Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 355 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 355 — 25. Mai 1934 < katastrophen obdachlos Gewordenen auf 5000 Seelen und den Schaden, einschließlich der unbrauchbar gewordenen Straßen, auf 100.000 Pfund; die Regierung gibt bekannt, daß sie Vorbereitungen zur Beköstigung von 2000 Personen getroffen hat. Außer den 29 Toten werden noch zehn Personen vermißt. Tel-Aviv „die Messestadt" Der SpezialberiehterMatter der ..Allgemeinen Tageskorrespondenz'- in Tel-Aviv berichtet wie folgt: Das äußere Bild der Messe ist faszinierend. Der erste Blick durch das riesige schmiedeeiserne Portal, vor dem auf schlanker Säule als Messewahrzeichen ..das fliegende Kamel" sieh erhebt, auf die ganze Breite und Tiefe dets Messegeliindes: rechts die beiden Ausla.udspaliiste und die bunte Reihe der nationalen Pavillons, links der britische Pavillon, der Autosalon, die Information* City“ und das Levante Messeamt, geradeaus die mächtige Fläche des Amphitheaters und darüber sich triumphal erhebend der ..Tozerth-Haaret-z-Pavillon“, Sitz der Palästina-Industrie, von einem hochragenden Turmbau flankiert. Osterreidis Flagge auf dem Messegelände 67 Firmen aus Österreich sind im internationalen Pavillon untergebracht. Österreich, das im letzten Jahr den Export nach Palästina vervielfacht hat. wird hoffentlich bei der nächsten Messe in einem eigenen Pavillon untergebrächt, sein. Firmen aus den verschiedensten Branchen haben bereits größere Abschlüsse gemacht, und es ist heute bereits «sicher, daß der Export nach Palästina in der allernächsten Zeit, nicht zuletzt dank der Bemühungen des G e n cralkonsuls Dr. I w o J o r d a gesteigert werden wird. Die Levante-Messe in Tel-Aviv ist gegenwärtig der Brennpunkt des wirtschaftlichen Interesses im ganzen Orient. Während viele Messen auf eine lange historische Entwicklung zurückschauen dürfen, ist die Messe in Tel-Aviv noch ganz jungen Datums. Zum erstenmal fand sie im Jahre 1926 statt. Die Erfolge der letzten Messen ermutigten das Messekomitee zu einem neuen Schritt von grundsätzlicher Bedeutung, nämlich der Verlegung der Messen, die bisher auf kurzfristig gepachteten Grundstücken in provisorischen Bauten untergebracht waren, auf ein ständiges Messegelände mit massiven Hallen und Pavillons. Ein passendes Terrain fand sich in der nördlichen Zone des Tel-Aviver Stadtbezirkes auf der Landzunge zwischen der Mittelmeerküste und dem Jankon-Flusse unmittelbar neben dem Stadion. Hier, wo bisher seit Jahrtausenden unproduktiver Dünensand gewesen Wirtschaft an europäischen Maßstab eingesetzt. Allen Nachbarländern ging dabei das früher am meisten vernachlässigte Gebiet, dank der zionistischen Initiative, das kleine Palästina, voran. Die internationale Kaufkraft des Orients ist demgemäß im Vergleich zu 1913 außerordentlich gestiegen. Sein Gesamtimport belief sich 1933 auf rund 85 Mill. Pfund. Der Import Palästinas hat sich besonders stark erhöht und zwar von 5‘9 Millionen Pfund im Jahre 1913 auf 11T Millionen Pfund im Jahre 1933. Die Entwicklung zeigt auch weiter ansteigende Tendenz, so ist der Zustrom von Ausländsausstellern in der Tel- Aviver Messe erklärlich. Hiezu kommt, daß Palästina, Syrien, Ägypten, Irak und Zypern keinerlei Devisenbeschränkungen oder Hemmungen im Handels- und Zahlungsverkehr mit dem Auslände kennen, also im Vergleiche zu den meisten europäischen Märkten für den Exporteur günstige Arbeitsbedingungen bieten. Der bisherige Geschäftsgang der österreichischen und der anderen ausländischen Aussteller ist ein guter. Neben direkten Käufen der palästinensischen und orientalischen Kundschaft spielt für zahlreiche Ausländsaussteller, die erstmalig für ihre Erzeugnisse werben, die Vergebung ihrer Vertretungen eine besondere Rolle. | Wenn man den Werdegang der Tel-Aviver nur 1 Messe in ihrem Zusammenhang mit der wirtist, schaftlichen Renaissance des Orients wür DerMordproze^f^Jerusalem Berichte der Jüdischen Telegraphen-Agentur Jerusalem, 22. Mai. Am 17. .Mai wurde Abraham S t a v s k y, einer der zwei Angeklagten im Prozeß wegen der Ermordung Dr. Arlosoroffs, vor Gericht vernommen. Da Stavsky polnischer Staatsangehöriger ist. wohnte der Jerusalemer polnische Konsul diesem Teil der Verhandlung bei. Die Vernehmung Stavskys. der jiddisch sprach, nahm den ganzen Vor- und Nachmittag in Anspruch. Auf seinen Wunsch wurde er unter Eid vernommen, und er machte seine Aussagen nicht von der Anklage-, sondern von der Zeugenbank aus. Er erklärte, er habe seinen Mitangeklagten Zwi Rosenblatt, nie im Lehm gesehen. Stavskys Alibi. Am Freitag, den 16. Juni (dem Tage, an dem Dr. Arlosoroff in Tel-Aviv ermordet wurde), sei er um 6 Uhr morgens nach Jeru salem gefahren, um eine Visuniangelegenheit zu regeln Er habe den größten Teil des Vormittags im Konsulat, verbracht und den polnischen Konsul gebeten, sieh bei den palästinensischen Behörden dafür einzusetzen, daß ihm ein Rüekreiscvisum er teilt werde. Gegen Mittag habe ihm der Konsul gesagt. seine Intervention sei erfolglos geblieben; das Rückreisevisum werde Stavsky verweigert, weil er als Arbeiter nach Palästina gekommen sei , wurde binnen acht Monaten unter Einsatz j digt, so wird man dem Standort der Messe einer Arbeiterzahl von zuletzt 1200 Mannj der jungen Industrie- und Handelsmetropole da3 gewaltige Werk zeitgerecht vollendet. Von den rund 100.000 Quadratmetern Gesamtfläche sind 20.000 Quadratmeter von den 34 mehrstöckigen Hallenpavillons bedeckt, während die übrige Fläche Ausstellungen dient. Der Entschluß, der zur Verwirklichung i | dieser! im ganzen Orient einzigartigen Baui | Vorhabens führte, hat sich wirtschaftlich als j§ richtig erwiesen. Die Levante-Messe fand in; i der ganzen Welt ein überraschend starkes Echo. Die Gesamta-usstellerzahl beträgt 2150 Firmen. Die nähere Analyse über diese Zahl wirft interessante Streiflicher auf die gegenwärtige Bedeutung Palästinas und des Orientmarktes für die Weltwirtschaft. Die stärksten Ausstellerkontingente sind aus Großbritannien mit 350, aus Frankreich mit 280, aus Polen mit 211, aus der Tschechoslowakei mit 138, aus Belgien mit 116, Italien 100, U. S. A. mit 78, Österreich mit 67, Schweden mit 50, Schweiz mit 40, Bulgarien mit 38, Holland mit 38, Jugoslawien mit 26 Firmen erschienen. Während im Nahen Orient vor dem Weltkriege unter dem altosmanißchen Regime Wirtschaft und Verkehr stagnierten, hat in der Nachkriegszeit dank umfassender Reformen des öffentlichen Lebens und territorialer Neuordnung auf Grund der Initiative hervorragender Persönlichkeiten (Mustafa Kemal in der Türkei, Fouad in Ägypten, Feizal in Irak, Ibn Saud in Arabien) lebhaftes Bemühen um die Anpassung der Tel-Aviv, eine besondere Betrachtung widmen müssen. Tel-Aviv feiert gleichzeitig sein 25jähriges Bestehen, eine Tatsache, die der Messe ein besonders festliches Gepräge verliehen hat. CAFE VICTORIA 1 AM SCHOTTENTOR WIEN I. SCHOTTENTOR ( iiiiniiiiiiniiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiif Die „Levante-Messe Tel-Aviv 1934“ hat mit Erfolg den Weg gezeigt, den auch die künftigen Messen werden beschreiten müssen; die Pflege der weltwirtschaftlichen Verbundenheit, wie sie dem natürlichen Verkehrsmittelpunkte des orientalischen Wirtschaftsgebietes angemessen ist, zugleich aber auch die Förderung des wirtschaftlichen Eigenlebens im Lande, das gebieterisch nach Industrialisierung de« Gewerbes und Intensivierung der Landwirtschaft verlangt, um noch vielen Zehntausenden von Einwanderern Arbeit und Brot zu gewähren. und als Journalist, Vertreter des revisionistischen „Chasith Haam", nusreisen wolle. Er habe dann beschlossen, ohne Rückreisevisum abzureisen und sei ins Palästinaamt gegangen, um die erlegte Visumgebühr zurtickzufordern. Man habe ihm gesagt, er könne das Geld erst Mittwoch bekommen, und deshalb habe er mit einem Freund vereinbart, daß dieser das Geld entgegennehmen solle. Stavsky schilderte hierauf genau, wie er jede Stunde seines Aufjuthslts in Jerusalem verbrachte. Am Nachmittag habe er ein Bett im Turgeman-Hotel bestellt, sei kurz nach 8 Uhr abends zu Bett gegangen und wenige Minuten später eingeschlafen. Am 1. Juni gegen sechs Uhr morgens, erzählte Stavsky weiter, stand ich auf und verließ das Hotel. Ich frühstückte im Tlascharon-Restaurant, ging dann zum rumänischen und zum griechischen Konsulat, um mir Transitvisen zu beschaffen. Gegen Mittag kehrte ich in das Hotel Turgoman zurück. Frau Turgeman Fragte mich, ob ich wisse, wer ermordet wurde. Ich fragte; Wer? Sie antworte: ein hoher jiidi scher Beamter, sie erinnere sich seines Namens nicht. Ich ging auf die Straße, hielt den ersten Mann, dem ich begegnete, an und fragte ihn, wer ermordet wurde. Er antwortete mir, es sei Dr. Arlosoroff. Ich ging in sehr erregter Stimmung in die Wohnung des revisionistischen Führers Avnieli, wo ich A c h i - M c i r traf. Von dort ging ich in ein Cafe, lim zu hören, was die Leute sich erzählen. Am Samstag abends, gegen 7 Uhr, verließ ich Jerusalem und traf gegen 9 Uhr in Tel-Aviv ein. Ich aß im revisionistischen Restaurant und ging dann auf mein Zimmer im Hause Chasans, ging auch sofort zu Bett. Gegen Mitternacht kam Achi-Meir. Chasan lügt, wenn er erzählt, daß er mich am Freitag, 6 Uhr abends, in meinem Zimmer gesehen hat. Am Samstag morgens besuchten uns einige Revisionisten, doch keiner erwähnte die ausgesetzte Polizeibelohnung, wie dies Chasan als Zeuge geschildert hat. Am Montag früh kam Polizei, nahm mich, unrasiert wie ich war, auf die Polizeistation, während mein Zimmer durchsucht wurde. Zwei Stunden lang wurde ich von Captain Rice verhört. Dann wurde ich Frau Ariosoroff zwecks Identifizierung vorgoführt, dann wurdo ich zum Strand zwecks Vergleichung der Fußspuren gebracht. Auf eine Frage des Verteidigers Horaco Samuel erklärto Stavsky; Ich habe nichts mit dem Mord zu tun, ich hatte keinerlei Grund, Arlosoroff zu töten, den ich nie im Leben gesehen habe. Ich sah Arlosoroffs Photographie zum erstenmal am Samstag nach dem iMord. Stavsky erzählte dann von seiner Begegnung mit Abdul Medschid. Ich sprach mit ihm, sagte Stavsky, dreimal, doch nur ein einziges Mal über meinen Fall; ich sagte ihm. d a ß ich und Rosenb 1 a 11 u n schuldig s i n d, und daß die Polizei, abgesehen von der Aussage Frau. Arlosoroffs. keinerlei Bcweismatcrial gegen uns hat. K e in cs w e g s h a b e i c h A bd u 1 M e d s c h i d ersuch t, die M o r ds e h u 1 d auf s i e h z 11 n e h m e n, niemals auch unterrichtete ich ihn über irgendwelche Details. Erst am 20. Jänner erfuhr ich, daß Abdul Medschid gestanden hat, Arlosoroff ermordetzu h a b e n; mein Verteidiger Benjamini informierte mich hierüber. £ LT Eds, Mit voller Erhaltung und Verfügbarkeit dereingezahlten Beiträge. MEINE] RENTEMNSTAir •V , C H *• GRABEN 20 TEV-U 2VS10- Auf Fragen des Staatsanwalts Trusted erklärte Stavsky, daß er weder hebräisch noch englisch kann; er verstehe nur, die hebräischen Gebete zu lesen. Achi-Meir lernte er 1932 in Polen kennen. Auf die Frage Trusteds, wie er Redakteur des hebräischen Chasith Haam“ werden konnte, erklärte Stavsky, er habe sich eine Journali-itenkarte des „Chasith Ilaam“ verschafft, um als Zeitungsmann leichter zu einem polni- ZUERST: PALÄSTINA- REISEBERATUNG, DANN PALÄSTINAREISEN (veraristaltot ftir ihre Mitglieder) „P A G“, Kreditkassa und Wirtschaftsvereinigung für den Warenaustausch mit Palästina, reg. Gen. m. b. II., Wien, VI., Caplstrangasse 2 (bei Mariahilferstraße 3t). Sprechstunden: Hontag bis Freitag, nur von 9 bis 12 Uhr sehen Paß zu kommen und um nicht s e in 0 n wirklichen Roisezwock, in Polen die illegale Palästina- Einwanderung zu 0 rganisier 0n, zu verraten. Das Rosenblatt in der Zeugenbank. Gericht schritt nun zum Verhör des KINOPROGRAMME DER WOCHE II. Kotensterneasse Telephon R 40-0-23 LeoDOldstBüter Volkskino Vom 25. Mai bis 28. Mal: RUND UM EINE MILLION mit OuBlav Fröhlich und Camilla Horn W ochentags ’fß, Vß, '/HO Uhr, Sonnu. Feiertags 7.4 Uhr Sektion XII/XIV/XV, XIV» Mariensäle, Reindorfgasse 2, Dienstag, den 29. Mai, 8 Uhr abends Große Werbeversam Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Israel. Kultusgemeinde: »Die Lage der Juden In Österreich