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Die Stimme · 1934-06-05 · Heft 358 (5.6.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 358 (5.6.1934)
Date
1934-06-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 358 — 5. Juni 1984 Die Welthetzer an der Arbeit 6. April 1933, Liechtenstein: Direktor R o 11 e r und F r a u ermordet. Die Liste äer „auf der Flucht Erschossenen“ enthält folgende jüdische Namen: 19. Mai 1933, Dachau: Leonhard Hausmann (WTB.). 24. Juni 1933, Aachen: Artur May beim Transport nach Festung Jülich. 8. August 1933, Dachau: Felix Fechenb a c h auf dem Transport („Neuer Vorwärts“). 9. Jänner 1934: Redakteur Ludwig Pappe n h e i m („Deutsche Freiheit“). Die Liste der „Selbstmorde“ enthält eine Reihe jüdischer Namen, die aber bei weitem nicht die Zahl der Selbstmorde von Juden erschöpft. In der Liste sind aufgezählt: Fabrikant Hans Sachs (Chemnitz), Reichsbannermann F r a n ck (Worms), Rechtsanwalt Dr. Elias (Dortmund), Erich Baron (Spandau), Kaufmann Geer (Seesen), Dr. Ernst Eckstein (Breslau) nach schweren Folterungen, Bankbeamter Ernst Katz und Ehefrau Nina (Berlin), Tennismeisterin Nelly N e p p a c h (Berlin), G 1 as e r (Konzentrationslager Hohenstein), R udolfMosse (Berlin) bei Verhaftung durch SA., Rechtsanwalt Wilhelm Kahn (Berlin), Prof. Moral (Rostock), Reichtagsabgeordneter und früherer Minister M a r u m aus Karlsruhe im Gefängnis zu Kislau, R osenau und Rosenfelder in Gunzenhausen, Rechtsanwalt Fink und Frau aus Darmstadt in Berlin vergiftet, Schriftsteller Artur Landsberger (Berlin). Bei vielen der Genannten sowie bei anderen jüdischen angeblichen Selbstmorden wird angenommen, daß es sich um Ermordungen handelt, wobei die Täter nachträglich versuchten, Selbstmorde vorzutäuschen. Zum Beispiel ist festgestellt, daß die G u nzenhausener Todesopfer durch Morde geendet haben. Der Gutsbesitzer Rudolf Mosse ist „auf der Flucht erschossen“ worden. Auch der Schriftsteller Artur Landsberger soll nach Zeugenaussagen den Martertod erlitten haben. Es fehlen in der Aufstellung auch die vielen Selbstmorde von jüdischen Emigranten im Auslände. Hakenkreuzmorde in Mexiko Mexiko City, 1. Juni. Bei einem Bombenanschlag auf ein jüdisches Eisenwarengeschäft in C o r r e g id o r a wurden fünf Personen getötet und zahlreiche andere verwundet. Als Täter wurden einige Mitglieder einer extremnationalistischen Organisation verhaftet. Da.s Ziel dieser kürzlich gegründeten Organisation ist, die Araber, Juden und Türken sowie andere Fremdlinge aus Mexiko zu vertreiben. Die Organisation bekämpft auch den amerikanischen Einfluß in Mexiko. Hakenkreuze an Jtfdlschen Geschäften In New York New York, 3. Juni. Im Stadtteil Yorkville haben Nationalsozialisten in den letzten Tagen in die Fenster fast aller jüdischer Geschäfte und mehrerer christlicher Geschäfte, die sich nicht dem DAWA (Deutsch-Amerikanischer Wirtschafts-Ausschuß) angeschlossen haben, Hakenkreuze eingeritzt, wodurch den Geschäftsleuten viel Schaden entstand. — Inzwischen breitet sich die Bewegung für Boykott deutscher Waren immer weiter aus. In den letzten Wochen sind weitere sieben große Ne w-Y orker Warenhäuser der Boykott-Bewegung augeschlossen worden, sie haben sich verpflichtet, keine deutschen Waren mehr zu führen. Prag, 30 Mai. „Prager Mittag“ führt aus, daß die in der Tschechoslowakei verbotene Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei in letzter Zeit ihre Wühlarbeit in einem Maße führt, daß man sich fragen muß, ob die Partei wirklich verboten ist. Von Provokationen durch illegale Flugschriften, Beschmieren der Wände mit „Heil Hitler“, antisemitischen Exzessen, Deklamation antisemitischer Gedichte seitens prominenter Prager deutscher Schauspieler auf der deutschen Gesandtschaft u. v. a. hört man immer häufiger. In der Türkei Konstantinopel, 30. Mai. Die antisemitische Hetze des mit deutschem Geld heransgegebenen türkieoh-nationalsozialistäechen Organs „Milli Inkllap“ hat unter der jüdischen Bevölkerung starke Beunruhigung hervorgerufen. Die jüdische Gemeinde sandte eine Abordnung zur Regierung nach Angora, um gegen die von der genannten Zeitung verbreiteten bluthrünstigen antijüdischen Legenden zu protestieren. Die große türkische Presse nimmt scharf Stellung gegen das Naziorgan und stellt fest, daß das Türkentum sich auf nationale, nicht aber auf rassische Prinzipien stützt. Die türkischen Behörden haben die Redakteure des „Milli Inkilap“ wegen Verleumdung des Judentums zur Verantwortung gezogen. yyDer Stürmer“ holländisch Amsterdam, 30. Mai. Soeben erschien hier in einem miserablen Holländisch eine Ausgabe von Streichers „Der Stürme r“, die neben dem allgemeinen antisemitischen Material auch scharfe Angriffe auf prominente holländische Juden enthält. Man glaubt allgemein, daß es sich hier um ein W e r k der den tschen Propaganda handelt. Vorläufig fehlt noch die Handhabe, gegen die antisemitische Hetzpropaganda in Holland einzuschreiten, da das von Minister van Schaik eingebrachte Gesetz gegen Aufreizung zu Klassenhaß, das von der zweiten Kammer bereits verabschiedet ist, noch der E rledigung durch die erste Kammer und der Sanktion durch die Königin bedarf. In Brasilien Rio de Janeiro, 30. Mai. Mehr als 3000 „Grünhemden“ hieltfen am 27. Mai in Rio de Janeiro eine Konferenz ab, in der das Programm Hitlers, das antijüdische inbegriffen, voll angenommen wurde. Die Redner ließen keine Zweifel darüber, daß sie nicht nur ideell vom deutschen Nationalsozialismus gestützt werden. Die brasilianische Presse warnt die Nazi- Deutschen in Brasilien, die Ordnung im Lande zu stören. Die liberale Zeitung „Avanguarda“ enthüllt, daß die antisemitische Introgalist-Partei eine Million Goldmark von deutschen Nazis erhalten hat. In Peru und Chile Lima, 30. Mai. Unter dem Einfluß deutscher Nationalsozialisten betreibt ein Teil der spanischen Presse in Peru eine scharfe antijüdische Hetze. Die Jüdische Gemeinde in Lima ernannte eine Kommission zur Bekämpfung des aus Deutschland importierten Antisemitismus und erhob auch schon bei der Regierung Vorstellungen gegen die Verbreitung antijüdischer Legenden. In Santiago de Chile ist eine vom Berliner Reichspropagandaministerium ausgerüstete Theatergruppe eingetroffen, die auch in Argentinien, Uruguay und Brasilien Vorstellungen geben wird. Propaganda in Palästina Jerusalem, 30. Mai. Die Zeitungen „Haarez“ und „Iton Mejuchod“ bringen Mitteilungen über Umtriebe der in Palästina gebildeten nationalsozialistischen Organisation unter den Arabern und fordern die Regierung auf, zu untersuchen, wie weit diese Bewegung mit deutschem Geld gespeist wird und ob nicht auch einige diese Bewegung unterstützende arabische Zeitungen Geld aus Deutschland erhalten. Großes Aufsehen erregte es, als eine Gruppe englischer Polizisten auf der Levante-Messe in Unifmoren eintrafen, die mit Hakenkreuzen bemalt waren. Die hebräische Presse fordert eine strenge Untersuchung. den von insgesamt 5786 Mandaten 3298 Angehörige des Regierungsblocks (47 Prozent^ 592 Angehörige regierungsfreundlicher jüdischer Parteien (Agudisten und Unparteiische), 504 Z i onisten, 48 Bundiste n, 48 Rechte P o a 1 e Zion, 15 Linke Poale Zion und 168 Juden auf den; Listen polnischer politischer Parteien gewählt. Die antisemitischen Nationaldemokraten haben gemeinsam mit den christlichen Demokraten im ganzen 535 Sitze errungen. Eine Abordnung polnischer Juden aus England beim polnischen Außenminister Warschau, 1. Juni. Eine Abordnung der Föderation polnischer Juden in England, bestehend aus Rabbiner H. F r e n k e 1 und L. Joskowicz, besuchte das Warschauer Außenministerium und wurde vom Vizeminister Graf Szembek und Ministerialrat Zaleski empfangen. Die Londoner Herren brachten zur Sprache, daß die jüdische Bevölkerung in vielen Teilen Polens infolge der verschärften antijüdischen Hetze und der Ausschreitungen gegen Juden seitens der Radikalnationalen unter ständigem Terror steht. Die Regierungsmänner gaben den Gästen die Versicherung, daß die Regierung schärfste Maßnahmen gegen die Störer der Ordnung im Lande ergriffen hat und jeden Versuch, polnische Bürger ohne Unterschied von Glaube und Nationalität anzugreifen, zu verhindern wissen wird. Die Judenhetzer haben in der polnischen Gesellschaft keinen Einfluß. Der neue Kurs in Lettland Riga, 81. Mai. In einer unter dem Vorsitz des Unterrichtsministers Dr. A d a m o w i t s c h abgehaltenen Konferenz, in der die Auflösung der Verwaltungen der Mmderheiten-Schulwerke beschlossen wurde, erklärte der Vizeminister für Unterrichtswesen, Tschamanis, diese Maßnahme bedeute keineswegs eine Einschränkung der Minderheitenrechte; die gegenwärtige Position der Minderheiten- Sohulen, auch der jüdischen, bleibe unverändert. Die Zeitung „Ha.j.nt“ bringt einen längeren Bericht ihres nach Riga entsandten Korrespondenten, in dem davon die Rede ist, daß Hand in Hand mit der Organisierung des neuen Regimes in Lettland eine juden gegnerische Bewegung vor sich geht; es seien bis jetzt nicht weniger als 300 Juden, unter ihnen zahlreiche ganz unpolitisch Orientierte, verhaftet worden. In Reschiee und Libau wurden zahlreiche angesehene Juden, Mitglieder der Stadtverwaltungen, Synagogenvorsteher und andere mehr verhaftet. In einigen Orten wurden fast alle Mitglieder der Organisation der Zionistcn-Sozialisten verhaftet. Das Denunziantentum blüht. Die auf der Konferenz jüdischer Volksbanken Litauens erstatteten Berichte enthüllten eine zunehmende Verschlechterung der ökonomischen Position der litauischen Judenheit. Seit Anfang 1933 werden die Juden allmählich aus allen Zweigen des Handels hinausgedrängt; der Handel konzentriert sich jetzt in litauischen Händen. Dio Entwertung des amerikanischen Dollars hat die Not verschärft, da zahlreiche jüdische Familien in Litauen auf Geldunterstützungen seitens ihrer in Amerika wohnenden Verwandten angewiesen sind. AUS POLEN Antifüdische Ausschreitungen in Grodno Grodno, 1. Juni. Huligans schlugen die Fensterscheiben n mehreren jüdischen Wohnungen und in ier Redaktion der jiddischen Tageszeitung Grodnoer Momen t“, in der Brennerhbliothek und in Lokalen anderer jüdischer nstitutionen ein und mißhandelten ine Anzahl Juden in denStrai e n. Einer jüdischen Abordnung erklärte er Starosta von Grodno, er werde jede» fnruhestifter, dessen er habhaft werde, sei s Jude oder Christ, prügeln lassen und ins lefängnis stecken. Die jüdische Bevölkerung löge sich nicht provozieren lassen, er rache über ihre Ruhe. Der Starosta von Lodz lud am Morgen es Fronleichnamstages die Vertreter des Abbinats zu sich und ersuchte sie, auf die idische Bevölkerung zu wirken, daß sie rährend der Prozessionen sich von den traßen fernhalten. Ein entsprechender Aufif wurde erlassen. In Pabianic haben nationaldemokratische uligans den Präsidenten des polnischen abbinerverbandes, Rabbiner Mendel .lter, einen Bruder des „Gerer Robbe“, schwer mißhandelt. Rabbi Alter liegt krank darnieder. Die Nationaldemokraten in Lodz haben ihren lokalen Sieg bei den Gemeindewahlen durch Überfälle auf Judon in den Straßen gefeiert. In B i a 1 y s t o k wurde der Jude Aron Emme von einem unerkannt gebliebenen Huligan auf der Straße erschossen. Ausschreitungen und Plünderun gen ln Tlumacz Lemberg, 1. Juni. In der Ortschaft Tlumacz bei Kolomea in Ostgalizien hat eine größere Gruppe ukrainischer Bauern gelegentlich des Kirchweihfestes die V erkaufßstände j ü d ischer Händler überfallen und ausgeplündert. Mehrere jüdische Kaufleute wurden mißhandelt. Die Polizei stellte die Ruhe wieder her und verhaftete zahlreiche Plünderer. 1400 füdische Stadtratsmitglieder in Polen Warschau, 1. Juni. Laut dem amtlichen Ergebnis der Stadtratswahlen in 304 polnischen Städten wur¬ 9 Zion. Bezirkssektion VI/VII und Wizo, Loquaiplatz 11 Große Werbeversammlung Donnerstag. 7. Juni halb 9 Uhr abends Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zion. Landeskomitees für Österreich, „Die nationalen und politischen Probleme des Judentums“

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