhof von den Behörden und den führenden Persönlichkeiten aller die Bukowina bewohnenden Nationalitäten und Konfessionen begrüßt. Am Bahnhof fanden sich Oberrabbiner Dr. Mark, Rabbiner K a t z, der Gerent der Jüdischen Kultusgemeinde Dr. M e n c z e r mit den Vize-Gerentcn Dr. Greif und Doktor D (> u t s c h, ferner viele jüdische Führer als Mitglieder öffentlicher Körperschaften ein. In seiner Antwortrede auf die Begrüßungen erklärte Ministerpräsident Tatarescu, er sei gekommen, um die Schwierigkeiten und Bedürfnisse der Bukowina kennenzulernen und die notwendigen Maßnahmen zu treffen. Nach der Ministerratssitzung faßte der Ministerpräsident das Ergebnis in einem Communicjue zusammen, das aus 14 Punkten bestellt und in der Hauptsache Maßnahmen zugunsten der Bauernbevölkerung ankündigt. In einer darauffolgenden Pressekonferenz stellte der Vertreter des „Czernowitzer Morgenblatt“ an den Ministerpräsidenten Tatarescu die Frage, ob es nach seiner Auffassung in Rumänien eine Judenfrage gebe. v Ministerpräsident Tatarescu erwiderte: „Ich kenne nur rumänische Bürger. Da die Juden rumänische Bürger sind, ist es selbstverständlich, daß sie der gleichen Rechte und Pflichten teilhaftig werden wie alle anderen Bürger. Ich muß bei dieser Gelegenheit konstatieren, daß in der letzten Zeit einzelne Gruppen von Bürgern allzuviel von ihren Rechten und weniger von ihren Pflichten sprechen. Es ist gut und notwendig, daß im Ausmaß der Rechte und Pflichten ein gewisses Gleichgewicht gewahrt bleibt.“ Auf die Bemerkung, daß in der Bukowina wie in den anderen neuen Provinzen Tausende von Bürgern leben, welche, obwohl sie auf diesem Boden geboren sind und schon ihre Eltern hier ihren Wohnsitz hatten, noch immer nicht das Staatsbürgerrecht besitzen (es handelt sich in der Hauptsache um Juden, die Red.), antwortete der Ministerpräsident: „Wir befinden uns augenblicklich in der ersten Phase unserer Tätigkeit. Wir werden uns selbstverständlich mit dieser Frage ein- Eine jüdische Delegation vor dem Ministerrat Die Juden der Bukowina brachten durch den v Präsidenten der Bukowinaer Landesorganisation der Jüdischen Reichspartei Dr. Mayer Ebner, durch den Präsidenten des Distrikts Bukowina der Union rumänischer Juden Dr. Kassner sowie durch den Gerenten der Jüdischen Gemeinde Dr. Menczer ihre Wünsche der Regierung zur Kenntnis. Dr. Ebner übergab dem Ministerrat ein Memorandum, in dem die Aufhebung der Verfügung, betreffend die Versetzung jüdischer Beamter des Post- und Bahndienstes und die definitive Lösung der Staatsbürgcrschaftsfrago verlangt werden. Dr. Kassner präzisierte den Standpunkt der Juden zum Gesetzesprojekt, betreffend den Schutz der nationalen Arbeit und verwies darauf, daß die Juden ein autochthones Element sind. Das Memorandum Dr. Kassners enthielt forner die Forderung nach Wiederherstellung der Autonomie jener jüdischen Gemeinden, die jetzt durch Gerenten verwaltet werden. Dle^^dsamimliu^enderUiilM Die Union tut entrüstet — das Geld möchte sie aber behalten Unter dem Titel „Sachliche Feststellungen“ veröffentlicht die „Union österreichischer Juden“ in der letzten Nummer ihrer Zeitschrift eine Entgegnung auf unsere Mitteilungen über die von ihr veranstaltete Sammelaktion. Die von der Union publizierten „sachlichen Feststellungen“ bestätigen die Richtigkeit unserer Darstellung in den wichtigsten Punkten. Die Union kann nicht in Abrede stellen, daß sie Herrn P. für die Sammelaktion zum „administrativen Direktor“ bestellte und ihm einen Provisionsanteil von 40 Prozent der im Inland gesammelten Gelder und von 5 0 Prozent der im Ausland zustandegebrachten Summen zugesichert und bezahlt hat. Wir wollen unser eigenes Urteil, wir wir über derartige Provisionsvereinbarungen denken, zurückstellen und statt dessen den Richter sprechen lassen, der in der Vorwoche als Vorsitzender in einem Strafprozeß, in dem eine ähnliche Vereinbarung mit Sammelagenten erörtert wurde, treffend bemerkte: i -^htgrt-ifcOincfcerifavir tz. m v CZIRNOWITZ am 1. und 8.iuli für 4 und 8 Wochen PaGbsgLnitlgang «udi für po!n Staatsangehörige Ale Auskünfte; R.isedienst „Czerncw. Allgcm. ZtT.", Wien, I., Schulerstra3e 1 („Der Tag'-), T~». R 91-6 '’fl - Rc'-'-'-n-r. JRUT", l.f Karleplatz 1, Tel. U 44-5.79 „Die Vorgangsweise widerspricht jeden falls dem gesunden Empfinden der Bevöl kerung. Es ist von Wesenheit, daß ein unverhältnismäßig hoher Betrag dem Sammler zufloß und daß kaum jemand in Kenntnis dieses Umstandes Geld gespendet hätte. Die kaufmännische Gebarung ist im Widerspruch mit der Moral. Die Kommerzialisierung des Wohltätigkeitsgeschäftes muß aufhören.“ Der von der Union zugegebene Tatbestand begründet demnach folgende gegen sie zu erhebende Beschuldigungen: 1. Sie hat Herrn P., — der, was ein besonders pikantes Moment darstellt, kein Jude ist —, wahrheitswidrig mit dem Titel eines administrativen Direktors ausgestattet, wriewohl er bei ihr niemals angestellt war. Schon dieser Vorgang war vollständig unzulässig. Durch diesen hoch trabenden Titel sollten die von P. aufgesuchten Personen irregeführt werden. Es sollte bei ihnen der Glaube hervorgerufen werden, daß sie es mit einem repräsentativen Beamten der Union zu tun haben, dessen Angaben unbedingter Glaube geschenkt wrerden kann. Die Spender hätten dem P. die Türe gewiesen, wenn sie gewußt hätten, daß er ein Provisionsagent ist, dem mit Rücksicht auf sein eigenes Geschäftsinteresse das Recht zu Übertreibungen nicht abgesprochen werden kann. 2. Durch den Provisionsanteil von 40 Prozent Inlandsammlungen und 50 Prozent der Auslandsammlungen hat die Union den Agenten P. zu ihrem Kompagnon gemacht. Die Spender wurden durch diese von der Union getroffene Vereinbarung aufs gröblichste getäuscht. Sie konnten nicht ahnen, daß von den gespendeten Beträgen — und einzelne Londoner Juden spendeten Beträge bis 15.000 Schilling — 50 Prozent in die Taschen des Sammlers fließen. Bei den Londoner Juden wurden 40.000 Schilling gesammelt. Bezüglich eines Betrages von 20.000 Schilling wurden die Spender schon dadurch h i n t e r g a n g e n, daß sie glaubten, der v o 11 e Betrag werde den von ihnen bestimmten Zwecken zufließen. Die Londoner Juden hatten keine Veranlassung, den Agenten der Union in drei Wochen 20.000 Schilling verdienen zu lassen. 3. Aber auch bezüglich der der Union selbst zugeflossenen anderen Hälfte von 20.000 Schilling sind die Spender gröblich irregeführt worden, weil dieses Sammelergebnis nur, wie die Union selbst zugibt, durch „u nerhörte Übertreibungen und Unwahrheiten“ herbeigeführt wurde. Wir erinnern daran, daß wir in unserer letzten Veröffentlichung schon mitgeteilt haben, daß den Spendern im Ausland vorgefabelt wurde, dio Union erhalte in Wien Waisenhäuser, sorge großzügig für die deutschen Flüchtlinge und daß die Sammlung für Gemeindezwecko bestimmt sei. Nun glaubt die Union sich damit entschuldigen zu können, daß sie behauptet, Herrn P., nachdem sie von seinem angeblich instruktionswidrigen Verhalten erfahren hatte, sofort abberufen zu haben. Die Darstellung der Union in diesem Punkte ist aber lückenhaft und entspricht in wesentlichen Punkten nicht der Wahrheit. In den sogenannten „sachlichen Feststellungen“ der Union wird nämlich behauptet, daß Herr P. sofort, nachdem sie durch den Kultusgemeindepräsidenten Dr. Friedmann von Mißbräuchen in der Schweiz erfahren hatte, mit Brief vom 7. Februar verwarnt wurde und daß sich die Union „kurz darauf“ entschlossen habe, ihn abzuberufen, was auch mit einem Schreiben des Dr. Feldsberg und durch telephonische Weisung des Dr. Lenk vom 17. Februar geschehen sei. Was der Inhalt dieser telephonischen Weisung war, ist uns nicht bekannt. Aber in dem Brief des Dr. Feldsberg vom 20. Februar 1934 ist nur von einer einstweiligen Einstellung der Aktion die Rede, neben dem Hinweis, daß dringendst Geld benötigt werde, und nocham2. März 1934 hat der früher erwähnte Dr. Lenk, der angeblich am 17. Februar den P. angewiesen hat, unverzüglich London zu verlassen, an P. folgendes telegraphiert: „Friedmann und Löwenherz fahren derzeit nicht nach England!“ P. hatte nämlich, zufolge einer Mitteilung der jüdischen Telegraphenagentur, daß Dr. Friedmann und Dr. Löwenherz nach dem Ausland reisen werden, aus Besorgnis, er könnte von ihnen desavouiert werden, bei der Union diesbezüglich angefragt, worauf er von Dr. Lenk die oben zitierte telegraphische Beruhigung erhielt. Wozu also dieses Telegramm an Herrn P., dessen Tätigkeit angeblich schon zwei Wochen vorher von der Union eingestellt worden war? Die ernste Zurückberufung des Herrn P. erfolgte, wie aus der Veröffentlichung der Union hervorgeht, erst am 8. M är z 19 3 4, also reichlich spät. An diesem Tage konnte allerdings der Abbruch der Sammlungen nicht mehr hintangehalten werden, weil die neuerlich den Zionisten aus dem Ausland zugekommenen und an die Union weitergegebenen Berichte eine Fortsetzung der Sammlung unmöglich erscheinen ließen. Es ist also unbestritten, daß der „Direktor“ der Union die ausländischen Juden dadurch zu großen Spenden veranlassen konnte, daß er ihnen erzählte, die Union erhalte Waisenhäuser, habe unter großen Geldopfern die deutsche Flüchtlingsfürsorge organisiert, die gesammelten Gelder kämen der jüdischen Gemeinde „Community“) zustatten usw. Strittig ist bloß zwischen der Union und ihrem D i r e k t o r“, ob er auf Grund seiner Instruktionen berechtigt war, diese Dinge vorzubringen oder nicht. Das kann natürlich nur durch eine genaue und objektive Untersuchung festgestellt werden. Diese Frage interessiert uns aber gegenwärtig bloß in zweiter Linie. Das Interesse der Öffentlichkeit wendet sich vielmehr einer anderen Frage zu. Die Union meint nämlich, die keine Miene macht, den ausländ iherausgelockt aber auch praktisch äußern, nämlich darin, daß man solche Gelder nicht behält. Solange die Union die Gelder, die sehen Juden worden sind, jenem Zecke zuzuführen, für den sie von den Spendern tatsächlich bestimmt waren, wird sie sich nachsagen lassen müssen, daß diese Gebarung sich mit den Grundsätzen, deren Beobachtung von einem angeblich „angesehenen Verein“ erwartet werden kann, keineswegs vereinbaren läßt. Die Öffentlichkeit hat auch ein Recht zu erfahren, was mit den im Ausland gesammelten Geldern eigentlich geschehen ist. Wenn es wahr ist, ' daß P. instruktionswidrig vorgegangen ist, warum hat die Union mit Herrn P. fein säuberlich abgerechnet und ihm für seine „vertragswidrige“ Tätigkeit 20.000 Schilling überlassen? Hatte P. auch im Falle des angeblich vertragswidrigen Vorgehens Anspruch auf die ihm zugesicherte Provision? Hat da nicht die Union auf Kosten der Spender eine unerlaubte Großzügigkeit an den Tag gelegt? Ein großer Teil der Wiener jüdischen Bevölkerung lebt in fürchterlicher Armut. Viele Wiener jüdische Anstalten und Wohlfahrtsinstitutionen sind notleidend geworden und den täglich größer werdenden Anforderungen nicht mehr gewachsen. Eine alte berühmte Lehrstätte, die israelitische theologische Lehranstalt steht vor der Sperre. Und in solchen Zeiten wagt es die Union, sich zur Förderung ihrer eigenen Vereinszwecke unter den geschilderten Begleitumständen an Juden des Auslandes zu wenden und die Wiener Judenschaft auf die beschriebene Art der Gefahr einer Diskreditierung auszusetzen? Wir müssen verhindern, daß den Wiener Juden im Ausland in Zukunft mit Mißtrauen begegnet wird, wenn wirklich einmal die dringende Notwendigkeit bestehen sollte, für unterstützungswürdige Zwecke an unsere Brüder in der Welt zu appellieren. Deshalb muß vor aller Öffentlichkeit festgestellt werden, daß nicht die Wiener Judenschaft, sondern lediglich die Union in unverantwortlicher Weise vorgegangen ist. Schlecht gespielte Entrüstungskomödien der Union werden uns nicht davon abhalten, unsere Pflicht zu erfüllen. Es muß reiner Tisch gemacht werden und das ganze gesammelte Geld muß jenen Zwecken zufließen, für die es bestimmt war. Board of Deputies der engüsetten Juden London, 12. Juni. Die Vertreterschaft der englisch-jüdischen Gemeinden, Board of Deputies, befaßte sich mit dem Bericht des Joint Foreign Comittee (Komitee zur 'Wahrnehmung der Interessen der auswärtigen Juden) über die Lage der Juden in Deutschland. Herr Easterman kritisierte das Vorgehen der Leitung des Board, die beim deutschen Botschafter in London gegen die Ri- Sache in der Art erledigen zu können, daß tualmordpropaganda in Deutschland Besie gegen ihren ehemaligen „Direktor“ schwerwiegende Anwürfe erhebt, ihm Mißbräuche vorwirft, dabei aber das von ihm gesammelte Geld ruhig einsteckt. sich eine A b- Präsident Neville L a s k i erwiderte: Nach langer ernster Erwägung und auf den Rat erfahrener Männer schwerde erhoben und Weisung geholt hat. Wir aber sind der Ansicht, daß eine Ver-,hjn haben Herr Montefiore und ich an deu einigung, wenn sie Wert darauf legt, in deutschen Botschafter geschrieben und unjüdischen Fragen in der Öffentlichkeit noch seren Protest vorgebracht. Der EhrenpräsimitBprechen zu können, verpflichtet dent des American Jewish Congress, Dokgewesen wäre, die gesammelten tor Stephen W i s e, hat in einem Schreiben Gelder den Sp e n d e r n zur V e rj an uns Bejner Genugtuung Über den Verfügung zu stellen oder zumindest <lie, sut*h, eine Zusammenkunft mit dem deut- Beträge jenen Zwecken zuzmvenden, für die schen Botschafter herbeizuführen, Aussie von den Spendern gewidmet wurden, nicht, druck gegeben. u. „u . jgej ßrßrterung der Frage der Verfolgung der jüdischen Kinder in Deutschland erklärte Leonhard G. Montefiore, es wüirde aber untätig zuzuwarten, bis wir nach vielfachen Anfragen aus dem Ausland uns gezwungen sahen, die Sache vor die Öffentlichkeit zu bringen. In einem der von ihr publizierten Briefe lesen wir, daß es für dio Union „als angesehenen Veroin auch nicht eine Stunde erträglich sei, daß zur Erzielung von Erfolgon ln der Sammeltätigkeit zu uner-lt, .... „ rr , , hörten Übertreibungen und Unwahrheiten ge-1 Bericht des Palästina-Komitees und sclulgriffen wird.“ gierte die ernsten Gefahren, die sich aus Sehr schön. Diese Entrüstung muß sichjder Einwanderuugspolitik der mindestens eine Million Pfund erfordern, wohte man für dio 60.000 jüdischen Kinder in Deutschland jüdische Schulen schaffen. uc. Israel Feldman erstattete den

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