Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 359 (8.6.1934)
- Date
- 1934-06-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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<! Nr. m — 8. Juni 1994 M. Henisch: Der Ausbau der Kreditkassa Als die Gründer der .,K r o d i t k a ß s a für K I o i n g e w e r b c u n d Kl e i n~ h a. n d c 1 i n W i e n“, ein kleiner Kreis sozia.ldenko.nder Männer mit dein inzwischen verstorbenen Oberrabbiner Dr. C h a j e s an der Spitze, vor mehr als elf Jahren diese Institution ins Leben riefen, ahnten sie wohl kaum, welch wichtige Rolle ihr derein-st hinsichtlich der Kredilbilfe für den jüdischen Mittelstand dieser Stadt zufa.llen wiid. Sie waren trotzdem bemüht, der Kasse von Anfang an eine ausreichende finanzielle Fundierung zu sichern, was ihnen dank der w e i t h e r z i g e n F ö r d e r u n g s e itens des American Joint Distribution Committee in weitem Maße a.ueh gelungen ist. Durch die ausgiebige Hilfe dieses Komitees und später der Joint- Foundation konnte die Tätigkeit der Kreditkaesa auf eine breitere Basis gestellt werden, die ihr ein erfolgreiches Wirken ermöglichte. Die Kreditkarte nahm eine rasche und günstige Entwicklung und bewährte sich schon nach kurzer Zeit als wahre Hilf squelle für die k r c d i t b e d ii r f t i g e jüdische Mittelschicht, besonders für den kleinen M a n n des Kaufmanns- und Gewerbestandes, dem jegliche Kreditquelle in der Regel verschlossen ist. Neben der Schar der selbstlosen Gönner und Förderer der Kreditkassa aus den Reihen der Wiener Judenschaft, zu denen in den letzten Jahren auch die Israelitische K u 11 u s g e m e i n d e und die Israelitische Allianz gilt namhaften Beiträgen hinzukamen, wuchs denn auch der Kreis ihrer Darlehensnehmer stetig. Mit Ende 1933 zählte sie 1730 kreditnehmende Mitglieder. ln den elf Jahren ihres Bestandes konnte die Kreditkaesa, trotz der ihr durch ihren charitativeri Charakter auferlegten Hemmun- Igcn, 7336 Darlehen i m Gesamtbeträge von 3,638.545 Schilling zur Auszahlung bringen. In zirka 80% der Fälle betrug das Einzeldarlehen zwischen 100 u n d 500 Schilling. Höhere Darlehen, allenfalls n i c h t über 1000 Schilling, wurden nur in Ausnahmsfällen gewährt. Es zeigte sich dabei, daß auch mit solchen verhältnismäßig geringen Krediten sehr viel Ersprießliches geleistet werden , kann. Vielen kleinen Leuten konnte mit kleinen Darlehen zu einem an stä n d i g e n produktiven Erwerb verholten, viele jüdische Existenzen mit ihrer Hilfe vor dem Zusammenbruch bewahrt oder neubegründet werden. Die Kreditnehmer gehören bisher zum überwiegenden Teil dem Kleinhandelsstande an, wobei fast alle Branchen vertreten sind. Einen beträchtlichen Prozentsatz bilden ferner die Kleingewerbetreibenden und II an dwerker. Es gibt außerdem auch eine Anzahl von Inhabern kleinindustrieller Betriebe sowie Angehörige freier Berufe. Neben der materiellen Hilfe für ihre Mitglieder leistete dio Kreditkassa auch eine ■wertvolle erzieherische Arb e i t, indem sie bei ihren Darlehensnehmern den Gemeinschaftssinn weckte und sie auch zur strengen Beachtung der kaufmännischen (.»rundsätze und der eingegangenen Verpflichtung vorhielt. Nicht zuletzt diesem Umstand ist es zu verdanken, daß trotz dor schweren Wirtschaftskrise der letzten Jahre die Rückzahlungen der Darlehen i m allgemeinen pünktlich erfolgten, und daß die Klagefälle und notwendigen Abschreibungen unbeträchtlich waren. Nach elfjähriger Tätigkeit steht jetzt die Kreditkassa vor einer E r w e i t e r u n g i h r o s bi« h o r ig e n Wirk ungs k v eis o s. Durch dio neugoschalfene Lage und namentlich durch die erfolgto Zusammenlegung der Banken dürften dom Kaufmanns- und Gewerbestande bisherige wertvolle Kreditverbindungon verlorongehen. Es erscheint daher dringend geboten, ihnen eine neue Kredit quölle zu erschließen und unbeschadet der bisherigen Klientel auch dio Schicht dor mittleren jüdischen ICa u f m a an s c h a f t in den Tätigkeitsbereich der Kreditkasßa aufzimehmon. , Diese Erweiterung; dor Tätigkeitsbasis der DIE STIMME 1 Kroditkassa soll Iland in Hand gehen mit ihrer inneren Umgestaltung, die die U mw a n d 1 u n g ihres bisherigen v o rw i e g e n d c li a r i t a t i v e n C h a r a kt e r s in einen kooperativen, mit. dom genossenschaftlichen Hauptziel der gegenseitigen Hilfe ihrer Mitglieder, herbeiznführen hätte. Mit dem Übergang der Kassa zur S e 1 b s t h i 1 f e auf g e n o s s c n s c h a f tl i o h e r G r u n d i a g o wird naturgemäß eine stärkere materielle Heranziehung ihrer wirklichen Mitglieder, d. h. dor Kreditnehmer, für die Zwecke der Genossenschaft erfolgen müssen. Der bisherige Zustand, wo das Betriebskapital der Kassa, fast zur Gänze von Wohltätern und Förderern, sei cs in der Form von Geschäftsanteilen oder von billigen Krediten beigestellt wurde, ißt für eine richtige Genossenschaft unhaltbar. In Hinkunft sollen daher die kreditnehmenden Mitglieder zu größeren Leistungen, und zwar entsprechend der Höhe des von ihnen in Anspruch genommenen Kredits verhalten werden, wobei die kleinen Leute mit ihren kleinen Darlehen möglichst geschont werden sollen. Im Interesse einer raschen und erfolgreichen Durchführung dieser angestrebten Erweiterung und Umgestaltung ist es jedoch unerläßlich, der Kreditkassa in möglichst kurzer Zeit die hiefür erforderlichen Mittel zur V e r f ü g u n g zu s t e 11 e n. In Erkenntnis dieser Notwendigkeit hat nun die Joint-Foundat. io ii in dankenswerter Weise sich bereit erklärt, der Kassa außer dem früheren beträchtlichen Darlehen noch einen weiteren Kredit einzuräumen. Allein abgesehen davon, daß der in Aussicht gestellte Betrag für die angcdcuteten Zwecke nicht ausreicht, wurde auch dessen Flüßsigni a c h u n g wie in den früheren Fällen an die B edin g u ng der vorherigen n e u erlichen A u f b r i n g u n g von entsprechenden eigenen M i tt, e I n a n O r t und Stelle geknüpft. Es ist zu hoffen, daß sich die Wiener J u d e n s e h a f t trotz ihrer ungemein tristen Wirtschaftslage dieser durcha ns v e r s t ä n d 1 i c h en u n d nie h t unberechtigten Fordern n g der Joint-Foundation nicht verschließen wird, um so mehr, als durch die Beistellung der nötigen Mittel den lebenswichtigen Interessen des in seiner Existenz arg bedrohten jüdischen Mittelstandes dieser Stadt aut besten und in der entsprechendsten Weise gedient werden könnte. Seite der Jugend Der Stadtkibbuz des Gdud Ziriiti Die Mitgliederzahl unseres Bundes wuchs im vergangenen Jahr bedeutend und es meldeten sich mehr Chawerim für die landwirtschaftliche Hachscharah, als wir Plätze für sie in Aussicht hatten. Wir beschlossen daher, einen städtischen Kibbuz zu schaffen, worin ein großer Teil dieser Chawerim eingeordnet werden sollte. Da wir für unseren Kibbuz in Erez Israel handwerklich geschulte Arbeiter brauchen, verbanden wir den Gedanken des kollektiven Zusammenlebens mit der Ausbildung und Umschichtung in produktive Berufe. Wir boten also den Chawerim Gelegenheit, in unserem Wiener Stadtkibbuz sowohl das 'Gemeinschaftsleben kennenzulernen, als auch Betätigung in verschiedenen Handwerken. Die Gründung des Kibbuz in dieser schweren Zeit machte uns wegen des Lebensunterhaltes der Chawerim und der Beschaffung von Arbeit schwere Sorgen. Heute können wir aber unbesorgt der Zukunft des Kibbuz entgegenschen, denn es steht außer Zweifel, daß der Kibbuz gedeiht und, wie ich hoffe, sich günstig entfalten wird. In folgendem möchte ich nun einiges von den Leistungen des Kibbuz berichten. Der Kibbuz, den wir mit 12 Chawerim gründeten, hat sich in dieser - verhältnismäßig kurzen Zeit auf 35 Chawerim vermehrt. Wer den Hunger der jüdischen Jugend nach Arbeit und nach Zusammenleben kennt, wird es zu schätzen verstehen, daß nun 30 j u n g e Juden von der Not des Tages g es c h ü t l t und in ein Leben von Arbeit und Freude getreten sind. Und jeder, der unseren Kibbuz besucht hat, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier eine Insel neuen Lebens in der großen Welt des Elends und der Not entsteht. Wie Tag und Nacht ist der Unterschied unserer Chawerim im Kibbuz zu jenen vielen jüdischen Jugendlichen in Wien, die ohne Ziel und Hoffnung ihr freudearmes Leben fristen. Gewiß geht es uns auch nicht allzugut. Es wird vielen sogar die 'Dürftigkeit unserer Lebensweise auffallen, aber Zufriedenheit aller Kibbuzmitglieder ist das charakteristische Merkmal unseres Kibbuz. Unter Tags sind alle eifrig bei ihrer Arbeit, sei es bei der besten Facharboit oder der einfachen Hilfsarbeit; denn sie wissen, daß sie für sich und für jene Chawerim sorgen müßsen, die sehnsüchtig auf den Eintritt in den Kibbuz warten. Der Abend sieht uns beim gemeinsamen Lernen, Sichofch und Unterhaltung vereint. Wenn wir auch noch am Beginn unserer städtischen Kibbuztätigkeit stehen, so ist dennoch schon der große Wert dieser neuen Einrichtung, zu erkennen. Haben wir auch noch, heute .viel*? Schwierigkeiten, die jede neue Sache mit sich, führt, zu überwinden, verbringen wir auch noch manche sorgenvolle Stunde wegen der Beschaffung von Geld und sonstigen Mitteln, eo dringt trotzdem auch nicht 'für eine Minute Verdrosaenheit in unsere Gemeinschaft und der Opfermut aller Kibbuzmitgliedor hilft uns über manches hinweg. ■ Es - ist ein besonderes Verdienst des Kibbuz, daß es-ihm gelungen ist, in dieser kurzen Zeit sechs Chawerim von 28 jähr. Kaufmann aus gutem ostjüd. Hause, bemittelt eminent tüchtig, weltbereist, sucht Einheirat in nachw. gutgeh. Geschäft mit entspr. Fräulein. Auch berufstät. Damen mit etwas Kapital, zur Existenzgründung geeignet, erwünscht. Unter: „Gemeinsames Schaffen“ an die. Administration ihrem Ha n d e Is b er u f in produktive Berufe u m z u s c h i c h t e n. Wenn man bedenkt, daß man heute um jede Schnitte Brotkämpft, wird man begreifen, was es bedeutet, auf den Verdienst von sechs Chawerim zu verzichten. Aber vor dem geschlossenen Gemeinschaftswillen schwinden alle Widerstände. Chawerim, die zu arbeiten verstehen, verlängern freiwillig ihren Arbeitstag, um jenen, die noch nicht produktiv JÜDISCHES KINDER¬ HEIM an der ADRIA (nächst Crikvenica) Leitung: Frau Prof. Helene Ueberall Besonders günstige Bedingungen Auskünfte und Prospekte Wien, VIII., Alserstraße 23, täglich von 9 bis 12 und 5 bis 7 Uhr Telephon A 29-2-87 schaffen können, die Mögli chic e i t zur Ausbildung zu geben. Alle sind gerne bereit, ihren Lebensstandard einzuschränken, damit der Kibbuz seine Bestimm u n g, Chawerim zu Handwe rk e r n u m z uschicli t eai, erfülle u kann. Denn ebenso, wie jeder von uns Brot zum täglichen Leben braucht, braucht der Kibbuz in Erez geschulte Handwerker. Esist auch, von größter Bedeutung, daß junge Juden in geschlossener Gemeinschaft jüdisch zu leben versuchen. Jeder freie Abend, besonders . S c h a b b a t h und Feiertag, stehen im Zeichen des Eindringens unserer Chawerim in die jüdische Lehr e und in allgemein jüdisches Wissen. Wenn es uns auch noch lange nicht gelungen ist, erschöpfend aut' diesem Gebiet zu wirken, so ist das diesbezügliche iHaSSIQ!E3O0ISISIDIDI[2]|[S]l[lHmi Großes internationales Sdiwimmfest der »Hakoah« Der Schwimmklub „IT a k o a h“ veranstaltet am 16. und 17. Juni dieses Jahres ein großes internationales Schwimmtest, welches dio größte Veranstaltung zu werden verspricht, die je in Wien stattgefimden hat. Für das Meeting «iud bis jetzt unzählige, überaus interessante Nennungen eingelaufen, unter denen wir Namen wie Willy den Oudon (Hollands Weltmeisterin, deren Zeiten von 80% der europäischen Herren nicht erreicht werden), C o s t o 1 i (der famose italienische Mittelstreckler), der auf den besten tschechischen Schwimmer Getreuer stoßen wird, ferner C s i k (BEAC, Budapest) und andere mehr finden. Weiters werden am Start zu sehen sein: die famoße Brünnerin FH. Schramek; die Ungarin FH. Lenkey; außerdem .vier weitere holländische Schwimmerinnen, die zur Meißterkhusse zählen. Aus Budapest kommt eine 4 mal 200-Meter-Staffel, desgleichen aus Prag und Snsak. Brünnet und Bratislaver Schwimmer werden an den Kämpfen teilnehmen, darunter unter anderem der famose Dr. Paul Steiner. Daß auch sämtliche österreichischen Schwimmer und Schwimmerinnen toilnehmen, ist selbstverständlich. An beiden Tagen bildet den Abschluß des Festes ein Turmspringen, au welchem unter anderem Europameister S t a u d i n g e r und der zehnjährige Karli Adler tdlnchmcn werden. Der jüdische Schwimmklub „H a k o a h“, der mit Recht von sich behaupten kann, daß er bisher schon sehr viel für den österreichischen S c luvim mß p o r t geleistet hat, scheut wieder keine Mühe und kein Risiko, um den von ihm mit großen Erfolgen durchgeführten Sohwimmfesten, die unter anderem Moreüus, Crabbe, Kojak, Rademacher, Arno Borg und verschiedene andere nach Wien gebracht haben, ein neues anzureihen, das dem österreichischen Schwimmsport neue Impulse und neues Ansehen bringen wird. Er verdient hiebei die Unterstüt-zun g der gesamten J u d e n s c h a f t W i e n s und wir sind auch überzeugt, daß sie seinem Rufe mit Freude Folge leisten wird. Pension Eckstein - Semmering Bestreben allein schon lobenswert. Es ist uns gelungen, eine jüdischere A t m o- Sphäre, als wir es zu Hause gewöhnt waren, zu schaffen. Speziell Schabbath ist unser Kibbuz zum Treffpunkt unserer Bundes-Chawerini geworden, die an unserem schönen Oneg teilnehmen. Geflügel-Sdiädituns und Zustellung, plombiert, für das SEMMERING-GEBIET ab20.Juni.Gefliigelfarm (Sohropper) Weißenbach bei Gloggnitz. G. BECK, Schächter Wenn man auch mit den Leistungen dos Kibbuz einigermaßen zufrieden sein kann, so wissen wir dennoch, daß wir noch viele« z u s c h affe n haben. Der Kibbuz muß sich weiter vergrößern, muß neuen C h a w er i m U m s c h i c h t u u g s m ü g 1 i c h k e iton bieten und zur geistigen E rh o 1 u n g s « t ä 11 e unserer Chawerim werden. Wir wollen nichts a 1 s A r b e i t, und hoffen, daß wir überall, wo wir einer Stütze bedürfen, auf das Verständnis der Wiener Juden stoßen werden. M. IT.