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Die Stimme · 1934-06-12 · Heft 360 (12.6.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 360 (12.6.1934)
Date
1934-06-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 360 — 12. 'Juni 1034 Sonderfahrten nach Polen Aufenthaltsdauer 4 bis 8 Wochen 1. JULI 9. JULI POLN. V E R K. “FRANCOPOL“ Wien, IH., Rennweg 1 Telephon U 16-4-90 gewiß nber keine jiidisc-lie Geste, denn eine solche hatte sie doch deuten können. Um einen vorbedachten politischen Mord könne es sieh hier nicht handeln. Die Mörder haben nicht einmal das Wort ..T e 1 C h a i" (Kampfruf und Grußwort des Brith Trurapeldor) gerufen. Ei? liegt nicht die Spur eines Beweises vor, führte Samuel weiter aus. daß a.n diesem Freitag, den 16. Juni, irgend eine Verbindung zwischen Tel- Aviv und K f a r Saba, wo Rosenblatt wohnt«, bestand. S t a v 8 k y hatte die ersten Schritte zur B oschaff u n g d es V i s u m s für seine Polenreise fünf Tage, bevor der Mord au Doktor Arlosoroff geschah, getan. Er wußte damals noch nicht, daß Dr. Arlosoroff nach Palästina zuriiekkehrt. Die Tatsache, daß Dr. Arlosoroff nicht sagte, wer die Mörder seien, ist dahin zu deuten, daß es Araber gewesen waren. Horace Samuel machte auch eine Andeutung über das Zusammenleben des Ehepaares Arlosoroff und sagte, das fast ideale Bild, welches Frau Arlosoroff von ihrem Spaziergang mit Doktor Arlosoroff entwarf, sei durch die Auslage de« Zeugen Guth erschüttert, der bekundete, da ß d a .? E h e p aa r vor dem Spaziergang miteinander gestritten hatte. Der Anklagevertreter hat diese Aussage Guth? nicht in den Kreis seiner Erörterungen gezogen. Der Verteidiger Samuel versuchte, eine Rekonstruktion der Stellungen der Mörder einerseits und des Ehepaares Arloeoroff anderseits zu geben und führte aus, Frau Arlofioroff war nicht in der Lage, eine Darstellung der Stellung und der Bewegungen ihres Mannes genau zu geben. In Fortsetzung seiner Verteidigungsrede betonte Horace Samuel, daß Frau Arlosoroff bei ihrer ersten Aussage vor der Polizei erklärt hatte, beide Attentäter seien Araber gewesen, der eine ganz bestimmt. Frau Arlosoroff sei sicher gewesen, daß einer von den beiden mit arabischem Akzent sprach. Nach dem Gutachten Dr. David Yellins unterscheide sich der orientalische Akzent im Hebräischen deutlich von dem Akzent hebräisch sprechender Europäer. Wenn der Mann, der die Taschenlampe aufleuchten ließ, hebräisch sprach, so könne es nicht Stavsky gewesen sein Wenn Frau Arlosoroff jetzt ihre ursprünglichen Aussagen in Abrede stelle, so geschehe dies, um den Verdacht von den Arabern abzulenken. Die [Täter mögen vielleicht orientalische Juden gewesen sein. Warum verneine sie diese Möglichkeit? Offenbar auch nur, um den Verdacht von den Arabern abzulenken. Wenn Frau Arlosoroff jetzt erkläre, die Täter seien nicht Araber gewesen, so spreche sie die Unwahrheit. Sie wolle sich diese selbst einreden. Als man ihi Photographien zwecks Erkennung der Täter vorlegte, sagte sie: Zeigen Sie mir Photographien von Arabern. Jetzt leugnet sie, dies gesagt zu haben, wie sie so vieles andere leugnet. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen behauptete der Verteidiger, viele Zeugen seien infolge der feindseligen Einstellung der Staatsanwaltschaft und der eigenartigen Stellungnahme der Palästinaregierung zu diesem Fall abgehalton worden, Aussagen zu machen. Es sei besser und sicherer, die Wahrheit nicht zu sagen oder eine Aussage hinauszuzögern. Hier wurde der Verteidiger abermals vom Vorsitzenden unterbrochen, der erklärte: Dies hat mit. dem Fall nichts zu tun. Es wird mit .solchen Bemerkungen den Angeklagten nichts Gutes erwiesen. Horace Samuel erinnerte nun daran, daß die Z e u g i n K u 1 e z i n s k i ausgesagt hat, sie habe gehört, wie Frau Arlosoroff zu sieh sprach: ich darf nicht vergessen, was ich der Polizei sagen muß. Man müsse sagen, daß dies wohl ein seltsamer Ausspruch ist. Sodann bemühte sieh der Verteidiger naehzuweisen. daß Kran Arlosoroffs B cs e h r e i b u n g d c s T ä t e r s gar nicht auf S t a v s k y, sondern eher auf Abdul M e d s c h i d p n ß t. Die von der Polizei durchgeführte Identifizierung, auf die sich das ganze Beweisverfahren aul'bauo, .sei’ überhaupt unzulässig; denn sie sei mit der Tendenz geführt worden, neben Stavsky keinen anderen beleibten und unrasierten Burschen vorzuführen. In der Naehmittagssitzung des Gerichtes am 7. Juni versuchte der Verteidiger zu beweisen: 1. daß die von Stavsky und Rosenblatt. geführten Alibibeweise als gelungen zu bezeichnen seien, da die Alibizeugen zuverlässig sind; 2. daß die Polizei, nu.r um ihr Prestige zu retten, das Geständnis Abdul M e d s c h i d fl, wonach er und Issa el Darwish Dr. Arlosoroff ermordet hätten, unterdrückt hat. Wäre man, fuhr Samuel fort, dem Geständnis Abdul Medschids wirklich nachgegangen, so wären die Ergebnisse für die Polizei und ihr Prestige blamabel gewesen. Deshalb würde eine Untersuchung nach dieser Richtung unterlassen. Samuel analysierte dann die Versuche der Polizei, die an der Mordstelle gefundenen F u ßspuren als identisch mit jenen Stavsky» und Rosenblatts zu erklären: diese Beweisführung, sagte Samuel, ist vollkommen zusammengebrochen. Die Spurensucher haben absolut versagt, sie konnten die Schuhabdrücke der wirklichen Mörder gar nicht finden, weil erstens diese S p uren von der Meeresflut verwischt waren und zweitens die Spurensucher absolut nicht die Fußabdrücke von Personen, die Herrn und Frau Arlosoroff zugewandt standen, finden konnten. Drittens: Warum fanden die Spurensucher am Strande nicht den Abdruck des Körpers von Dr. Arlosoroff, der nach dem tödlichen Schuß zu Boden fiel? Vietens: Die Spurensucher haben nur Spuren von Schuhen mit Sporenketten gefunden; weder Stavskys noch. Rosenblatts Schuhe aber hatten Sporenketten. Fünftens: Der Spurensucher Abu R u z bekundete, daß die Schuhe des kleineren Mannes an der Tatstelle halbbesohlt waren; die Schuhe von Rosenblatt aber, der der kleinere und beiden Angeklagten ist, waren ganz besohlt. Sechstens: Insofern den Spurensuchern Gelegenheit gegeben war, im Gefängnishof Stavskys Schuhe am Tage vor der Identifizierungs- Vorführung zu besehen, muß der Wert dieser Vorführung gleich null gesetzt werden. Siebentens: Zur Vorführung wurden nur fünf Personen gestellt, während da* Gesetz acht Personen vorschreibt. Achtens: Avrum S c h a p i r o, einer der geachtetsten und Gericht nicht aus Hampelmänner bestand, aus l’olizoibütteln, die nach dem Willen verborgener Drahtzieher entscheiden. In breiten Kreisen, auch unter Juristen erweckten die Verhandlungsberielite der Ita alter auch den Eindruck, daß das Gericht eher zu einem Freispruch, als zu einem Schuldsprueh gelangen werde. Diese Erwartung hat sich nun als irrig erwiesen. Nach den bisherigen Berichten erscheint das Urteil jedenfalls unverständlich. Bis zur Drucklegung liegt uns die Begründung des Urteils nicht, vor. Es ist, daher schwer, Stellung zu nehmen. Das wird auch dadurch erschwert, daß die Ita das Plaidoyer des Staatsanwalts mit wenigen Zeilen abtut und dem Plaidoyer des Verteidigers viele Seiten widmet. Wir meinen alter, daß zunächst, die Juristen und nicht dio Politiker das Wort haben sollten. Es handelt sich hier um einen Indizienprozeß, der außerdem noch ein politischer Prozeß ist. Stawski ist nun verurteilt. Diejenigen, die an seine Unschuld glauben, oder zumindest von seiner Schuld nicht überzeugt sin 1. müssen zu seiner Verteidigung alles Zweckdienliche herbeischaffen, um eine Abänderung Jas Urteils zu erwirken. Es handelt sich um ein Menschenleben und es handelt sich um einen Juden, den ein Gericht des Mordes schuldig befunden hat. Es wäre a<»er verfehlt, diesen sicher tragischen Fall auch weiterhin zum S p i e 1 b a 11 der Parteileidenschaften zu machen. W öder d em Verurteilten noch der W a h r h e i t s f i n -\ u n g w ä re d am i t ein Dienst, erwiesen. ln einem Punkte dar: es keine differenten Anschauungen geben: Die W a h r h e i t. j s o 11 a n s L i c h t komme n. Ist Stawski der Mörder, dann hat er sein Leben ver- [ w irkt. Aber in diesem Falle muß man sagen: Ein junger Mensch, ein Jude, wmrde durch politische Verhetzung zum Mörder und man müßte ihn begnadigen. .Seine Drahtzieher aber müßte man aus der Bewegung ausstoßen. Ist aber das Urteil nicht schlüssig, dann muß Stawski freigesprochen werden. Ein gutes Ergebnis aber sollte der Mord an Arlosoroff auf alle Fälle haben: Die bedingungslose Abkehr von den unjüdischen Methoden des politischen Kampfes, v o n II a ß und Terror. Rasiere dielt sui und billig Osterreichiscltes Quontats- Fabrikaf Ueberall erhältlich ■/. i o n i s t i s c h e n B c w c g u n g u n d d nm i t, des jüdischen Volkes o n ts e t z 1 i c h sein. Gießt, nicht, öl ins Feuer! ¥ Stavsky beteuert seine UnsehuSd Wie der „Hajul“ aus .Jerusalem berichtet, erhielt nach Verkündung des Urteils Stavsky das Wort zu folgender Erklärung: ,,Ich bin unschuldig“ -- begann Stavsky — ..während der Ausführung des Mordes in Tcl-Awiv schli’f ich im Hotel Tiirgcmeiin in Jerusalem. Der Prozeß gegen mich ist eine Provokation seitens der Arbeiterpartei Palästinas und der PaULsfiriarcgiming, Ich bin absolut unschuldig. Ihr Richter seid verantwortlich für mein Leben und für das Leben meiner Eltern. All jene, die vor dem Gericht falsche Zeugenaussagen machten, werden von ihrem unruhigen Gewissen gepeinigt werden. Ich glaube ’ — schloß Stavsky seine mit aufgeregter Stimme gemachten Ausführungen — an die englische Gerechtigkeit, die beweisen ward, daß man einen unschuldigen Menschen nicht zum Tode verurteilen darf. Mit Ihrem Urteil haben sie die Ehre ihres ganzen Volkes verurteilt. Ich bin unschuldig-.“ RAD FUSCH Als Arlosoroff am 8. Juni 1933 im Wiener Konzerfchdussaale sprach, da forderte er das Zusammenwirken aller Zionisten, um den Jirschuw stark und mächtig zu machen. Und er erzählte am Schlüsse seiner Ausführungen eine kleine Geschichte. In einem russischjüdischen Städtchen brannte es, oin Haus nach dem anderen wurde vom Feuer ergriffen, das Wassei ging zur Neige und die verzweifelten Juden baten ihren Rabbiner um Rat. Der weise Mann dachte lange nach und sagte dann: „Kinder, es gibt keine andere Rettung alb die: Gießet Wasser ins Fcue r.“ Und Arlosoroff rief aus: „D ä s s a g e a u c h i c h Dr. Ardilti’H Kuranstalt und Hotel Post 1213 m Seflifihc, bei Zell am See. Saisonbe"iim 28. Juni. Vollpension S 0.— biß S M.—. Zimmerbestellung, Prospekte bis 20 VI. bei Dr. Arditti, Wien, XIII., Wattmann- RQBSe 20, Tel. R OO-li-l.'t, spiiter Bad Fusch Tel.-Nr. 3t oder Bnltnxc, Wien, Mariahllferstrnfle 126—128 von 0 bis 11 Uhr Jahrzelf nach Dr« ArlosoroSI vertrauenswürdigsten Juden in Palästina, < I h u e n. Gießer Sie Wasser, gießen Sie nach Palästina Ideen, Arb e Ft, Energie n, Kapital, M e nsehen, abergießen S i e!“ Das waren dio letzten Worte, die Arlosoroff öffentlich gesprochen hat, das war hat hier vor Gericht bezeugt, daß Abu R u z selbst ihm gesagt habe, er verpfände seinen Kopf dafür, daß die Schuhabdrücke am Strande nicht die der Angeklagten Stavsky und Rosenblatt sind. Der Verteidiger meldete Berufung an das Appellationsgericht an. (Hier bricht der Bericht der „Ita“ ab. Die Red.) Zur Verhandlung vor dem Gerichtshof in Jerusalem war als Vertreter der Presse lediglich der Jerusalemer Berichterstatter der jüdischen Telegraplienagentur zugelassen. Die Öffentlichkeit ist daher nur auf seine Verhandlungsborichte angewiesen. In breiten Kreisen erweckte der Bericht über den Freispruch Achi Meira deswegen Genugtuung, weil er bewies, daß das Arlosoroff« politisches rtis: Vermacht• Die Jahrzeit nach dem Tode Dr. Chaim Arlosoroff? wurde am 22. Siwan (5. Juni) in ganz Palästina durch Gedenkfeiern begangen. Die jüdischen Zeitungen widmeten mehrere Seiten ihrer Ausgaben der Erinnerung an den ermordeten Führer. Die Hauptgedenkfeier, die von der Exekutive der Jewish Agertcy gemeinsam mit dem Waad Leumi veranstaltet worden war, fand im Gebäude der Jewish Agency statt. Gedenkreden hielten Miß Benrietta S z o 1 d und Mosche S h e r t o k. Die Palästina - Exekutive der Jewish Agency hat eine Proklamation erlassen, in der es heißt: Die zionistische Bewegung senkt heute ihre Fahnen über dem ein Jahr alten Grab ihres jungen Führers. Daß Grabdenkmal für Dr. Arlosoroff wurde am 6. Juni in Anwesenheit von Mitgliedern der Zionistischen Exekutive, des Waad Leumi und hervorragender Repräsentanten de« Jischuw feierlich enthüllt. Nur geladene Gäste hatten Zutritt. Anläßlich des ersten Jahrestages nach dein Tode Dr. Arlosoroffö wurde eine Straße in Jerusalem nach ihm benannt. Gemeinsame Aufbauarbeit und nicht das ewige Geklapper der Parteigebetmühlen, praktische Arbeit durch das Zusammenwirken aller Gruppen und nicht das Trommelfeuer exaltierter Deklarationen und Demonstrationen sind das Wasser, das den Brand des zionistischen Hiuses löschen kann. E rfülletArlosoroffsVormäehtnis! Wenn ihr nicht jetzt zur Besi’nnung kommt, wird euer Erwachen, wird das Schicksal der BILLIGE FERIENREISEN NACH POLEN Abreise 1. u. 8. Juli 1934 Nähere Auskünfte: Büro Dr. S. Tocher, I.. Kärntnerring 12. Tel. U 24-301 AuitrobuS/ I./ Dr. - Karl Luegerring 12. Tel. U 24-0-10 Anoy me Spende! Herr Robert Steiner, Wien, XIV., spendete zur Verteilung an drei kindc’-'-seIie Familien auch heuer zu don Possach-Feiertageu S 160. Juden Wiens I Ehret das Andenken Theodor Herzls - Kommet zum Orabgarts am 24. Juni Herzl-Feier des zionistischen Landeskomitees am 23. Juni im Hotel Continental

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