Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 361 (15.6.1934)
- Date
- 1934-06-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 4 DIE STIMME Nr. 361 — 13. Juni 133-f Neue Ausschreitungen in Polen (Fortsetzung vou Seite 1) verlasse n. Jüdische Jugend sieht m;in fnst nicht mehr in den Straßen, eia die Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder besorgt sind*, um so mehr, als unter den jüdischen Verletzten der letzten Wochen sehr vi e 1 c im Schulalter Stehende zu zählen sind. Gestern kam es in verschiedenen Teilen Warschaus wiederum zu mörderischen Überfällen auf jüdische Passanten. Der Kaufmann Bernhard M e n d e 1 s o h n wurde durch mehrere Straßen gehetzt, bis zur Bewußtlosigkeit g e s c h 1 a g e n und a u sgeraubt. Mit stark blutenden Wunden wurde er ins Krankenhaus gebracht, seiu Zustand ist bedenklich. Die Warschauer Rettungsgesellscha.ft veröffentlicht die Na men von folgenden am gestrigen Tage v e rletzten Juden: An der Weichselbrücke der 19jährige Israel R o t. h b a r t, erheblich verletzt: in der Uodzdower Allee Jakob E n d b e r g, erheblich verletzt; in der Dzikagasse der 26jährige Abraham D a v i d s o li n, an den Augen schwer verletzt; in der Solokowskagasse Leiser Szerman, am Geeicht und an den Händen echn er verletzt; in der Milogasse Wolf S a 1 i n i a k, in der Nowolipjegasse der 19jährige Mosche Flinker, schwer verletzt. Der Zentralrat des jüdischen sozialistischen ..Bundes1' hat eine Massenversammlung zum Kampf gegen den Antisemitismus einberub-n, die Kundgebung wurde aber ..aus Sicherheitsgründen“ verboten. Eine neue Wendung in dieser tragischen Lage der jüdischen Einwohnerschaft sind Massenkündigungen jüdischer Wohnungsinhaber seitens katholischer Hausbesitzer, die unter dem Druck der antisemitischen Hetzer erfolgt sind. Die katholischen Hausbesitzer in der Vorstadt Targuwek haben die Kündigungen durch die Drohung unterstrichen, daß, wenn die Wohnungen bis Ende Juni nicht geräumt werden, die Hausbesitzer für das, was dann mit den Mietern geschehen wird, die Verantwortung ablehnen. Da in Targuwek alle Häuser in christlichen Händen sind, so bedeutet dies, daß dieser Warschauer Stadtteil judenrein gemacht werden soll. Ein Toter in Wilna Sehr traurige Meldungen treffen aus Wi I n a ein. Dort wurden gestern nacht sechs Juden in den Straßen niedergeschlagen und zum Teil sehr erheblich verletzt. Die Rettungsgesellschaft verband den 74jährigen Wolf W i t k i n und entließ ihn nach Hause, draußen wurde er aber wieder von Huligans niedergeschlagen. Verbunden wurden ferner der 16jährige David Wischniewski (tiefe Wunde am Kopf), der 27jährige Handelsangestellte Israel Magat (schwere Wunden am Kopf und an den Händen), der 22jährige Zeichner Josef Kagan (schwere Wunden am Kopf), Josef Kornmann (schwere Wunden am Kopf). Die Huligans drangen in ein jüdisches Wohnviertel ein und überfielen eine Gruppe Chaluzim. Die Einwohnerschaft sammelte sich zum W id erstand und vertrieb die Huligans. Das Wohnviertel wird ständig von einer aus der Mitte der Einwohnerschaft gebildeten Wehr bewacht. Der jüdische Unteroffizier Bernstein, der am Tag vorher in Wilna in den Rücken gestochen wurde, ist seinen Verletzungen erlegen. Er ist in wenigen Tagen das dritte jüdische Todesopfer der Exzesse. Die Bestattung des im Warschauer Stadtteil Powonzek getöteten Juden Jeeheskiel Do 1 m a n geschah ohne jedes Aufsehen, nur die Familienangehörigen fanden sich am Ehrengrabe ein, das die jüdische Gemeinde dem Toten widmete. Ein Polizeikoinmissär mit einer großen Polizeitruppc übcrwaohto die Zeremonie. Die jüdischen Zeitungen sind a u Furcht vor Konfiskation in der Wiedergabe der Meldungen über die anti jüdischen Exzesse sehr zurückhaltend; den noch wurde die Tageszeitung .,H a j n t‘ zweimal an einem Tag k o n f i s ziert. Das Ilauptorgan der Nationaldemokraten ,,G a z e f. t a Warsza wska“ fordert in seinem Leitartikel — als Maßnahme zur Wiederherstellung der Ordnung — die Entrechtung der Jude n, damit der polnische Staat „endlich seinen nationalen Charakter“ erhält. BAD ISCHL freie Lage, gutbürgerlichc Pension von S 9*— aufwärts. Besitzer: Hans Taubinger. Hotel-Pension TISSERAND Herrliche staub- Illoyalität des Kardinals Kahowskl Die Erregung über den Ausgang des Besuches der Abordnung dos polnischen Rabbinerverbandes beim Chef des polnischen Episkopate, Kardinal Kakowski, hält an. Man bringt die verstärkte antisemitische Welle besonders in Warschau, ferner die Zerstörung jüdischer Institutionen, Geschäfte und Privatwohnungen direkt darauf zurück, daß sofort, nachdem die Rabbinerdelegation den Kardinal verlassen hat, die Katholische Presse -A ge nt u r ein Communiquö über die Ansprache des Kardinals an die Rabbiner an die Presse gab, in der die Rede von „j ü d ichen Provokationen“, jüdischer Führung in der Gottlosenbewegung und jüdischer finanzieller Unterstützung des Kommunismus und der pornographischen Literatur die Rede war. Nunmehr übergibt — wie aus Warschau gemeldet wird — der polnische Rabbinerverband der Jüdischen Telegraphen-Agentur eine Erklärung, in der unter anderem festgestellt wird: Die Exekutive des Rabbinerverbandes hat von einem unpolitischen menschlichen Standpunkt den Beschluß gefaßt, sich an den obersten Geistlichen des polnischen Volkes, Kardinal Dr. Kakowski, mit der Bitte zu wenden, einen Hirtenbrief zu erlassen, damit den Judenverfolgungen und dem Blutvergießen endlich ein Endo gemacht wird. Die Mitteilung über die Audienz ist gegen unseren ausdrücklichen Willen frühzeitig in der Presse erschienen. Der Kardinal hatte seine Ansprache an die Rabbiner bereits vorher schriftlich vorbereitet gehabt, er verlas sie und übergab sie dann der Abordnung. Wir haben auf die Vorwürfe seitens des Kardinals eine taktvolle und würdige Antwort gegeben. Wir haben dem Kardinal u. a. erklärt: „Kommunisten erhalten ihre Gelder aus ganz andern als jüdischen Quellen. Kein Jude, der sich als Jude fühlt, wird Geld für den Kommunismus geben. Die Juden in Polen erfüllen voll ihre patriotischen Pflichten, wie dies durch ihre übergroße Beteiligung an der Nationalanleihe erwiesen ist.“ Wir wollten, daß der Kardinal die Exzesse verurteilt; eine solche Erklärung hat der Kardinal uns gegeben. i'iiiiiiiiilililiniiiniiiiiiiiiiiniiiiMiiitiiHiiiniiiiHiMiiiiiiMiniiirimimiiiimiimiiMiiimimMiMimiiimmiMiiiiiimMMiiiilimiiiliililimillllllllHIIIIIIIIIIIIIIlllllllllllllllllllllllllllllllllllllMlllllllllllllllllllllllN PORTSCHACH 1 AM WÖRTHERSEE, Kärnten, österreichische Riviera PARK-HOTEL (Hans Taubinger) H Führendes H.ms . ip Zimmer . Verlangen Sie, bitte, Prospekte fiiiiiiiii!i!iinii[!iiiiiiii!iiiiimii!!iiiiiiiiiniiniiiiiiiniiinminniiniiiniiiiiiiini!iiiinniiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiin!iiiiii!ii!!iiiiiiiiiiiiiniiiiii!iiiiiiiiiiiiii!iiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiii!iiiiiiiimiiiiiiiiiimiiiiiiiiiii!iiiii a u t o r i t a t, i v e n L c i tung führen. Dazu sei aber die Ziisammenfa.^iuig aller Kräfte Die Juden als Erfinder (Eine Zuschrift an die ..Stimme“.) Herr Oberst, Franz II i n t e r s 1 o i s s e r schreibt uns: „Mit. großem Interesse habe ich die Ausführungen in dem Artikel „Die Fahne von Hersbruck" (S. VI.) gelesen. Sehr überrascht war ich durch Ihre Feststellung: „Den Zeppelin hat. ein .Jude erfunden...“; denn so viel ich weiß, war Graf Zeppelin ein deutscher Reitergeneral, und da bestellt, doch nur ein geringer Grad von Wahrscheinlichkeit, daß er Jude gewesen ist. Anderseits hat es mich sehr überrascht, daß Sie in der Liste der prominenten Juden, die sich als Forscher und Erfinder betätigt haben, den Erfinder des Segelffugeci auslassen; denn cs kann Ihnen ja doch nicht unbekannt geblieben sein, daß Kronfeld, von dessen Leistungen und seinem letzten Unfall wieder die Zeitungen berichten, Jude ist. Man behauptet zwar in arischen Kreisen das Gegenteil. Aber es steht doch zweifellos fest, daß Kronfeld Jude ist.“ * Dem H'jrrn Einsender sei erwidert, daß der Zeppelin von dem jüdischen Kaufmann Schwarz in Agram erfunden worden ist, Wir haben in dem Artikel keine generelle Übersicht der Juden als Erfinder zu geben beabsichtigt. Für eine solche wäre der Raum nicht ausreichend. Die Erwähnung geschah lediglich als Illustrationsfaktum. Die Bedeutung Kronfelds ist uns bekannt und wurde in der „Stimme“ bereite im Vorjahr eingehend behandelt. Allerdings entfällt für uns jeder weitere Anlaß, Kronfeld zu erwähnen, da er nach unseren Informationen aus dem Judentum ausgetreten ist und die evangelische Konfession angenommen hat. einer national - verantwortungsbewußten Milte durchaus erforderlich. Blumenfcld sicht die entscheidende Aufgabe des Allgemeinen Zionismus vor allem auch darin, die Besinnung auf unsere zionistischen Grundgedanken in der Bewegung und im Jisehuw waehznhalten. Es wurde beschlossen, eine unter dem Vorsitz von Dr. Franz Meyer, Berlin, stehende Leitung zu wählen. NACH UND FE RIEN-SONDER FAHRT POL cz s am 1. und 8Juli für 4 und 8 Wodien eafib’g: nstlgjng auch für po!n Staatsangehörige Ale Auskünfte: R isedienst „Czern.w. Allgem. Ztg.", Wien, I., SchulerstraSe 1 („Der Tag"), Tel. R 21-6-78 - Reisebüro „IRUT", I., Karlsplatz 1, Tel. U 44-5-79 Warten Sie auf das neue, praktische Lehrbuch „Lerne Hebräisch" von B e n-C h a v i v erscheint demnächst Organisierung der allgemeinen Zionisten in Deutschland orvon Goebbels ln Warschau Goebbels hat hier wenig Freude lebt. Der Staatspräsident fuhr Warschau nach seinem Sommersitz, Pil-lKurt, s u d s k i wurde krank. Zuin Vortrag des deutschen Ministers erschienen seitens der Regierung der Ministerpräsident und der Innenminister, dagegen empfing zur gleichen In Berlin fand am 3. Juni eine Tagung statt zum Zwecke einer Reorganisierung der Deutschen Gruppe der Allgemeinen Zionisten. Rechtsanwalt Benno C o h n setzte die Notwendgkeit des beabsichtigten Unternehmens auseinander. Er sagte u. a.: Es sei nicht beabsichtigt, eine neue Organisation mit festem Mitgliederbestand ins Leben zu rufen, sondern es bestehe nur der Plan, unter einer in Berlin arbeitenden Leitung Vertrauensmänner, beziehungsweise Vertrau ensmänncrkomitccs an den verschiedensten Orten des Reiches einzusetzen, durch fortlaufende Informationen und regelmäßige Versammlungen die Allgemeinen Zionisten mit den Auffassungen dieser Gruppe bekanntzumachen, um sie zur Arbeit in deren Sinne zu schulen und anzuhalten. Dae Hauptreferat hielt B 1 u m e n f e 1 d, Jerusalem. Er wies darauf hin, wie stark heute die dema- ' gogische Phrase, die Rücksichtnahme auf! Massenstimmungen und der Kampf der Gruppen untereinander eine klare und ziel- Zeit der Außenminister den englischen,! bewußte Politik erschwerten. Sowohl im ScfaekeSaufruf Der ausgezeichnete Erfolg der Schekelaktion Im Kongreßjahre 5693 hat klar und deutlich bewiesen, wie groß der zionistische Kreis und wie bedeutend das Interesse der jüdischen Bevölkerung Österreichs für die zionistische Idee ist. Diese erfreuliche Tatsache rechtfertigt die Hoffnung, daß auch dieses Jahr mit einem befriedigendem Erfolge abschneiden wird, wenn die maßgebenden Personen aller Föderationen und Landesverbände an die österreichischen Juden in geeigneter Weise herantreten. Die möglichst große Verbreitung des Schekels würde gerade in diesem Jahre für die zionistische Exekutive einen nachhaltigen moralischen Erfolg bedeuten, zumal, besonders in dieser Zeit, die zionistische Weltorganisation einer Stärkung ihrer Kompetenz in den Augen der Welt bedarf und die zionistische Zählung der ganzen Welt den Beweis erbringen soll, daß die Geltung der zionisfV sehen Idee an Umfang innerhalb der jüdischen Massen in stetem Fortschreiten ist. -Daher wendet sich die Landesschekelkommission an alle Zionisten und Juden Österreichs mit dem dringenden Ersuchen, alle Kräfte zur Verbreitung des Schekels im Monate Thamus 5694 (Juni bis Juli 1934) zu entfalten, damit auch dieses Jahr einen dem Vorjahre würdigen Erfolg zeitige. Für die Landesschekelkomntission: Dr. Josef G r ii n b e r g e r. an (nächst Crikvenfca) Leitung: Frau Prof. Helene Ueberall Besonders günstige Bedingungen Auskünfte und Prospekte Wien, Vlll., Alserstraße 23, täglich von 9 bis 12 und 5 bis 7 Uhr Telephon A 29-2-87 Eine Stütze, wie eine feste Hand sind alle unsere Mode-und Maßschuhe, denn sie sind alle nach orthopädischen Grundsätzen gebaut französischen und Gesandten. Die Versammluir Personen besucht. Goebbels antisemitischen Kampf als gung der Deutschen gegen Überfremdung“ hinzustellen. russischen * war von 600 versuchte, den eine Vertoiditlie „jüdische Am Schlüsse fand er sehr herzliche Worte für die Freundschaft zu Polen und holte sich damit Beifall. Interesse der Leitung wie der Gesamtheit der Bewegung liege ee darum, eine starke Mitte herzustellen, die sich gegenüber den radikalen Flügeln durchzusetzen vermöge und eine wirksame Wahrerin der antionalen Gefiamtinteresson sein könne. Der nächste Kongreß müsse zu einer Umgestaltung dieser Institution und zur Bestellung einer wirklich nur VII., Burggasse 5 II. l<(iiHiiRU“riu>aH8(! Telephon U 40-0-23 Leopoidstddter Volhsälno Vom 15. Juni nit* 18 Juni CARNEVAL UND LIEBE Mil Hans Moser und Hermann Thlmig Wochontags '/jö, ‘/«8, 7«1V Ulu, bonnu. Feiertags ’/,4 Uhr Zionistischer Landesverband für Österreich (Allgemeine Zionisten, Radikale Zionisten und „Wfzo”) Montag, 18. Juni, 8 Uhr abends Festsaal des Hotel Bayrischer Hof, II., Taborstraße 39 GROSSEIPRO gegen die Drosselung der Clnwanderung nach Palästina Redner i Dr. Desider Friedmann, Dr. Oskar Crllnbaum, Dr. Leopold Plaschke aliJülUrülliilüUUlüiiUlUk.