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Die Stimme · 1934-05-29 · Heft 356 (29.5.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 356 (29.5.1934)
Date
1934-05-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 356 — 20. Mai 1934 Der Arlosorogf-Mordprozeft mmmmMmmmmmmammmmmmmmmmmmmmmmeeemmmsmoKm Berichte der Jüdischen Telegraphen-Agftntur eines Kleidungsstückes so den t,- Sowie in den jüdischen Kolonien und zmn Teil auch in den anderen Städten Palästinas die Geschäfte geschlossen. Auch die Restaurants und Cafes waren geschlossen. In allen Fabriken und Werkstätten ruhte die Arbeit. Der Verkehr war fast vollkommen stiligelegt. Dabei boten die Straßen, namentlich in den Städten, ein sehr bewegtes Bild. Überall im Laude fanden massenhaft betuchte Protestversammlungen statt, in denen Redner allor Parteien, mit Ausnahme der extremorthodoxen Agudas J i s r o e 1, scharfe Kritik an der den Aufbau des jüdischen Nationalheims hemmenden und somit mandatswidrigen Politik der Palästina-Regierung und der Mandatarmacht übten. Die Agudas Jisroel hat eine Erklärung veröffentlicht, wonach sie sich /.war dem Kampf gegen die Einwanderungspolit'k der Regierung anschließt. jedoch einen Generalstreik nicht als geeignetes Kampmittel erachtet. Eine Abordnung des Jischuw beim High Commissioner Gegen 7 Uhr abends, als eine Menge von über 1000 Personen, die von einer Protestversammlung in der Lemmel-Schule zurückkehrte, sich nicht schnell genug zerstreute, schritt Polizei ein und trieb die Ansammlung auseinander. In mehreren anderen Teilen der Stadt kam es zu kleineren Zwischenfällen. Im Meah-Schearim-Viertel versuchte die Menge, einige agudistische Ladeninhaber zu zwingen, ihre Läden zu schließen. Die Polizei hieb mit Knütteln auf die Menge ein. wobei der jugendliche Schalom D r e i g h erheblich verletzt wurde. Außerordentlich ernst waren die Zusammenstöße in T o 1 - A v i v, die zwei Stunden lang andauerten, wobei sich die Menge an einigen Stellen gegen die Polizei v e rbarrikadierte. Die Polizei stellte sich .in der Bialik-Straße einer Menge gegenüber, die von der Protestversammlung in der Zentralstraße marschierte und bediente sich dabei der Knüttel, um die Menge zu zerstreuen. Aus der Mitte der Demonstranten wurden Steine gegen die Polizei geschleudert. Gegen halb 7 Uhr abends griff die Feuerwehr in den Kampf ein, indem sie die Wasserspritze gegen die Menge richtete. Aber auch jetzt wich die Menge nicht, bis sie Bürgermeister Dizengoff beruhigte. Verwundet wurden sechs Polizisten, unter ihnen Inspektor G o f f e r; dieser trug erhebliche Verletzungen davon. Von den Demonstranten wurden 25 Mitglieder der Histadruth und 10 Revisionisten, ferner einige andere Personen aus der Menge verletzt. Einige Kommunisten versuchten, eine rote Fahne zu entfalten, ein Mädchen, das die Fahne trug, wurde von Revisionisten ergriffen und der Polizei übergeben. In Tel Aviv ist die Erregung über das Vorgehen der Polizei groß. Eine vom Präsidenten des Waad Leumi Ben Zwi geführte Abordnung, der Dr. M o ss e n s o h n, Rabbi U z i e 1 und R u base h o w angehörten, besuchte den High Commissioner Sir Artur W a u c h o p e in Jerusalem, um gegen die Haltung der Behörden Beschwerde zu führen sowie die unhaltbare Lage des Aufbauwerkes und der Wirtschaft infolge der Einwanderungsoinschrünkung zu schildern. Es wird erklärt, daß die Teilnehmer an den geschlossenen Protestversarnralungen die Weisung des Waad Leumi, nicht öffentlich zu demonstrieren, befolgt haben und daß die Zwischenfälle nur eine Folge des Übereifers der Polizei waren. Der Waad Leumi führt in einer Erklärung Klage darüber, daß die fortgesetzte Einschränkung der Einwanderung, die immerwährende Hinauszögerung der Erledigung von Gesuchen um Eiuwanderungserlaubnis für Angehörige in Palästina ansässiger Personen und die Begrenzung der Zahl der Chal uz-Zertiflkate das jüdische Wirtschaftsleben irn Lande in seinen Grundlagen erschüttern, daß eine fortschreitende Verdrängung jüdischer Arbeit als Folge dir ßinwanderungseinschränkung eingetreten ist, und daß die Einwanderungspolitik der Regierung eine Krise für das Land herautbeschwört. Dio Erklärung wendet sich auch scharf gegen die neue Palästina-Anleihe und gegen das Verbot des Postenstehens zum Schutz jüdischer Arb;ö. Jerusalem, 21. Mai. Der im Arlosoroff-Mordprozoß freigesprochene, aber im Zusammenhang mit. der Untersuchung gegen Britli Jlahirjonim weiter in Haft behaltene Führer der palästinensischen Jung-Revisionisten, Abba A e h i- M e i r, hat im Gefängnis von Akko, wohin er aus Jerusalem gebracht worden war, den Hungerstreik nach viertägiger Dauer auf A u f f o r d e r u » g des Oberrabbiners Iv o o k a b g e b rochen. Überrabbiner Kook hatte an Aehi-Meif durch die Gefängnisbehörden die Mahnung gerichtet, den Streik zu beenden, da Selbstmord dem jüdiliisehen Gesetz widerspreche. Aehi-Meir hat durch seinen Rechtsanwalt eine Haftbeachwerde unmittelbar an den High Commissioner gerichtet. Beginn der fünfen Verhandlungswoche in der am 22. Mai durchgeführten Vormittagsverhandlung wurde der Angeklagte R o s e n b 1 a 11 nochmals vom Vorsitzenden Richter Corde und vom Staatsanwalt Musa el Alami einem Kreuzverhör betreffend die angeblich von ihm getragenen Schuhe unterzogen. Rosenblatt erklärte, wie schon früher, er habe die dem Gericht vorgelegten Schuhe im Juni nicht getragen. Diese Schuhe seien nicht sein Eigentum, sondern das der Plugah. Rechtsanwalt S a m u e 1 analysierte den bisherigen Stand des Prozesses. Er erklärte, daß von Zeugen dargetan werden solle, daß Frau Arlosoroff offenkundig falsch ausgesagt habe, da sie in den ersten beiden Stundennach dem Mord davon überzeugt war, daß einer der Attentäter ein Araber war oder zumindest arabische Kleidung trug. Rechtsanwalt Samuel verlangte, der Gerichtshof möge sich nachts zu einer Zeit, da die Sternbeleuchtung derjenigen in der Mordnacht entspreche, an den Strand von Tel Aviv begeben; er verpflichte sich, durch Sachverständige den Nachweis zu führen, daß es zu dieser Zeit u n m ö g 1 i c h sei, die Farbe Wie offiziell mitgetcilt wird, wurden bei dem Zusammenstoß zwischen Demonstranten und Polizei in Tel-Aviv insgesamt 52 Personen verletzt und ins Krankenhaus zur Behandlung gebracht. 37 von den Verletzten konnten nach erster Hilfeleistung entlassen werden, die übrigen 15 mußten zu weiterer pflege im Krankenhaus verbleiben. In Tel* Aviv herrscht nunmehr vollkommene Ruhe. Waad Leumi und Jewish Agency entsenden Delegation nach London Der Waad Leumi wird demnächst gemeinsam mit der Palästina-Exekutive der Jewish Agency eine offizielle Delegation nach London entsenden, um die öffentliche Meinung über die Auswirkungen der E1 nwanderungspolitik der Palästina-Regierung aufzuklären und hei der englischen Regierung Beschwerde gegen die Maßnahmen der Palästina-Verwaltung einzulegen. Die Einzelheiten des geplanten Schrittes werden derzeit noch beraten. Der Palästina«Bericht der Mandatskommission zurückgestellt Der Jahresbericht der Mandatarmaoht über dio Verwaltung Palästinas im Jahre 1933 ist den Mitgliedern der Ständigen Mandatskommission, dio am 30. ds. Zusammentritt, bereits zugestellt worden. Dieser Bericht, der ein Buch von etwa 300 Drueksorten daratcllen wird, soll von dor britischen Regierung am 14. Juni in London veröffentlicht werden. Es bestätigt sieh, daß Sir Arthur Wauchope dieser Tagung der Mandatskommission nicht beiwohnen wird. Die Mundatarniacht wird du roh den Generalsekretär der palärttinensiißohen Regierung, Hall, vertreten sein. lieh zu erkennen, wie dies Frau Ariosorolf bezüglich der Jacke Rosenblatts behauptet. Im weiteren Verlauf seiner Abführungen versuchte der Verteidiger nachzttweisen, daß hier überhaupt ein politischer Mord nicht in Frage komme. Stäben Alibi-Zeugen für Stavsky Jerusalem, 25. Mai. In der Gerichtssitzung am 23. Mai erklärten weitere Bieben Zeugen, daß sie Abraham Stavsky am 16. Juni .1933, dem Tage der Ermordung Dr. A r 1 o s o r o ff in Tel-Aviv, in Jerusalem gesehen haben. Sara Rechtschein, Kellnerin im Iiascharon- Restaurant, erkannte in Stavsky denjenigen Mann, der am Freitag abend zwischen 8 und 9 Uhr, dem Mordäbend, sein Abendbrot im Restaurant einnabm. Die 12jährige Rosa und der 16 jährige Chaim Borochow, deren Mutter Köchin im Hascharon- Restaurant ist, ebenso Molsche W r u b e 1 sagten atis, sie hätten zu der gleichen Stunde Stavsky im Hascharon-Restaurant gesehen. Moische M a n d e 1 b a u m und Jakob Friedmann bezeugten, daß sie am Freitag zwischen 11 Und 12 Uhr nachts einen Schlafraum ira Turgernan-IIotel betreten hatten und einen Mann schlafend sahen, ohne sich sein Gesicht anzusehen. Mandelbaum sagte aus, daß er, als er am nächsten Morgen aufstand, von Stavsky, der in eben jenem Bett lag, gefragt wurde, wieviel Uhr es sei. Als man ihm später im Polizeihaus eine Gruppe von Menschen zeigte, fand er sofort Stavsky als denjenigen heraus, der ihn im Turgernan-IIotel nach der Zeit fragte. Abraham Almaliah, Mitglied der Exekutive des Waad Leumi, bezeugte, daß er Achi- Meir am Freitag sechs Uhr nachmittags in einem Jerusalemer G'aic getroffen hatte; der Zeuge bekräftigt damit Sfcavskys Behauptung. daß er am Freitag nachmittag in dem gleichen Cafe nach Achi-Meir Ausschau gehalten hat. Sir Arthur Wanchope weitere zwei Jahre High Commissioner? Meldungen der Jerusalemer hebräischen Presse zufolge dürfte der gegenwärtige High Commissioner von Palästina General Artur Wanchope, dessen Amtsperiode in diesem Sommer abläuft, für weitere zwei Jahre zum High Commissioner bestellt werden. Die Entscheidung hierüber soll anläßlich des bevorstehenden Aufenthaltes Sir Arturs in London fallen. Eric Mills, Direktor des Elnwande• rungsdepartements Eric Mills, bis jetzt stellvertretender Chefsekretär der Palästina-Regierung, wurde — wie heute offiziell mitgeteilt wird — zum Direktor des Einwanderungs-Departements der Palästina-Regierung als Nachfolger von Albert M. II y a m s o n, der nach Erreichung dor Altersgrenze von 60 Jahren pensioniert wurde, ernannt. Captain Mills, der 42 Jahre alt ist, steht seit 1920 im Dienste der Palästina-Regierung, boi der er seine Karriere als V i z egou verne urdesNablu s-D istrikts begann. 1925 wurdo er zum stellvertretenden Oh cf sekretär ernannt und er vertrat einmal auch den High Commissioner. 1931 leitete er dio Volkszählung in Palästina. Im Juni 1927 vertrat er die britische Regierung vor der Mandatskommission des Völkerbundes. Das Palästina-Amt Wien teilt mit: Die nächsten Abfahrten Wiener Pulästina- Auswanderer mit Zertifikaten erfolgen am 29. Mai, 5. Juni und 12. Juni 1934. Sprechstunden dos Palästina-Amtes ausschließlich von 10 bis 13 Uhr (ausgenommen Samstag und Sonntag). Nachmittag findet kein Parteionverkehr statt. Schriftliche Anfragen ist Rückporto beizul egen. Zahnarzt Dr. Salamon Bohin XVII., Kalvaricnherggassc 34, dankt vielmals für die ihm von offizieller und privater Seite zitgekommenen Glückwünsche Kurt Blumenfeld So Jahre Am 29. d. feierte der langjährige Führer des deutschen Zionismus, Kurt F> 1 u m c nf e I d, seinen 50, Geburtstag. Amtsgcriehfßrat Dr. Otto May, Mitglied des La n des Vorstand c& der Z. V. f. D., weist ams diesem Anlaß aüf die Verdienste des Jubilars um die zionistische Bewegung hin und schillert das Wirken Blmmmfclds, der einer assimilierten deutsch-jüdischen Familie entstammt — sein Vater war Amtsgerichtsrat in Insterburg —. in der Organisation, an deren Aufbau er zu einem wesentlichen Teil mitgewirkt iuft. „Als Sljäbriger Student“, schreibt Doktor May, ..gründete er 1905 die Vereinigung jüdischer Studenten in Königsberg, die bald zum Mittelpunkt der zionistischen Bewegung in Ostpreußen und durch die Fülle vorzüglicher Mitglieder zur bedeutendsten Verbindung des Reiches wurde. Blumenfeld hat jahrelang die Erziehung der jungen Akademiker und ihre geistige Richtung in der Vereinigung jüdischer Studenten maßgebend beeinflußt. Zur vollen Entfaltung seines Schaffens und Wirkens kam Blumenfeld, als er die Leitung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland übernahm und es ihm gelang, der zionistischen Bewegung in Deutschland ihre spezifische g e istige Form zu geben. Als Präsident hat er durch Kooperation der verschiedenen Richtungen unter seiner Leitung ein Vorbild lieh es Gebäude geschaffen, das durch alle Krisen hindurch eich als fest fundiert und unzerstörbar erwiesen luit. Nach seiner Übersiedlung nach Palästina hat Blumenfekl dann unter Leitung des Komitees für Ansiedlung der deutschen Juden erfolgreiche Arbeit geleistet. Neuerdings ist* Blumenfeld mit wichtigen Aufgaben des Aktions-Komitees betraut. So hat er unter anderem das Amt für Propaganda und Schulung innerhalb der zionistischen Weltorganisation übernommen. Zionistische Protest* Versammlungen in Wien In der vergangenen Woche fanden im Saale der Bezirkssektion VI/VII und im Saale des Handelsmusöums (Bezirkssektion VIII/IX) massenhaft besuchte Versammlungen statt, in denen einstimmig Resolutionen gegen die Drosselung dor Zortifikatenzuteilung seitens der Mandatarmacht gefaßt wurden. Dio Resolutionen machen der Mandatarmacht zum Vorwurf, daß sie gegen Sinn und Wortlaut des Mandates handelt. Es wird an die Mandatarmacht appelliert, ihren Beschluß zu revidieren. Von der zionistischen Exekutive wird erwartet, daß sie, gestützt auf den einheitlichen Willen aller Zionisten, alle Schritte unternehmen wird, um die Angriffe auf die Entwicklung des Nationalheimes hintanzuhalten. Gleichzeitig wurde in den Resolutionen an alle Zionisten appelliert, daß sie geschlossen hinter der Exekutive stehen und dio nationalen Fonds fördern mögen, damit eine gesunde soziale Struktur Palästinas gewährleistet werde. Im Laufe dieser Woche finden eine Reihe weiterer P r o t o s t v o r s a mm hingen in den verschiedenen Wiener Bezirken und auch in der Provinz statt. Allo dieser Versammlungen werden der Entrüstung über das Vorgehen Englands Ausdruck verleihen und für dio zinnistische Organisation werben. Dr, Simon Horowltz auf dem Wege der Genesung Wie wir erfahren, befindet sich Herr Dr. Simon H orowit z, der verdienstvolle Leiter dos Wiener Palästina-Amtes, nach seiner schworen Erkrankung bereits auf dem Wege der Genesung. Es ist nunmehr die begründete Hoffnung vorhanden, daß Dr. Horowitz in kurzer Zeit bald wieder ganz hergestellt sein wird. Ruhe in TehAviv

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