Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-06-12 · Heft 360 (12.6.1934) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 360 (12.6.1934)
Date
1934-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054114--4276-3059884
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

v. b. b. Erscheint Dienstag und Freitag Pnb tfleeer Nummer 20 g Nl*. 360 I WlflH. M« Jutli 10X4 I Redaktion und Administration Wl®n, ». KSrntneretiaÖ® 2b I TT,W» *«' *,UU1 I T®». R 37-4*5 RedaktlonaaehluB Montag und Mlttwooh vorm. JÜDISCHE ZEITUNG dazu brauchen die zarlen Fufrknodien unbedingt eine Stütze: Dr. Hechts Spezialeinlagen für Kinderl Dein Kind soll elnsl auf geraden« gesunden FüM" siehen —• dazu brauchen die zarlen Fufjknodien FACH INSTITUT BANDAGEN-MIKOLASCH TABORSTRASSE 22, R 40-0-61, R 47-1-85 Seit 32 johren für den Kinderjuf» spezialisiert | 5694) | 7. Jahrgang Sfavsk^zumT^deveruHeill^oseiiblainreBge^Fodieii Jerusalem, 8. juni. Berichte der Jüdischen Telegraphen-Agentur In der Sitzung des Gerichtes am Freitag, den 8. Juni, vormittags, verkündete der Vorsitzende Richter Corrie das Urteil in dem Prozeß gegen Abraham Stavsky und Zwi Rosenblatt, die unter der Anklage standen, am t6..Juni-1933 abends am Strand bei Tel-Aviv den Führer der palästinensisch-jüdischen Arbeiterschaft und Mitglied der Exekutive der Jewish Agency Dr. Chaim Arioso r off ermordet zu haben. Das Gericht fand Stavsky des vorbedachten Mordes schuldig und verurteilte Ihn zum Tod e.. Der zweite Angeklagte Rosenblatt wurde freigesprochen. Das Gericht nahm den Alibibeweis Rosenblatts für gelungen an, während es den Alibizeugen Staviskys, denen andere Zeugenaussagen gegentiberstanden, keinen Glauben schenkte. Das Urteil hat ln der palästinensischen Öffentlichkeit einen tiefen Eindruck gemacht; nach dem Verlauf des Prozesses wurde allgemein ein Freispruch beider Angeklagten— nachdem der dritte Angeklagte Achi Mair noch mitten im Prozeßverlauf außer Verfolgung gesetzt worden war — erwartet. Wien, 11. Juni 1934. Am 8. Juni 1933 lauschte eine dichtgedrängte Menge im Wiener Konzerthause Dr. Chaim A r 1 o s r o f f. Wie er da sprach, geisteprühend und doch fern vom landläufigen Pathos, redegewandt und doch ohne torische Kunststücke frei von der Dogmatik seiner.Partei, getragen vom Bewußtsein, die ganze Bewegung zu repräsentieren, fühlte man: Hier wächst eine ungeheure Begabung heran, das ist der Mann, der berufen ist, einmal der Führer der Weltbewegung zu sein. Acht Tage später, am 16. Juni 1933, war dieser Traum ausgeträumt. Von den Kugeln eines feigen Mörders getroffen, hauchte Arlosoroff seine edle Seele aus. Drei jugendliche Revisionisten, AchiMeir, Stawsky und Rosenblatt werden, als des Mordes verdächtig, in Haft genommen. Sie seien Mitglieder einer geheimen Terror- Organisation, behaupteten die Linken. Araber waren die Mörder, behaupteten die Revisionisten. Wenige Wochen später tritt in Prag der 17. Zionistenkongreß zusammen. Die Linke weigert sich zunächst mit den Revisionisten an den Beratungen des Kongresses teilzunehmen. Nach tagelangen Beratungen dos Aktionskomitees kann endlioh der Kongreß, der vor der Sprengung steht, in seine meritorischen Beratungen eintreten. Das Aktionskomitee hatte beschlossen, eine Kommission zur Untersuchung der Mordaffäre nach Palästina zu entsenden. Sie soll, unabhängig von der gerichtlichen Untersuchung die Schuldfrage prüfen und feststellen, ob d/ie behauptete g eheime revisionistische Terrororganisation besteht. M o t z k i n, Ussischkin, Gold mann und andere aufrechte Männer gehören der Untersuchungskomimission an. Da stirbt Motzkin und seither ist es um sie still geworden. Zu Pessach 1934 tagt das Aktionskomitee in Jerusalem. Motzkios Stelle in der Kommission wird nicht besetzt und die Kommission hat bis heute ihre Beratungen nicht nicht getagt? Wir möchten die Antwort hören. . # Am 6. Juni 1934 wurde Arlosoroffs Grabdenkmal enthüllt. Und zur gleichen Stunde — ist das Zufall oder Absicht, -‘- beginnt das Playdoyer des Ober* Staatsanwaltes Trasted* Ein Engländer, ein Jude und ein Araber bilden den Gerichtshof. Achi M e i r sitzt nicht mehr auf der Anklagebank. Das Gericht hat ihn noch währenddes Prozesses freig-esprochen. Er wird sich wegen Geheimbünde 1 e i zu verantworten haben. Zwei Stunden spricht Trusted. Er verlangte vom Gerichtshof — wir folgen hier dem Berichte der Jüdischen Telegraphen-Agentur , daß er Abraham Stavsky und Zwi Rosenblatt schuldig spreche, und stützte diese Forderung auf sieben Punkte: E rstens auf die Aussage Frau Arioso r o f f s, die fest behauptet, in den Angeklagten die Mörder erkannt zu haben; zweite n& auf die Aussage Mosche Weisere, der zur Zeit der Tat auf dem Strande von Tel-Aviv war und behauptet, beim Aufleuchten der' Taschenlampe Stavskys Silhouette erkannt zu, haben; .d r i t fc e n s auf di« Außßagen der Spurensucher; v 1«rteis auf die; %eügenaussage A b d ü 1 M e d s 6 b i d s; f ü i f t e n s auf die I d e n t i f i z i erüngsvorf ti h r u n g, bei der Frau Arioso-röff'Staveky und sechstens auf diejenige, bei der sie Roficiiblatt erkannt haben will; siebentens auf die Vorfälle beider Versammlung in Klar Saba.. Der Oberstaatsanwalt erklärte bei der Beurteilung de6 Falles müsse das Hauptgewicht auf die Aussage von Frau Sima Arlosoroff gelegt werden, da sie die Mörder gesehen und erklärt habe, es seien Juden gewesen. Um 12 Uhr mittags begann dann das Plaidoyer des Verteidigers Horace Samuel Er erklärte, bei dem Mord an Dr. Arlosoroff habe es sich um ein unvorbeitetes Sittlichkeitsattentat, nicht aber um einen politischen Mord gehandelt. Der Fall habe mit den Persönlichkeiten der beiden Angeklagten . Stavsky und Rosenblatt nichts zu tun. Der Verteidiger begann mit einer Schilderung der Atmosphäre, in der das Verfahret» eröffnet wurde. Dr. Arlosoroff, ein hervorragender Führer der Arbeiterschaft, war von der Hand e i n e s . S i n n e s v e r w i r rten gefallen. Die Polizei habe ein brennendes Interesse daran gehabt, um jeden Preis jemanden als Mörder ausfindig zu machen, weil bei der Aufklärung dieser Mordtat ihr ganzes Prestige auf dem Spiele stehe. Um ihr Interesse zu wahren, habe sie irgend jemanden mit dem Verbrechen in Verbindung bringen müssen. Wenn der Gerichtshof diesen Umstand in Betracht ziehe, dann werde er auch den Geäst des gesetzwidrigen ränkevollen Vorgehens der Polizei in diesem Fall erkennen. Es liege auf der Hand, erklärte der Verteidiger weiter, daß zwischen Arbeiterparteilern und Revisionisten ein scharfer Gegensatz bestand, und daß es daher im Interesse der - einen Partei lag, den Mordfall für ihre Zwecke auszunutzen. Infolge des vorschriftswidrigen Vorgehens der Polizei seien eine Anzahl politischer Dokumente verschwunden. Wo zum Beispiel, fragte der Verteidiger, ist der erste Bericht des Spurensubhers, der offenbar vernichtet wurde? Wo ist das mit Subhi el Zablavi aufgenommene Protokoll? Wo sind die Photographien, die sich in einer Tasche der Jacke Rosenblatts befanden und von der Polizei beschlagnahmt wurden? Die Alibizeugenwerden von der Polizei feindseligbehande 11. Die Polizei hat aufgenomraen. Warum nicht? Der gerichtlichen Untersuchung wird von den Revisionisten Mangel an Objektivität vorgeworfen, Angeberei und Spitzeltum treiben eklige Blüten, die unglückselige Mordaffäre wird beiderseits ausgeschrotet, zu einem Politikum ersten Ranges gemacht und die Kommission schweigt weiter. Wir, die wir diesem widerlichen Parteistreit ferne stehen, fragen hiemat: Warum hat die Untersuch ungskommission Dl« indischen Bürgerrecht« in Lettland unangetastet Riga, 7. Juni. Der lettländische Ministerpräsident, Herr U1 m a n i s, empfing drei jüdische Deputierte des früheren lettländischen Parlaments, den Führer des Misrachi, Rabbiner Dr. N u r o k, und die Führer der Agudas Jisroel, Rabbiner D u b i n und Wittenberg. Der Ministerpräsident erklärte, daß die von der Judenschalt zum Ausdruck gebrachten Wünsche und Hoffnungen auch die seinen seien, und fügte hinzu: Es wird in Lettland keine Beschränkung der Rechte der Juden Platz greifen; die Regierung wird die zionistische Bewegung nicht hemmen. Der Ministerpräsident versicherte, daß das jüdische Schulwesen im Lande weiterbestehen wird. verschiedenes gemacht, was sonst in solchen Fällen nicht gemacht wird. Zur Frage der Mo tive. für den Mord übergehend, erklärte der Verteidiger, es gebe überhaupt keine solchen Motive.: Es liege kein Beweis vor, daß die Revisionisten Gründe hätten, Dr. Arlosoroff zu ermorden. Der politische Gegensatz zwischen Revisionisten und Arbeiterparteilera habe nicht eine solche Schärfe erlangt, daß er zur Ermordung eines glänzenden Parteimannes hätte führen können. Die beid en jungen Leute, die hier auf der Anklagebank sitzen, haben mit dem Mord nicht« zu tun. In der Nachmittagsitzung des 6. Juni fuhr der Verteidiger Horace Samuel in seinem Plaidoyer fort und gab eine eingehende Ana- . lyse der Aussagen von Frau Sima Arlosoroff. Er führte aus: Stavsky traf am Freitag, den 16. Juni 1933, 6 Uh.r nachmittags aus Tel-Aviv in Jerusalem ein. An dem gleichen Nachmittag kam Dr. Chaim Arlosoroff aus dem Kinderdorf Ben Shemen, wo er mit dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope gefrübstückt hatte, nach Tel-Aviv. Wie konnten Stav.sky und Rosenblatt wissen, daß Dr. Arlosoroff in Tel-Aviv zu bleiben gedenke, wie konnten sie wissen, w o er den Abend verbringen werde, wie konnten Stavsky und Rosenblatt, die miteinander keinen Verkehr hatten und in weit von einander liegenden Orten weilten, mit einander in Verbindung treten? Es liegt auch nicht die Spur eines Beweises vor, daß Stavsky Rosenblatt oder Rosenblatt Stavsky kannte. Alle die von Frau Arlosoroff geschilderten Umstände weisen klar auf ein Sittiiohkeitsattentat hin. Frau Arlosoroff sah nicht das Gesicht des Schieß e n d e n, weil dieser nach ihrer eigenen Aussage eine solche Stellung einnahm, daß sie sein Gesicht nicht sehen konnte. Trotzdem hatte sie das Gefühl, daß in seiner Haltung ihr gegenüber etwas Unheimliches lag. Frau Arlosoroff hat selbst auf die Ermordung des jüdischen jungen Mannes Stahl und seiner Begleiterin, des jüdischen Mädchens Z o h a r, auf dem Strande nicht sehr weit von Tel-Aviv hingewiesen. Stahl ist von Arabern durch Messerstiche getötet worden, die Zohar wurde vergewaltigt und starb an den Folgen. Diese von Frau Arlosoroff angedeutete Assoziation zeigt, daß sie ein Sittlichkeitsattentat fürchtete; die orientalische Geste, die der Schütze ihr gegenüber machte upd die sie nicht vefstand, muß eine im Orient. ühMehe Geste mit sexueller Betonung gewesen sein,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.