Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-06-08 · Heft 359 (8.6.1934) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 359 (8.6.1934)
Date
1934-06-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054113--4269-3059876
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

tfr. 359 — 8. Juni 1034 DIE STIMME Sette 9 vorletzt, wurden der 20jährige Abraham Lind w a s s e r, einige andere .Juden und einige christliche Arbeiter, die den Juden zu Hilfe kamen. Auf dem Sportplatz Sk ra wurde der 14jährige Selmiuel Litwak schwer am Kopfe verletzt. In der Straße I.)zika wurden zwei Juden durch S c I? »i h sc erheblich verletz t. Slichverlet.zungen ('rhielten Mörtel Friedmann und Jize.hak Adfeniiak. Tn den Straßen Za.rne.nhof und Dzielia. konnten die angegriffenen Jiwlen die Billig«,ns in die Flucht schlagen. Bei einem Zusammenstoß in der Straße Powonzek wurde der 39jährige Jizohak Trafeniak erheblich verletzt. In der Galerie Luxemburg wurde der Jude Tugutrn.au n durch einen Messerstich in den Bücken schwer verletzt. In der Straße Biclanska wurden die Huügans durch die angegriffenen Juden vertrieben, dabei wurden Eliesor Bialogurski und Joseph Magkison erlich lieh verletzt.. In vielen anderen Straßen kam cs zu Überfällen auf jüdische Passanten, die durch die Polizei abgewehrt wurden. Die Polizei war darauf bedacht, überall Ansammlungen zu zerstreuen. Verhaftete Huügans wurden sofort durch ein Polizeigericht abgeurteilt, aber auch mitverhaftete Juden, die sich gegen die Überfälle verteidigten, erhielten empfindliche Strafen. So wurden Jakob Weudelowicz, Schmuei Lindenberg und Schlomo Past zu je zwei Monaten unbedingten Kerkers verurteilt. Auch aus Li elc und aus Wilna wird über erneuerte antisemitische Exzesse der Bad i k a 1 -Nationalen be r ich tot. Das Zentralkonsistorium der bulgarischen Juden bei Premier Georgien Sofia, 4. Juni. Eine Abordnung des Zentralkonsistoriums der Juden Bulgariens, bestehend aus dessen Präsidenten ühaim Furch y und aus des- JESAIAS PRESS NEUES PALÄSTINAHAND. BUCH Oer vollkommenste Reiseführer mit 31 Karten u, Starltplänen GENERALKARTE s 27 30 VON PALÄSTINA Aufgenommen nach dem Stande vom 1. I. 1934 Maßstab 1 : 500.000 ■ . 8 5.28 HUGO HERRMANN PALÄSTINA WIE ES WIRKLICH IST Das beste informationsbuch mit 64 Bildern und Tafeln 8 9.48 PALÄSTINAKUNDE ln vier Lieferungen: Geographie Geschichte. Bürgerkunde, Das Jüdische Aufbauwerk. Jede Lieferung . . . S 3.15 WIR BAUEN PALÄSTINA Darstellung der politischen und wirtschaftlichen Aufbauarbeit nach dem offiziellen Bericht tler zionistischen Exekutive. Zirka 200 Seiten.S 5.25 VERSANDBUCHHANDLUNG Wien, VI., Gumpendorferstr, 10 Telephon B 24-9-78 sen Mitgliedern Jacques Pardoff und Buco M a, noali, stattete am I. Juni dem neuen Ministerpräsidenten Kimon Gcorgieff einen Besuch ab. Die Abordnung brachte dem Premier die Wünsche der gesamten jüdischen Bevölkerung Bulgariens anläßlich des Regierungswechsels dar und gab der Treue und der Loyalität der jüdischen Bevölkerung gegenüber dem Staate Ausdruck. Sie sprach insbesondere die Hoffnung aus, daß die jüdische Bevölkerung in Bulgarien unter der neuen Regierung dieselbe Lebens¬ und Existenzsicherheit, und die gleiche Entwicklungsfreiheit wie unter den bisherigen Regierungen haben wird. Der Premier Georgieff, der die Abordnung mit größter Liebenswürdigkeit empfing, erwiderte, er wisse die Trc ii e und L o y a- 1 i t, ii t der bulgarischen Juden dem Vateriande gegenüber sehr gut zu schätzen und er zweifle nicht, daran, daß die Juden auch weiterhin aufrichtige Träger dieser bürgerlichen Tugenden sein werden. Die Juden können auf ihn rechnen, ihre Sicherh eit, i m L a n d e wer d e nnvermi n d e r t w e i t e r b e s t, e h e n, die Regierung werde auch keinerlei II e t, z e gegen irgend einen Teil der Bevölkerung dulden. Der Premier versprach noch, daß er sieh für die Legalisierung des Statuts der jüdisch o n G c m e i n d e n und des Statuts der Gesamtorganisation der bulgarischen Juden, ebenso für die Gewährung einer n a m h a f t, e r e n 8 11 b v e n t, i o n für die jüdischen Schulen ersetzen wird. Fahne von Hersbruck über einen historischen Augenblick berichtet die ..Fränkische Tageszeitung“ vom 20. Mai: „Der A b z u g d es letz t e n J u d e u a u s II rrs b r u e k wurde so gefeiert,, daß auf seinem Haus die Hakenkreiizfaluie gehißt, wurde.“ Diesem Ereignis widmet das Blatt, das dem „Stürmers- Streicher gehört, einen stolzen Artikel, in welchem sich zur besonderen Kommentierung der Befreiung von Hersbruck die folgende Stelle findet: „Verleumdung und üble Mache ist es, wenn in ausländischen Blättern erklärt wird, die Juden würden bei uns hinau'gejagt oder sie würden so lange gequält, bis sie. es nicht mehr a.us,halten können. Alles V e r 1 e u m d u n g, alles Lüge!“ Dazu wird dem Kreisleiter Sperber der Dank ausgesprochen, „der in Tausenden von Versammlungen auf die Judengefahr hirnvies, bis das Volk die Wa.hrheit erkannte und der letzte Jude den Kreis verließ.“ So spukt sich also dieser Nürnberger Nibelunge selbst, ins Gesicht, der in einem Atem über Verleumdung und Lüge schreit und sie dann selbst, in schlüssigster Form beweist. Und dieser Streicher ist nicht irgend ein Provinzsatrap minderen Ranges. Er gehört z u d e n 1 n t i m e n II i 11 e r s mul kann es sich leisten, unbeachtet wehrlose Juden zu verjagen und mit seiner Ritualmord-Ausgabe Gehl zu raffen. Aus jüdischer H i,nt läßt sich gut Riemen schneiden und alle nationalsozialistischen Vorkämpfer verdienen dick an dem jüdischen Elend. Sie haben auch für die Mitstreiter gesorgt. Wo jüdische Tüchtigkeit einen einigermaßen einträglichen Betrieb geschaffen hatte, dort sitzt heute ein nationalsozialistischer arischnordischer Germane behaglich an der Kassa. Selbst haben sie nichts geleistet, wie ja diese ganze Revolution — die mit einer Revolution im historischen Sinn des Wortes nicht, das geringste zu tun hat, und wohlweislich den Einsatz des eigenen teuren Lebens unterließ — eine Bewegung der Ignoranten und Durchgofa.llcnen ist, von Intellektuellen zunächst, die kein Buch von Wert, kein Theaterstück von Inhalt haben schreiben können, und sich vor grünem Neid gegen die jüdischen Autoren jahrelang aufgefressen haben. Mit ihnen die große Schaf von Geschäftsleuten, die nicht vorwärts konnten, von Professoren 14. Grades, von einer Elite d e r U n f ä h i g k e i t, die zu allem fähig ist, nur nicht dazu, die jüdische Qualifikation zu erreichen, und die nur das eine versteht: sich an den von Juden gedeckten Tisch breit hinzuliimmeln. Braucht man einen Beweis dafür. Das heutige Deutschland liefert ihn täglich und stündlich. Man sehe die z u s a m m e nbrechende Wirtschaft an, die von Goebbels gemeisterte Kunst in Theater und Film, die Hochschulen und die Volksschulen, die um sich greifende Kriminalität. So wir dieses große Land verwaltet. Seine Außenpolitik, in die jeder hohe und niedere Führer hineinpfuscht, ist dem Ausland unverständlich geworden, eine Innenpolitik gibt es überhaupt nicht. Nichts, gar nichts ist in den anderthalb Jahren an Aufbauendem geschehen, und übersieht man heute das Ergebnis, so muß man zu der Erkenntnis kommen, daß nur ein einziger Punkt des berühmten unabänderlichen Programms ausgeführt worden ist: die Ausschaltung des J u d e n t, u m s, die sich in blutigen Exzessen, in einer schändlichen Roheit vollzogen hat. Wo man nur konnte, ist den Juden die Treulosigkeit entgegengetreten. Sie sind bis zur letzten Demütigung gequält und dann den Dementis des Papen oder Streicher überliefert worden, und da das Auslandjudentum sich in selbstverständlicher Pflicht mit ihnen solidarisch erklärt, werden die Juden Deutschlands auch noch als Geiseln behandelt. Kein Volk der grausigsten Antike hat ähnliches getan. Aber die Neudeutschen arrogiereu sich dazu noch den Anspruch auf die Führerschaft in der Welt, pochend auf Leistungen, die unter der Demokratie von Juden vollbracht wurden. Den Zeppelin h a t e i n Jude e rf u u d e n, das Gesetz der elektrischen Wellen ein Jude, die Stickstofferzeugung ein Jude, das Salvars a n ein J u cl e — wo ihr hinschaut, ist jüdischer Geist am Werk gestanden. Und das ist es, was diesen deutschen Antisemitismus letzten Endes hervorgerufen hat und mit solcher Giftigkeit, solchem Blutdurst erfüllt: die tief im Herzen sitzende Überzeugung von der Rückständigkeit gegenüber dem. Judentum, das entwurzelt, gebeugt, verfemt, trotzdem im Wettkampf in Ehren besteht und nicht arm im Gehirn geworden ist. Das Verzeihen sie uns nicht und das ist auch der Urgrund des Krieges gegen die aus der jüdischen Ethik kommenden Lehren des katholischen Christentums. Es ist nicht etwa eine andere sittliche Erkenntnis von Gott und den Dingen, nein, dieser braune Sturm ist eine Form des vom Nationalsozialismus den Juden angedichteten Ritualmordes. Sie bestehlen und schänden die Juden zu Ehren ihres Molochs der Brutalität, sie schreiben alle Lügen a.us Jahrhunderten zusammen; setzen eie fort, erfinden neue Märchen gegen die Juden, weil die Juden tüchtiger, besser, ehrlicher, treuer, gewissenhafter sind, vor allem aber, weil alles, was die Welt an Sitte und Recht, an Menschlichkeit, an Güte und Erbarmen besitzt, von Anbeginn an jüdischer Besitz ist. Der Breslauer Erzbischof Be r t r a m sagt in seinem Hirtenbrief, der Ende April d. J. erlassen worden ist, wörtlich: „So wahr es nur einen Gott und Richter gibt, so wahr Gottes Heiligkeit in die . menschliche Natur die heiligsten Gesetze gelegt und auf Sinai verkündet hat, ewig gleich für alle Völker und Zeiten, so wahr die zehn Gebote als unübertroffenes Grundgesetz sich in allen Stürmen erprobt haben, so wahr ist die ewige Geltung dieser göttlichen Gesetze.“ Diese Gesetze hat das Judentum treu bewahrt und der Menschheit übergeben. In ihnen kristallisiert sich der Geist des Judentums. Das ist so und kein Germane wird an Fi&m - FEST WOCHEN i M gmWSDBM -gfifflO TEL- A 4 Q O 6 O URAUFFÜHRUNG AB HEUTE: coNttMo mor JN DEM MONUMENTALEN MEISTERWERK DER EWIGE JUDE Der sdiönstgelegeiaste Garten der Welt! l’iifalcY’s iiiiiiiiiiiiiiiiIiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiio IViimlcrgartcn Wien, XfX., Grinzingerstraße 68 ENDSTATION G2 Hohe Warte Ständig warme Küche! Billigste Jausenstation 1 Tanz im Freien I Donnerstag, Samstag und Sonntag Fünf-Uhr-Tee I Bei Regen gedeckte Terrasse I Berühmte Zigeunermusik mit singendem Zigeunerprimas I Autobusverkehr bis früh l Billige zeitgemäße Preisei dieser granitfesten Tatsache etwas ändern, keiner aus der Schar, die von der alttestamentarischen Rache redet und Karl den Großen aus dem Grab weihen möchte, keiner von den Buben, die jüdische Friedhöfe schänden, jüdische Kinder seelisch foltern, deren Pastoren die jüdische Bibel verhunzen. Das jüdische Volk wird diese Zeit überdauern. Es war vor Hitler u n d w i r d nach. Hitler sein. Das jüdische Volk lernt nur wieder aufs neue, daß es in einer ihm feindlichen Welt steht, und was der Inhalt und Urgrund dieser Feindschaft ist: seine unzerstörbare Lebenskraft, sein geistiger Schatz, seine Arbeitsfreude, seine Scheu vor Blutvergießen, seine Verachtung, der Gewalt und der bewaffneten Faust. Das jüdische Volk arbeitet an seiner Zukunft und Freiheit in seinem Lande — das deutsche Volk geht in Not und in den braunen Sumpf. Auf dein letzten jüdischen Haus in Hersbruck mag die Hakenkreuzfahne wehen, das Symbol der Sklaverei, der Lüge und der Treulosigkeit, und Streicher mag weiter jüdisches Blut fordern. Es werden andere Tage kommen.., Gipfel der Stahle: der Schweden Stahl, Gipfel der Klingen * die schwedische SWING Hitlers 99Meln KampS“ ln Jedem Land anders Paris, 5. Juni. 1 Vor dem Pariser Gericht begann der Prozeß des Münchener Verlegers des Buches Hitlers „Mein Kampf“ gegen einen Pariser Verlag, der ohne Erlaubnis des Autors eine französische Übersetzung des Buches herausgab, um die französische Öffentlichkeit über die Gefährlichkeit der Hitlerschen Ziele aufzuklären. Der Advokat des Pariser Verlages erklärte, in jedem Staate sähe die Übersetzung des Buches Hitlers anders aus. So zum Beispiel habe Hitler in der englischen Ausgabe die Ausführungen über die Juden, in der italienischen Ausgabe d i e Stellen über den Anschluß Österreichs streichen lassen. Der olympische Schwindel Paris, 4. Juni. (Z. T. A.) „Pariser Tageblatt“ bringt unter der Überschrift „Olympischer Schwindel“ einen längeren Bericht aus Berlin, in dem angeführt wird, der Reiehspropagandaminister Dr. Goebbels wolle mit den Olympischen Spielen, die 1930 in Berlin stattfinden sollen, einen ganz großen Propaganclafeldzug in die Wege leiten; deswegen habe das Dritte Reich nach außen hin den Rückzug angetreten und im Prinzip erklärt, daß deutsche Juden keineswegs von einer Teilnahme an den Spielen ausgeschlossen wären. Die internationalen Sportverbände —• so heißt es in dem Bericht weiter — glauben an sportliches fair play; sie können nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.