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Die Stimme · 1934-06-01 · Heft 357 (1.6.1934) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 357 (1.6.1934)
Date
1934-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 357 — 1. Juni 1934 OIE STIMME Seite 8 Zur gegenwärtigen lag« Dr. Sohwarabart hielt in der Sitzung des Parteirates des wesfcga 1 i zisch e n Landesverbandes ein Referat über die letzte Sitzung des Aktionskomitees. Bei der Sitzung habe es keinen Haß gegeben und es herrschte fair play zwischen den Parteien. Selbst die Revisionisten benahmen sich in der Form tadellos. Besondere ließ sich eine Solidarität in den Fragen der Außenpolitik bemerken. Die Exekutive stand auf der Höhe ihrer Aufgaben. Sie stand in Beziehung mit den Nachbarländern und setzte Verhandlungen wegen Transjordanien fort. In Palästina regiere die Histadruth und u i c h t die J e w i s h Agency. Die Histadruth leistet sehr viel sowohl in konstruktiver Beziehung (auf dem Gebiete der Kolonisation) wie in bezug auf ihre Taktik, die die Bildung einer sozialistischen Ordnung bezweckt. In der Ungewißheit, wie sich die gesellschaftliche Ordnung in der Zukunft gestalten wird, liegt der psychologische Grund für die fortwährenden wirtschaftlichen und politischen Konflikte' im Jischuw. Nur eine starke politische M i 11 e 1 p a r t e i, welche ein Gleichgewicht zwischen den Extremen Flügeln heretellen würde, könnte zur Milderung dieser Konflikte beitra- Deshalb die Bedeutung eines einheit- Jerusalem, 21. Mai 1934. Lieber alter Freund! Du war, g e n. liehen Verbandes der Allgemeinen Zionisten. Vom Standpunkt der Ganzheit dieses Verbandes war es nötig, zwei Mandate für die Gruppe B bei der Bildung der Koalition zu verlangen und an dieser Forderung sowie einem ähnlichen Verlangen des Misraehi scheiterte der Koalitionsgedanke. Dem Jichiuv droht eine große Gefahr, falls der Allgemeine Zionismus «eine Mission als politischer Faktor im Aufbau des Landes und im inneren Kampfe nicht erfüllen kann. Die Schaffung einer besonderen Gruppe A oder B im Allgemeine« Zionismus ist überflüssig u n d p o 1 itisch schädlich und’ hat nur den Zweck, die andere Gruppe des Allgemeine« Zionismus zu beherrschen. weißt, daß es mir stets willkommen Dir Freude zu bereiten. Wie also könnte ich mich der Bitte Deines letzten Briefes verschließen, Dir über Leben und Treiben in Erez regelmäßig zu berichten! Ist es Dir doch naohzufüihlen, wie sehr Du darunter leidest, daß, während Deine Seele leidenschaftlich hieher strebt, Dein Leib im Gallith verfangen bleibt. Auch das begreife ich, daß Du Dich bei der Menge palästinensischer Zeitungen, deren eine der andern in fraktionsmäßiger Befangenheit widerspricht, kaum zureohtfmden kannst. Es ehrt mich nur, daß Du mir das Vertrauen schenkst, ich werde Dir nach bestem Wissen und Gewissen Wegweiser dessen sein, was wahrhaft i s t. Freilich macht die Abgeklärtheit meiner Jahre es leichter, sich dem Überschwang der Jugend, welche unser Land linker und rechter Hand erfüllt, fernzuhalten. Keine großen Abhandlungen will ich schreiben, denn sie schöpfen ja die Tiefe der Probleme Erez Israels doch nicht aus. Laß meine Fetter je und je über die des Alltage hinlaufen, so J ESAI AS PRESS NEUES PALÄSTINAHAND. BUCH Der vollkommenste Reiseführer mit 31 Karten u. Stadtplänen GENERALKARTE VON PALÄSTINA Aufgsnommen nach dem Stande vom 1. I. 1934 MaSstab 1:600.000 HUGO HERRMANN PALÄSTINA WIE ES WIRKLICH IST Das beste Informationsbuch mit 64 Bildern und Tafeln PALÄSTINAKUNDE grämte, FIBA phle, Bürgerkunde, Gesohlol baa Jüdische Aufbauwerk VERSANDBUCHHANDLUNG Wien, VI., Gumpendorferstr. 10 Telephon B 24-9-78 Levante'Mtsse bis zum 4* Juni verlängert Tel-Avlv, 29. Mai. Die Leitung der Levante-Messe in Tel-Aviv hat im Hinblick auf den starken Erfolg der Messe beschlossen, die Ausstellung, die ursprünglich am 25. Mai hätte geschlossen worden sollen, bis zum 4. Juni zu verlängern. Zusammenstoß zwischen Jüdischen und arabischen Arbeitern Jerusalem, 29. Mai. An der Bahnstrecke bei der jüdischen Kolonie Kirjath Anawlm (11 englische Meilen von Jerusalem entfernt auf der Straße gegen Jaffa) kam es zu einem Zusammenstoß zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern, in dem die Araber die arbeitenden Juden mit S t e in e n bombardierten. Sieben Juden wurden verletzt, vier Araber wurden verhaftet. Geschehnisse wird sich Dir allmählich aus vielen kleinen Strichen das Bild unseres Landes umso treuer gestalten. Aber genug der Ein Leitungen und ins Leben frisch hineingefaßt denn wenn irgendwo in der Welt, ist es bei uns interessant. Im Arlosoroff-Prozeß, dessen Hauptverhandlung sich nun schon seit Wochen hinzieht, klaffte plötzlich eine Zäsur: Das Gericht hat schon nach Abhörung der Belastungszeugen den einen der drei Angeklagten, Aba Achime'ir, freigesprochen. Da er, der Redakteur des revisionistischen Kampfblattes „Cbasith Haam“ (Volks front), als Anstifter der beiden andern, Sfcawsky und Rosenblatt, beschuldigt war, scheint die Anklage gegen diese, welche noch weiter durcshhalien müssen, recht ge schwächt. Wie natürlich wäre es da, daß der ganze Jischuw in froher Hoffnung aufafcmet, die schwere Schmach; eines Mordes von Juden an. Juden, .angesichts hämischer Feinde ringsum, bald zernichtet zu sehen! Aber die leidige Parteiwut hat sich so eingefressen, daß ein Großteil des Jischuw, um die Fahne der „Histadruth“ zur Linken geschart, Aehimeirs Freispruch erbittert und bestenfalls resigniert aufnimmt; „ während breite andere Kreise — weit, über die Revisionisten hinaus —- weniger brüderliche als Schadenfreude empfinden, weil sich die Linke blamiert. Gewiß ist von., solchem Makel ein frommer und besonnener Mann, wie Großrabbiner. Kuk, frei. Umso auffallender, daß er sich beeilt hat, Achimeir öffentlich. zu beglückwünschen und vom Hungerstreik , abzubringen, den dieser antrat, um gegen die verlängerte Haft zur protestieren. Hiemit setzte Raw Kuk, welcher zuvor stete bescheiden in der Gelehrtenstube geblieben war, seine Politik der Aufklärung fort. Hatte er ja schon an der Spitze jener Männer gestanden, welche am Vorabend der Hauptverhandlung in einem „Aufruf an das Jüdische Volk“ eine Sammlung „für die Verteidigung unserer drei gefangenen Brüder“ begannen. Von den Gefertigten gehörte kein einziger, auch nicht Universitäteprofessor Dr. G. Klausner, der sich nach wie vor als Allgemeiner Zionist bekennt, der revisionistischen Fraktion zu, war also auch nicht an deren Bruderstreit mit der Linken unmittelbar beteiligt. Wenn nun diese Männer, darunter Muster der Friedfertigkeit, wie David Jellin, Dr. Mohilewer, Raw Benjamin, Schriftsteller Kabak usf., sich zu einem solchen Schritt bestimmt fanden, dann mußte wirklich die jüdische Welt aufhorchen. Umso niederdrückender war, was Robert Weltsch, der Schriftleiter der „Berliner Jüdischen Rundschau“, darüber in einem Aufsatz, „Der Prozeß“, zu sagen hat. Weltsch, der sich in der schlimmsten Zeit des Einbruchs nationalsozialistischer Roheit in die Judengasso durch seine Artikelreihe „Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck!“, unseren deutschen Brüdern als aufrechter Mentor bewährt hat, steht trotz seiner jüngsten Palästinafahrt dem innerjüdischen Konflikt um den Fall Arlosoroff ohne Ver stäudnis gegenüber. Wenn er selbst diese Wendung wiederholt gebraucht, so freilich nur, um damit seinen Tadel zu schärfen aber W. versteht es leider wirklich nicht Er glaubt, jene Männer, welche auch er als „Persönlichkeiten des palästinensischen Le bens“ kennt und anerkennt, abkanzeln zu müssen, weil sie zwar nicht so weit gehen den Mord an Arlosoroff zu billigen (wie objektiv!), aber doch die Angeklagten als Juden — und mögen diese auch schuldig sein — freikriegen wollen; denn wer deren Unschuld glaubt, müsse sich genug sein lassen, orakelt W. weiter, die Entlastungsbeweiee dem Gericht bereitzustellen. Mit Pathos geißelt W. diese „Vertuschung“, welche nur ein Glied in der Kette jener von revisionistischer Seite gemachten Versuche sei, sich verwirrend in den Prozeß einzumengen, Weltsch ahnt nicht, wie befangen er selbst ist. Vor allem, wenn er die Schuld an der parteipolitischen Aussehlachtung des Unglücks Arlosoroff ausschließlich auf die Revisionisten wälzt! Konnte er übersehen mit welch einseitiger Verbissenheit die Linke sich von Anfang an auf die Fährte der Revisionisten gesetzt hat? Und wie die Linke, trotzdem die revisionistische Fraktion den Mord verwarf und an allen Ehrungen für dessen Opfer teilnahm, ihn im Wahlkampf , zum Zionistenkongreß ausnützte und diesen selbst sabotierte, um nur die drei Verhafteten und durch sie deren Fraktion bloßzustellen? W. weiß auch scheinbar nicht, wie peinlich es in weiten Kreisen des Jischuw empfunden wird, die Linke bei dieser Verfolgung mit der palästinensischen Polizei zu finden; derselben Polizei, welche so oft schon, wo es galt, Blutverbrechen von Arabern an Juden aufzustellen, schmählich versagt hat, ja einer Polizei, die kaum besser als in andere« Ländern, weniger Organ zum Schutz der Bürger, als zur Besorgung der Regierungs-„Polilik“ ist. Und die Verfolgung setzt sich bis in den Geriohtssaal fort, so an der Seite des Staatsanwaltes, eines Arabers: El Alami aus der bekannt judenfeindliche« Familie Husseins, die von un serer Sochnuth bestellten und bezahlten Advokaten für die Witwe Arlosoroff als Privatankläger agieren. Hätte Weltsch all das erwogen und bedacht, wäre ihm jener Aufruf, der auch mir schon, von-seiner Fassung abgesehen, wenig geschmackvoll schien, besser „verständlich“ gewesen. Nebtsbei! Eine Geldsammlung war faktisch nötig, da die Angeklagten und darüber hinaus das Gros der Revisionisten mittellose „Proleten“ sind. Daß aber die Sammlung öffentlich erfolgt, hat gewiß politischen Zweck. Es soll demonstrieren gegen die Palästinaregierung sowohl, als auch gegen die Linke samt der von ihr beherrschten Sochnuth. Die Gefertigten glauben fest an die Unschuld der Angeklagten und halten es deshalb und. außerdem für recht und billig, daß den öffentlichen und Der sdbönstgetegenste Garten der Welt! PataltY’s Wiiiiilerfjarten Wien, XIX., Grinzingerstraße 68 ENDSTATION G2 Hohe Warte Ständig warme Küche 1 Billigste Jausenstation 1 Tanz im Freien 1 Donnerstag, Samstag und Sonntag Fünf-Uhr-Tee l Bei Regen gedeckte Terrasse! Berühmte Zigeunermusik mit singendem Zigeunerprimas I Autobusverkehr bis früh l Billige zeitgemäße Preisei Privatanklägern ein geschickter Verteidiger entgegengestellt werde, der sich in dem Wust von Belastungs- und Entlastungsstoff zurechtfinden wird. Der Freispruch Aehimeirs, um darauf zurückzukommen, hat noch einen, wie icli laube, politisch günstigen Aspekt. Das tiefe Mißtrauen dos Jischuw gegen die Mandatsmaoht, als wolle sie mit allen Mitteln das Werden des jüdischen Nationalheims hemmen, hat neben den andern wilden Kombinationen auch ein Gerücht erzeugt, das niederzuschreiben selbst diese vertraute Feder sich sträubt. Zumindest aber haben tausende Juden gefürchtet, daß selbst die palästinensische Gerichtsbarkeit in den Dienst der Britischen Reiohspolitik gebeugt werde, die darauf aus ist, wie unter de« Arabern auch unter uns Juden stete neuen llie sanfte Klinge die den sprödesten Bart wie im Drübergleiten wegwischt, ist nur - SWING Zwist zu säen und über dem Wirrwarr all der Parteiungen das Imperium fester zu begründen. Hat ja seinerzeit dieser selbe Verteidiger,- H. Samuel, in seinem mutigen: Buch, „Unheiliges aus dem' Heiligen Land“, - manch Peinliches aus seinen Erlebnissen rings um die hiesige Justiz enthüllt. Nun aber folgte eine frohe Enttäuschung. Der Seuat, unter Vorsitz des Engländers Correy,' mit je einem englischen, jüdischen und ara-. bischen Beisitzer, gab nicht bloß der Verteidigung vollen Spielraum, sondern eilte, einen Freispruch zu fällen, sobald sich dazu. die erste Gelegenheit bot. Hiedurch ist das- Vertrauen zur palästinensischen Gerichtsbarkeit gerade in den extrem nationalfühlenden Kreisen des Jischuw zum Teil wieder - hergestellt, was für die Befriedung des Landes verheißungsvoll erscheint. Noch ein freundlicher Zug sei betont: die mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinie Triest-Jaffa des LLOYD TRIESTINO Abfahrten Mittwoch jeden Ferner: Luxuseillinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Colombo, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Auskunft: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6, Tel. U 47 5 40

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