Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 356 (29.5.1934)
- Date
- 1934-05-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054110--4247-3059851- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 DIE STIMME Nr. 356 — 29. Mai 1934 Schrifttum nachweisen. trotzdem eie immer wieder in der nichtjüdischen Literatur auftauchen. Die falschen Darstellungen seien immer wieder von einem Autor auf den anderen übergegangen, ohne auf die Echtheit geprüft zu werden. Professor Schorr zeigte dann historisch genau auf, wie die Beschuldigungen entstanden sind und eich fortpflanzten. Von den Rabbinern, die den R-ituahnord eingestande-n”, wie der Angeklagte behauptete, haben eine Reihe überhaupt nie gelebt. Andere Prozeßberichte wurden gänzlich entstellt. Die Kritiken des Talmuds am Christentum entsprechen gänzlich dem Geist der Entstehungszeit, einer Kulturepoche, die aus der heutigen nicht zu vergleichen ist. Das läßt sich auch aus dem nichtjüdischen Schrifttum deutlich nachweisen. Einführung in aktuelle Währungsfragen Vorbemerkung der Redaktion: Die Entwicklung der letzten Jahre hat mit besonderer Deutlichkeit gezeigt, wie stark die Währungsverhältnisse das ganze Wirtschaftsleben bestimmen. Es ist daher durchaus begreiflich, daß sich in diesen Jahren das allgemeine wirtschaftliche Interesse immer mehr den Währuugsfragen zugewendet hat. Wer das Wirtschaftsgeschohen einigermaßen verstehen will, muß über die Währungszusammenhänge ein wenig Bescheid wissen. Das gilt vom Kaufmann, der Import- oder Exportchancen beurteilen und sich vor Währung« Verlusten schützen will; das gilt vom kleinen Sparer, der ausländische oder auf ausländische Währung lautende Vermögensanlagen besitzt; und es gilt nicht zuletzt vom geistig vegsauieu Zeitungsleser, der das recht komplizierte und ein wenig unheimliche Geschehen begreifen will, das wir Wirtschaft nennen und das unser Aller Schicksal ist. Wir werden daher in der Folge eine Anzahl kurzer Artikel veröffentlichen, die in leicht faßlicher Weise aktuelle Währungsfragen behandeln und damit zugleich eine allgemein verständliche Einführung in die Grundprobleme des Währungswesens bieten sollen. I. Die allgemeine Wähningssilualion der Gegenwart Der dritte Sachverständige, Dr. C h am a i d e s, produziert ein Dekret des polnischen Königs Stefan Batory, der die Blutbeschuldigung in Polen streng verbot, da sie sich immer wieder als falsch erwiesen habe. Das Urteil. Auf Antrag des Staatsanwaltes wurde der Angeklagte wegen der Artikel „Man soll die jüdischen Religionsbücher konfiszieren“ und „Ein Rabbiner legt ein Geständnis pb“ zu je sechs Monaten, zusammen neun Monaten Kerkers, verurteilt, ferner zu dem verlangten Schadenersatz von 200 Zloty an die jüdische Gemeinde Kattowitz und zur Tragung aller Gerichtskosten. In der Begründung führte der Gerichtshof an, daß alle angeführten Stellen aus dem Talmud sich als gefälscht erwiesen haben und der Wahrheitsbeweis gänzlich mißlungen sei. Der Staatsanwalt berief wegen zu geringem Strafausmaß. Die Ritualmordlüge vor einem Wiener Gericht In der Wiener Zeitschrift „Gerechtigkeit“ schrieb die Herausgeberin, die mutige Frau Irene H a r a n d, imter dem Titel „Wir fordern Gerechtigkeit!“ unter anderem über das in Wien erscheinende Hetzblatt „Der Stürmer“ unter anderem: „Man kann in einer Zeitung zu Mordtaten und sonstigen Verbrechen nicht auffordern, ohne einer schweren Strafe zu verfallen. Dieses Gesetz wird allwöchentlich vom „Stürmer“ übertreten. Die erbärmlichsten Gemeinheiten, Verleumdungen und Lügen werden in jeder Ausgabe des „Stürmer“ breitgetreten.“ Dann wurde der „Stürmer“ eine „verlogene Zeitung“ genannt, als eines der gemeinsten und schlechtesten Blätter bezeichnet, die es überhaupt gegeben hat und schließlich wurde der Staatsanwalt zum Einschreiten gegen das Blatt aufgerufen. Der Herausgeber des „Stürmer“, Hans Kowak, brachte gegen Frau Irene H ar a n d und den verantwortlichen Redakteur Franz Weniger Ehren.be! eidiigungsklagen ein, worauf von der Gegenpartei der Wahrheitsbeweis dafür angeboten wurde, daß der „Stürmer“ fortlaufend gegen die §§ 302 und 303 St.-G„‘Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen Nationalitäten und Religionsgemeinschaften sowie Beleidigung einer gesetzlich anerkannten Kirche oder Religionsgenossenschaft verstoße. Seine blutrünstigen Ritualmordbeschuldigungen und Ausführungen über die erfundenen „Weisen von Zion“ seien bewußte Lügen. Der „Stürmer“ diene überdies der nationalsozialistischen Propaganda in Österreich. Zur Widerlegung seiner Lüge möge ein Sachverständigenbeweis durch von der theologischen Fakultät und vom erzbischöflichen Ordinariat namhaft zu machende Sachverständige durchgeführt werden. Der Klagevertreter wehrte sich gegen den Wahrheitsbeweis, den er als sinnlos bezeichnete, aber der Richter ließ ihn im vollen Umfang zu und vertagte dann die Verhandlung.; Die europäischen Währungen und die wichtigsten Währungen der außereuropäischen Welt sind nun schon seit mehreren Monaten stabil. Die Schwankungen der Devisenkurse haben im großen und ganzen aufgehört, seit im Jänner dieses Jahres der Dollar stabilisiert, das heißt in ein fixes und seither nicht, mehr geändertes Wertverhältnis zum Gold gebracht worden ist. Die Währungen sind stabil, aber sie sind noch nicht im Gleichgewicht. Wenn man nämlich die Warenpreise in den verschiedenen Ländern miteinander vergleicht, so zeigen sich große Differenzen. Es sind zum Beispiel die Preise (auf Goldbasis) in Deutschland höher als in Frankreich, in Frankreich wiederum beträchtlich höher als in England und in England höher als in den Vereinigten Staaten. Das kann auf die Dauer nicht so bleiben. Es besteht nämlich in der Weltwirtschaft eine Tendenz zum Ausgleich des Preisniveaus in allen Ländern. Man kann sich das leicht an dem Bild der kommunizierenden Gefäße anschaulich machen. Gießt man Wasser in mehrere miteinander verbundene Behälter, so wird die Flüssigkeit in allen Behältern gleich hoch stehen. In ähnlicher Weise tendiert die Weltwirtschaft dahin, ein einheitliches Preisniveau herzustellen; dabei darf man freilich nicht a,n die Preise im Detailhandel denken, die aus vielen Gründen länderweise stark verschieden sind, sondern nur an die Preise der Großhandelsgüter, die für den Außenhandel von Land zu Land in Betracht kommen.' Man kann also grob, aber für unsere Zwecke ausreichend formulieren: die Währungen der Welt sind im Gleichgewicht, wenn man für einen Zentner Gold in jedem Land im Großhandel durchschnittlich ungefähr gleich viel kaufen kann. Wie oben festgestellt wurde, sind wir von diesem Zustand heute sehr weit entfernt. Die angelsächsischen Länder zum Beispiel haben ihre Währungen bekanntlich sehr stark entwertet: aber die Pfund- und Dollarpreise der Waren sind in diesen Ländern keineswegs im selben Verhältnis gestiegen, Bondern viel weniger stark; in Gold ausgedrückt, sind die Preise also beträchtlich gesunken. Andere Länder haben ihre Währungen nicht so stark entwertet wie England oder Amerika, manche Länder haben sogar an der alten Parität festgehalten; in diesen Fällen sind auch die Gold-Warenpreise höher geblieben. So hat die länderweise ganz verschiedene Währungspolitik zu einer länderweisen verschiedenen Preisentwicklung geführt. Damit ist ein Zustand geschaffen worden, bei dem die Kaufkraft des Goldes von Land zu Land große Differenzen aufweist. Das kann nicht von Dauer sein. In den kommunizierenden Gefäßen ißt es die Schwerkraft, die die einheitliche FlüssigkeitsVerteilung bewirkt. In der Weltwirtschaft ist eine andere ausgleichende Kraft am Werk, nämlich die altbekannte Erscheinung, daß der Kaufmann dort einkauft, wo es am billigsten ist, und dort verkauft, wo er den höchsten Preis erzielt. Greifen wir auf unser obiges Beispiel zurück, so ist es klar, daß die Kaufleute heute mehr Waren aus Amerika und England und weniger KINOPROGRAMMEDERWOCHE Leopoldstfldter Volkskino Telephon8R *^0-0-23 Vorn 20. Mal bl» 1. Juni MÄRCHEN VON VENEDIG mit Lauri Volpi : oebeatag» VA VA V«tO Uhr, Sonno. Feiertag« 7»4 Uhi Waren aus Frankreich und Deutschland beziehen werden als in früherer Zeit, wo die Kaufkraft des Goldes in allen diesen Ländern noch annähernd gleich war. Diese Tendenz des Kaufmannes, billig einzukaufen und möglichst gut zu verkaufen, würde ganz von selbst in kürzester Zeit den Ausgleich des Preisniveaus in der ganzen Welt herbeiführen, und zwar ira Wege eines sehr interessanten, aber ein bißchen komplizierten Mechanismus, den wir heute nicht beschreiben wollen und der die technische Bezeichnung „Zahlungsbilanzmechanismus“ führt. Warum aber hat sich dann der Ausgleich der nationalen Preisstände noch nicht vollzogen? Versagt jener Mechanismus? Die Antwort gibt wiederum unsere Analogie der kommunizierenden Gefäße. Sind die Verbindungsröhren der Gefäße verstopft, so daß das Wasser nur langsam durchsiekern kann, dann wird es eben ziemlich lange dauern, bis ein einheitlicher Flüssigkeitsstand erreicht ist. Ebenso können die Preisstände der einzelnen Länder längere Zeit unausgeglichen bleiben, wenn die Wirtschaftsbeziehungen zwischen diesen Ländern durch Zollerhebungen, Einfuhrverbote, Devisenbeschränkungen und andere Handelshemmnisse stark unterbunden sind und der Kaufmann fast auf der ganzen Welt mit allen erdenklichen Mitteln und Schikanen daran gehindert wird, dort einzukaufen, wo es am billigsten, und dort zu verkaufen, wo ee am teuersten ist. Auf die Dauer muß es aber schließlich doch zu einem gewissen Ausgleich kommen, vorausgesetzt freilich, daß nicht immer neue, grobe Währungsetörungen eintreten, wie etwa weitere starke Entwertungen der angelsächsischen Währungen. Von solchen Störungen, die eine ganz neue Situation schaffen würden, sehen wir vorläufig ab. Der Ausgleich der Kaufkraft des Geldes wird teils durch Preisbewegungen, teils wahrscheinlich auch durch Änderungen gewisser Währungskurse erreicht werden. Diese Vorgänge dürften teils ganz von selbst eintreten, teils planmäßig durch wirtschaftspolitische Eingriffe der betreffenden Regierungen herbeigeführt werden. Ee wäre nun namentlich für den Kaufmann und für den Sparer sehr wichtig, über die Richtung dieser voraussichtlich zu gewärtigenden Bewegungen, welche länderweise stark verschieden sein werden, einigermaßen Klarheit zu gewinnen. Detaillierte Prophezeiungen sind natürlich unmöglich. Immerhin können gewisse Grundzüge der künftigen Wähningsentwicklung aufgewiesen werden. Die soll demnächst geschehen. Hebräische Begrüßung des Esperanto-Kongresses Am 20. Mai wurde im Wiener Parlament die internationale Esporanto-Konforenz, in Anwesenheit verschiedener diplomatischer Vertreter, feierlich eröffnet. An der Konferenz, deren Dauer für fünf Tage berechnet ist, nehmen Delegierte aus aller Welt teil. Dio österreichische Regierung war durch Ministor Stockinger vertreten. Dio einzelnen Delegierten begrüßten dio Konferenz in ihrer Muttersprache. Im Namou des Bürgermeisters von Tel-Aviv, begrüßte dio Konferenz in hebräischer Spracho Dr. Tulo Nüssenblatt, der die Mitteilung machte, daß die Stadt Tel-Aviv jüngst eino Straße nach Ludwig Lazar Zamc n b o f, dem Schöpfer des Esperanto, benannt habe, was die jüdißchonj Esperantisten besonders freue, da Zamenhof iö seiner Jugend zu den Vorkämpfern des Chowewe-Zion und später zu den Anhängern Theodor Herzls gehörte. Zamenhof übersetzte auch als Erster zionistische Lieder ins Eepei ranto. Die Konferenz nahm die hebräische Be-, grüßung mit starkem -Beifall auf. Stelle Schwätzer Maryan Frisch Vtrlobt» Wien, im Mal 1934 General Smuts und Sokolow eröffnen die Keren-Hajessod-Kampagne in Südafrika Johannisburg, 24. Mai. Die diesjährige Keren-Hajessod-Kampagne in Südafrika wurde am 21. Mai in Johannisburg mit einem eindrucksvollen Festabend eröffnet, der, sowohl was die Zahl der Teilnehmer als auch die Höhe des Sammelergebnisseß betrifft, einen Rekord in der bisherigen Keren-Hajessod- Arbeit in Südafrika darstellt. Auf den ersten Appell hin wurden 32.000 Pfund in der Versammlung gezeichnet, mehr als doppelt so viel wie anläßlich der Eröffnung der Kampagne im Vorjahr. Den Vorsitz führte eine der repräsentativsten Persönlichkeiten der südafrikanischen Ju.den.heit, Richter Leopold Greenb e r g. Die Hauptansprache hielt der ehemalige Ministerpräsident General Smuts, einer der hervorragendsten christlichen Vorkämpfer für den Gedanken des Jüdischen Nationalheims und eifriger Förderer der zionistischen Bewegung. Die Versammlung brachte dem General und dem Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Nah um Sokolow, eine lebhafte Ovation dar, als dieser Generäl Smuts die Urkunde der Errichtung einer Kolonie im Gebiet der Haifa-Bucht überreichte, die nach General Smuts, der mit dem Vornamen Johann heißt, die Bezeichnung „Kfar Jochanan“ erhält. In seiner Ansprache, mit der er die Versammlung zu stürmischer Begeisterung hin riß, erklärte General Smuts u. a„ seine Haltung werde nicht durch eine besondere Vorliebe für die Juden bestimmt, sondern sei eine Folge seiner Liebe für Recht und Gerechtigkeit. Die Gefühle, die er für die Juden hege, seien dieselben wie die, die er seinem eigenen Volk und allen Bedrückten und Leidtragenden entgegenbringe. Sein Verständnis für jüdische Angelegenheiten gehe auch darauf zurück, daß er einen Unterricht in hebräischer Literatur genossen habe, der ihm stets unvergeßlich bleiben werde. Gerechtigkeitssinn erhöhe eine Nation. Diese Wahrheit habe sich in allen Zeitaltern bewährt. Als die Balfour-Deklaration, an deren Entstehen er mitwirkte, verkündet wurde, sei dies in einem Geist des Idealismus geschehen. Heute sei wenig von diesem Idealismus Ubrlggeblieben. Niemand habe vor 17 Jahren vorausgesehen, daß Europa in einen solchen Zustand der Desillusionierung, ja, fast der Auflösung geraten, und daß Palästina gleichzeitig zu so gewaltiger Prosperität gelangen werde. Hätte es einer Rechtfertigung der Politik des Jüdischen Nationalheims bedurft, so wäre sie durch die jetzige Lage in Europa gegeben. Palästina nehme diejenigen mit offenen Armen auf, die in ihren bisherigen Wolrnländern nicht mehr gern gesehen sind. Keine Jüdische Armee in Biro• Bitschan Moskau, 24. Mai. Von maßgebender Stelle wird mitgeteilt, daß die Berichto der europäischen Presse, wonach Biro-Bidschan über eino eigene jüdische Armee und ein eigenes Müuz- System verfügen wird, grundlos sind. Biro-BLdechan erhält eino autonome jüdische Verwaltung mit Jiddisch als offizieller Sprache. Spendenausweis f Ci r alleinstehende ältere Waise durch lg. Drill, Angern, S 5.—,