Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 359 (8.6.1934)
- Date
- 1934-06-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seit« 1 DIE STIMME Np. 859 — 8. Juni 1984 A. H. Verband d. Akad. Verbindung „Libanonla“ cibf geziemendst Nachricht von dem am 2. Vr. d. .T. nach langem, scliwerem Leiden erfolgten Ableben i. I. A. H. u. GrOndungsfucheu, des Herrn FRITZ POLLAK Wir haben unseren unvergeßlichen G. ß. am Montag, den I. VI. zu Grabe getragen. Dr. Frltx Tldio I. A. d. A. II. C. Ham Adlar rlzt. Schriftführer dzt. I’rflses ahnen. daß es in Deutschland kein fair play gibt-, sondern nur die Wahrnehmung eigener Interessen, für die kein Mittel zu schade ist. Da die Juden in Deutschland aus dem Sportleben ausgemerzt sind und nur noch ein „Gheltodasein“ führen dürfen, besteht gar keine Möglichkeit für sie, sich sportlich auszuzeiclmen. Ein großer olympischer Schwindel wird in Szene gesetzt. Wird man in Amerika und in allen anderen Ländern auf diesen Schwindel hereinfallen? Wird man sich Sand in die Augen streuen lassen? Vielleicht aber begeht das Dritte Reich doch einen schweren Fehler. Es hält die anderen für sehr naiv und das kann eine schwere Täuschung werden. Man argumentiert nicht ungestraft mit Widersprüchen. Wir wollen dazu bemerken, daß man nach verschiedenen Berichten auch in Palästina auf den Schwindel hereinfallen will. Es wäre unerträglich, die stolzen, selbstbewußten Sportler Palästinas in Hitler-Deutschland zu sehen. Deutsche antisemitische Hetze im Elsaß Straßburg, 4. Juni. Angestellte des deutschen Propagandadienstes verteilten auf den Plätzen der Stadt Straßburg hektographierte Blätter, in denen eine „Sektion der immigrierten Arbeiter“ alle jüdischen Arbeiter, Handwerker, Kleinhändler und Intellektuelle zum Kampf gegen die Regierung Doumergue auffordert. Hauptstück des Zettels war ein Loblied auf die Sowjetunion, welche den Aufstieg der „jüdischen Kultur“ realisiert habe. Als Gegenstück hiezu hingen in Forbach Plakate, die betonten, daß man in der „Neuen Front“ und in der „Solidarite“ zwar keineswegs antisemitisch gesonnen sei, daß man sich aber im Interesse Frankreichs gegen die kommunistische Propaganda der Emigranten wehren müsse. In ernstdenkenden Kreisen des Elsaß ist man überzeugt, daß man es hier mit einer Provokation deutscher Hakenkreuz 1 e r zu tun habe, und meint, wenn es unter den jüdischen Emigranten in Elsaß- Lothringen einen einzigen Kommunisten gegeben hätte, so würden die deutsche Propaganda und die ihr nahestehenden Kreise ihn schon mit Namen nennen. Im Osten Frankreichs aber leben fast nur betont bürgerliche Elemente in der Emigration. Drohung an die Dorniger Juden Warschau, 5. Juni. Die Polnische Telegraphen- Agentur meldet aus Danzig: Der Führer der Danziger Hitler-Leute Förster sagte in einer Rede: Die Nationalsozialisten haben die Juden nicht vergessen. Es kommt die Zeit, wo man den Danziger Juden d i e Rechte, die sie von der früheren Regierung bekommen haben, wieder nehmen wird. Streichers Pogrom-Propaganda Prag, 4. Juni. Das Tschechoslowakische Pressebüro meldet: Die Zeitschrift „Der S t ü r rn e r“, N ü r n b e r g, veröffentlicht die Namen der Israeliten, welche in einem Restaurant in der Nähe von Frankfurt gesehen wurden, und bemerkt, daß der Weg zu diesem Restaurant durch einen Wald führt, „der viel Gelegenheit bietet, d i e j ü d i s c h e G e i 1 h e i t zu befriedige n“. Mehr als ein deutsches Mädchen ist — wie das Blatt behauptet — auf diese Wollen Sie gut und billig leben? Kommen Sie zum Plattensee / Wasser, Sonne, Sandstrand, gute Verpflegung, das Eldorado für Kinder / verlangen Sie Prospekt / Pension "vinkler, Balaton-Szarczo, Ungarn. Orth. Weise geschändet worden und so der deutschen Rasse für immer verloren gegangen. Es wäre notwendig, diesen Mädchen ein Schandmal auf die Stirn zu brennen, damit kein Angehöriger des deutschen Volkes solche verunstaltete, durch jüdisches Blut verseuchte Mädchen durch Irrtum heiraten könnte. Das Blatt, schließt, daß es auch weiterhin das „verbrecherische Verhalten der Juden verfolgen“ werde und die Peitsche bleiben werde, mit. welcher die Juden dorthin zurückgetrieben werden würden, von wo sie gekommen seien. Saarbrücken, 4. Juni. Die Zeitschrift „Westland“ hält die „Ein Ritualmord?“ iiberschriebene Mitteilung des Berliner Organs des Reichsarbeitsministers I) r. Le y „Der Deutsch e“, wonach in Regensburg der neunjährige Straßenwärtersohn Heinrich M a i e r h o f e r in einem Kleefeld sterbend aufgefunden wurde und nur noch auf seine durchschnittene Kehle deuten und die Worte „... ein fremder Mann ...“ lallen konnte, für einen „Auftakt zum Progrom“. Die Zeitung erinnert an den Fall des Knaben Falkenhorst in Gelsenkirchen, der von seinem nationalsozialistischen Kameraden, der sich seine braune Uniform aneignen wollte, ermordet wurde, und berichtet, daß sich nach der Auffindung Fnlkenhorsts die SA. in Gelsenkirchen bereits gegen die Juden zusammenrottete. Glücklicherweise konnte der Mörder rechtzeitig entdeckt werden. Sternsche Schulu. Erziehungsanstalt iiiiiiiiiiii ictiuldiraktions Malwlne Friedmann Wien, I. Bezirk, Werdertorgasse 12 fnltrrrrhnln (Knaben u. Manchen)!)-Uhr-BepInn, öffenl IUIKhIIIUIg lichkeitsrecht iiaaplsiniil« mit Franz,, Engl., Lnlein (nach Wahl) (oiMliingslilasse «. Mstliule ilBoraisttie Sprachkurse forlöilcungskiiis Allgemeinbildung 3erutsausbiiduiig: gewerbc cinliriger Hausnaliungskurs Taiesöeim-MS‘“""-|iileiiiai Prospekte Telephon Nr. U 28-1-97 Die Hitler-Propaganda in Palästina Debatte Im englischen Unterhaus London, 6. Juni. In der Sitzung des englischen Unterhauses richtete Colonel Josiah Wedgwood an den Kolonienminister Sir Philip Cunllffe-Lister die Frage, ob er Berichte über neuere Umtriebe nationalsozialistischer Agitatoren in Palästina habe, namentlich über Nazipropaganda im Zusammenhang mit der Levante-Messe in T e 1 - A v i v; ob ihm bekannt sei, daß unter den Arabern Palästinas eine Nazi-Organisation gebildet wurde; ob der Minister eine Untersuchung anordnen wolle, um zu erkunden, ob arabische Zeitungen in Palästina Geldmittel aus Deutschland erhalten. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte: Hinsichtlich des ersten Teils der Frage habe ich keine Berichte erhalten; der zweite Teil der Frage ist meines Wissens mit Nein zu beantworten; ich habe keinen Anlaß, die im dritten Teil der Frage vorgeschlagene Untersuchung führen zu lassen. Wedgwood fragte, ob der Minister in den Zeitungen gelesen habe, daß eine Gruppe Polizisten zur M essein Tel-Aviv mit Hakenkreuzen an ihren Uniformen und Helmen aufmarschierte. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, er habe von einem solchen Gerücht gehört, er würde aber so etwas nicht wiederholen, bevor er sich von dessen Wahrheit überzeugt habe. Als Wedgwood dennoch darauf bestand, daß eine Untersuchung in dieser Angelegenheit eingeleitet werde, erwiderte Sir Philip Cunliffe-Lister: Wollte ich jedes in Umlauf gesetzte Gerücht als einen verantwortlichen Bericht behandeln, so müßte ich viel Zeit verlieren. Ich bin überzeugt, daß der High Commissioner — falls das Verhalten der Palästina-Polizei zu irgend welcher Kritik Anlaß geben sollte — sofort einschreiten und mich unterrichten würde. * * * Die hebräische Presse in Palästina teilt mit, daß die in Palästina bestehende Nazi-Partei, ebenso wie die ägyptische Nazi-Partei, von einer in Kairo bestehenden und von Alfred Heß, dem Bruder des Reichsministers und Stellvertreters Hitlers in der NSDAP., Rudolf Heß, geleiteten Zentrale kontrolliert wird. Alfred Heß ist in Kairo anläßlich der Klage des Juden Umberto J a b e s gegen die Verbreitung antisemitischer Nazi-Literatur in Ägypten als Wortführer der Kairoer Nationalsozialisten aufgetreten. Als das Kairoer Internationale Gericht die jüdische Klage zurückwies, telegraphierte der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels an Alfred Heß: „Sie haben der deutschen Sache einen großen Dienst erwiesen.“ Die palästinensische Presse bringt genaue Nachrichten über Instruktionen, die Dr. Goebbels der illegal arbeitenden Palästina- Nazi - P a r t e i, die mehrere hundert, meist junge, Araber zu ihren Mitgliedern zählt, gesandt hat. Auch ist bekannt, daß eine Menge Nazi-Literatur unter den Arabern Palästinas zirkuliert. Die hebräische Presse fordert eine energische Untersuchung dieser Umtriebe, bis jetzt ist von dergleichen jedoch nichts zu merken. Die Presse berichtet, daß der stellvertretende Polizeiinspektor Stafford, als man bei ihm über das Verhalten einer Gruppe englischer Polizisten, die mit Hakenkreuzen an den Helmen auf der Levante - Messe erschienen, Beschwerde führte, gelacht und nichts veranlaßt hat, daß die Hakenkreuze entfernt werden. Die hebräische Presse fordert den Waad Leumi und die Jewish Agency auf, von der Regierung eine Erklärung über dieses Verhalten ihrer Organe zu fordern. Pembroke Stephens: Jüdische Tragödie in Deutschland London, 1. Juni. Wie aus Berlin telegraphiert wird, ist der dortige Vertreter de.s Londoner „Daily Express“ Pembroke S t e p h e n s ans dem deutschen Reichsgebiet außgewiesen worden. Das offizielle Deutsche Nachrichtenbüro begründet diese Maßnahme damit, daß Stephens „in entstellender und frivoler Weise über deutsche Verhältnisse berichtet“ und versucht hat,'die „guten Beziehungen zwischen Deutschland und anderen Ländern“ zu stören. Stephen« hat vor kurzem im „Daily Express“ auch eino Schilderung der j ii d i ß c h e 11 T r a g ö d i e i n 1) 0 u t s c h- 1 a n <1 veröffentlicht, die überall einen erschütternden Eindruck gemacht hat und an deren Wahrhaftigkeit niemand zweifelte. Stephens schrieb unter anderem: ...I11 der Kantino eines sehr bekannten Berliner Warenhauses, in dem auch Juden beschäftigt sind, befindet sieh folgender Anschlag auf dom Brett: „Iin Mittelalter war es üblich, Frauen, die sieh des Verkehrs mit Juden schuldig gemacht hatten, an den Pranger zu stellen. Wir machen die Frauen in diesem Geschäft darauf aufmerksam, daß sie ein ähnliches Geschick ereilen wird, wenn ihr Verkehr mit Juden nicht sofort aufhört.“ Jüdischen Gefangenen werden in Zukunft an religiösen Feiertagen keine rituellen Speisen mehr gestattet werden. Die Juden in Bayern dürfen die Schwimmbäder nicht besuchen. Eine jüdische Synagoge ist in Ostpreußen mit Schmutz besudelt und entweiht, worden und jüdische Friedhöfe werden ständig überfallen. Die kleine Stadt A rnswalrle in Pommern ist typisch für den heutigen deutschen Antisemitismus. Ich habe die Holzplanken gesehen, die aufgenagelt worden waren, um die zerbrochenen Fensterscheiben in der Synagoge und in den jüdischen Häusern zu ersetzen. Ohne ein Warnungswort waren um Mitternacht von Nazitruppen alle Fenster der jüdischen Geschäfte, der Synagoge und der jüdischen Wohnungen zerbrochen worden. Die deutschen Kinder nahmen sich am nächsten Morgen auf ihrem Schulweg Zahnpasta, Seife und Schwämme mit, die u nter den Trümmern einer jüdischen Apotheke lagen, während die Eltern und Lehrer zusahen. In einer Großstadt kann sich der Jude verbergen. In einem Dorf ist er isoliert und preisgegeben. Leute, die seit 50 Jahren mit Juden befreundet waren, grüßen ihre alten jüdischen Freunde nicht mehr, wenn sie ihnen im Dorf begegnen. Jüdische Kinder werden von ihren früheren Schulkameraden boykottiert, als ob sie die Pest hätten. Bauern, die von dem kleinen jüdischen Handelsmann in demokratischen Zeiten gern Geld borgten, nehmen ihre Schulden nicht ernst, und Sturmtruppen stehen vor den Toren jüdischer Kinos, um die Besucher zu verscheuchen. Die deutschen Juden leben von ihrem Kapital, aber die Ersparnisse werden bald erschöpft sein und dann wird die eigentliche Tragödie beginnen. A rmut und Verfolgung haben die deutschen Juden geeint. Beweise über E rmordungen vonJuden sind äußerst schwer zu erhalten, die Leute fürchten sich zu enthüllen, was sie wissen, und emphatische Dementis werden unweigerr lieh von der Geheimpolizei geliefert. Der Z. A. V. „Bar-Kocliba" Wien gratuliert herzlichst seinem lieben A. H. und Bb. Diplomkaufmann Dr. Rafael Gerstenfeld zu seiner Verlobung mit Fräulein Mina Weiss Antisemitische Flugblätter in de 1* Tschechoslowakei beschlagnahmt Abgeordneter Dr. Angelo G 0 1 d ß t e i n legte kürzlich dem Justizministerium ein Flugblatt vor, das heftige Angriffe gegen die jüdische Nation und Beschuldigungen gegen jüdische Emigranten erhob. Da« Flugblatt war in M ä hr i s eh-0 s t rau gedruckt und in großer Auflage in mährischen Städten verbreitet worden. Ans zahlreichen Orten erhielt die Jüdische Partei Mitteilungen über Verbreitung dieses Flugblattes. Daß Justizministerium teilt nun dem Sekretariat der Jüdischen Partei mit, daß es der Staatsanwaltschaft in Mührlseh-Ostrau den Auftrag erteilt habe, die gesamte Auflage des Flugblattes zu bes c h I a g n a h men. WIENER JÜDISCHES FAMILIENBLATT- II. Jahrgang Nr. 8 Juni-Heft soeben erschienen, 44 Seiten stark, reich illustriert, S V— Bei den Kolporteuren erhältlich oder direkt zu beziehen vom Verlag I., Petersplatz Nr. 7 Eine Wohltat für die Füße, welche bronnon und Hitzen, wenn Hühneraugen, Ballen und Sohwiolen stechen, ist das Original Saucrstoff- Fußbadcsalz Saltrat Rodoll. Nelnnon Sie ein heißes Fußbad, dom Sio etwas Saltrat ltodell zusetzen. Sie finden sofort Linderung, der Schmerz verschwindet, das Bronnen und alle Schwellungen sind Sie in kürzester Zeit los. Die kräftigenden Salze nehmen den Füßen die Frmiidungsstoffe, der durch Saltrat Rodoll entwickelte Sauerstoff dringt iu die Poren und infolge seiner Tiofonwu'kuiig lösen sich seihst die hartnäckigsten Hühneraugen und können mit Stumpf und Stiel heraiisgenommen werdon. Achten Sie auf den Namen .,S a 11 r a t Ii 0 d e 11“ und die r 0 I. e P a kkung. (ieneralvertrioh von Saltrat Uodell: „Apotheke zum römischen Kaiser“, Wien, I., Wollzeilo 18.