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Die Stimme · 1934-06-15 · Heft 361 (15.6.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 361 (15.6.1934)
Date
1934-06-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 3ß1 - ir,. Juni 1931 NEUEROFFNUNG PENSION, CAFE-RESTAURANT, orth. A. BARSCH AK aus Wien, II., Große Schiffgasse 3, Tel. A 46-4-39 Das Unternehmen steht unter Aufsicht HA^J^ - Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Babad Ob.-Osterr. (Villa Mayrhofer) Es lägen Mitteilungen vor, erklärte Doktor Brcnletzky weiter, daß in Indien di e a n t i z i o n i * t i s e h e P r o p a g a n d a wieder entfacht wurde. Die Führung der Bewegung habe 8 c h a u k a t A 1 i übernommen. der dem Vizekönig ein Memorandum überreicht habe, in dein gegen die ganze Politik des Jüdischen Nationlheims Protest erhoben und die Regierung nufgefordert wird, die jüdische Einwanderung einzuötellen und den Bodenkauf durch Juden zu verbieten. Die Exekutive werde die n o t w e n d i g e n Schritte in dieser Saeiie tun. Ec< verlaute, daß der Vizekönig, der sieh gegenwärtig in England aufhiUt. und auf seiner Reiche kurze Zeit in Genf gewesen sein »soll, das Memorandum durch das Indienamt der Regierung vorlegen will, ln diesem Zusammenhang bemerkte Doktor Brodetsky. daß es in letzter Zeit gelungen ist. in der indischen Presse auch den zionistischen Standpunkt darzulegen. Am 27. Juni werde Viscount Templet o w n dem Oberhaus vier Anfragen vorlegen. die sich mit der Inkraftsetzung von Bestimmungen des Passfieldschen Weiß b u c h e s befassen. Eine ähnliche Anfrage sei von Lord Templetown vor einigen Monaten eingebracht worden, der Gegenstand sei jedoch vertagt worden. Anläßlich dieser Anfragen seien heftige An- . griffe der Freunde der antizionistischen Araber und eine Wiederholung des alarmierenden Zustandes von vor vier Jahren zu erwarten. Alles sei vorbereitet, diesem Angriff zu begegnen. Was den Legislative Council betrifft. so habe die Regierung keine Vorschläge ausgearbeitet, und er erwarte nicht, daß in den nächsten Wochen oder Monaten solche Vorschläge erörtert werden würden. Doch müsse die jüdische Öffentlichkeit wissen, daß es hier um eine Sache geht, die nach Ansicht der Palatina-Regierung b ehandelt werden muß. Die Exekutive sei in dieser Angelegenheit wachsam. Ihr oppositioneller Standpunkt zu der Frage bleibt unverändert. Zum Schluß kam Doktor Brodetsky noch kurz auf die Gerüchte im Zusammenhang mit dem Besuch Emir Abdullahs in London zu sprechen. Es sei ein milder Ausdruck, wenn man diese Gerüchte als Übertreibungen kennzeichnet. Das Urteil gegen Stavsky Prof. Brodetsky kam auch auf die Verurteilung Stavskys zum Tode zu sprechen und wies darauf hin, daß das Urteil durch das Oberste Gericht überprüft werden wird, die Angelegenheit somit sub judice ist und daß darum Kommentare unangebracht seien. Brodetsky erklärte, daß die von allen Parteien in Palästina erlassenen Appelle, Disziplin zu halten, loyal befolgt werden müssen. GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN I.. Kärfnersfrafce Nr 61 Besitzer Ollo Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise in allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer Oer Wortlaut lies Urteils Im Arlosoroff-Mordprozeß Das Urteil des Gerichts im Prozeß gegen Stavsky und Rosenblatt hat folgenden Wortlaut: „Die Mehrheit des Gerichts erkennt zu Recht, daß Stavsky in Tel-Aviv in der Nacht vom 16. zum 17. Juni mit vorgefaßter Tötungsabsicht an der vorbedachten Ermordung Dr. Arlosorofls teilnahm, indem er ihm nacbfolgte, auf ihn wartete, ihn anbielt, ihn mit einer elektrischen Taschenlampe ableuchtete und der Verübung des Verbrechens beiwohnte, wodurch er Artikel 170 des Strafgesetzbuches, Abschnitt 3, $§ B und C der Crimlnal Law Amendment Ordlnance No. 22 ex 1927, verletzt hat. Bezüglich des Angeklagten Rosenblatt findet das Gericht nicht den wesentlichen Zeugenbeweis zur Erhärtung seiner Identifizierung durch Frau Arlosoroff, wie er in Abschnitt V der Criminal Law Amendment Ordinance vom Jahre 1924 gefordert wird. Rosenblatt wird deshalb von dem Verbrechen, dessen er beschuldigt wurde, freigesprochen. Was die Ersatzansprüche betrifft, so hält es das Gericht nicht für angebracht, von dem ihm in Abschnitt VI der Gerichtsordnung von 1925 eingeräumten Recht Gebrauch zu machen. Der Angeklagte Stavsky wird nach dem Gesetz den Tod erleiden.“ Das Urteil wurde von dem Publikum in den Straßen mit tiefer Niedergeschlagenheit entgegengenommen. Vor den überall angeschlagenen Extraausgaben sammelten sich dichte Gruppen an, die, bei aller Zurückhaltung, ihrer Mißbilligung des Urteils Ausdruck gaben. Die Verurteilung Stavskys bildet in Palästina den einzigen Gesprächsstoff. Der Schluß der Verteidigungsrede Horace Samuels Das Plädoyer des Hauptverteidigers im Arlosoroff-Mordprozeß, Rechtsanwalt Horace Samuel, war das längste, das jemals vor einem palästinensischen Gericht gehalten wurde. Der Verteidiger, der seine Ausführungen am Mittwoch, den 6. Juni, mittags, begonnen hatte, beendete diese am 8. Juni, dem Tage der Urteilsfällung', um 11 Uhr. Palästlnaabteilung nrns'rnti' Josef Popoer!!!IJ]i!lllll[|fi!BliI!l!S8l!lli» International« Transporte Wien, II., Taborstraße 22 Telephon R <8-5-10, R 40-5-70 Serie Spezial -Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. Rabbi Kook leitet eine Weltbewe* gung für Stavskys Freilassung ein Jerusalem, 13. Juui. Der aachkenasischc Oberrabbiner Palästinas, Kook, hat eine Weltbewegung zwecks Intervention zugunsten Stavskys eingcleitet. In seiner Eigenschaft als Oberrabbiner sandte er mehr als 100 Telegramme an jüdische Großgemeinden in aller Welt, an Oberrabbiner und an führende Persönlichkeiten in Europa und Amerika; die Telegramme haben folgenden Inhalt: Sta v sky ist uneehuld'ig.un d ein rechts c h a f f e n e r Mensch. Kämpfet mit aller Kraft für den Sieg der Gerechtigkeit! Kook sandte ein Sondertelegra,mm an den Erzbischof von Ganterbury in England rajt folgendem Wortlaut: „Über den unschuldigen Abraham Stavsky ist hier am Freitag ojn Todesurteil verkündet wordeu. Ich beschwöre Sie, irlit aller Kraft für die heiligo Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Ehre England«, die mir kost/bar ist, zu kämpfen!“ Stavsky bat die Gefängnieverwaltung ersucht, seinen Freunden zu erlauben, ihm T c p h i 1 i n in« Gefängnis zu bringen, da er seine täglichen Gebete nach vorgeschricbenbm Ritual sprechen will. Das Rabblnat in B r o s t -L 1 to wsk, der Gebnrtsstadt Stavskys. hat angeordnet, daß in den Synagogen zur Zeit des Mincha- Gebcts Gebete und Psalmen für Stavsky gesprochen werden. GATTE GESUCHT Zirka 50 Jahre, gebildet. Kulturmensch,in gesicherter Position, öst. Staatsbürger, von dist., berufsu. pensionssicherer, symp.Dame, gute Familie, Eink. 5000 S und Immobilienbesitz „Absolut einwandfrei“ Administration VollstSnilige Ruhe in Palästina Jerusalem, 12. Juni. Die von der Histadruth Haowdim und dem Revisionistischen Zentralkomitee Palästinas an die jüdische Bevölkerung erlassenen Aufrufe, nach dem Urteil im Arlosoroff-Prozeß Ruhe und Ordnung zu wahren, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Von einigen kleineren Zwischenfällen abgesehen, ist es nirgends zu Ruhestörungen gekommen. Der freigesprochene Rosenblatt ist in der Nacht zum 9. Juni aus Jerusalem in einem Polizeiauto nach seinem früheren Aufenthaltsort Kfar-Saba gebracht worden. Die nächtliche Heimbeförderung Rosenblatts wurde zur Vermeidung etwaiger Kundgebungen angeordnet. Der Gerichtshof, der über Stavsky und Roeenblatt urteilte, setzte sich aus den Richtern C o r r i e, P1 u n k c 11, Ali H a s n a und Joseph Moses Valero zusammen. Valero, der Jude ist, war — wie au« dom dex; Presse zugegangenem Gerichtsentscheid hervorgellt — gegen Stavskys Verurteilung. Rosenblatt hat Kfar-Sa-ba wieder verlassen, nachdem dort handgeschriebene Plakate angeklebt wurden: „Wie lange wird der Mörder Rosenblatt durch die Straßen unseres Kfar-Saba gehen dürfen?“ Bei dem Versuch, die Plakate zu entfernen, kam es zu einem Zusammenstoß, wobei ein Mann verhaftet wurde. Frau Sima Arlosoroff begab sich in« Ausland. Palästinaregierung erwartet ver* stärkte Indische Einwanderung Jerusalem, 13. Juni. Die Palfistinaregierung hat ihr Budget für das kommende Finanzjahr veröffentlicht; dem ist zu entnehmen, daß die Regierung für die Zeit vom April 1934 bis März 1935 mit einer 30%igen Steigerung der jüdischen Einwanderung rechnet. Die Regierung veranschlagt ihre Einkünfte aus Importsteuern um mehr als ein Drittel der bisherigen Einkünfte, wovon 30% aus der Einfuhr jüdischen Kapitals fließen sollen. Diese Tatsache ist nicht so zu deuten, als wenn die Regierung geneigt wäre, die Zahl der Zertifikate für Arbeiter zu erhöhen; sie rechnet eben nur mit einer Erhöhung der gesetzlich unbegrenzten Kapitalisten- Einwanderung. Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat einer jüdischen Abordnung erklärt, daß, solange er das Amt eines High Commissioners bekleiden wird, er es als seine Pflicht ansehen wird, das Gleichgewicht in der jüdischen Einwanderung zu wahren. Die Einkünfte der Regierung aus Registrierung von Einwanderern betrafen dieses Jahr 9500 Pfund, fürs kommende Jahr werden sie auf 15.000 Pfund veranschlagt. Die Importsteuern betrugen im laufenden Jahr 1,200.000 Pfund, fürs kommende Jahr sind sie mit 1,600.000 Pfund veranschlagt. Streng “ SEEFELD (Tirol) 1300 Motor Einzigart. Höhenkurort, intens. Höhensonne,Wassersport Pension Geschwister Scheer im Hotel Hochalm Bekannt erstklassige Verpflegung, mäßige Preise, Fahrpreisermäßigung Tel-Aufu Zentralpunkt im palästU nensischen Eisenbahnnetz Jerusalem, 12. Juni. Die Regierung beschloß, die zentrale Eisenbahnstation von Ludd nach Tel-Aviv zu verj legen und eine Eisenbahnlinie bis zum Haifa- Hafen zu bauen. Es wurden h'ieför aus dort Palästina-Anleihe 122.000 Pfund zur Vcr-' fiigung gestellt, ■^WSS———————M—SW—W—MSSWOMPSI Das Patästinaamt Wien teilt mit, daß laut einer Benachrichtigung des Warschauer Palästiuaaintes 250 Chaluzim aus Polen mit einem Sonderzug Dienstag, den 19. Juni 1934. früh, auf der Durchreise nach Triest in Wien (Südbalmhof) eintreffeu werden. Die Chaluzim erhalten vom Palästinaamte, wie bisher, ein Frühstück und nach einem etwa halbstündigem Aufenthalte wird die Gruppe die Weiterfahrt nach Ercz Israel fortsetzen. SteU^^fl^ruderkamp^ln! Oberrabbiner Kook hat den folgenden Aufruf erlassen: An alle Parteien in Palästina und im Auslandet ich halte es fiir meine heilige Pflicht, von Euch allen zu verlangen, daß Ihr Euch — besonders nach diesem Urteil — mit dem rechten Geist des Friedens und der Geduld wappnet und in der Hoffnung, daß unser Recht triumphieren wird, den mörderischen Bruderkampf einstellt. Proklamationen der Histadruth und der Revisionisten Der palästinensische Arbeiterverband Histadruth Haowdim warnt in einer Proklamation an die Bevölkerung vor Provokationen die — wie ln Tel-Aviv am Tage des Generalstreiks — zu Zusammenstößen mit der Polizei führen könnten; diesmal, heißt es in der Proklamation, würden die JZusammenstöße viel ernster sein. Deshalb fordere die Histadruth die Bevölkerung aut, ln diesen Togen verantwortliches Gemeinschaftsbewußtsein zu bekunden, Ansammlungen zu vermeiden, sich von Provokateuren nicht verleiten zu lassen, den Verkehr nicht zu stören und die Polizei an der Aufrechterhaltung der Ordnung nicht zu hindern. In einer vom Revisionistischen Zentralkomitee erlassenen Proklamation heißt es: Das Urteil wird das jüdische Volk überall in der Welt aufwühlen; es ist jedoch kein endgültiges und wird automatisch von einem Appellationsgericht überprüft werden. Der Prozeß wurde in einer Atmosphäre von Verleumdung, Verhetzung und Blutdurst geführt; das Urteil des jüdischen Volkes ist wichtiger. D|e Proklamation vergleicht den Fall mit der Inquisition, der Blutbeschuldigung und den Prozessen gegen Dreyfuß und Beilis, und schließt, der Prozeß sei mit dem Ziel geführt worden, die Spaltung in den jüdischen Reiben zu vergrößern, die Einheit zu zerstören und die Juden an dem Kampf um ihre Existenz in der Zukunft zu behindern. Im Vertrauen darauf, heißt es zum Schluß, daß die Wahrheit triumphieren wird, fordern wir den Jiscbnw auf, Ordnung und Disziplin zu wahren. Herzl-Feier des zionistischen Landeskomitees am 23. Juni im Hotel Continental

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