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Die Stimme · 1934-06-15 · Heft 361 (15.6.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 361 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. — 15. Juni 1034 DIE STIMME Seite 5 DIE ORANGE IN DER RETORTE_ \^ci?irtann und Volcani — Ein Besucfi in Recliokotfi Von Erich Gottgetreu, Jerusalem Der englische Warenhausbesitzer S i e f F, alter Zionist, Kanipfkamerad Wciznianris, verlor durch einen tragischen Unglücksfall seinen Sohn. In seinem Andenken stiftete er dem jüdischen Palästina ein großes chemisches Forschungsinstitut, fix und fertig eingerichtet, dazu das Budget für die ersten Jahre. Man hat das Institut nach Rechoboth gesetzt, weil es mit der dortigen La n d vv i r ts oh a f 11 i c h e n Versuchsstation eng Zusammenarbeiten soll. Auch diese auf Boden des Nationalfonds errichtete, von Direktor Volcani geleitete Versuchsstation ist in gewissem Sinne ein Woizmann-Kind, ähnlich dem Chemischen Forschungshaus, das er inspiriert hat und | das vor wenigen Wochen eröffnet wurde. Die Versuchsstation wurde vor vielen , Jahren schon auf Initiative von Otto War-' b u r g ins Leben, und zwar zunächst nach Ben-Schemen, später ins Stadtbild von Tel- Aviv gerufen, als tätiges Dokument jenes praktisc-heu Zionismus, den die Weizmaun- Richtung gegenüber dem ausschließlich politisch tendierenden vertrat. Der erste Eindruck des Besuchers der Versuchsstation: die Generationsschichtung der Mitarbeiter ist eine ganz andere, als man sie für wissenschaftliche Institute von Europa her gewohnt ist; die A b t e i 1 u n g s-; leite r sind etwa vierzig, die Assistenten ungefähr dreißig Jahre alt Und was tun sie? „Wir bearbeiten hier den ungeheuren Komplex der Erzeugung, der Kontrolle und j der Verbesserung der landwirtschaftlichen | Produkte“, formuliert Abteilungsleiter1 Dr, Magasani seine Antwort. „Der High- Commissioner wendet unserer Arbeit, von der indirekt ja auch die arabische Wirtschaft profitiert, großes Interesse zu; die Regierung schickt uns ihre Beamten zu Instruktionskursen; sie unterstützt uns, neben der Jewish Agency auch finanziell...“ Vor Dr. Magasani liegt eine Karte des Emek Hajarden, dee Jordantales, das in der Doch ungenützten Strecke von Jericho bis Beisan der jüdischen Kolonisation dienstbar zu machen, eine Idee Weizmanns ist. Und was soll man dort anbauen, wenn man baut? Was kann Palästina überhaupt noch alles hervorbringen? Und wie kann man die Früchte des Landes veredeln? Wieviel Wasser brauchen sie, wieviel nehmen sie auf, wieviel geben sie ab, wie müssen die Bedingungen sein? „Die Erforschung dieser Dinge kann Jahre dauern, bei manchen Fragen kommen wir erst jetzt dazu, mit der Arbeit anzufangen.“ Wie wirkt sich der palästinensische Winter aus? Wieviel und welche Nährstoffe braucht die Pflanze, in welcher Form nimmt sie sie auf? Für tausend Fragen, die aus der Theorie für die Praxis und aus der Praxis für die Praxis beantwortet werden sollen, und das kleine Land kennt ja nicht weniger Naturprobleme als ein großes — für diese tausend Fragen gibt es hier kaum ein Dutzend wissenschaftlicher Arbeitskräfte, nicht hundert, wie wo anders auf so großem Arbeitsfeld. Es ißt phantastisch, was sio alles zu tun haben. Da stehen zwei Dutzend Reagenzgläser voll Milch. Auf ihren absoluten Wert wird sie ebenso untersucht, wie auf die Butter- und Käsomöglichkeiton, die in ihrer weißen Unschuld schlummern. Ee kommen Leute mit kranken Bäumen, behutsam tragen sie sio, wie Kinder, die Scharlach haben. Der Bodenforscher besieht sich den Schaden, außerdem hat der Bakterologe daß Wort, die Lupe, den Blick. Vor zehn Jahren waren die palästinensischen Pflanzcnkrankheiten fast unerforscht, doch jetzt kann man den Schädlingen, besonders denen der Citruskultur, schon ganz energisch zu Leibe rücken. Einer ihrer erbittertsten Feinde ist. erst vor wenigen Wochen ins Land und aufs Schlachtfeld von Rechoboth gekommen: Professor II e c h t. vordem a m T r o p e n i n e t i t u t in Hamburg. Augenblicklich beschäftigt er sich gerade intensiv mit der Roten Spinne und der hebräischen Grammatik. Nun ist aber die gesunde Citrusfrucht auch nicht immer die ideale. Was iet das z. B. für eine ärgerliche Sache, daß man die schönen Mandarinen, v> Prof. Weizmann spricht bei der Eröffnung des Irstitutes; Sitzend: seine 80jährige Mutter. Äußerst rechts: Bialik die in Palästina wachsen, nicht exportieren kann, weil ihre Schale zu weich ist. Also versucht man, sie mit Jaffa-Orangen zu kreuzen, vielleicht ergibt das eine exportfähige Sorte. Und welche Citrusbäume dürfen sich fortpflanzen? Da gibt’s eine richtige Prüfung. Von zweihundert „S t a n d a r firn u 11 e r b ä u m e n“, die kürzlich zur Edelreisgewinnung untersucht wurden, bekamen vierzig ein Zeugnis, das ihnen die Ehre, ein Mutterbaum zu sein, zuspricht. Sechzig werden noch ein Jahr lang beob achtet, wehe ihnen, wenn sie wieder durch fallen, dann sind es wirklich schlechte Zionistinnen. Und dann wird natürlich auch die Frage gestellt: Was aber, wenivs r.uf dem Weltmarkt eine Orangenkrise gibt? Also versucht man festzustellen, welche tropischeu und subtropischen Pflanzen sich akklimatisieren. Ausgezeichnete Erfahrungen hat man schon mit der bei Engländern und Amerikanern sehr beliebten Mango- Frucht gemacht: von Bäumen aus Ägypten, die vor vier Jahren gesetzt wurden, gab eß im vorigen Jahr schon die ersten Früchte. Da in Kairo für eine einzige zwanzig Piaster gezahlt werden, scheinen hier große Möglichkeiten zu liegen. Aber welche Sorte soll man wählen? Die Inder haben deren hundertfünfzig, die Ägypter dreißig... Dann wächst, blüht und gedeiht hier die faustgroße A n o n a aus Südamerika, ebenso wie der M a n g o süß und parfümiert schmeckend. Und die kirschengroße, rote, säuerliche Pitanga. Und dio Kakipflaume aus dem Kapland. Und der Avocado, ein S a 1 a t b a u m. Und fünfzehn der besten I r a k - D a 11 e 1 s c h ö ß 1 i n g e, die gesetzt wurden, woil es im Lande erst, zwei schlechte Dattelsorten gibt; sie scheinen sehr gut zu gedeihen. Übrigcnß vollzog sich dieser tropische und subtropische Teil meiner Belehrung nicht mehr am Arbeitstisch, sondern im Garten der Versuchsstation, dem sich bald eine große in Kürze zu errichtende Citruchsversuclispflanzung hoigeßellen wird — — bis plötzlich mein Führer am Telephon verlangt wurde —. Der Anruf kam aus Kirjath A n av i m. Das ißt eine hoch im Gebirge, in der Nähe von Jerusalem gelegene Unterabteilung der Rechobother Versuchsstation: hier, ungefährdet von der bösartigen Mittelmecrfruchtfliege, werden fast alle europäischen Obstsorten gezüchtet. Dr. Mendel empfing den Hilferuf einer Assistentin, die sich da I oben gerade mit Ptlaumenkreuzungen be- ■ schäftigt. Der Cham sin, dieser ekelhaft heiße Wüstenwind, hat alle Blüten geöffnet ... Nun ja, wie sagte Weizmann einmal: „Wer Zionißt ist, der ist für sein ganzes Leben mit Zores versorgt.“ Und mit der Pflagmenzüohtung fängt,’s schon an. Aber „En Dawar“, nicht so schlimm, sagte der! Rechobother Pflaumenoberbefehlshaber nach Kirjath Anavim hinauf und versprach eine Rettungsaktion. Der junge Dr. Bergmann, vordem Assistent von Professor Schlenk a.n der Berlin erUniversität, führt mich I dann durch die Zimmer und Säle des Weizj mann-Instituts: „... es soll Forschungen anj stellen, die die chemische Industrie des Landes fördern köunen. Da eine chemische 'Großindustrie in Palästina wegen i Rohstoffmangels vorläufig nicht zu entwickeln ist, muß man irgend eine Spezialindustrie schaffen, die e-s wo anders nicht gibt. Zunächst wird man die gesamten Schätze des Landes untersuchen. Es ist hier unter der einheimischen Bevölkerung beispielsweise üblich, daß man den Feigenkaktus zur Bekämpfung der Zuckerkrankheit verwendet. Wollen wir doch mal sehen, was da dran ist. Eine Frage, die sich aus der palästinensischen Praxis ergibt: Was kann man mit den wirtschaftlichen Abfallprodukten machen? Mit den schlechten Orangen, die nicht auf den Markt gebracht werden können? Und was tut man, wenn eines Tages die A b s a t zm ö g 1 i c h k e i t e n für die ungeheuren Mengeu Jaffa-Apfelsinen überhaupt fehlen? Eine Frage, die man sich ja auch drüben in der Versuchsstation stellt. Und was kann man mit den Pflanzen anfangen, die im Lande gedeihen und von denen man nichts hat? Und was kann man in diesem Land des Lichtüberflusses mit der Sonne machen —?“ Was kann m;in mit der Sonne machen? Eine so wundervolle Frage darf ein Chemiker stellen — —. Neidisch auf so viel Schöpfungslust, stehe ich daneben, spitze den Bleistift und frage nur: „Gibt’s da keine technischen Schwierigkeiten?“ „Nein. Wir haben eine Röntgeneinrichtung für mineralogische und kristallographisehe Untersuchungen, und wir sind für die quantitative-Spekfcralana- 1 y s e ebenso wie für alle anderen Untersuchungen von der äußersten physikalischen bis zur äußersten physiologischen Chemie eingerichtet, so daß wir hier die c h e m ische Forschung genau so durchführen können wie in London, Berlin oder Pari s.“ „Und wieviel Kräfte sind Sie?“ „Zehn. Lauter junge Leute. Professor Weizmann hat sie gemeinsam mit mir ausgewählt. Sofern seine politische Arbeit ihm noch Zeit läßt, wird er in seinem Speziallaboratorium, das ihm hier eingerichtet worden ist, selbst arbeiten. Genau wie in Genf, wo er promoviert hat; genau wie in Manchester, wo er seit 1003 las und lehrte, viele seiner Schüler zu wirklichen Kapazitäten ausbildete und selbst Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften wurde.“ Es ist aber doch ein kleiner Unterschied da. Jetzt arbeitet er auch als Forscher unmittelbar für sein Volk... CAFE SILLER f„ SCHWEDENPLATZ Aus der arabischen Presse „Al Islam“ bespricht die revisionistischen Demonstrationen und erklärt, die Polizei sei hiebei sehr milde vorgegangen, im Gegensatz zu ihrem Verhalten bei arabischen Demonstrationen. Das Blatt meint, daß die Methoden der Revisionisten und ihre Demonstration in der von vielen Arabern bewohnten Jaffastraße darauf angelegt waren, ernste Unruhen herbeizuführen, die zu einem Blutbad führen sollten. „Falestin“ schreibt, daß Kaplan, der sich, vor einigen Monaten wegen einer Anleihe für die Jewisb Agency nach London begeben habe, 350.000 Pfund aufgebracht habe. „Al Jama al Islam“ verlangt die Entsendung einer aus allen arabischen Gruppen gebildeten Delegation an General Warnchope wegen Unterdrückung der illegalen zionistischen Einwanderung. Wenn die Regierung unfähig sei, die Grenzen zu bewachen, würden die Araber selbst Maßregeln ergreifen, um ihr Land zu schützen. „Al D.afaa“ erinnert daran, daß in dem von den indischen Mohammedanern dem Staatssekretär für die Kolonien überreichten Memorandum auch die arabische Situation in Syrien behandelt werde. Das Blatt gibt der Hoffnung Ausdruck, daß Frankreich nicht den Weg Englands gehen und das Leben der Araber durch eine jüdische Einwanderung nicht gefährden werde. „Al Jama al Arabia“ schreibt, daß in der Tonart der jüdischen Presse eine Änderung eingetreten sei. Sie sei kriegerisch gestimmt und hetze die Bevölkerung gegen die Regierung und die Araber auf. Es sei Zeit, daß die Regierung die jüdische Presse zum Schweigen bringe. Tue das die Regierung nicht, dann müsse man annehmen, daß die Gesetze nur dazu vorhanden seien, um die Araber allein zu strafen. Ein jüdischer Knabe wird in Palästina ausgepeitscht Das Gericht in T e 1 - A v i v verkündete heute das Urteil gegen fünf jüdische Jugendliche und einen 14jährigen Schulknaben, die wegen. Teilnahme an den Unruhen in Tel- Aviv am 23. Mai angeklagt waren. Die Unruhen fanden bekanntlich im Zusammenhang mit dem von der Führung des jüdischen Jischuw proklamierten jüdischen Generalstreik als Protest gegen die Einschränkung jüdischer Einwanderung seitens der Regierung statt. Vier der Jugendlichen wurden zu je d r e i Monaten, der ftinfto zu einem Monat Gefängnis und der Schuljunge zu zwölf Peitschenhieben verurteilt. Der Knabe schluchzte bei der Verkündung des Urteils. Der Polizeirichter sagte ihm, die Strafe sei wohl eino strenge, er mußte sie aber aussprechen, weil eino leichte Strafe ohne Wirkung sein würde. VERJÜNGUNG, GESUNDUNG UND ERHOLUNG IM ALPENKUROR1E BADGAS FEIN 1083 Meter über dem Meere Radioaktivste Therme der Welt. Verdankt seinen Weltruf den seit Jahrhunderten erzielten Heilerfolgen bei Gicht, Rheuma, vorzeitigem Altern Blasenleiden usw. Prospekte und ärztliche Fachzeitschriften durch KURKOMMISSION BADGASTEIN AUSTRIA GRAND-HOTEL PANHANS, SEMMERING ... Größtes Kur- und Sporthotel des Kontinents in direkter Verbindung mit dem ersten alpiner HALLENSCHWIMMBAD EUROPAS 1.040 Meter über dem Meeresspiegel.Herrlicht Tennisplätze. Golfplatz In nächster Nähe des Hotels die wundervoll gelegene Jausenstation „Gut-Alpenhof“ SPORTPENSION PANHANS in Verbindung mit dem Grand Hotel Panhans. Moderne, gutbürgerhebe Familienpension-

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