Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 358 (5.6.1934)
- Date
- 1934-06-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Jfr. 358 - 5, Juni 1934 DIE STIMME Seif« 8 Sie essen von SOGrosdien aufwärts vorzüglich Im GRABEN-KEUiR her Verpflichtung aus dem Mandate zu verhalten. Der Zionistische Landesverband hat weiter den auf der Titelseite unseres Blattes veröffentlichten .schriftliehen Protest an das englische Kolonialminister i u m im Wege der Jewifth Aigency überreichen laseen. In Berlin: Die Zionistische Vereinigung für Deutschland gibt bekannt: Trotz des nunmehr seit Jahren anhaltenden steigenden Aufschwungs der palästinensischen Wirtschaft und trotz der durch diese Entwicklung entstandenen starken Nachfrage nach Arbeitskräften für Land und Stadt glaubt die Mandatsregierung. die. jüdische Einwanderungsquote auf eine Zahl beschränken zu müssen, die weit unter der Aufnahmefähigkeit des Landes liegt, und das dringende Bedürfnis der Wirtschaft nach Arbeitskräften bei weitem nicht deckt. Die Mandatsregierung gefährdet damit die gesunde Weiterentwicklung der jüdischen Wirtschaft aufs Empfindlichste und setzt sich gleichzeitig in Widerspruch zu den Verpflichtungen, die sie im Mandat übernommen hat und zu denen sie sich im .MacDonald-Brief erneut bekannt hat. Die deutscher) Zionisten empfinden die Ungerechtigkeit der Einwanderungsdrosrselung besonders schwer. Sie verlangen keine Bevorzugung vor den Juden anderer Länder, aber sie fordern eine Alijah und Politik, die d er Gesamtlage des jüdischen Volkes in der G o 1 ah entspricht. Ta.useude junger Menschen bereiten sich unter den Fahnen des Zionismus auf ein Leben der Arbeit in Erez Israel vor. In ihrem Namen und für die zahlreichen zur Auswanderung bereiten deutschen Juden protestiert die Zionisten- Vercimgung für Deutschland gegen den Versuch der Mandatsregierung, die Einwanderung nach Palästina in einer den Bedürfnissen des Landes widersprechenden Weise zu drosseln. Sie verlangt die Öffnung der Tore Palästinas für eine Einwanderung, die der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes ange-m essen ist. In London: In einer unter dem Vorsitz von Sir Osmond d’Avigdor Goldsmid abgehaltenen außerordentlichen Sitzung nahm die britische Sektion der Jewish Agency eine Entschließung an, in der es unter anderem heißt: Die britische Sektion der Jewish Agency ior Palesline hat mit tiefstem Bedauern zur Kenntnis genommen, daß die Regierung Palästinas eine geringe Zahl Zertifikate a,uf Grund der Arbeitersohedule bewilligt hat. Die Politik der Regierung ist weder mit den Bedürfnissen Palästinas, noch mit jenen der großen Massen des jüdischen Volkes in den anderen Ländern — insbesondere der in Deutschland entrechteten und verfolgten und aus diesem Lande geflüchteten Juden, für die die Öffnung der Tore Palästinas eine Lobcnsnotwondigkeit bedeutet — in Einklang zu bringen. Es ist die ernsteste Hoffnung der Jewish Agency, daß die Regierung in Erwägung der Bedürfnisse des jüdischen Nationa.lheims in Palästina und der Lage der Mehrheit des jii lisehen Volkes in den anderen Ländern in vollstem Maße das festgelegte Prinzip verfolgt, wonach die Einwanderung nach Palästina in dem vollen Ausmaß der Aufnahmefähigkeit dieses Landes gestattet werden soll. In Warschau: Weit mehr als 3000 Personen versammelten sich im Warschauer Theater „Nowoszozy“, um für „das jüdische Recht auf freie Einwanderung in das jüdische Land“ zu demonstrieren. Nach Ansprachen von Moloch Najetadt, Advokat M. Polin k e w i e z, Redakteur M. Klei tili a u m, J. Schwarzbard, Advokat M. II a r t g l a ß und A. B i a l o p o 1 s k i wurde eine Entschließung angenommen, die unter anderem besagt: Dio Volksversammlung erhobt schärfsten Protest gegen dio Beschränkung der Einwanderung nach Palästina zu einer Zeit, wo dank den jüdischen Anstrengungen und Leistungen die Aufnahmefähigkeit des Landes ungeheuer gestiegen ist und sich auf allen Gebieten ein scharfer Mangel an jüdischen Arbeiterhänden bemerkbar macht. Diese Beschränkung ist umso gefährlicher, als Bin nicht allein den wirtschaftlichen Aufschwung hemmt, sondern auch eine Arabisierung der jüdischen Wirtschaft zur Folge hat. Die Volksversammlung nagelt fest den Verrat jener jüdischen Kolonisten und Pflanzer, die jüdische Arbeit boykottieren und der Administration helfen, ihre verzeichnet, wobei zu bemerken ist, daß bei verschiedenen Mordfällen die Namen der Opfer nicht ermittelt werden konnten und unter diesen wohl auch Juden gewesen sein mochten: 6. März 1933, Berlin-Friedriehshain: Bäckerlehrling F r i e d 1 ä n d e r, Allensteinerstraße 11, in der SA.-Kaserne Hedemannstraße, ermordet. („Berl. Tgbl.“.) 8. März 1933, Berlin-Schöneberg: Jude P r e u ß im Maohnower Forst tot aufgefunden („Vossische Zeitung“). 10. März 1933, Königsberg: Kaufmann Max N e u m a n n, Jude, im Krankenhaus den von SA. ihm zugefügten Verletzungen erlegen. 11. März 1933, Spandau: Jungarbeiter Erich Meyer totgeschlagen („Frkf. Ztg.“). 12. März 1933, Kiel: Rechtsanwalt Spiegel erschossen (WTB.). 16. .März 1933, Berlin: Redakteur Leo Krell totgeschlagen (Zeugenbericht). 18. März 1933, Berlin: Rechtsanwalt Günther Joachim, Jude, den in der SA.-Kaserne ULAP. erlittenen Mißhandlungen erlegen (Zeitungsberichte). 18. März 1933, Berlin-Charlottenburg: Siegbert Kinderman n, Kaiser-Friedrich- Straße, in der SA.-Kaserne Hedemannstraße totgeschlagen („Berl. Tagebl.“). 27. März 1933, Kassel: Rechtsanwalt Dr. M a x P1 a u t, Jude, in der Nazikaserne zu Tode geprügelt (Zeugenbericht). 27. März 1933, Berlin-Schöneberg: Max B i 1 e c k i, Hauptstraße 18, nach Folterungen in der SA.-Kaserne, General-Pape- Straße, im Urban-Krankenhaus gestorben (Zeugenbericht). 30. März 1933, Berlin: Leibi V o 11 s c h 1 äg e r, Skalitzerstraße, ermordet und ins Wasser geworfen (Zeugenbericht). 30. März 1933, Oberhessen: Unbekannter Jude an den Füßen gehängt („Manchester Guardian“). 1. April 1933, Kiel: Rechtsanwalt Fritz Schümm in der Gefängniszelle erschlagen (TU.). 2. April 1933, Kehl: II. Wortheim er angeblich Sehlagaufaii vor der Verhaftung (WTB.). 4. April 1933, Berlin-Biesdorf: Da*. Philip p s t h a 1 totgeschlagen („Berl. Tagebl.“). 5. April 1933: Zubachwitz: Kalkulator Anschläge gegen das jüdische Werk zu führen. Die Volksversammlung fühlt sich solidarisch mit den Arbeiterführern, die wegen Posfcenstchens zum Schutze jüdischer Arbeit verhaftet wurden, und sie fühlt sich eins m i t, d e m Waad Leumi und dem gesamten J i s c h u w in dem Kampf um jüdische Einwanderung und Arbeit. In diesem Moment der Gefahr müssen sich alle konstruktiven Kräfte des jüdischen Volkes hinter die verantwortlichen und legitimen Instanzen der zionistischen Bewegung und des palästinensischen Jischuw stellen. Sauer im Konzentrationslager in Hohenstein erschlagen. 6. April 1933, Johann Georgenstadt: Stadtverordneter Max N iedermayer im Zwickauer Gefängnis erschlagen (Zeugenbericht). . 7. April 1933, Berlin: Hermann Steinschneider (Erik Hanussen) ermordet (TU.). 10. April 1933, Chemnitz: Friseur Fritz E n g 1 e r im Zeisigwald zu Tode gefoltert (Zeugenbericht). 12. April 1933, Chemnitz: Rechtsanwalt Dr. Artur Weiner erschossen aufgefunden („Frkf. Ztg.“). 15. April 1933, Berlin: Spiro, 17jähriger Jude, Schönholzerstraße 17, in der SA.-Kaserne, Hedemannstraße, ermordet (Zeugenbericht). 19. April 1933, Leipzig: Alfred Elker, Christ, wegen seines jüdischen Aussehens von SA. erschlagen („Leipziger Neueste Nachrichten“ und Zeugenbericht). 20. April 1933, Dortmund-Hörde: Karn i n s k i im Gefängnis totgeschlagen. 22. April 1933, Wiesbaden: Milchhänidler Max Kassel in der Wohnung erschossen' (DAZ.). 22. April 1983, Wiesbaden: Kaufmann Salomon Rosenstrauch in der Wohnung ermordet (DAZ.). 24. April 1933, Wittmund bei Bremen: Händler Cordes u n d S o h n bei einem Pogrom erschossen (WTB.). 25. April 1933, Dortmund: Kaufmann Mendel Haber erschossen und ins Wasser geworfen („Dortmunder Generalanzeiger“). Ende April 1933, Berlin: löjähriger Arbeiter K i n d e r m a n n in Gegenwart seiner Mutter Schädel zertrümmert („Deutsche Freiheit“). 2. Mai 1933, Duisburg-Hamborn: Kaufmann D a n z i g e r, Jude, überfallen und zit Tode mißhandelt (Zeugenberioht). 5. Mai 1933, Berlin: Handwerker Simon Kat z, polnischer Staatsbürger, zu Tode geprügelt (Zeugenbericht). 9. Mai 1933, Wuppertal: Dr. Meyer, jüdischer Zahnarzt, nach Mißhandlungen in der Möhnetalsperro ertränkt (Zeugenbericht). 15. Mai 1933, München: Rechtsanwalt Dr, Alfred Strauß erschlagen (Zeugenbericht).- 25. Mai 19,33, Nürnberg: Jüdischer Kaufmann Schloß erschossen (Zeugenbericht), 23. Juni 1933, Düsseldorf: Jüdischer Uhrmacher Eduard Tabus erschossen aufgefunden. 29. Juni 1933, Nürnberg: Rechtsanwalt Dr. Rosenfelder ermordet im Konzentrationslager Dachau (Zeugenberioht). Ende Juni 1933, München-Pasing: Michael Sigman im Konzentrationslager Dachau ermordet (Zeugenbericht). 1. Juli 1933, Breslau: Max Margoliner nach Folterungen im jüdischen Krankenhaus Breslau-'Süd gestorben (Zeugenbericht). 10. Juli 1933, Erfurt: Redakteur Josef Nies ermordert (Zeugenbericht). 10. Juli 1933, Jena: Alfred Noll, Jude, ermordet (Zeugenbericht). 14. Juli 1933, Stettin: Redakteur Franz Brau n, Jude, in der Zelle umgebraoht (Conti-WTB.). Ende Juli 1933, Gerthe bei Bochum: Kaufmann O r t h e i 1 e r im SA.-Heim erschlagen („Deutsche Freiheit“). 30. August 1933, Marienbad: Professor Theodor L e s s i n g ermordet (Zeitungsberichte). 30. August 1933, Budapest: Dr. Adolf Bauer aus Kehl a. Rhein starb in dortiger Heilanstalt an den Folgen zahlreicher Schlagwunden. Datum unbekannt, Konzentrationslager Neusustum bei Papenburg: Jude B a r u c h von SA.-Mann. Nolte erschossen („Deutsche Freiheit“). . Von den bis zum 1. September 1933 im KonzentrationslagerDachaii Gemordeten sind die folgenden jüdischen Namen bekannt: Artur Kahn, Provisionsreisender, Nürnberg; Erwin Kahn, Kaufmann, München; Göldnunn, Reisevertreter, Nürnberg; Dr. Alfred B e n a r i o, München. mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinie Triest-Jaffa des 4ilir LLOYD TRIESTIKO Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner. Luauseillinten nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Colombo, Sinyapore, Shanghai• Schnellste Schiffe Höchster Komfort Auskunft: Lloyd Trlestino, Wien, I., Kärntnerrina 6, Tel. U 47 5 60 Die jüdischen Todesopfer des Dritten Reiches Prag, 30. Mai. Die Deutsche Liga für Menschenrechte, Sektion Prag, veröffentlicht eine Liste der Todesopfer des Dritten Reiches, beginnend mit der Machtergreifung Hitlers und endend am 1. April 1934. Unter Benützung der Im Braunbuch und im „Neuen Vorwärts gemachten Angaben Ist der Versuch unternommen worden, eine möglichst vollständige Liste der Einzelmorde, der „Erschießungen auf der Flucht“, der angeblichen und wirklichen Selbstmorde und der Hinrichtungen aufzustellen. Die Liga kommt zu dem Ergebnis, daß mindestens 650 Menschen im ersten Jahr der Nazi-Herrschaft einen gewaltsamen Tod erlitten. Man findet in der Liste sehr viele jüdische Namen, doch vermißt man die Aufzählung verschiedener jüdischer Tragödien, so z. B. die Ermordung des Apothekers G r ü n w a I d und den darauffolgenden Selbstmord seiner Gattin in Berlin-Köpenick u. v. a. Liste des Grauens In der Liste der Liga für Menschenrechte sind ii. a. folgende jüdische Fülle RZL-GRA3GANG - Sonntag, 24. Juni Ir den nächsten Nummern der „Stimme»