Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 358 (5.6.1934)
- Date
- 1934-06-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 358 — 5. Juni 1934 1 Die Tagung der Mandatskommission (Fortsetzung von Srite 1) führte u. a. aus: Er stellte fe«?t, daß die wirtschaftliche Lage Palästinas gesund bleibt und daß. trotz bedeutender Steuernachlasse, die Einkünfte der Regierung auf ihrer früheren Höhe geblieben sind. Das Land, sagte er, kann mit Stolz auf einen beneidenswerten Wohlstand hinweisen, in einer Welt, die unter dem Zeichen allgemeiner wirtschaftlich er Depression steht. Zum 31 März 1934 hat der ß u d g e t ü b e r e c h u ß der palä-stiner ischen Regierung 2 '4 Millionen Pfund erreicht. Ein anderes überzeugendes Zeichen des Wohlstandes ist die Summe des im Umlauf befindlichen Geldes, die im Jahre 1033 beinahe 4 Millionen Pfund erreicht hat gegen nur 234 Millionen Pfund im Jahre 1932. Die diesjährige L e v a n fernes s e in Tel-Aviv hat das Ausmaß einer wirklich internationalen Ausstellung erreicht und hat, eine hervorragende Geschäftsbelebung für das Land herbeigeführt. Auch die arabische Messe, die zum ersten Male im Jahre 1933 in Jerusalem stattgefunden hat, hätte sich als sehr nutzbringend erwiesen. (Diese Messe ist völlig ergebnislos gewesen. Red.) Obwohl die Finanzen Palästinas gesund seien, leidet noch ein Teil der Landbevölkerung unter den Folgen einer Serie von durch Elementarereiguisse verursachten Mißernten. Der Oberkommicsar hat alle nötigen Schritte unternommen, um diesem Bevölkerungsteil (es handelt sich hier um rückständige Wirtschaften arabischer Fellachen) zu helfen. Außer diesen Hilfsmaßnahmen hat die Regierung ihre Tätigkeit auf dem Gebiete des Unterrichtswesens weitergeleitet und ausgebaut. Sie hat neue Schulen errichtet und hat Geldmittel zur Einstellung von weiterem Lehrpersonal und zum Einkauf von Schulmaterial zur Verfügung gestellt. (Aber nur zugunsten der Araber. Die Red.) Weiters wurden Maßnahmen getroffen, um einen besseren Ertrag der landwirtschaftlichen Produktion zu erreichen. . Die Regierung hat die verschiedenen Zuschüsse aus öffentlichen Geldern für jüdische, pädagogische, sanitäre und landwirtschaftliche Zwecke erhöht. Die Vereinbarung, gemäß welcher die Regierung an den verschiedenen, von der Jewish Agency und dem Waacl Leumi unterhaltenen Forschungsinstituten mitarbeitet, hat die erfreulichsten Folgen für das ganze Land gezeitigt. Verhandlungen zwischen dem Waad Leumi und der „Agudath Israel“ sind im Gange, um eine Einigung dieser beiden Organisationen zwecks gemeinsamer Arbeit im Gemeindeleben zu erzielen. Eine Verordnung zum Schutze der Landwirte wurde mit Nutzen zur Durchführung gebracht. Die Verordnung über die Organisation der Gemeinden wurde am 14. Jänner in Kraft gesetzt, die nötigen Schritte zur Wahl von neuen Gemeinderäten wurden sofort eingeleitet. Fragen der Kommission*» mitglieder Nach diesen Ausführungen begann die Fragestellung. Die Fragen bezogen sich auf die wirtschaftliche Lage des Landes, auf die blutigen Vorgänge im Oktober vorigen Jahres (Zusammenstöße zwischen der Polizei und den Arabern), auf die Rolle und die Verantwortung der Arabischen Exekutive bei diesen Vorgängen, auf das Zusammenleben der Juden und Araber, auf die GemeindeverOTclnung, auf die Frage der jüdischen Immigration und die Probleme der allgemeinen Verwaltung Palästinas. .Gegen die Drosselung der jüdischen Einwanderung nach Palästina werden in dem von Präsident Dr. Nahum S o k o 1 o w Unterzeichneten Begleitbrief zum Memorandum der Jewish Agency ernste Bedenken geäußert: „Die Jewish Agency“, schreibt Sokolow, „erkennt an, daß die Regierung hei ihrem vorsichtigen Vorgehen in Einwanderungsangelogenheiten von dem Wunsche geleitet, war, für die Zukunft Palästinas und des Jüdischen Nafclonal.heims ihr Bestes zu tun. Ich möchte indessen darauf hin weisen, daß angesichts der dauernden Verstärkung der Nachfrage nach Arbeitskräften und des anhaltenden Einströmens jüdischen Kapitals nach Palästina eine solche Vorsicht, wenn sie ein3 gewisse Grenze überschreitet, notwendigerweise ein ernstes Hindernis für den legitimen Fortschritt bilden und dazu führen muß, daß dem Jüdischen Nationalheitfl' Chancen verloren gehen, die sich ihm vielleicht nie mehr bieten werden. Die Lage des jüdischen Volkes in der Diaspora, die die ttrhauses am Abend des 29. Mail unterbreitete Kolonienminißter Sir Philip C u nliffe-Lißter dem Hause die P a 1 ästina-Anleihebill zur zweiten Lesung. In Klausel II der Bill ist eine Bedingung niedergelegt., wonach das Schatzamt vor Ertei-lung der Anleihegarantie seitens Englands auf Sicherstellungen bedacht sein müsse. Eine weitere Bedingung ist die, daß faire Arbeitslöhne gezahlt werden, eine dritte Bedingung lautet dahin, daß Aufträge für Betriebsanlagen und Maschinen in England placiert werden. In der Debatte hielt Rhys-Davies eine große Rede, in der er die Eindrücke seines kürzlichen Besuches in Palästina schilderte, die Fortschritte der jüdischen Arbeit im Lande sehr hoch einschätzte, aber erklärte, die englische Regierung habe es schwer, die Ansprüche sowohl der Juden als auch der Araber mit einander in Ausgleich zu bringen. Rhys-Davies gah der Meinung Ausdruck, daß England seine Mandateverpflichtungen in Palästina auch ohne Anleihe durchführen könnte. Dem Regime dee High-Commissioner Sir Artur W a u c h o p e zollte der Redner Lob. Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister warf ein, daß ja auch die frühere sozialistische Regierung bereits eine Anleihe garantierte und sogar eine Regierunigsbeihilfe empfahl. Rhys-Davies ließ sich aber nicht davon abbringen, daß die Auflegung der Anleihe überflüssig sei. Dringend erforderlich sei jetzt nur ehe entsprechende Wasserbelieferung der Städte. Werden nun die mit Hilfe der Anleihe durchzuführenden Wasseranlagen in Jerusalem und Haifa städtische oder private Unternehmungen sein? Der Kolonienminister erwiderte, beide werden unter Regierungskontrolle stehen. Auf Rhys-Davieß’ Frage, ob die Anleihe bei Kapitalisten untergebracht werden wird, erwiderte Cunliffe-Lister, er hoffe, daß einige der Gewerkschaftsfonds hiefür erschlossen werden würden. Rhys-Davies bemängelte es, daß die Palästina-Gewerkschaften rechtlichen Beschränkungen unterworfen sind, er traf, aber auch Colonel Wedgwoods ktlrzlichen Ausführungen betreffend das Eriziehungssystem in Palästina entgegen und sagte, man solle den Juden die englische Sprache nicht aufdrängen, die Juden haben Hebräisch zu ihrer Umgangssprache gewählt und machen hierin große Fortschritte. Allerdings müßte unter den andern zu erlernenden Sprachen Englisch den Vorrang haben. Davies behandelte auch die Frage der Ansledlunig dislozierter Araber und sagte, viel Schuld an dem Unfrieden hätten d i e hohen Bodenpreise. In Palästina, sagte man ihm, die Juden können mit Ihrem s p r ii n g 1 i c h s t e Vor a. nlassung für die Politik des Jüdischen Nation a 1 h e i m s ist., kann hi e b e i n i e ht. a. ußer a o h t. g e 1 a s s e n w e rd c n. Teils infolge des Spiels der ökonomischen Kräfte, teils infolge fortgesetzten antisemitischen Drucks gelangen immer größere Massen von Juden dazu, ihre Augen auf Palästina als das einzige Land zu richten, in dem sie ihr Leben auf sicherer Grundlage wieder a.ufbauen können. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß die Berücksichtigung dieses Bedürfnisses und der erhöhten Möglichkeiten für die Aufsaugung neuer jüdischer Einwanderer, Möglichkeiten, die durch jüdische Unternehmungen in Palästina geschaffen wurden, zu einer den größeren Möglichkeiten entsprechenden Erleichterung der Einwanderung führen wird.“ (Der Brief Sokolows war vor der Festsetzung der letzten Arbeit-er-Einwanderungs- Schediule abgefaßt worden.) Gehle das beste Land kaufen, während den Arabern nur sehr dürftiger Boden bleibt. Aber Palästina als Ganzes würde ein wundervolles Land sein, wenn eine moderne Bewässerung geschaffen wäre. Der gesamte Boden würde dann Früchte tragen. Die Wiederansiedlung der dislozierten Araber würde dann kein Problem mehr sein. Ich möchte, schloß Rhys-Davies, dieses ruhmvolle kleine Land in noch viel besserem Zustand sehen, als es jetzt schon ist. Ich sehe keinen Grund zur Beschränkung jüdischer Einwanderung. Gewiß muß sich jede englische Regierung der verschiedenen Ansprüche der Araber und der Juden bewußt sein, jede Regierung aber darf nicht vergessen, daß Palästina nicht nur das Verheißene Land, ■sondern auch ein Land voller Verheißungen ist. Nachdem sich auch Loftus gegen die Anleihe ausgesprochen hat, ergriff Colonel Josiali Wedgwood das Wort und:führte aus: „Ich bin gegen die Anleihe, weil sie weder von den Juden noch von den Arabern in Palästina wirklich gewünscht wird. Die Regierung preßt Kapital in das Land und treibt Arbeiter hinaus; wie soll man sich diese sich selbst widersprechende Politik erklären? Die Gewerkschaften in Palästina betteln förmlich die Regierung an, ihnen zu gestatten, mehr Arbeiter ins Land zu bringen. Die Regierung aber bleibt unerbittlich und weist sogar Unglückliche a/ns, die illegal ins Land kamen und dort Arbeit fanden. Einem jungen Land mehr Geld aufdrängen, als es benötigt, ist eine Extravaganz. Das Übermaß an Kapital würde nur zur Erhöhung der Boden- und Mietpreise führen, der ärmeren Bevölkerung aber keinen Nutzen bringen. Was ich aber“, fuhr Wedgwood fort, vor allem gegen die Anleihe einzuwenden habe, ist, daß sie nicht beiden Bevölkerungsteilen gleichmäßig zugute kommt, sondern die Araber begünstigt, wie überhaupt die Administration Palästinas in ihrer Politik gegenüber Arabern und Juden nicht fair vorgellt, sondern die ersteren begünstigt und die letzteren benachteiligt. Dies läßt befürchten, daß auch das Anleihegelt nicht fair verwaltet werden wird. Die neuen zivilisierten Einwanderer werden eine weit größere Steuerlast als die einheimische Bevölkerung zu tragen haben. Die Bodensteuern werden von Jahr zu Jahr reduziert, dagegen werden die Steuern für Importe immer wieder erhöht. Die Einwanderung jüdischer Arbeiter und das Kommen jüdischer Touristen nach Palästina werden immer mehr unterbunden, da gegen dürfen Araber aus Transjordanien, Syrien und Ägypten unbeschränkt einwandern. Neue Straßen werden nur nach Bedarf der arabischen Bevölkerung und ohne Konkurs-Ausschreibung Tn der Jüdischen Knltusjjemcindo in Linz Rclnnj»l die Stelle eines Kantors-Schocheth Ubodek- Sekretärs und Religionslehrers bis längstens 15. August lU'll zur Besetzung. Bewerber, die Osten-, Ktiiiilsbiirger sind, klangvolle Stimme hüben, musikalisch gebildet sind und entsprechende liehrülscho Kenntnisse besitzen, haben ihre mit Zeugnissen und Lichtbild belegten, ausführlichen Offerten (Lebenslauf, Familienstand) bis Kingstons 15. Juni 1034 an das Prttsidium obiger Gemeinde einzusenden. Gehalt nach Übereinkommen. Nur die zum Probevortrng Berufenen haben Anspruch auf HÜckersntz der Reisespesen. Rücksicht auf die jüdischen Interessen angelegt. Wo ist der Grund dafür, daß den Juden nicht die gleichen Dienste wie der übrigen Bevölkerung geleistet werden sollten? Das ist ungerecht und unenglisch. Ungerecht ist es, daß die Regierung für die arabische Bevölkerung Postämter errichtet und die jüdische Bevölkerung leer ausgehen läßt, daß kleinen arabischen Gemeinden Selbstverwaltungen bewilligt werden, die zehnmal größeren jüdischen Gemeinden verweigert werden. Englische und amerikanische Juden, dte ständig in Palästina wohnen, aber nicht die Palästina-Bürgerschaft besitzen, haben kein Stimmrecht. Ist es nicht selbstverständlich, daß ein englischer Bürger gleichzeitig Palästina-Bürger sein kann? Fraue « haben einzig und allein in Tel- Aviv, sonst nirgends im Land, Stimmrecht. Die Regierung bewilligte 23.000 Pfund jährlich für das arabische Gericht, während das jüdische Religiöse Gericht keinen Penny erhält. So reiht sich Ungerechtigkeit an Ungerechtigkeit. Die Juden verlieren immer mehr das Vertrauen zur englischen Regierung und werden entmutigt. Sie sind von der gleichen Stimmung beherrscht wie die Juden in Polen: „Für uns gab und gibt es ja doch keine Gerechtigkeit und wird es auch keine geben.“ Wedgwood schloß: „Weil ich England liebe, erfüllen mich diese Verhältnisse mit Erbitterung; denn sie gefährden Englands Ruf als Hort der Gerechtigkeit.“ Kolonienminißter Sir Philip Cunliffe-Lister brat den Ausführungen Wedgwoods scharf entgegen und sagte, Wedgwoods Rede werde den Abscheu vieler Juden ebenso wie vieler anderer, die .nicht seiner Meinung sind, hervorrufen. Die Anleihe werde in fruchttragenden Unternehmungen angelegt werden, so daß die erzielten Gewinne zu einem großen Teil den Zinsendienst decken werden. Die Finanzen Palästinas seien heute viel besser als 1926, ■in welchem Jahre ja auch die Anleihe für Palästina seitens Englands garantiert wurde. Es sei zu hoffen, daß die durch die Anleihe ermöglichten Aufträge für Maschinen im Werte von 600.000 Pfund den notleidenden englischen Gebieten eine Hilfe sein werden. Die zweite Lesung der Bill wurde sodann ■ohne namentliche Abstimmung vorgenommen. Mino Weiss II. Diplomkaufmann Dr. Rofoel (jerstenfeld IX. empfehlen sich als Verlobte Siwan (Mal 1934) Der jüdische Protest sturm gegen die Drosselung der Einwanderung In Wien: Der Zionistische Landesverband für Österreich setzt seine V e rs a in m l u n g s k a m p a g ne g e g e n d i c D r o s s o 1 u n g der Ei n w a n (1 c r u n g fort. In der vergangenen Woche fand eine Massenversammlung in den Mariensälen und weitere Versammlungen im 8., 6./7„ 10., 13. und 18. Bezirk, ferner in Baden und in Graz statt. In allen Versammlungen wurde stürmisch gegen die Drosstdung der Einwanderung protestiert und die Zionistische Exekutive aufgefordert, alle Mittel anzuwonden, um England zur Erfüllung sei- Die Anleihe vom Unterhaus angenommen London, 31. Mai. In der Sitzung des englischen Unterluden, Zionisten, erwerbet den Schekel!