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Die Stimme · 1934-06-15 · Heft 361 (15.6.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 361 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 361 - lo. Juni 1 m DIE STIMME Seite 8 „Dce Stimne" foingi: Copyright by „Die Stimme" Wien I. Nachruck verboten. JOSEPH SCHMIDT: ff \)vn Dt. }eUc<& R^cenilud Palästina - mein schönstes und stärkstes Erlebnis" ■■ — phantastischer Juden aus einem Joseph Schmidt Höhenflug eines jungen kleinen Städtchen der Bukowina bis zu den höchsten Gipfeln künstlerischen Ruhmes. Dem Kinde einer gutbürgerlichen jüdischen Kaufmannsfamilie wurde in der Wiege vielleicht ein ganz anderes Lied gesungen, als das, welches den Namen Joseph Schmidt in Ätherwellen durch die Welt trägt, die diesem jungen, trotz strahlenden Ruhmes überaus bescheidenen Menschen gehört. Gesungen aber hat Joseph Schmidt schon im zartesten Kindesalter. Strahlendes Gold lag von Anfang an in seiner Kehle. Die Chöre seines Städt chens lebten vom Glanz und Schmelz der Schmidtechen Stimme. Nur einen einzigen gab es noch, der die ostjüdischen Massen so zu faszinieren und in Bann zu ziehen vermochte: der unvergeßliche J o s s e 1 e R o s e n b 1 att. Und auch dieser wurde von Joseph Schmidt überfcroffen. Joseph Schmidt besaß schon damals den ganz wundervollen Schmelz der berühmten Chasanstimme. Der ganze Zauber der herrlichen Koloratur wurde schon damals in der Tenonstimme Joseph Schmidts von seinen Landsleuten bewundert. Ein zweiter Jossele Rosenblatt, riefen sie. Ein zweiter Caruso, riefen die Berliner, als sie ihn zum erstenmal hörten. Berlin, dessen strenge Musikkritiker den jungen Sänger mit fast unglaublicher Begeisterung aufnahmen, wurde zum Markstein in seiner künstlerischen Entwicklung. Es sind kaum vier Jahre her. Gleich einem spannenden Filmstreifen zieht sich jetzt der Weg Joseph Schmidts. Opern werden für den Künstler geschrieben, in bereits durch die Welt gegangene Opernßtüqke werden eigene Rollen für Joseph Schmidt eingebaut, um einer von ihm bezauberten Welt Gelegenheit zu geben, dieses Juwel an menschlicher Stimme, diesen feinen, kultivierten Timbre einer Tenorstimme, die zu den schönsten der Gegenwart zählt, zu bewundern. Es gibt andere Tenöre, mit vielleicht stärkeren Stimmen, doch keine vermittelt soviel Schönheit, soviel himmlische Freude, beschenkt so reich, wie die gottbegnadete Stimme Joseph Schmidts. Was Wunder, daß sich die größten und bedeutendsten Konzertdirektoren der Welt um ihn bemühen. Der Filmregisseur Charell schreibt für Schmidt eine eigene Rolle in den „Drei Musketieren“. Die Berliner KroII-Oper hallt von un- Joseph Schmidt im Gespräch mit unserem Redakteur geheurem Jubel wider, als Joseph Schmidt in einer Johann Straußschen Operette in einer eigens für ihn dazugeschriebenen Partie singt. Der Berliner Rundfung wird von Schmidt beherrscht. Er ist der Lieb ling Berlins, gleichwie er später der Liebling Wiens, Athens, Bukarests, Konstantinopels, Sofias und anderer Städte mehr wird Nur schweren Herzens hat das kunstliebende Berlin den Künstler von sich ziehen lassen, obwohl auch jetzt noch, die Schmidtschen Filme in Deutschland laufen und auch sonst das deutsche Publikum sich von den Perlen Schmidtscher Gesangskunst, freilich nur auf Platten, begeistern läßt. Joseph Schmidt aber blieb nicht stehen, sondern stieg: immer höher und höher. Joseph idt, der Volljude Nicht Chauvinismus ist es, der uns bei dem Gedanken, daß dieser große, von Millionen Menschen bewunderte Künstler ein Kind unseres Volkes ist, mit Stolz erfüllt. Mit allen Fasern seines warmschlagenden Herzens erklärt sich Joseph Schmidt zu uns zugehörig, bekennt er sich auch im Zenith seines Ruhmes mit Stolz zum nationalen Judentum. Im Teesalon des vornehmen Ringstraßenhotels treffe ich mit Joseph Schmidt zusammen. Ein Händedruck und schon ist ein herzlicher Kontakt mit diesem ungewöhnlichen sympathischen Menschen und Künstler hergestellt. Es ist keine Phrase, es klingt echt aus dem Munde Joseph Schmidts, wenn er sagt, daß es ihm eine reine Freude ist, den Lesern der zionistischen Zeitung „Die Stimme“ einiges aus seinem übervollen Herzen zu erzählen. Dehn er kommt aus Palästina. Und Palästina ist ihm — der seit seinem zehnten Lebensjahre aktiv an der zionistischen Bewegung teilnimmt, zum größten und stärksten Erlebnis geworden. Sein Herz ist so von all dem Gesehenen erfüllt, daß er nicht weiß, womit er beginnen und womit er schließen soll. Und er legt gleich zu Beginn ein Geständnis ab. So oft er sich im allgemeinen vornahm, viel über Palästina zu erzählen, mußte er immer wieder erleben, daß er eigentlich recht wenig wiederzugeben vermag. Denn von Palästina kann man nicht erzählen, Palästina, dieses jüdische Wunderland, muß gesehen und erlebt werden. Meine Erwartungen, sagt Schmidt, sind in einem unerhörten Maße von Palästina übertroffen worden. Wie sehr mein Herz dem heiligen Lande, der neuerstandenen jüdischen Heimat, entgegenzibterte und es kaum erwarten konnte, das Land zu sehen, erlebte ich bei der Ankunft. Am Tage der Ankunft sollte ich das erste Konzert geben, aber, angesichts der Küste Palästinas konnte ich in der vorangegangenen Nacht keine Ruhe und mein Auge keinen Schlaf finden. Unsere Sprache ist zu arm, um jenes Gefühl wiederzugeben, jenes tiefe, beseelig'te und beglückte Gefühl, von dem die Juden Palästinas erfüllt sind. Es gibt wohl kaum ein Land in der Welt, von dem sich Ähnliches behaupten ließe: Restlos glückliche Menschen zu finden, mit strahlenden Augen und stolzer Haltung, kraftstrotzend und zielbewußt an der Gegenwart und an der Zukunft ihrer Gemeinschaft bauend. Der jüdische Arbeiterstand in Palästina, die Poalim und Chaluzim, strömen eine Begeisterung aus, die alle fasziniert, die mit ihnen in Berührung kommen. Ein herrlicher Menschentypus ersteht in neuem Lande auf alter Erde. Nach meinen Besuchen in den Kolonien, in den pulsierenden Städten Tel-Aviv, Haifa, Jaffa kam ich auch zur Klagemauer, deren Reste auch heute noch von den Tränen alter Juden durchfurcht werden. Dieser Anblick hinterließ in mir wohl einen starken Eindruck, aber er erschütterte mich nicht. Im Gegenteil, ich empfand doppelt den Gegensatz. Nicht weinen und klagen um die Vergangenheit ist das Richtige. Dort im judäisohen Gebirge, in den Tälern des Emek, in Ejn Charod und Afuleh, in Dagania und Rischon le Zion und im entzückenden Kinderdorf Ben Schemen, dort, wo Juden, junge, kräftige Menschen, gestern noch Doktor juris in Berlin und Zahnarzt in Warschau und Student in Wien, gemeinsam mit den frommen Juden mit Bart und Pajes, heute mit festen Händen das Ackergespann über die durch jüdische Arboit neu geheiligte Palästinaerde ziehen, wird an der Zukunft gezimmert. Beglückend war für mich, sagt Schmidt, die Entwicklung des Hebräischen in Palästina zu beobachten. An allen öffentlichen Instituten die vertrauten Schriftzeichen zu sehen, von den Beamten des kleinsten Dorfes des Landes Hebräisch zu hören, war für mich, der des Hebräischen kundig ist, etwas ganz Erhebendes. Ein eigenes Kapitel bildet das Konzertpublikum in Palästina. Das junge Palästina bekundet wieder die Tatsache von der j großen Musikalität des jüdischen Volkes. Und mit Hubermann kann ich wohl sagen, daß es in Palästina bei 250.000 jüdischen Einwohnern ebensoviele Konzertbesucher gibt, die das kunstsaohverständigste und dabei dankbarste Konzertpublikum sind, das man sich nur denken kann. Fünf Konzerte in Tel-Aviv allein innerhalb 14 Tagen, I alle vor ausverkauften Häusern, beweisen dies genügend. Bialik, Dizenpoff, Schmarjahu, Levin sowie andere bedeutende Persönlichkeiten des jüdischen Jeschur zählen hier zu seinen Bewunderern. Ein unvergeßliches Erlebnis bedeutete für mich das Auftreten in der Kolonie. Das war kein Konzert mehr. Eins waren ich und das Publikum, vorwiegend Arbeiter in ihren schmucken Arbeitskitteln, direkt von der Arbeit kommend. Hier erlebte ich etwaß, was ich in meiner ganzen künstlerischen Laufbahn nicht empfunden habe: loh sang hier aus purer Lust am Singen und zugleich mit dem Bewußtsein der Zugehörigkeit zu diesfer Gemeinschaft, und im Gefühle, als ob ich mit ihnen eben von der Feldarbeit heimgekehrt wäre. Das Kunstleben in Palästina hat die denkbar günstigsten Aussichten. Kommen doch schon heute alle großen Künstler von Rang mit Liebe und Freude in dieses Land. Beglückend und erhebend ißt für jeden Besucher des Landes die Erziehung und das Leben des jüdischen Kindes in Palästina zu beobachten. Das jüdische Kind in Palästina ist eine eigene Welt für sich. Ein Besuch in der Kinderrepublik von Ben Schemen, wo prächtige Exemplare heranwachsen, das Talent und die Begabung eines jeden Kindes individuell erfaßt und gefördert wird — in so manchem zeichnenden Ben- Schemen - Zögling glaubt man einen heranwachsenden Liebermann zu sehen —, läßt jedem Juden das Herz höher schlagen. Diese Kinder, diese herrliche Zukunft einer starken, an die Scholle gebundenen, gesunden jüdischen Gemeinschaft, läßt das Leben lebenswert erscheinen. Ich hoffe, schließt Joseph Schmidt, daß ich in wenigen Jahren in Palästina meine ständige Heimat aufschlagen und von dort aus meine Konzerttourneen unternehmen werde. Dies wird die Erfüllung eines meiner schönsten Wünsche bedeuten. Wirkliche Erholung der Haut Ist die schnelle, sanft-scharfe SWING Die Echtheit der „Protokolle“ wird in der Schweiz geprüft Basel, 11. Juni. Der Baseler Prozeß in Sachen der „Protokolle der Weißen von Zion“ ist zum Teil in die Phase eines Vergleichsverfahrens getreten. Der von den Herren D r e yfus-Brodski und Dr. Markus Cohn als Vertretern des Schweizer Israelitischen Gemeindebundes und des Zionistischen Landesverbandes sowie von Dr. M. Ehrenpreis, Oberrabbiner von Stockholm, angeklagte Redakteur des „Eißemen Besens“, Dr. Z a n- Der sdiönstgelegenste Garten der Welt! PatakY’s iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ VViiiiilerjiaileii iiititiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiira Wien, XIX., Grinzingerstraße 68 ENDSTATION G2 Hohe Warte Ständig warme Küche I Billigste Jausenstation I Tanz im Freien I Donnerstag, Samstag und Sonntag Fünf-Uhr-Teel Bei Regen gedeckte Terrasse I Berühmte Zigeunermusik mit singendem Zigeunerprimas! Autobusverkehr bis früh I Billige zeitgemäße Preisei cl e r, hat sich grundsätzlich bereit erklärt, den folgenden V ergleichs Vorschlag zu unterzeichnen: „Hiermit erkläre ich, daß mir B eweise für die Echtheit der sogenannten Zionistischen Protokolle f e h- 1 e n, daß ich insbesondere keine Anhaltspunkte dafür habe, daß der in diesen Protokollen entworfene jüdische Weltbeherrschungsplan am ersten oder an einem späteren Zionistenkongreß zum Gegenstand irgendwelcher Öffentlicher oder geheimer Beratungen gemacht wurde. Ich erkläre ferner, daß ich keine Anhaltspunkte dafür habe, daß der Kläger Ehrenpreis mit diesen sogenannten Protokollen irgend etwas zu tun gehabt hat, und schließlich nehme ich meine Behauptung im Artikel „Und trotzdem echt", Ehrenpreis habe die Echtheit der sogenannten Zionistischen Protokolle bezeugt, mit Bedauern zurück; ebenso die im selben Artikel gemachte Andeutung, der Zionistenführer Herzl habe am Zionistenkongreß von 1897 den In den „Geheimnissen der Weisen von Zion" enthaltenen jüdischen Weltherrschaftsplan aufgestellt." Eß ist noch nicht bekannt, ob die Kläger diesen, beiden Parteien vom Präsidenten des Gerichtes unterbreiteten, Vergleichsvorschlag annehmen werden. Es sei bemerkt, daß es sich hier nur um den Ehrenbelei'digungspr'ozeß gegen Dr. Zander als Vertreter der vom verstorbenen Theodor Fritsch, Leipzig, herausgegebenen „Zionistischen Protokolle“ und als Verfasser eine« im „Eisernen Besen“ , veröffentlichten Artikels unter dem Titel „Und trotzdem echt" handelt. Der Prozeß gegen Zander als Verbreiter der „Protokolle“ wurde — nach Beschlagnahme von gegen 800 Stück dieser Broschüre — aus formalen Gründen, eingestellt. Ein weiterer Prozeß über die Frage der Berechtigung der Beschlagnahme ist jedoch noch in Schwebe und wird erst später, nach Vorlage von Gutachten über die Echtheit der fraglichen Schundßchriften entschieden werden. Dieser Teil des Baseler Prozesses steht in einem gewissen Zusammenhang mit einem ähnlichen Prozeß in Born, wo vor einiger Zeit einer Expertenkommission die Prüfung der Echtheit der „Protokolle“ übertragen wurde. Großer Musikvereinssaal, Montag, 18. Juni, 8 Uhr ImRahmenderWienerFilm-Festwodien KONZERT Joseph Schmidt lm Programm: Arien ausMaebeth“, .Cavalleria“ rusticana“, .Die .Jüdin“, „Eugen Onegin“, .Die tote Stadt“, .Tosoa“, .Mädchen aus dem goldenen Westen“, „Nlanon Lesenut“; Altltallenlscho Arien; Romanzen Karten an der Konzertkasse Dr. Hohenberg, I., Operngebäude und an der Musikvereinskasse MMMMCCCMMCMCCMNCCMM

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