Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 359 (8.6.1934)
- Date
- 1934-06-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 0 DIE STIMME Nr. 359 — S. '.Tun! 1394 Die Zionisten und die Neuwahl des Badener KuItusaussdiusses Wirtschaftskräfte in diesem Lande. Da die Juden muhten, so zeigte es sich, daß so ziemlich alles ruhte, was in diesem Lande modern-wirtschaftlich aktiv ist. Wer die Fähigkeit hatte, die augenscheinlichen Beweise des jüdischen Schaffens, die jetzt so bewegungslos dalagen, die Häuser, die Straßen, die Geschäftsbetriebe und Werkstätten hinwegziudenken, für den blieb im äußeren Bild nicht viel mehr zurück, als was er vor einem Menschenalter zu sehen bekommen konnte. Zweifellos sind weite arabische Schichten seither reicher geworden — aber wo sind die vielen jüdischen Millionen geblieben, die in ihre Hände geflossen sind? Wo die wirtschaftlichen Betriebe. in denen sie fruchtbar wurden? Was nicht in Orangegärten und in einer Ausweitung der zumeist an Juden vermieteten Stadtviertel angelegt, ist, ist steril thesauriert. oder, beim Volk, versteckt und vergraben. Der ungeheuer geweitete arabische Arbeiteraum hängt an der jüdischen Aktivität. die an diesem Tage für sieben Stunden stillgelegt. wurde. Es bileb nicht viel mehr zurück, als der seinen Esel reitende Fellach auf der stillgelegten Landstraße, die gemächlich vor ihrem Kaffeehause die Wasserpfeife schmauchenden Araber und die in den Straßen mit ihrem Messinggetschirr klingelnden Baratverkäufer. Allerdings auch noch die jetzt in gewaltiger Zahl beschäftigungslos gebliebenen arabischen Lastträger. Der Orient vor fünfundzwanzig Jahren war wieder hergestellt. Wie durch eine chemische Scheidung der Elemente wurde die Zusammensetzung des Körpers, der modernes Palästina heißt, bloßgelegt. An diesem Tatbestand hegte bisher niemand einen Zweifel, nur wurde er bei dieser Gelegenheit deutlich demonstriert, SUCHE für meine Tochter, junges, hübsches, intelligentes Mädchen aus gutem jüdischem Hause, mit Barvermögen, die im Herbst als seblst. SchneiderinZeriifikat erhält, intelligenten, religiösen Gatten nach Palästina, dem dort als Beamten in Fabrik Stellung verschafft werden kann Zuschriften unter „Genaue Angaben, anonym zwecklos“ an die Administration Ehrung für Kurt Blumenfeld Berlin, 1. Juni. Die deutschen Mitglieder der Jewish Agency und das; Präsidium des Keren Hajessod in Deutschland hatten den Leiter des von der Zionistischen Exekutive neu geschaffenen Departements für zionistische Propaganda und Schulung, den früheren langjährigen Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Kurt B1 um e n f e 1 d, anläßlich seines Aufenthaltes in Berlin gebeten, einen Abend im Kreise der Zeichner und Freunde des Keren Hajessod zu verbringen. Dieser Einladung Folge leistend, sprach Blumenfeld am 30. Mai im Großen Saal de* Berliner Logenhau&es im Rahmen eine« Palästina-Abends des Keren Hajessod vor über 600 geladenen Gästen über das Thema „Im Bannkreis Palästinas“. Die Versammlung gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Begrüßung für Kurt Blumenfeld anläßlich seines 50. Geburtstages. Eine Erklärung der Harand-Bewegung Zu dem in unserer letzten Freitagnummer veröffentlichten Artikel „Die Geldsammlungen der Union im Auslande“ ersucht uns Frau Irene Har and um die Feststellung, daß die Harrand-Bewegung der Sammelaktion der „Union Österreichischer Juden“ vollkommen ferne stehe, und daß sie von der „Union österreichischer Juden“ weder vor noch nach Einleitung der Sammelaktion des Herrn P. auch nur einen Groschen erhalten habe. Sie habe auch von der Union noch nie eine finanzielle Hilfe erbeten. * Wir geben dieser Zuschrift Raum und bemerken zu derselben, daß der von uns veröffentlichte Artikel ohnedies mit hinreichender Deutlichkeit unsere Meinung zum Ausdruck brachte, daß aus den von der Union gesammelten Geldern der Harand-Bewegung 1 keinerlei Mittel zugefloesen sind. | Für den 24. Juni d. J. wurde die Neuwahl der Ausschüsse der Israelitischen Kultiusgemeinde Baden ausgeschrieben. Zu wählen sind insgesamt 12 Mitglieder des engeren und weitere 12 Mitglieder des erweiterten Kultusausschusses. Aue dem ersteren geht das viergliedrige Präsidium hervor. Während bei den letzten Wahlen im Jahre 1931 die Zionisten noch eine kleine unorganisierte Gruppe der Badener jüdischen Bevölkerung daretellten, sind sie seither, besonders durch Zu wache aus der herangewachsenen zionistischen Jugend, zu einer starken und gut organisierten Minorität geworden. Das ermöglicht nunmehr den Zionisten aller Schattierungen zum erstenmal den Kampf um die Steilung in der Kultusstube zu führen, und zwar mit, nicht ungünstigen Erfolgsausßichten. Um so mehr, als mit der derzeitigen Majorität, dem Israelitischen Wirtschaftsverein — einer Vertretung des hauptsächlich wirtschaftlich orientierten und religiös-toleranten Bevölkerungsteiles, der mit den Zionisten sympatißiert — eine Wahlgemeinschaft geschlossen wurde. Diese Koalition wurde den Zionisten vor allem aus der Erwägung diktiert, daß in der Gemeinde noch ein veraltetes Wahlsystem existiert. Dieses Wahlsystem, ein relatives Majoritätswahlrecht, hei dem jeder einzelne Kandidat, der die meisten Stimmen auf sich vereinigt, der Reihe nach als gewählt gilt-, bietet einer zahlenmäßigen Minorität fast gar keine Aussicht auf die Erringung einer gebührenden Vertretung. Dies war der Grund, warum die Zionisten seit langem, besondere intensiv seit einem Jahre, seit sie durch eine Ergänzungswahl einen Vertreter in der Person des Gesinnungsgenossen Dr. Josef Alles in den Ausschuß brachten, den Kampf um ein gerechteres Wahlrecht führten. Sie wurden dabei durch den oben erwähnten Wirtschafteverein unterstützt, der aber die notwendige Zweidrittelmajorität durch die Gegnerschaft der Agudisten- Minorität im Kultusausschuß nicht erreichen konnte. So blieb es beim alten System. Im übrigen spitzt sich der Wahlkampf vom Standpunkt der bisher in Baden rivalisierenden Gruppen — dem Wirtschaftsverein einerseits und der agudistiechen Gruppe unter dem Namen „Jüdische Arbeitsgemeinschaft“ anderseits — auf den Gegensatz zu, der sich sachlich am besten aus den Ursachen der jetzigen Budgetgestaltung erklären läßt. Bei den alten Parteien ist ja der Begriff der allen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung dienenden Volksgemeinde unbekannt und es ist daher kein Wunder, wenn das Budget lediglich auf Kultusbedürfnisse zugeschnitten war. Dabei spielte eine besonders verhängnisvolle Rolle die frühere, vor dem Jahre 1931 herrschende Majorität der Agudisten, welche durch übernähme untragbarer Verpflichtungen, durch Übersteigerung von Spitzengehältern der höchsten Kultusangestellten, wie überhaupt einer Hypertrophie der Beamtenzahl, es dahin brachte, daß heute ungefähr 75% des Budgets für Gehälter, Pensionen und soziale Lasten der Angestellten verwendet werden müssen. Es ist klar, daß dies zu einer Demoralisierung des öffentlichen jüdischen Lebens führen mußte, da es ja keinem Steuerträger, keinem vernünftig denkenden Menschen einleuchten kann, daß es dem Judentum und der ganzen jüdischen Bevölkerung dient, wenn vom Gesamtbetrag, beispielsweise des Budgets von 1933 im Betrage von S 86.000, eine Summe von S 63.000 für die Angestellten ausgegoben wird. Wo bleiben da alle andern Bedürfnisse kultureller, sozialer Natur, wo jene nationaler Bedeutung, wie sie ans dem Aufbau Palästinas, au« Berufeumschichtung oder der heute für alle Juden so bedeutungsvollen Palästinawanderung resultieren? Dazu kommt, daß durch die Uneinigkeit im Rabbinat. immer wieder unduldsame, nur a.uf einen kleinen Bevölkerungsteil bedachte Maßnahmen getroffen werden, durch welche der übrige Teil der Judenschaft vor den Kopf gestoßen wird. Alle diesbezüglichen Schlichtungsversuche scheiterten bisnun an der Starrheit der gegensätzlichen Auffassungen und au einer aus falschem Prestige geborenen UnVersöhnlichkeit. Die Zerrissenheit und zeitweise die Würdelosigkeit des Kampfes des einen Bevölkerungsteiles gegen den andern aus obigen Gründen, wollen die Zionisten nun durch ihre grundsätzlich andere Anschauung von den Aufgaben und vom Leben einer jüdischen Gemeinde, beseitigen helfen. Die Einseitigkeit im jüdischen Leben, muß, in strengster Anlehnung an die religiösen Traditionen, einer Allseitigkeit der Bedürfnisse und Notwendigkeiten des Lebens, und zwar der ganzen Judenschaft angepaßt werden. Nicht mehr darf die überlebte Anschauung der Emanzipationsepoche da« Leben der jüdischen Gemeinde bestimmen, daß Judentum nur Konfession sei, daß «ich Lebensform und Inhalt im Kultus allein zu erschöpfen haben. Das weitem auf allen Gebieten des Lebens fließende Dasein der Nation, das durch die grandiose Inspiration E r e z Israel, des neuen Herzens des V o 1 k e s, nie geahnten Impuls erhielt, muß Grundlage auch des jüdischen Lebens der Gemeinde werden. Dann wird kleinlicher und engherziger Kampf um Nichtigkeiten, werden Würdelosigkeit und Verantwortungslosigkeit in der Zeit höchster Gefahr von Außen, immer mehr auch aus dem „Stil“ der alten Kultusgemeinde verschwinden und das Bewußtsein der Verantwortung für die höchsten nationalen Güter wird sich auch im Leben der kleinen Volksgemeinde so auswirken, wie es das Gesamtleben des Volkes verlangt. Mit diesem Ziel wollen wir auch in Baden an der Neu- und Umgestaltung des jüdischen Lebens mitwirken und damit hoffentlich neuen Impuls und neue Hoffnung in die jetzige Zerrüttung und Ziellosigkeit tragen. Wir zweifeln nicht daran, daß der Großteil der Judenschaft Badens heu tehiefürmehrVerständnis aufbringen wird, als für die galuthhaften Irrwege der vergangenen Jahre! Ludwig Grünwald, Baden. * Jüdischer Kiub, Baden. Die rührige Ortsgruppe Baden hat einen großen Erfolg zu verzeichnen. Am Montag, den 28. d. M„ konnte sie sechs Jugendliche ihrer vortrefflich geleiteten Jugendsektion (Gordoniah) auf Hachscharh nach Hohenau senden. Das Fuscher Tal, eines der schönsten Salzburger Täler, besitzt einen Glanzpunkt in dem 1231 m hoch gelegenen Bad Fusch, dessen Quellen seit langem sich der größten Heilkraft erfreuen. Dr. Ardittis Kuranstalt und Hotel Post liegen auf einem kleinen von Fichten umschlossenen Hochplateau. Gästo, die sich 14 Tage in Bad Fusch aufhalton, werden nach vorheriger Anmeldung von der Bahnstation kostenlos abgeholt. Zionistische Bezirkssehtion Leopomstadt Klah „Erez-Hrael“ Mezzanin —Telephon R ^42-407 Einziges Wortkonzert Herz Großbari (Auf der Durchreise) Dienstag, den 12, iunl 1934, um halb 9 Uhr abends, Im Chajes-Saale der Zion. Bezirkssektion II. Im Programm: I. Perez, Scholem Alejchem, Mosche Nadir, M. L. Halpern, A. Lutzki, Elieser Steinberg, Mosche Kulbak, Itzig Manger u. v. a. Karten erhältlich: Im Sekretariat der Sektion und bei allen Vorstandsmitgliedern KINOPROGRAMMEDERWOCHE Leopoidstfldter Volkskino Telep°hon8Rr4»-0-23 Vom 8. Juni bie 11. Juni Sehnsucht nach der Einen mit Mnrcell Wltrisch Wochentags V»fl. 7,8, 7,10 Uhr, Sonnu. Feiertags 7>4 Uhr Die Sommeraktion der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Von der Leitung der Fürsorgestelle der Israelitischen Kultusgemeinde Wien erhalten wir die folgende Zuschrift. Der Widerhall, den unser Aufruf für das jüdische Kind in den Kreisen der Wiener Judenschaft gefunden hat, beweist, daß wir im Sinne der überwiegenden Mehrheit der Wiener jüdischen Bevölkerung handeln. Wir sind bestreibt, möglichst vielen jüdischen Kindern, soweit sie auf Grund ärztlicher Befunde für die Aktionen der Kultusgemeinde oder für die von der Kultusgemeinde subventionierten Vereine geeignet erscheinen, einen Monat richtiger Erholung zu ermöglichen. Die Wirtschaftsnot der jüdischen Bevölkerung ist leider eine so große, daß viele Eltern auch die kleinsten Beiträge oft nicht aufbringen können. Wir danken daher allen, die bisher verständnisvoll durch Überweisung von Beiträgen unsere Aktion “Jüdische Kinder aufs Land“ gefördert haben. Die Pessach-Aktion und die große Winterhilfeaktion sind beendet, und notgedrungen müssen wir die Sommermonate dazu nützen, um den Kindern ein wenig Erholung und einmal vier Wochen entsprechende Kost zu verschaffen. Wir wollen aber auch den im Erwerbsleben stehenden, wirklich Kurbedürftigen Heilung ermöglichen. Wir haben daher auch heuer, wie in den früheren Jahren, einer großen Zahl von Bedürftigen Kurbeiträge bewilligt. Es muß aber betont, werden, daß wir dem Unfug unter dem Titel „Kurbeitrag“ Berufsschnorrern die Reise nach Karlsbad, Pistyan oder anderen Orten zu ermöglichen, energisch entgegentreten. Wir gewähren Kurbeiträge nur solchen Menschen, die ärztlich verordnetc Kuren, wenn möglich, in ärztlich beaufsichtigten Heimen, durchführen können. Menschen, bei denen keine Aussicht auf die Wiedererlangung einer Berufstätigkeit gegeben ist. können nicht berücksichtigt werden, da unsere Mittel hiezu nicht ausreichen. Wir können auch nicht drei oder vier Jahre nacheinander denselben Menschen Beiträge bewilligen, sondern müssen nach strengsten ärztlichen und sozialen Grundsätzen handeln. Wir sind uns dessen bewußt, daß wir die große Not der Juden nur ein wenig lindern können. Wir hoffen, daß die jüdische Bevölkerung uns nach wie vor in diesem unserem Bestreben unterstützen wird. Dr. J. K 1 a b e r, Leiter der Fürsorgestelle. Herrn und Frau Arthur Reichert zur Bar-Mizwah ihres Sohnes Hans die herzlichsten Giückwürsche Zionistische Tischgesellschaft Meidling Wien, Juni 1934 Umschulungskurse Das Jugend'hiltewerk im Rahmen des zionistischen Landesverbandes veranstaltet gemeinsam mit der „Wirtischaftsstelle des Palästina-Amtes“ folgende Umsohulungvskurse: Tischlerei, Fliesenlegen, Herstellung von Etuis, Optik (Brillenmachen), Motorpflug- Traktorenschlosserei, Waschen, Bügeln, Miedermachen. Interessenten melden sieh jeden M o ntag, 18.30 bis 19.30 Uhr, im Zionistischen Landeskomitec, Wien, I„ Kärntnerstraße 28, bei den Sitzungen des Jugendhiltewerkes. Eine Stütze, wie eine feste Hand sind alle unsere Mode-und Maßschuhe,denn sie sind alle nach orthopädischen Grundsätzen gebaut LEOPOLD JELLSNEK nur VII., Burggasse 5 BAD FUSCH Oi*. ArdiUl’s Kuranstalt und Hotel Pont 1213 m Seehöhe, hei Zell am See. Saisonbeginn 28. Juni. Vollpension S fl.— bis S 14.—. Zimmorbestellmip, Prospekte bis 20 VI. bei Dr. Arditti, Wien, XIII., Wutlinnnngasse 29, Tel. R 30-0-33, später Und Fusch Tel. - Nr. 2, oder Baitaxe, Wien, Marlahilferatraße 126—128 von 9 bis 11 Uhr