Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 362 (19.6.1934)
- Date
- 1934-06-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054116--4293-3059903- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 2 OIE STIMME Nr. 362 - 19. Juni 1034 Viel Lärm um Nichts IsiSIlIilliilS!".!. Die dem Klub der unlonistisehen Kultusi m Sinn e d e r e r 1 a ssenen V c r o r dvorsteher ungehörigen Vorstandsmitglieder haben dem Präsidium der Gemeind'’ die Mitü u n g n i e h t st a 11 z u f i n d e n. Durch diese Veränderungen hat sich das teilung zukommen lassen, da 1.1 sie ihre stellen zahlen milbige Kräfteverhältnis der im Kulim Vertreterkollegium und in den Kommis-! tusvorstand zurückgeblieben beiden Gruppen sionen zurücklegen. I)io von Herrn Dr. Tieho | wesentlich verschoben. Der zionistischen bekleidete Stelle eines Vizepräsidenten wurde 1 Majorität von von ihm beibehaltcn. 17 Vorstandsmitgliedern stehen nunmehr 11 Unionisten gegenüber. Aber auch sonst hat sich im Verhältnis der Gruppen manches geändert, Die Union ist, nachdem es dem Präsidenten gelungen war, der Union, die nach maßgebender behördlicher Ansicht als Koalitionsgenossin der werktätigen sozialistischen Juden auch deren Schicksal des Mandntsverlustes zu teilen geh a b t h it 11 e, ihre Ämter zu retten, auf einmal wieder üppig geworden. Sie stellten das seltsame Verlangen, sozusagen als Rechtsnachfolger ihrer in der verteilt: 17 Zionisten. 4 Poale-Zion \md; Öffentlichkeit verleugneten ehemaligen 15 Angehörige der jüdischdemokratischen Bundesgenossen deren Vertre- Arbeitsgemeinschaft Union österreichischer j termandate durch einen ihrer Parteiange- Juden-Vereinigung werktätiger Juden. hörigen zu besetzen. Die Zionisten waren Nach dem Proporz, der, wie hervor* i demgegenüber der Ansicht, daß es im hoch gehoben werden soll, für die Besetzung der \stcn Grade inkonsequent sei, auf der einen Stellen im Vertreterkollegium und in den; Seite der Union ihre Mandate durch die Aus- Koramissionen statutarisch allerings nicht einanderlegung der unionistisch-sozialisti- Sowohl in dem Resignationsschreiben, als auch in einem in der ,AV a h r h e i t” unter dem Titel ,.D i e Herrschaft der J ti d i s c h n a t ion a 1 e n in der K u 1tusgemeindc“ erschienenen Artikel begründet die Union die Zurückziehung ihrer Mitglieder aus dem Vertreterkollegium und den Kommissionen damit, daß ihr bei der Neuaufteilung der Vertretermandate ein schweres Unrecht zugefügt werden sollte lind daß seitens der Zionisten ein Bruch bestehender Abmachungen beabsichtigt, gewesen sei. Wie verhält sich die Sache in .Wahrheit? Bei der Standes im Konstituierung Jänner 1933 des Kultusvorwaren die 36 Vorstehermandate auf folgende drei Gruppen Zion und Werktätigen antreten wollen, während es sieh um nichts anderes handelt, als um die infolge des Erlöschens der Mandate dieser beiden Gruppen notwendig g eder vorgesehen ist, der aber seit jeher tatsächlich gehandhabt wird, hatten von den acht aus dem Plenum des Kultusvorstandes zu wählenden Vertretern vier auf die Zionisten, einer auf die Poale-Zion und drei auf die bürgerlich-sozialistische Mischmaschpartei zu entfallen. Da die Herren der Union nach ihren internen Vereinbarungen mit ihren sozialistischen Klubangehörigen verpflichtet waren, diesen eine Stelle im Vertrcterkollegium einzuräumen, so wären sie bei Anwendung der Proporzgrundsätze auf zwei Stellen im Vertreterkollegium beschränkt gewesen. Weil ihnen nun daran gelegen war, daß die Schmälerung ihres Besitzstandes als Folge ihrer Wahlniederlage bei der Besetzung der Vertreterstellen nicht allzudeutlich in Erscheinung trete, versuchten die Unionisten einen nicht bestehenden Zusammenhang zwischen der Besetzung der sehen Wahlliste zu erhalten und auf der anderen Seite der Union das Vertretermandat ihrer ehemaligen Wahl und Koalitionsgenossen zu überlassen. Darüber ist die Union bitterböse geworden, zog Herrn Dr. Ornstein aus dem Präsidium ab und ersetzte ihn durch den Vertreter der „schärferen Richtung“, Herrn Dr. Ticlio, ließ in ihrem Wochenblättchen die schäbigsten Artikel gegen die Zionisten erscheinen, nahm gegenüber den Trennung.sbestrebun.gcu der Orthodoxie eine höchst zweideutige Haltung ein und versäumte keine Gelegenheit, der zionistischen Gemeindemehrheit, wo sie nur konnte, in der Gemeindeverwaltung und in der Öffentlichkeit, Schwierigkeiten zu machen. Sie glaubte es ihrem Ansehen schuldig zu sein, den Beweis zu erbringen, daß ihre alte Lebenskraft trotz ihres rapiden Mit- Stelle des Obmannes der Unterrichtskom- ‘gliedersch wundes noch nicht ermission und den Vertretermandaten zu loschen sei und erachtete die Zeit für geschaffen, obgleich diese beiden Angelegen-kommen, nach ihrer altbewährten Methode, heiten miteinander nicht das Geringste zu! die Entrüsteten und Beleidigten zu spielen, tun haben. Denn die Union als Minoritätsj unter entsprechender Aufmachung durch die partei hatte höchstens das Recht, auf diejdemonstrative Mandatsnieder- Obmannstellvertreterstellen in den Kom-i 1 e o 11 n g das Interesse der jüdischen Offentmissionen oder bestenfalls auf eine proportionelle Verteilung der Obmannstellen, niemals aber einen Anspruch auf eine Obmannstelle in einer bestimmten Kommission. Obgleich die Zionisten sich darüber im klaren waren, daß die vor der Konstituierung von den Unionisten heraufbeschworene Kontroverse nur den Zweck verfolgte, sich gegenüber der Proporzberechnung einen ihnen nicht gebührenden Vorteil zu verschaffen, erklärten sie sich dennoch damit einverstanden, ein ihnen zustehendes Mandat im Vertreterkollegium der ParteiUnion —Werktätiger Juden zu überlassen. Daß dieser Verzicht für die ganze Funktionsperiode Geltung haben solle, insbesondere auch unter nicht gleichbleibenden Verhältnissen, wurde p' ’!s ausgesprochen und dasjenige, was die Herren von der Union hiefür an angeblichen Beweisen aufbringen, nämlich ihre einseitigen Behauptungen, könnte ernstlich die Probe auf die Richtigkeit nicht bestehen. Wie bekannt ist, hat die K 1 u b g e m einac h a f t der Union mit den Sozialisten noch vor dem Erlöschen der Mandate der werktätigen Juden zu bestehen aufgehürt. Die werktätigen Juden bildeten einen eigenen Klub und machten sich selbständig. Kurze Zeit nachher schieden sie zufolge der bekannten Verordnung, ebenso wie die Poale- Zion, aus dem Vorstand aus. Eine Ergänzung des Vorstandes hatte lichkeit, die sich die längste Zeit um sie nicht mehr kümmert, auf sich zu ziehen. Sie schreien über Vergewaltigung, obgleich die Zionisten sich bereit erklärt haben, der geänderten zahlenmäßigen Zusammensetzung des Kultusvorstandes Rechnung tragend, die aus der Mitte des Vorstandes zu wählenden Vertretermandate von acht auf sieben herabzusetzen und von diesen proporzmäßig drei den Unionisten zu tiberlassen. Sie verschweigen bei dem Lamento, das sie anstimmen, daß der Pakt, auf den sie sich berufen, nicht mit ihnen, sondern mit dem ehemaligen unionistisch-sozialistischeu Klub abgeschlossen w u r d e, daß von einer paritätischen Aufteilung der Vertretermandate zwischen ihnen und den Zionisten niemals die Rede war, daß ihnen lediglich zu den ihnen gebührenden zwei Mandaten ein drittes zugestanden wurde, daß ihnen weiterhin ihr Besitzstand von drei Mandaten gesichert bleiben soll und daß die jetzige Zusammensetzung: „Sechs Zionisten, zwei Unionisten“ ausschließlich darauf zurückzuführen ist, daß sie bei der letzten Plenarsitzung die Nominierung eines Kandidaten für ihr Vertretermandat, das durch die Berufung des Dr. Ticho in das Präsidium freigeworden war, verweigerten. Sie sprechen irreführend davon, daß die Zionisten die Erbschaft der Mandate der Poale w o r d c n e neue Aufteilung V c r t r e t. o r ni a n d a t c n a c h den Grundsätzen d e s P r o p o r z e s. Sie versuchen zu verschleiern, daß sich bei dem von ihnen behaupteten Abkommen andere Partner, nämlich die U n i o n isten-Soziallsten und die Zionisten gegenüberstanden und daß die von ihnen beanspruchte Parität auf nichts anderes hinausläuft, als daß sic, obgleich ihre s o z i a 1 i s t i s c li e n Bundesgenossen aus ihrem Klub geschieden sind und sich infolgedessen die Zahl ihrer Mitglieder vermindert hat, für sich eine vermehrte Anzahl von Mandaten in Anspruch nehmen. Damit wäre der sachliche Teil der Beschwerden der Union erledigt und die jüdische Öffentlichkeit wird sich nach unserer Darstellung das richtige Urteil darüber bilden können, ob die Union begründeten Anlaß hatte, demonstrativ ihre Mandate zurückzulegen und sich in den Schmollwinkel zurückzuziehen und ob dieses Kapitel statt „Die Herrschaft der Jüdischnationalen in der Kultusgeminde“ nicht eher den Titel verdienen würde „Viel Lärm um n i ch tß“. Da die Union sich aber nicht immer auf „sachliche Feststellungen“ beschränkt, sondern nur dann, wenn eie besondere Vorsicht für geboten erachtet, wie beispielsweise bei ihren ausländischen Geld Sammlungen, so enthält der Artikel der „Wahrheit“ auch noch eine Reihe von Bemerkungen, die mit dem von der Union heraufbeschworenen Streit um das eine Vertretermandat nicht unmittelbar Zusammenhängen. Da wird von einer veralteten Wahlordnung, die den Ausländern das Wahlrecht in diese altehrwürdige österreichische Gemeinde ermöglicht und die den Zionisten die Majorität gebracht hat, gesprochen und von der Bevorzugung der jlidischnationalen Parteigenossen in Verwaltung, Fürsorgo und Unterricht. Glaubt die Union, daß es gerade jetzt, wo von antisemitischer Seite die Revision und die differentielle Behandlung jüdischer Einbürgerungen immer wieder verlangt wird, an der Zeit ist, daß auch von jüdischer Seite Unterschiede gemacht werden? Nach ihrer Ansicht ist doch die Kultusgemeinde nicht anderes, als eine Religionsgemeinde. Ist es einer anderen Religionsgemeinde in Österreich, der evangelischen oder altkatholischen Kirchengemeinde, jemals eingefallen, ihre in Österreich nicht eingebürgerten Gemeindemitglieder, die die gleichen Pflichten tragen, in irgend einer Weise von den Rechten der Gemeinschaft, insbesondere vom aktiven Wahlrecht auszuschließen? Die Antisemiten beklagen sich darüber, daß in Wien zuviel Juden eingebürgert wurden und die Union isten beschweren eich darüber, daß die jüdischen Ausländer in der jüdischen Gemeinde das Wahlrecht besitzen! Den Herren aus Mähron, Ungarn und der Bukowina ist die Kultusgemeinclo zu wenig bodenständig und zu stark überfremdet. Es fehlt wirklich nur noch, daß die Union verlangt, daß das Wahlrecht der Mitglieder der jüdischen Gemeinde nach der bekannten, von den Antisemiten vorgeschlagenen Dreiteilung geregelt wird. Wenn die Union, dieselbe Union, die, wie jedermann ln Wien weiß, Generationen von Familien durch Anstellungen in der Kultusgerneinde Rasiere dich m und billig versorgt hat, sich über Protektionswirtschaft in der Zionistenära beklagt und P a u s c h a 1 v c r d ä c h t i g u n g e n vorbringt, so möge ihr gesagt sein: Die Verwaltung <1 e r G e m e i n d o wird so g e f ü h r t, (1 a ß s i e n i e in a n d es Ko ntrolle z u s e heuen hat und sie wird n a c h d e n G r u n d s il t z e n der R o d 1 i c h k e i t u n d d e r 0 b j e kt i v i t ä t auch d a n n g e f ii h r t w e rd e n, wenn die Herren von der Union die „Mitverantwortung“ nicht tragen wolle n. Zu dem Grundsatz, daß irgend jemand schlechter beliandelt werden soll, wenn er Zionist oder kein Bodenständiger ist, wird sich allerdings die derzeitige Leitung der Gemeinde niemals bekennen. Und nun zum Schluß noch eine Bemerkung zu dem „Kumpfansageartikcl“ der Union. Die Union kündigt an, daß sie nicht ruhen und rasten wird, bevor nicht den Vertretern der assimilierten religiösen und Vcateriändisch eingestellten Judenschaft der ihr gebührende Einfluß auf die Gemeindeverwaltung eingoräumt wird. Über das Thema der Assimilation wollen wir mit den Herren von der Union nicht streiten. Wir nehmen zur Kenntnis, daß sie, die sich gegen die Bezeichnung als Asftimilanten bisher immer gewehrt haben, das A s s i in i 1 a n t e nt u m nunmehr als ihren beson deren Vorzug horvonheben. Was aber den Hinweis auf ihre religiöse und vaterländische Einstellung anlangt, so ist es klar, daß diese besondere Unterstreichung einen ganz bestimmten Zweck verfolgt, den Zweck der Hervorhebung ihrer Unterscheidung von der übrigen Judenschaft. Solche Verna der ungen gehören seit längerer Zeit zu den Kampfmitteln der Union. Sie zeigen den moralischen Tiefpunkt, auf den diese Gesellschaft in ihrer grenzenlosen Wut gegen die a u fstrebende zionistische, nationale Bewegung gesunken ist, und daß sich bei der Union, die von Tag zu Tag den Boden unter den Füßen verliert,* U n v e rstandundVerantwortungslosigk e i t in gleichem Maße paaren. „Niedriger hängen“ ist das, was wir zu solchen erbärmlichen Kampfmethoden der Union zu sagen haben. Ist Die jüdischen Frontkämpfer Deutschland Der geschäftsfUhren de Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat folgenden Beschluß gefaßt: Die Zugehürig- ' ‘ ' für zum und keit zur Zionistischen Vereinigung Deutschland ist mit der Zugehörigkeit Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten seinon Sportgruppen unvereinbar. Der Beschluß ist auf die Haltung Reichsbundes zurückzuführen, der immer deutlicher antizionistische Politik treibt, die zur Denunziation führt. des Boden des Keren Kajeaneth Säir österreicliistcfoe MitteHstaaidssiedlisng ln Palästina Für Bewerber, die in nächster Zeit ein Wohnhaus in der Mittelstandssiedlnng bei Haifa errichten wollen, erteilt das Zionistische Landeskomitee für Österreich in seinem Büro, I., Kärntnerstraßo 28, Dienstag, den 19. Juni 1. J., um ¥A2 Uhr vormittags nähere Auskünfte. — Spätere Anmeldungen können nicht entgegengenommen werden. eaiJiraaumbu Sie essen von 30Groschen aufwärts vorzüglich Im GRAB Juden Wiens I Ehret das Andenken Theodor Herzls - Kommet zum Grabgang Nttheres In den zionistischen Bezirkssektionen