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Die Stimme · 1934-06-08 · Heft 359 (8.6.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 359 (8.6.1934)
Date
1934-06-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite S DIE STIMME Nr. 859 — 9. Juni 1984 Palästina-Anleihe in dritter Lesung angenommen h euren B 11 d g e t ii b e r s e h u ß hat. ist kein ökonomischer Wahnsinn. Die Anleihe bezweckt nicht anderes als die Sabotage des jüdischen Nationalheimes. Wauehope setzt eben den Hebel geschickter an als Passtield. Das Prinzip der 100% i g e n jüdischen Arbeit soll gebrochen w e r d e n. Man zwingt die jüdischen Arbeitgeber durch die Drosselung der Einwanderung minderwertig e, n her billigere arabische A r b ö i t sk r ä f t e. deren Einwanderung man ruhig duldet, anzustellen; und viele jüdische Arbeitgeber lassen sich — ach wie gerne — dazu zwingen, Araber zu beschäftigen. Wauchopo hat offenbar aus der Geschichte gelernt. In den baltischen Ländern zum Beispiel saß eine deutsche Herrenklasse, die sich darauf beschränkte, die Erträgnisse der Arbeit der alteingesessenen Bevölkerung. der Letten, Litauer usw. zu verzehren. Trotz der jahrhundertelangen Herrschaft der deutschen Herren wurden weder Lettland noch Litauen deutsch und eines schönen Tages nach dem Weltkriege standen die Letten und Litauer auf und jagten ihre deutschen Herren zum Teufel. Was Wauchope nun will, ist nichts anderes als die- Herbeiführung eines Zustandes, daß Palästina mit jüdischen Gentlemenfarmern besiedelt wird, die von den Früchten arabischer Arbeit leben. Es ist klar, daß so nie ein jüdisches Nationalheim entstehen kan n. Wir müssen alle Anstrengungen machen, um die Herbeiführung dieses Zustandes unmöglich zu machen und müssen deswegen mit dem Aufgebot aller Kräfte gegen die Drosselung der E i n w a n d e r u ng jüdischer Arbeiter Sturm laufen. Man sagt, daß in der Natur nichts verlorengehe. Aber auch in der Politik geht nichts verloren. P a s s f i e 1 d hat in Wauchope einen würdigen Nachfolger gefunden. Beide wollen dem jüdischen N a t i o n a 1 h e i m, wenn auch jeder mit einer anderen Taktik, das Lebenslicht ausblasen. Die Gefahr ist groß, aber trotzdem dürfen wir nicht verzagen. Der Jischuw ist heute schon so stark, daß er für sich allen ein wichtiges Bollwerk ist. Darüber hinaus aber müssen wir uns, wie im Jahre 1929, an das Weltgewissen wenden und unseren Protest laut in die Welt hinausrufen. Wir dürfen auch nicht davor zurückschrecken, alle jene Wege zu gehen, die uns der Mandatsvertrag offen läßt. Es ist aber klar, daß niemand das Recht hat, eigenmächtig diese Wege zu gehen. Nur die Jewish Agency kann im Einvernehmen mit den obersten Instanzen unserer Bewegung entscheiden, was in politischer Hinsicht unternommen werden soll. Vor allem erscheint es uns wichtig, daß wiederum, wie im Jahre 1929, an das englische Volk appelliert wird. Wir haben Freunde in England und so lange man in England versteht, was fair p l a y heißt, können wir hoffen, daß das englische Volk seiner Regierung sagen wird, daß es nicht zulassen wird, daß man wieder einmal vom perfiden Albion sprechen wird. Unsere stärkste Waffe in dem bevorstehenden Kampf ist unser Recht auf Palästina. Wir stehen vor einer schweren Aufgabe, wir werden aber siegreich bleiben, wenn wir geschlossen, einig und opferwillig sind. Dann wird schließlich der Tag kommen, wo Palästina so jüdisch sein wird, wie England englisch ist. GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN I., Kär'tnerstra&e Nr 61 Besitzer Otto Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise In allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Olto Kaserer London, 4. Juni. Das Ermächtigungsgesetz zur Garantie der neuen 2.’^-Millionen-Pfundatdeihe für Palästina wurde am 1. Juni vom Unterhaus in dritter Lesung 11 n v e r ä n d e r t a n g e n o m m e n. Eine Reihe von Amendements, die Colonel Wedgwood beantragt hatte, wurde teils abgelelmt, teils vom Antragsteller selbst zurückgezogen. Der Annahme ging eine Debatte voraus, die sich im wesentlichen als ein Zwiegespräch zwischen Colonel Wedgwood und dem Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister abspielte. Wedgwood hatte u. a. beantragt, daß die Bestimmung, die sich auf Rückerstattung der von der Palästinaregierung für aus der Anleihe zu finanzierende Zwecke bereits verausgabten Gelder bezieht, gestrichen werde. In der Aussprache über diesen Punkt teilte der Kolonienminister mit, daß die Höhe der tatsächlichen Ausgaben, die die Palästinaregierung, insbesondere im Zusammenhang mit der Wasserversorgung Jerusalems, gemacht hat, nicht feststeht, daß aber die Aufwendungen einschließlich der bereits abgeschlossenen Arbeitskontrakte 400.000 bis 500.000 Pfund ausmachen. Abgeordneter Rhys-Davies wies auf den dem Völkerbund von der Jewish Agency unterbreiteten Bericht für 1933 hin, aus dem hervorgehe, daß im abgelaufenen Jahre, in Palästina auf allen Gebieten wesentliche Fortschritte erzielt wurden und daß der auch in früheren Jahren festgestellte Fortschritt in bezug auf wirtschaftliche Entwicklung und Befriedung des Landes angehalten hat. Der Abgeordnete erklärte weiter, der Lebcnsstan d ard der Araber in Palästina habe sich u m 200 Prozent, derjenige der aus Europa stammenden Juden um 25 Prozent gehoben. Er sprach den Wunsch aus, daß die Regierung auf eine Beseitigung der noch bestehenden Differenz zwischen dem Lohnniveau der jüdischen und dem der arabischen Arbeiter hinwirken möge. Bezüglich der Verteilung der Arbeit bei den öffentlichen Arbeiten der Regierung zwischen Juden und Arabern erklärte der Kolonienminister, die Regierung beabsichtige, eine angemessene Verteilung in der Weise vorzunehmen, daß den Juden etwa 30, den Arabern etwa 70 Prozent der Arbeit zugeteilt werden. Diese Erklärung erläuterte der Minister auf eine Frage Colonel Wedgwoods dahin, daß sich Tsaldaris über die Juden Griechen• lands Saloniki, 4. Juni. Ministerpräsident Tsaldaris ist mittels Flugzeug von Athen in Saloniki eingetroffen und wurde auf dem Flugplatz u. a. auch vom Präsidium der Jüdischen Gemeinde Salonikis begrüßt. Premier Tsaldaris erwiderte auf diese Begrüßung: „Mit besonderer Freude ergroifo ich die Gelegenheit, zu meinen jüdischen Freunden zu sprechen, deren menschliche Tugenden und deren Liebe zu Arbeit und Fortschritt ich sehr hoch einschätze. Die Juden standen und stehen immer noch in der vordersten Front des Fortschritts. Sie sind in Griechenland ein loyales Element; ich schätze ihren Beitrag zur Entwicklung Griechenlands für außerordentlich wertvoll.“ * Jüdische Wahlkurie ln Saloniki auSgehohen Athen, 5. Juni. Die griechische Depubiertenkammer hat mit 108 gegen 00 Stimmen das liouc Wahl g e s e t z angenommen, durch das die b sondere Wahlkurie für Juden in S adieso prozentuelle Verteilung a u f die Lohnsummen bezieht. Die Verteilung nach zu beschäftigenden Arbeitskräften auf Grund einer festen Formel durchzuführen, sei schwer. Es wäre lächerlich, eine Kategorie von Arbeitern nicht heranzuziehen, wenn die andere bereits voll ausgenutzt wäre. Nachdem Colonel Wedgwood noch auf den Lohn druck durch eingewanderte niehtjüdische levantinische Arbeiter hingewiesen hatte, kam er auf die Wiederansiedlung von Arabern zu sprechen und beantragte, daß der hierfür vorgesehene, Betrag von 250.000 Pfund auf 50.000 Pfund reduziert, werde. Infolge des starken industriellen Aufschwungs in Palästina hätten wohl die meisten der insgesamt 800 dislozierten Araber Arbeit gefunden. Der Jüdische Nationalfonds habe seinen Boden nicht nur zu sehr hohen Preisen gekauft, sondern gleichzeitig auch den Nomaden, die früher auf diesem Boden lebten, Entschädigung gewährt und ihnen die Mittel gegeben, sich anderswo eine Existenz zu schaffen. All dies sei vergessen worden, als man die Legende von den Arabern, die Grund zu Beschwerden gegen die Juden hätten, schuf. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, die Regierung würde sich eines Wortbruchs schuldig machen, wenn sic diesem Amendement Colonel Wedgwoods zustimmte. Die Arbeiterregierung habe sich verpflichtet, sich mit den Fällen der von ihrem Boden entfernten Araber zu befassen. Auf Grund der Untersuchungen sei die Zahl der Bewerber um Wiedoransiedlung auf 899 reduziert worden. Sollten nicht alle Bewerber Anspruch auf den bereitgestellten Boden machen, so werde die Regierung nicht den gesamten für Wiedoransiedlung vorgesehenen Betrag, sondern nur soviel ausgeben, wie für die Ansiedlung der darauf Anspruch erhebenden Familien notwendig ist. Colonel Wedgwood erklärte, er sei von dieser Auskunft des Ministers befriedigt. Ein Antrag, in den Wasserversorgungs¬ und Kanalisierungsplan außer Jerusalem und Haifa auch Jaffa und Tel-Aviv einzubeziehen, wurde von Colonel Wedgwood zurückgezogen, nachdem Sir Philip Cunliffe-Lister erklärt hatte, die llegierungshilfe für Haifa liege im Gesamtinteresse Palästinas und komme auch den jüdischen Orangen-Pflanzern zugute.! o n i k i endgültig abgeschafft wird. Boi der Vorlage des Gesetzes erklärte der Berichterstatter der Kommission Abgeordneter M. Craniotakiis unter anderem, das neue Gesetz sei in der Absicht ausgearbeitet worden, Recht und Sinn der Verfassung wiodor herzustc-llen. Es sei nicht auf die Absicht ziurückzuführen, eine bestimmte Partei zu begünstigen. Wenn es zutreffe, daß die Juden Salonikis eher der Regierung zuneigen, so sei es nicht minder richtig, daß d i e t h r a zische n M o h a m m e d a n e r, deren Wählten rio ebenfalls abgeschafft wurde, vorwiegend Oppositionsanhängor sind. Die Juden hätten nicht ganz 8000, die Mohammedaner über 10,000 Wähler. Das Gesetz gewährleiste somit durchaus gerechte Wahlen. Im Namen der venizelistischon Opposition erklärte der Abgeordnete M. A. Me las, die Annahme des neuen Gesetzes werde das Land in den Bürgerkrieg stürzen. EHE, Einheirat, Kompagnon zwecks Apotheken- Drogeriegründun? mit Erzeugung in Palästina wünscht «lagister-Mediziner 31, Eigene Präparate, Vertretungen; notwendig S 16.000. Offerten Dr. med. Weinberg, Wien, XX., Klosterneuburgerstraße Nr. 34 Judenpolitih in Lettland Prag, 4. Juni. Das tschechoslowakische Pressebüro verzeichnet dio Meldung einer I’ a r i s e r P r ivatagentur aus Riga, wonach die lettische Regierung gesetzliche Maßnahmen vorbereitet, die zum Teil in der Art, wie dies in Deutschland der Fall ist, gegen die Juden gerichtet sein sollen. Es handle sich hauptsächlich um die B e s e i t, i g u n g d o r J u d e n aus de in I e 11,1 ä n d i s c h e n Handel. Das bisher darin angeblich vorherrschende jüdische Element soll auf amtlichem Wege durch ein Staatsmoaopol ausgeschaltet werden. Palästinaabteilung -xve^n» Josef Popper Internationale Transporte Wien, II., TaborstralSe 22 Telephon R 48-5-10, R 49-5-70 Serie Spezial - Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäck Versicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. Kowno zählt 26.000 Juden Kowno, 5. Juni. Die litauische Hauptstadt Kaunas (früher Kowno) ißt eine der europäischen Städte, die. seit Kriegsende am meisten gewachsen ißt. Am 1. Jänner 1934 hatte sie 102.750 Einwohner, und zwar 70% Litauer, 25% Juden (die als Volk gezählt wurden) und 5% andere (Polen, Deutsche und Russen). mTTTTTTmrmmmTTmm Kinder ins Gebirge Das bestrenommierte Ferienheim Wienerbruck bei Mariazell (8oo m) nimmt Kinder (3 bis 1 j Jahre) au£, Erstklassige Referenzen, mäßige Preise. Anmeldung Elly Rothwein,VII., Mariahilferstr.72/17,Tel.B 36-0-52 AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA Keine antijüdischen Maßnahmen in Litauen Kowno, 5. Juni. Halbamtlich wird erklärt: In einer Meldung einer privaten Pariser Agentur wurde behauptet, daß dio litauische Regierung diskriminierende Maßnahmen vorbereitet, wonach die Juden in Litauen vom Handel aiusge.schilo.ssen werden. Diese Meldungen entbehren jeder Grundlage. Ein Teil der ausländischen Presse meldete,- daß die neue lettländisoko Regierung es sei, die gesetzliche Maßnahmen' zur Ausßtoßung der Juden aus dem Handel vorbereitet; ein Dementi seitens der lettliindischen Regierung ist biß jetzt nicht erfolgt, Die antisemitischen Unruhen in Polen Warschau, 4. Juni. Die Überfälle der radikal-nationalen Front auf Juden in Warschau u n d in a n d e r e n Städte 11 dauern ohne Unterlaß fort. In der Warschauer Straße Skuszuno haben Huligans jüdische Warenständo überfallen, sich der Gewichte bemächtigt und diese auf die jüdischen Käufer geschleudert, von denen einige verletzt; wurden. Jüdischo Lastträger vor jagten die Huligana. ln der Straße G r a n i c z n a fielen diese Huligans abermals Uber jüdische Passanten her, es entstand eine schwere Schlägerei, die Polizei verhaftete sowohl Radikal-Nationale als auch Juden. In der Straße Grybowski wurden jüdische Passanten von Radikal-Nationalen blutig geschlagen. Auch hier verhaftete die Polizei sowohl Angreifer ule auch Angegriffene. In den Straßen Chlodna und Biala, sowie in der Straße Nalcwkt wurden wiederum zahlreiche ,Juden durch Radikal-Nationale mißhandelt. Die letzteren waren dort in der Stärke von 500 Manu angerückt. Schwer NEUEROFFNUNG PENSION, CAFE-RESTAURANT, orth. 1213 A. BARSCHAK aus Wien, II., Große Schiffg-asse 3, Tel. A 46-4-39 in BAD HALL Ob.-Österr. (Villa Mayrhofer) Das Unternehmen steht unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Babad

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