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Die Stimme · 1934-06-08 · Heft 359 (8.6.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 359 (8.6.1934)
Date
1934-06-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Erscheint Dienstag und Freitag Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. Heute 8 Seiten stark Dein Kind soll einst auf geraden, gesunden Fü&en liehen — JÜDISCHE ZEITUNG dazu brauchen die zarfen Fufiknodien unbedingt eine Stütze*. »Dr. Hechts Spezialeinlagen für Kinderl FACHINSTITUT BANDAGEN-MIKOLASCH TABORSTRASSE 22, R 40-0-61, R 47-1-85 Seif 32 Jahren für den Klnderfufr spezialisiert! Redaktion und Administration Wien, KIrntnerstraBe 28. Tel. R 27*4-85. Redaktionsschluß Montag und Mittwooh vorm. | (iS» Siwan S694) | 7* Jahrgang Passfield, Wauchope und wir! Deutschland bezahlt Hitler- Propaganda in U. S. A. Washington, 6. Juni. Die Zeitungen berichten in großer Aufmachung über die erste Sitzung der Untersuchungskommission des Washingtoner Repräsentantenhauses über die H i 11 e r - Propaganda, welche von den d i p I o m a t ischen und Konsularbehörden Deutschlands in den Vereinigten Staaten betrieben wird. Pastor Francis Groß, ein amerikanischer Priester ungarischer Abstammung, der Verfasser der ßroschiire „Gerechtigkeit für Ungarn, Deutschland und österr e i c.h“, erklärte in seiner Zeugenaussage, .daß ihm der deutsche Botschafter in Washington, Dr. Luther, die Finanzierung seines Buches zugesichert und daß ihm der deutsche Generalkonsul in New York, Otto Kiep, das Geld aus gefolgt habe. Konsul Kiep erklärte Groß hei dessen erstem Besuche, Deutschland zahle „offiziell nichts für die Propaganda“, er möge aber an einem anderen Tage wiederkommen, er werde inzwischen mit einem Freunde, der die Sache finanzieren könnte, konferieren. Einen Tag darauf überreichte er Groß 300 Dollar. Der Vertreter eines publizistischen Büros, Karl D i c k e y, erklärte, Generalkonsul Kiep habe ihm 4000 Dollar f ü r die Verbreitung von den Nationalsozialisten günstigen Nachrichten gegeben. Zionistischer Wahlsieg in Saloniki Saloniki, 5. Juni. Bei der Neuwahl des Rates der Jüdischen Gemeinde Saloniki konnten die Zionisten ihren Besitzstand von 34 auf 42% der Mandate, die im „Gemäßigten Block“ zusamimengefaßten Nichtzionisten den ihrigen von 14 amf 20% erhöhen. Die „Nationale Aktion“ (Misrachißten, Revisionisten und Radikale) haben einen erheblichen Stimmenrückgang gegenüber den letzten Wahlen zu verzeichnen. Die Wahl ging unter stärkster Beteiligung bis auf einige kleine Zwischenfälle ruhig vor sich. Von 7716 eingeschriebenen Wählern haben 7083 ihre Stimme abgegeben. Die Zionisten erhielten 2989 Stimmen und damit 21 von den 50 Mandaten; auf die „Nationale Aktion“ entfielen 467 Stimmen und drei Mandate; auf den „Gemäßigten Block“ 1379 Stimmen und zehn Mandate; auf den linksstehenden Volksblook 1071 Stimmen und acht Mandate; die restlichen Mandate verteilen sich auf kleinere Gruppen. Bei den letzten am 12. Oktober 1930 stattgefundenen Wahlen hatten die Zionisten 2123, die „Nationale Union“ 1724 und der „Gemäßigte Block“ 864 Stimmen erhalten. I Nur In dln guten billigen INeudegger Fahrschulen Wien, VIII., Neudeggergajse Nr. 18, Telephon 6 46-5-72 und Ineeradorf (Nied.-Österr.) PrUfungserleicbterung duroh : I!Laufendes Auto im Lehrsaal!! In London hielt kürzlich Herbert S i d ebotham, bekannt unter seinem Schriftstellernamen „S c r u t a t o r“ einen prozionistischen Vortrag. Scrutator, ein bekannter Freund unserer Bewegung, erinnerte daran, daß er schon im Jahre 1906 in einem, im „Manchester Guardin“ erschienen Artikel die Besiedlung Palästinas mit Juden empfohlen habe, weil er Palästina für den Schutz des Landweges nach Indien und für den Schutz des Suezkanals als lebenswichtig gehalten habe. Die Araber wären ihm nicht als eine Bevölkerung erschienen,, denen man Palästina anvertrauen könne und außerdem habe er die Besiedlung Palästinas mit Juden empfohlen, um das an den Juden begangene historische Unrecht wieder gutzumachen. Scrutator erzählte seinen jüdischen Zuhörern die Entstehungsgeschichte der Balfour-Deklaration und erklärte unter stürmischen Beifallskundgebungen: „Ich habe nie daran gezweiteit, daß die englische Regierung mit der Balfour- Deklaration den Judenstaat in Palästina unter englischer Garantie versprechen wollte und daß sie. dabei der Ansicht war, daß Palästina so jüdisch werden sollte, wie England englisch ist.“ Scrutator besprach die seither eingetretene, offenkundige Änderung der englischen Palästinapolitik, die er sehr bedaure. Wir können uns diesem Bedauern nur anschließen und müssen jedenfalls feststellen, daß die englische Palästinapolitik, zumindestens seit dem Jahre 1929 eine Kette flagranter Verletzungen der Bestimmungen des Mandatsvertrages darstellt. Auch wenn man nicht der Ansicht Scrutators sein sollte, daß England bei Erlassung der Balfour-Deklaration die Aufrichtung des Judenstaates im Auge hatte, muß man sich doch zumindestens an die Worte erinnern, die Lloyd George der zionistischen Deputation in S a n R e m o gesagt hat: „Wir haben euch eine Chance gegeben, das andere müßt ihr selbst machen.“ Wir müssen feststellen, daß wir die Chance noch immer haben, daß uns England aber an der Ausnützung dieser Chance hindert. In englischen Regierungskreisen beruft man sich immer darauf, daß England mit der Balfour-Deklaration zwei Verpflichtungen übernommen habe, und zwar 1. die Errichtung des jüdischen Nationalheimes und 2. den Schutz der bürgerlichen und religiösen Rechte der Araber. Balfour-Deklaration und Mandat besagen nun wörtlich, „d a ß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften beeinträchtigen würd e.“ Das kann doch nur bedeuten, daß die arabische Gemeinschaft in ihren bestehenden Rechten belassen werden und daß nichts geschehen soll, was sie gegenüber den Juden diskriminiert. Nun haben aber die Juden nichts getan oder beabsichtigt, um die Araber zu diskriminieren. England aber diskriminiert die Juden und tut alles, um sich seiner vertragsmäßigen Pflicht, der Errichtung des Jüdischen Na ti onalh eime s zu entziehen. Trotz der Bestimmungen des Mandatsvertrages erhielten die Araber und nicht die Juden Staatsländereien, werden Juden nur im geringen Maße bei der Polizei und bei öffentlichen Arbeiten beschäftigt, werden aus Regierungsgeldern keine jüdischen Schu- 1 en gebaut, wird das jüdische Schulwesen unzulänglich dotiert und die g es.chlossene Ansiedlung von Juden auf dem Lande durch die Drosselung der Einwanderung hintangehalten und jetzt wird sogar noch eine Anleihe von 2,000.000 Pfund fast ausschließlich zugunsten der Araber aufgenommen. Englands Palästinapolitik verstößt daher gegen den Sinn und den Wortlaut des Mandates. Es muß daran erinnert werden, daß der Mandatsvertrag ausdrücklich die „hist orische Verknüpftheit“ (historical connenction) des jüdischen Volkes mit Palästina feststellt. Der Mandatsvertrag erklärt weiters ausdrücklich als den Zweck des Mandates „die Wiedererrichtung der Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina.“ Auch der Einleitungssatz der Balfour-Deklaration erklärt eindeutig ihren Endzweck: „Es bereitet mir große Genugtuung, Ihnen namens der Regierung Seiner Majestät folgende Sympathieerklärung mit dem jüdisch-zionistischen Bestrebungen zu übermitteln, die dem Kabinett unterbreitet und von ihm gebilligt wurden.“ Die zionistischen Führer zur Zeit der Erlassung der Balfour-Deklaration h aben nie etwas anderes -verlangt als den Judenstaat und sicher nie ein jüdisches Ghetto in einem arabischen Palästina. Scrutator hat also Recht, wenn er sagt, daß die englische Regierung den Judenstaat, wenn auch unter englischer Garantie, schaffen wollte. Er hat aber auch weiter recht, wenn er sagt, daß die englische Regierung von dieser Politik abgewichen ist. Die Reihe der Angriffe auf den werdenden Judenstaat eröffnete das Weißbuch Churchills. Dann kam Passfie 1 d nach den Unruhen des Jahres 1929 mit einem rasanten Angriff gegen das jüdische Nationalheim.Die Einwanderung wurde gesperrt, die Behinderung jüdischer Bodenkäufe in Aussicht gestellt und das Märchen von den depossedierten Arabern in die Welt gesetzt. Dieser brutale Angriff rief den zornigsten Protest des jüdischen Volkes in der ganzen Welt hervor. Zur Ehre Englands muß daran erinnert werden, daß zahlreiche Engländer in hohen sozialen Stellungen der bedrängten zionistischen Bewegung zu Hilfe eilten, so zum Beispiel Lloyd George, Halsham und Simon. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung in England und in der Welt trat die englische Regierung damals den Rückzug an und sie unterlag schließlich auch vor der Mandatskommission, die sich auf die Seite der Jewish Agency stellte. Auch dokumentarisch rückte England von Passficlds Weißbuch ab, indem es den sogenannten MacDonald-Brief veröffentlichte, der eine Reihe von Zusicherungen enthielt. Aber auch diese sind zum größten Teile nicht eingehalten worden. England legte sich nun eine neue Taktik zurecht. Wauchope war im Gegensatz zu seinem Vorgänger Chancellor liebenswürdig im Umgang und entgegenkommend in Kleinigkeiten. Er ließ die Juden einwandern, wenn auch nur in beschränktem Umfange. Insgeheim ging er aber den Weg Passfields mit eiserner Konsequenz. Das Märchen von den landlosen Arabern schrumpfte durch amtliche Untersuchungen zu einer Nichtigkeit zusammen. Trotzdem wird nun die 2-Mllionen- Pfundanleihe aufgelegt, um hauptsächlich die arabische Landwirtschaft zu fördern, arabische Schulen zu errichten und dergleichen mehr. Englische Firmen werden dick verdienen, die Araber werden sich bereichern und die Juden haben die Ehre aus ihren Steuergeldern 2 Millionen Pfund samt Zinsen zu bezahlen. Die Auflegung der Anleihe für ein Land, J das als einziges in der Welt einen u n g e- Der Herzl-Grabgang Heuer jährt sich zum dreißigsten Male der Todestag Theodor H e r z 1 s. Aus diesem Anlasse findet wie alljährlich auch heuer der Herzl-Grabgang statt. Als Termin wurde Sonntag der 24. Juni festgesetzt. Die näheren Weisungen über die Sammelplätze der einzelnen Gruppen, Weg des Zuges usw. werden rechtzeitig erfolgen. Das Zionistische Landeskomitee wird am 23. J u n i, am Vorabend des Grabganges, eine große Herzl-Feier Im Hotel Continental veranstalten. Montag, am 2. Juli, wird ein Trauergottesdienst stattfinden. Hierüber werden noch besondere Verlautbarungen erfolgen. Nicht nur wegen der dreißigstenWiederkehrvonHerzIsTodestag, auch wegen des starken Anwachsens der zionistischen Bewegung ist mit einer sehr starken Teilnehmerzahl am Grabgange zu rechnen. Sämtliche Wiener Bezirkssektionen veranstalten im Laufe dieses Monats Herzl-Feiern. Es ist auch eine rege Beteiligung ausländischer Zionisten am Herzl-Grabgang zu rechnen. Der Herzl-Grabgang muß eine mächtige Manifestation für den Zionismus und eine imposante zionistische Ehrung des toten Führers werden. An alle Juden Wiens ergeht hiemit die Einladung des Zionistischen Landeskomitees, sich am Grabgang zu beteiligen.

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