Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 357 (1.6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 957 — 1. Juni 1994 DIE STIMME Seite 7 Eindfübung^^akftu^l^M^brimgsfi^gen II. Die nädiste Phase der Währungsentwidklung Die Gestaltung der Währungsverhältnissc ist immer in hohem Maße von politischen Entschließungen abhängig, entzieht sieh also schon deshalb exakter Voraussage. Man muß sich mit der Erkenntnis dessen begnügen, was nach dem gegebenen Stand der Dinge wahrscheinlich ist. Will man sich in diesem Sinne über das künftige Schicksal der europäischen und wichtigsten außereuropäischen Währungen Klarheit verschaffen, so muß man von der Tatsache ausgehen, daß zwar dio Devisenkurse seit einigen Monaten ziemlich stabil sind, daß sich aber ein wirkliches Gleichgewicht zwischen den Währungen noch nicht herausgebildet hat. Die Höhe der Warenpreise, die wir uns im folgenden stets in Gold ausgedrückt denken, ist nämlich länderweise noch stark verschieden. Kauft man etwa, um ein ganz grobes Beispiel zu geben, mit einem bestimmten Dollarbetrag Waren in Amerika ein, so erhält man im Durchschnitt beträchtlich mehr, als wenn man diesen Betrag zum heutigen Wechselkurs in Francs verwandelt und damit in Frankreich einkauft. Diese abnormalen Unterschiede in der Kaufkraft des Geldes, die vor allem auf die vielfältigen währungspolitischen Maßnahmen der letzten Jahre zurückzuführen sind, müssen früher oder später annähernd ausgeglichen werden- Damit ist 4ie Grundrichtung der künftigen Entwicklung gegeben: d i e Währung?- und P r e i s v e r h ä 1tnisse in den einzelnen Ländern müssen sich so gestalten, daß ein internationaler Kaufkraftausgleich zustande kommt. Um Art und Richtungen dieser Bewegungen im einzelnen klärziuhachen, wollen wir die wichtigsten Staaten der Welt nach währungspolitisdhen Gesichtspunkten gruppieren. Dje erste Gruppe besteht aus jenen Ländern, die noch künstlich an der alten Goldparität .feststen und die tatsächlich eingetretene Entwertung ihrer Währung nicht anerkennen wollen; seit der kürzlich vollzogenen Abwertung der Tschechenkrone gehört eigentlich nur nöch das Deutsche Reich flieh er. Die zweite Gruppe umfaßt d$n sogenannten Goldblock, nämlich die sechs Staaten Frankreich, Belgien, Holland, die Schweiz, Italien und Polen; diese Länder haben im Gegensätze zu Deutschland die Goldparität ihrer Währungen nicht nur fiktiv, sondern tatsächlich aufrechterhalten und vor ungefähr einem Jahr untereinander auch poch eine ausdrückliche Vereinbarung in diesem Sinne getroffen. Die dritte und größte Gruppe setzt sich aus den Ländern zusammen, die ihre Währungen in den letzten Jahren stark entwertet haben: das siud vor allem die Vereinigten Staaten, Japan, Großbritannien mit seinen Dominions und zahlreiche andere Länder, die ihre Währungen mit dem Schicksal des englischen Pfundes verknüpft haben, wie dio skandinavischen und südamerikanisehon Staaten. Am höchsten sind die Warenpreise in Deutschland, worin auch der Hauptgrund für die deutschen Währungsschwierigkeiten zu erblicken ist. In den Goldbloekländem sind dio Preise zwar niedriger als in Deutschland, aber noch immer beträchtlich höher als in der Dollar* und Sterlinggruppe. Der Preisausgleich, dem dio Entwicklung zustrebt, wird sich also voraussichtlich su vollziehen, daß in Deutschland und in den Göldblockländorn die Preise f allen, in den Dollar- und Sterling* ländern dagegen die Preiso steigen werden. Das einheitliche internationale Preisniveau wird sich irgendwo in der Mitte etablieren, unterhalb der heutigen Goldblockpreise und oberhalb der heutigen Preise im Dollar» und Sterlinggebiet. Dies« Preisbewegungen dürften in den verschiedenen Ländergruppen auf verschiedene Weise zustande kommen. Dem Deutschen Reich steht angesichts der Geringfügigkeit seiner Goldreserven und der besonderen sozialen Verhältnisse nur ein einziger Weg zur Ordnung seines Währungs- und Preissystems offen: die Abwertung der Mark. Ob diese Abwertung formell vorgnommen wird, wie in der Tschechoslowakei, oder ob man nur Zuschläge zu den offiziell unverändert festgehaltenen Gold- und Devisenkursen einführt, also nach dem Muster des österreichischen Privatclearingsystems vergebt, ist gleichgültig. In beiden Fällen wird man für eine bestimmte Menge Goldes mehr Reichsmark erhalten als früher und daher in Deutschland mehr dafür einkaufen können; dio deutschen Warenpreise in Gold werden also gesunken sein, mögen auch die Preise in Reichsmark unverändert bleiben oder sich sogar noch etwas erhöhen. Vielfach wird behauptet, daß die Markabwertung für die deutsche Wirtschaft sehr ungünstig wäre und namentlich die Währung in ein Chaos stürzen würde. Das ist ganz unrichtig: die Abwertung ist im Gegenteil für Deutschland der einzige Weg zur Ordnung seiner Währung, zur Regulierung seines Außenhandels und zur Herstellung der vollen Tranafcrfähigkeit. Allerdings würde die Abwertung der Mark die deutsche Rüstungskonjunktur automatisch abbremsen und überdies keinen vernünftigen Grund für die weitere Verweigerung der vollen. Auslandsschuldenzahlungen übrig lassenpas sind Folgen, die maßgebenden deutschen Kreisen unsympathisch sein mögen; gleichwohl ist die Abwertung auf die Dauer nicht zu vermeiden. Ganz unrichtig ist auch die oft geäußerte Meinung, eine Abwertung der Mark müsse eine Inflation im Gefolge haben, also zu einer Vergrößerung des Geld* Umlaufes ffihren; weder die tschechoslowakische noch die österreichische Abwertung waren von einer Geldvermehrung. begleitet, und auch bei einer Devalvation der Reichsmark., müßte diesr-nickfc-iex..B In dep, G oj d bl oc kl ändern, sich der Preisabbau voraussichtlich auf, einem anderen Wege, nämlich durch $ n, flation vollziehen. Die Staatsausgaben werden herabgesetzt, das Lohn- und; Eins-' einkommen (letzteres durch freiwillige Konversionen) teilweise verringert, überdies vielleicht auch der Geldumlauf eingeschränkt werden; dadurch müssen die Preise siuken. In Frankreich und Belgien hat diese Entwicklung schon vor längerer Zeit eingesetzt, wogegen Italien sich erst kürzlich zu energischen Anstrengungen entschlossen hat. Auf besondere innerpolitische Schwierigkeiten stößt der Deflationsprozeß in der Schweiz, obwohl er geradehier am dringendsten wäre, weil das Preisniveau in der Schweiz noch stärker überhöht ist als in den anderen Goldblockländern. In diesem Zu sammenhang ist auf einen wichtigen Unterschied zwischen Preisabbau durch Wäh rungsabwertung und Preisabbau durch Deflation aufmerksam zu machen: die Abwertung sonkt die Gold Warenpreise schlagartig, die Deflation dagegen braucht zu ihrer Auswirkung ziemlich viel Zeit — wieviel, hängt von der Energie der Deflationsmaßnahmen ab. Da die Preise in den Goldblockländern also nur langsam sinken werden, dürften die Zahlungsbilanzen dieser Länder noch lange zur Passivität neigen uud durch Goldabftiisso ausgeglichen werden, die bei der Größe der vorhandenen Goldreserven allerdings keino Rolle spielen können. Für die dritte Ländergruppe endlich, nämlich für Amerika, Japan und don Sterlingblock, rechnen wir mit einer Preissteigerung, die zum Teil aus den schon seit langer Zeit sichtbaren und sich hoffentlich immer mehr verstärkenden k o nj unkt u reilen Auftrieben, zum Teil aber auch, namentlich in Amerika, aus einer Vermehrung der Umlaüfsmittel, also aus einer kleinen Inflation entstehen dürfte. Je rascher und gründlicher sieh dieser Preisaufschwung vollzieht, desto weniger werden die Preise der Goldblockländer gesenkt werden müssen und desto geringer werden daher auch die Deflationsopfer sein, die diese Länder auf sich zu nehmen haben. Wir können also zusammenfassen: Das internationale Gleichgewicht der Preise, das in den letzten Jahren verlorengegangen ist, wird durch Währungsabwertung in Deutschland, durch Deflation in den Goldblockländern und durch teils konjunkturelle, teils inflationistische Preissteigerung in den Dollar- und Sterlingländern wiederhergestellt werden. Einige praktische Folgerungen aus diesen Ergebnissen und gewisse Einschränkungen ihrer Geltung sind einem weiteren Artikel Vorbehalten. Minna Wciss II.'. Diplomkaufmann Dr. Rafael Gerstfeld IX. empfehlen sich als Verlobte Siwan (Mai) Oer Generalapjsell des Bunden ftidiscUer Front« Soldaten Österreichs Der im Zirkus Renz abgehaltene GeneralappSll, verbunden mit der Fahnenweihe, nahm einen imposanten Verlauf. Als Vertreter des Ministers für Landesverteidigung waren. General Viktorin, Oberst Moro und Major Stöjfa erschienen, ferner peldmarschalleütnant Weiß-Tjbaoy, die Generale Jobst und Adasiewicz, Vertretungen der Vaterländischen Front, des Heimatschutzes, .das Präsidium der Isrälitiscben Kultusgemeinde und andere jüdische Körperschaften. Vom Bunde war eine Ehrenkompagnie aufmarschiert. Geleitet wurde die Aktion von Rauptmann Egon v. Friedmann, Stabschef des Rundes. Kultuspräsidant Dr. Frie-dmapn upd Rat; der Stadt Wien Dr. J, Ehrlich begrüßten, den Bund und seine Ziele. Feldmäpöhajileutnant .Weiß-Tiflany brachte den Dank, dm* aitän Prputgöjdaten Ausdruck. Die FAfer! fand mit der Bundeshymne ihren würdigen Abschluß. PEttSONALN ACH RICHTEN ap9VPBUBUnUBflUHBHBB9BBB 60 fäSuiges Hochzeit* «Jubiläum Wie wir erfahren, feierte dieser Tage in völler geistiger und physischer Frische das Ehepaar D a v | d und Gisela Schönfeld, die Eltern der verdienstvollen Präsidentin; der ' österreichischen Wizo, Frau Sophie Löwenherz, und Schwiegereltern des verdienstvollen Vizepräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Josef Löwenherz, das Fest der diamantenen Hochzeit. Herr David Schönfeld, der über ein großes hebräisches Wissen verfügt, gehört zu den Pionieren der Zionistischen Bewegung* in Galizien. Schon im Jahre 1909 hat Herr Schönfeld mit seiner ganzen Familie eine Reise nach Erez Israel gemacht. Er ist der Begründer und war der erste Präsident der Kredit-Union, das ist der ersten zionistischen Bank in Lemberg und stand Jahre hindurch an der Spitze des Keren Kajemeth in Galizien. Aber nicht nur auf rein zionistischem Gebiete hat Herr Schönfeld segensreich gewirkt. Er entfaltete, als ein warmer Förderer aller jüdischen Bestrebungen, eine besonders segensreiche Tätigkeit zugunsten der jüdischen Studentenschaft, die er bei Errichtung eines Studentenheimes auch mit einer größeren Summe bedachte. Das Ehepaar war aiich mit dem früheren Präsidenten der zionistischen Weltorganisation, David W o 1 f s o h n, befreundet,. der im Hause Schönfeld i gerne zu, Gast war, Frau Gisela ßchönfpld 6teht ihrem Manne in ihrer zionir stisoben ,und allgemein jüdischen Arbeit nicht nach. Insbesondere auf dein Gebiete der sozialen Fürsorge Lembergs leistete Frau Sphönfeld ganz Großartiges. Äle Vorsitzende des Damönkomitees der Tombeyhalle, jener <\v =,0« S&sSf insbesondere im Osten so ausgezeichneten sozialen Institution, hat sic durch Einführung von Kindernachmittagen und -abenden Wertvollstes geschaffen. Sie war aber auch führend in der Zionistischen Franonorganisa-, t.ion Polens tätig und leitete, gemeinsam mit der früheren Abgeordneten Rosa M e Izer, die Arbeiten der jüdischen Frauenorganisation Lembergs. Das Ehepaar, das seit zwanzig Jahren in strengster Zurückgezogenheit in Wien lebt, hat die Genugtuung, sein zionistisches und jüdisches Wirken in der überaus reichen Tätigkeit seiner Kinder, Frau Sophie und Dr. Josef Löwenherz, fortgesetzt zu sehen. Dem jubilierenden Ehepaar sindzahlreiche Gratulationen und Glückwünsche zugekomr men, denen auch wir uns herzUcfost ansohließen. Pension EcHsiein - AUS PER PROVINZ Grazer Briet Die Zionistische Ortsgruppe Graz hät in den letzten Jahren sowohl was Mitgliederzahl - als auch was Intenslvität der Arbeit betrifft,'', bedeutend zugenommen. Die Versammlungen' sind fast immer überfüllt. An größeren Veranstaltungen sind von den letzten Monaten die Vorträge Dr. Mossinsons und Professor. Brodetzkys zu ermähnen. Beide Vefän-1 Btaltungen erregten das größte Interesse';, weitester Kreise, wenn auch gesagt werden ' muß, daß einzelne der sogenannten oMren Schioht angehörige Juden, die übrigens sonst auch immer betonen, daß sie paläetjnäfreund-. lieh'eingestellt sind, es scheinbar' nöch nichtf Über eich bringen können, den Zionisten soviel Ehre anzutun, daß sie ihre Veranstaltungen besuchen. Man muß sich fragen, wen diese Leute eigentlich erwarten, wenn sie rum Beispiel einen Vortrag Brodötzky nicht-ihres Be-, such es würdig finden. Die Masse der Grazer* Juden hat aber wohl schon längst erkannt^... daß diese ihre ehemaligen „Führer“ die Zeit"; nicht verstehen und ist heute wohl schön'zum;': weitaus überwiegenden Teile im zionistischen;.: Lager. In diesem Zusammenhang sei darauf“ verwiesen, daß die Auswanderung aus Graz“.1 nach Palästina dauernd steigt und es uns geA lungen ist, im letzten Jahueine ganze Reihe.;. von Chaluzim und Mittelständlein nach Erez!: Israel zu bringen, die sich alle im Jisohuw\ eingeordnet haben und sich bestens bewähren.^ Einen schweren Verlust erleidet die Grazer." Ortsgruppe durch die Abwanderung ihres.; langjährigen, verdienstvollen Vorsitzenden,'.1 Warten Sie auf das neue, praktische Lehrbuch „Lerne Hebräisch von B e n-C.h aviv erscheint demnächstdes Herrn Ing. Joiub Landau Bei dom zu.: Ehren Ing. Landaus und seiner Gattin veranstalteten Abschiedsabend sprachen Horr Vizepräsident Karl .Schwarz namens der Israelitischen Kultusgemeinde und Herr Dr. Adolf L i c h t o u s t, e i n namens der Zionistischen Ortsgruppe dem Ehepaar Landau für ihre hervorragende Arbeit im Dionste der Organisation den wärmsten Dank auß. Die Zionistische Ortsgruppe beschloß dio Eintragung des Ehepaares Landau in das Silberne Buch des Keren Kajemeth und ergab die sofort veranstaltete Sammlung den Betrag von S 118. Dienstag, den 8. Mai, fand die k o b s t i- Mltarbelter des koren Kajemeth, Zionisten, habt Ihr Each einen Platz im Sefer Sikaron durch Leistling für Kfar Ussischkin gesichert?