Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1934-06-01 · Heft 357 (1.6.1934) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 357 (1.6.1934)
Date
1934-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3054070-3054111--4254-3059859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 4 DIE STIMME Nr. 857 — I. Juni 1934 taktvolle Zurückhaltung, welche sich die arabische Presse bei Kommentierung des Prozesses auferlegt, hat. Wie peinlich sticht davon die Zügellosigkeit jener revisionistischen „Jungmänner“ ab, welche aus Zorn Uber die von der Regierung beliebte weitere Haft AchimeTrs im neuerbauten zionistischen Amtsha.us die Fenster des Haad Leuini einschlagcn! Da« Schmerzlichste aber ist, daß in diesem jämmerlichen Spiel der Parteipolemik die Gestalt Arlosoroffs immer mehr verdunkelt wird. Er, der unbeschadet seiner Fraktions- Zugehörigkeit zur Linken, das zionistische Gemeinwohl im Herzen trug und verfocht; er, der als Mitglied der Soohnut.b und somit als Repräsentant der Gesambbewegung sein Opferblut hergab und darum Anspruch hatte, in unserem nationalen Pantheon einmütig Verehrung tu finden, wurdo nun durch die Hetze von Extremisten zu einem Fraktionssymbol berabgewllrdigt Sicher teilst Du, lieber F/eund, meine feste Hoffnung, daß die zionistische Bewegung üb_r diesen bitteren Prozeß hinweg sich Arlosoroffs LicbtgestaJt rückerobert. Laß mich für diesmal schließenI Mit herz’ichem Ziongraß Dein alter Freund M i e h a e L Hnrmmi.ncrniüiiüiünnnmnnmimnnmmnimmflnniinniimnminmnnnHitnimninnnins I CAFE ' | VICTORIA 1 AM SCHOTTEN rOR WIEN I. SCHOTTENTOR ifliamsDmDnmunniiinimaunanmiimiDinuinnnmnninif Herbert Samuel Ist Palästina Jerusalem, 28. Mai. Sir Herbert Samuel, der erste High Commis6$0ner für Palästina, der in verschiedenen Perioden Innenminister der englischen Regierung war, wurde bei seinem Eintreffen in Palästina am 25. Mai zuerst in Haifa, dann in der Kolonie Nathania, wo eine neue Straße nach ihm benannt wurde, außerordentlich herzlich begrüßt An der Grenze der Kolonie Nathania wurde Sir Herbert von einem großen Trupp jüdischer und arabischer Reiter eingeholt und mit einer Trompetenfanfare empfangen. Der Gemeinderat der Kolonie, mehrere arabische Scheichs aus der Ümgebung, jüdische Kolonisten aus den benachbarten Kolonien brachten dem Gast stürmische Ovationen dar. In Begleitung des Bürgermeisters von Nathania Oved Ben Ami und deB Präsidenten der Pflanzergesellschaft „Hanoteah“ Gad Machness begab sich Samuel ins Hotel „Gal Jam“, wo ein feierlicher Empfang vor sich ging. Bürgermeister Ben Ami hieß Sir Herbert Samuel im Namen der Bevölkerung willkommen und äußerte seine Freude darüber, daß er Sir Herbert Samuel die blühende Kolonie Nathania vorführen könne, wo noch vor fünf Jahren, als Sir Herbert an diesem Punkte weilte, eine Wüste war. Ben Ami schilderte Sir Herbert Samuel das gewaltige Wachstum des jüdischen Jischuw seit der Zeit, da Samuel das Land verlassen hat, und gab dem Bedauern Ausdruck, daß das k$nd noch nicht von Zwietracht frei sei; nur Samuel, so schloß Ben Ami, könne Palästina von dem inneren Hader, der den Jipcffuw gefährdet, befreien. In seiner Antwort erklärte Sir Herbert, er sei glücklich, beobachten zu können, daß es der Kolonie Nathania geiang, friedliche Beziehungen zu den Arabern herzustellen. Das Wachstum Nathania«, das der zweiten, bereits in Palästina geborenen Generation, den Kindern dor ersten Chaluzim, zu danken ist, erfülle ihn mit Begeisterung und Rührung. Aus der arabischen Presse Seit dem Zwischenfall von Kfar Saba und der Stellungnahme des Waad Leumi zugunsten (1er jüdi eben Arbeit beschäftigt sich auch die arabische Presse mehr mit dem jüdischen Arbeitsproblem. „A1 Jam a“ bespricht in einem Leitartikel den Vorschlag des Arbeiterführers ßeraez, der eine Aktion gegen Kolonisten verlangt, die Araber beschäftigen, und führt aus, daß alle zionistischen Deklarationen, in denen Friede mit den Arabern gewünscht wird, nicht ernst zu nehmen sind. Das Blatt wundert sich, daß diese Erklärungen in politischen Zirkeln Europas und Amerikas und auch unter arabischen Landverkäufern Beachtung finden. „Al I s l a m i a“ bringt einen genauen Bericht über das Meeting de« Waad Leumi, der eine Übersetzung des Berichtes aus „Dawar“ darstellt. Der Artikel trägt die Überschrift „Die Regierung muß gegen die zionistische Arroganz Schritte unternehmen“. In der Einleitung bringt der Artikel eine Erläuterung der Politik der Histadruth und ihrer Führer, die beabsichtigen, die Arbeit und den Boden zu erobern. „Marat Al Sh arak“ wundert «ich in einem Leitartikel, warum sich die arabische Presse über die Juden aufhalte, weil diese keine arabischen Arbeiter beschäftigen. Das Blatt erinnert daran, daß die Araber in den letzten 15 Jahren die Juden politisch und wirtschaftlich boykottieren. Es sei daher nicht zu verwundern, daß die Judep ihrerseits die Araber boykottieren. Die Araber predigen Separation ubd Diskrimioätion, wie zum Beispiel der Boykott der Levantomesso zeige. Sie hätten daher keine Ursache, sieb über die Niohtbeschäftigupg von Arabern durch Juden aufzuregen. Erst müsse es zu irgend einer Verständigung zwischen Juden und Arabern kommen und dann erst würden die Araber das Recht haben, sich über die Nichtbeschäftigung arabischer Arbeiter durch Juden aufzuregen. „F a1 e s t i n“ brjngt einen Brief voü Dr. Abraham S c h w.a d r o n an das Blatjt unter der Überschrift „Der Kampf gegen die arabischen Arbeiter ist ein moralischer und kein politischer“. Schwadron setzt in dem Briefe auseinander, daß er kein Mitglied der „Kistadruht“ sei und überhaupt keiner politischen Partei angehöre. Er führt aus, (laß es eine Sünde für ciu Volk sei, sein wirtschaftliches Leben auf der Arbeit eines anderen Volkes aufzubauen. Er erinnert daran, daß in der Galut.li gegen die Juden oft der Vorwurf orhoben wird, daß sie Parasiten seien, weil sie andere für sich arbeiten lassen. Der Protest wegen Kfar Saba habo sich nicht gegen die Araber gerichtet, sondern gegen die jüdischen Kolonisten, die billige Arbeitskräfte verwenden und dadurch eine Atmosphäre der Feindseligkeit geschaffen hätten. Er hofft, daß der Tag kommen werde, wo die Araber die wahren Absichten des Zionismus erkennen und einsehen würden, daß jüdische Anstrengungen und jüdische Arbeit die Araber in keiner Weise schädigen. Dasselbe Blatt beschäftigt sich in sarkastischem Ton mit dor augeblichen Neutralität der Palästinaregierung. Im Jahre 1929 habe die Palästinaregierung durch ein Gesetz die Organisierung jedes arabischen Boykotts gegen die Juden verboten. Die jüdische Presse fordere hingegen offen zum Boykott arabischer Arbeiter auf, ohne daß die Regierung einsebreite. Das Blatt lenkt '‘io Aufmerksamkeit arabischer Führer auf diese Tatsache und macht der Regierung den Vorwurf, daß sie durch ihre Interpretation des Gesetzes zugunsten der Juden die Arbeiter diskriminiere. . mmmmmmmmmammmmamuammmammmmmmm Sternsche I«IIIII]I!I!IIIIIBIIIIIIIII1IIII!!III5U! Schulu. Erziehungsanstalt (iimfflfflimwfflniaBrrmfflmnimiminiiiffliimiiiiiTmiiitiiimiitmntnininHmiijmiiiii Scfculdivektlon: Malvlno Friedmann Wien, I. Bezirk, Werdertorgasse 12 loiMtlc ö'r*n' ÜSflPtlttlQlS mit Frsni., Engl., Latein (Bach Wahl) Milmgiklam „„ Mlllelsdiole Mett spüre« Mikrotom Allgemeinbildung I toülsaiisöütaj: 'gasr **»**'"**«■ HW' IaiKleli“0Ä.s^"“liileriiat Prospekte Telephon Nr. U 28-1-97 Palästinaregierung führt das Streikpostengesetz durch Aus gut Informierter Quelle wird der Ita mitgeteilt, daß die Palästinaregierung unbeschadet aller jüdischen Proteste entschlossen, das neue Gesetz, welches Aktionen gegen jüdische Unternehmer, die arabische Arbeiter beschäftigen, verbietet, mit aler Strenge durchzutühren. Die Regierung findet hierin eine moralische Stütze bei Jüdischen Plantagenbesitzern und Bauherren, die darauf Hinweisen, daß der jüdische Plantagen- oder Bauarbeiter einen weit über dem Durchschnitt stehenden Lohn verlangt. Jüdische Arbeitgeber rechnen aus, daß der Bauarbeiter in der Stadt einen Lohn erhält, der das Dreifache des Durchschnitlslohnes eines Arbeiters in der Landwirtschaft oder am Toten Meer ausmacht Der Verband jüdischer Landwirte erklärte, auch er sei für erhöhte jüdische Einwanderung, doch so lange alle jüdischen Arbeiter beschäftigt sind, dürfe man jüdischen Unternehmern nicht verbieten, Araber zu beschäftigen. Richter Bodilly, der die ersten scharfen Urteile gegen die jüdischen Postensteher gefällt hat, führte ln einer Urteilsbegründung aus, jeder Mensch habe ein Recht, zu beschäftigen, wen er will; falls aber die Arbeiter die Streitaxt nicht begraben, werde die Regierung sich bemüßigt sehen, die Einwanderung nach Palästina weiter zu beschränken. Arlosoro€f*Mor«lprozeA Jerusalem, 28. Mai. In der Verhandlung am 25. Mai kündigte der Verteidiger Horace Samuel an, daß er die Vorführung der Entlastungszeugen in einer Woche abzuschließen gedenke. Fas Urteil wäre somit A n f a n g Juni zu erwarten. Es sollen noch 47 Entlastungszeugen zur Vernehmung gelangen. PATSENDEN WIRKUNGSKREIS sucht vierzigjährige Wienerin aus guter jüdischer Familie, erstklassig im Haushalt und Detailgeschäft. Unter: „Verläßlich, beste Referenzen“, an die Adtn. 4$ Jüdische Kreditgenossenschaften mit 4 Million Pfund Kapital Jerusalem, 20. Mai. Nach einer soeben veröffentlichten Statistik sind in Palästina 45 jüdische Kreditgenossenschaften mit 37.000 Mitgliedern und mehr als 4 Millionen Pfund Kapital registriert. Kupfervorkommen in Palästina Jerusalem, 28. Mai. Amerikaner sollen südlich des Töten Meeres Kupfervrrkoramen entdeckt haben, die mit den ira Alten Testament. erwähnten Kupferminen des Königs Salomo in Zusammenhang gebracht werden. Zurzeit finden Untersuchungen der geologischen Schichtungen statt, von deren Ergehnis die Entscheidung über die Abbauwürdigkeit der Minen abhängen wird. Die palästinensische Orange auf dem Weltmarkt Der Delegierte der österreichischen Handelskammer auf der Levante-Messe in Tel- Aviv, Regierungsrat Dr. Anton Sattler- Do r n b a c h, hat in «einem Bericht vor den österreichischen Wirtschaftsinteressenten die Frage der Zukunft der palästinensischen Orangenpfianzungen vom weltwirtschaftlichen Gesichtspunkt aus behandelt und hiezu erklärt: Die Orangenpfianzungen in Palästina sind in ständiger Ausdehnung begriffen, das bisher in diesen Kulturen investierte Kapital wird auf 8 Millionen Pfund geschätzt. Die Ausfuhr betrug 1922 bloß 1*2 Millionen, 1932 bereit« 3*5 Millionen und 1033 fast 5 Millionen Kisten. Für 1934 rechnet man mit einer Orangenernte von 5 Millionen Kisten und in vier Jahren mit 8 Millionen Kisten. Auf Grund einer offiziellen Statistik über den Orangen verbrau ob für 1926/27 ergibt sich folgendes Bild: DeF Orangenkönsum pro Kopf und Jahr beträgt in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 10-5 Kilogramm, in Australien IM, in Kanada 8*6, in Neuseeland 5*4, in Norwegen und Belgien 4*5, in der Schweiz 4*1, ‘ in Deutschland und Frankreich 3*2, in Dänemark 2*3, in der Tschechoslowakei j-4 und in Polen 0*22. Der gesamte Orangenkönsum der Welt beträgt 60 Millionen Kisten pro Jahr. Bei einer Verbilligung dieser Frucht kann daher noch mit einer Wesentlichen Steigerung des Konsums gerechnet werden. Boden des Keren Kajemeth fürSsterreichisdieSiedlung Für Bewerber, die binnen vier Weihen, v6to Tago dieser Veröffentlichung, ein Wohnhaus in der Mittele tan cls v 0 r t-ä d tsiedluBg bei Haifa errichten wollen, hält das Zionistische Landeskomitee, für Oster* reich SÖ Parzellen frei. Nähere Auskünfte im Bureau des Landeskomitee?, I-, Kärntnerstraße 28, Mittwoch, den 6. Juni, von 10 bis 12 Uhr vormittags. Mittelstandssiedlung In Palästina Von unserem Gewährsmann in Haifa erfahren wir, daß die Vertreter des Mittelstands -Siedlungskomitees beim Zionistischen Landesköpiitec Wien, die Herren Willi Goldschmidt und Ing, Hape S 0 b e 1so hn, Haifa, seitens des vofantwortlichen Leiter« der deutschen Hilfsaktion, Herrn Kurt Ruppin, bindende Zusagen in bezug auf die Abtretung von 40 Dunam Keren-Kajemeth- Boden im Emek Sebulun erhalten habeu. Nettes Mädchen mit einfachen Kochkenntnissen sucht bei jüdischer Familie Posten, fährt auch aufs Land Pisrina, ao. Bezirk, ’Wallensteinstraße Nr. 20 Protestversammlungen In Wien In dbu letzten Tagen fanden weitere Protestversammlungen gegen die Drosselung der Palästinaeinwandorung in deu Bezirk «Sektionen Loopoldstadt, Prater, Landstraße und XJI/XIV/XV statt. Allo Versapimlungen waren st a r k besucht und faßten Protestresolutionen. In den nächsten Tagen finden weitere Protest versa mm 1 u n g e n statt.. Stadtkibbuz, II., Ferdinands«!1. 4, Tel. R 45*0*91 ZIONISTEN! JUDEN! Besdh ftigt unsere Ckatuzim kei Vergebung von Reparaturen und Neuarkeiten 1 Es stellen tut Verfügung 1 Tischler/ Schneider, Elektriker, Tapezierer/ Mechaniker und Kürschner 00716328

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.