Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 355 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 355 — 25. Mai I9«l verfügt, daß sämtliche Bezirkssektionen und Ortsgruppen in ihren nächstwöchentlichen Versammlungen Vorträge über die Zertifikatensperre abhalten und zu ihr durch Resolutionen Stellung nehmen. CAFE-RESTAURANT „DIE LUS flGE WITWE“ PRATER, HAUPTALLEE NR. 5 Großer schattiger Garten, angenehmster Aufenthalt Erstklassige Küche, gepflegte Biere und Wein 'vorn Faß / Billige Preise / Besuchen Sie ins! Professor Brodelsk y über die Elnwanderungsfrage London, 22. Mai. Unter dem Vorsitz von Mrs. Robert Solomon fand eine Versammlung der Gruppe West-London des Zionistischen Frauen Verbundes statt, in der die Nichte Lord Balfotirs Blanche Dugdale und der politische Referent der Londoner Agency-Executive, Prof. Selig Brodetsky, sprachen. Frof. Brodetsky behandelte Probleme der jüdischen Palästina-Einwanderung und der zio niötisohen Taktik und wandte eich gegen die anläßlich der Debatte über die Palästina- Anleihe im Unterhaus von manchen Abgeordneten augedeutete Meinung, das jüdische Palüstiuawerk könnte den englischen Steuer zabler belasten. Diese Meinung sei um so grundloser, als die Palästina-Anleihe ohne Zustimmung der jüdischen Stel- 1 e n, die eine solche Anleihe im Hinblick auf den hohen palästinensischen Venval tungsÜberschuß für entbehrlich halten, aufgelegt werde. Die Frage der Einwanderung, fuhr Prof. Brodetsky fort, ist nunmehr in der Auseinandersetzung zwischen uns und der Re gieung akut geworden. Es ist klar, daß eie das Grundproblem darstellt. Die uns gewährte Arbeitereinwanderungs-Schedule ist ebenso groß wie vor sechs und vor zwölf Monaten, und es ist unbezweifelbar, daß sie zahlenmäßig nicht das darstellt, worauf wir Anspruch haben. Es geht nicht um die Frage, ob die Einwanderung an sich groß ist. Sie ist groß. Aber groß und klein sind relative Begriffe. Hätte die Einwanderung nicht 30.000, sondern 300.000 Menschen betroffen, so wäre sie noch immer nicht groß gewesen in Anbetracht der jüdischen Not in so vielen Ländern. Der einzige Maßstab, den wir haben, ist der der Aufnahmefähigkeit des Landes, und wir sagen, daß diese Zahl der Aufnahmefähigkeit Palästinas und seinen Bedürfnissen nicht entspricht. Ungenügende Einwanderung ist eine wirtschaftliche Gefahr für Palästina. Das Einwanderungsproblem gewinnt besondere Bedeutung im Zusammenhang mit der Judenfrage in Deutschland, es muß aber auch an Polen, Rumänien und andere Länder gedacht werden, und damit wird die Frage aufgeworfen, ob die ganze Methode der Einwanderungsregelung, wie sie bisher geübt wurde, aufrecht zu erhalten ist. Prof. Brodetsky sagte weiter: Ich glaube nicht, daß wir es uns leisten können, gegen England zu kämpfen. Wir haben nicht so viele Freunde, als daß wir uns diejenigen entfremden könnten, die unsere Freunde .sind. Wir müssen unsere Fragen m i t der Regierung in Palästina durcharbeiten, nicht gegen sie; und in Zusammenarbeit mit der englischen Regierung. Die von Herrn Jabotimsky vorgeschlageiiie Methode des „offenen Kampfes“ ist nicht ganz klar. Allem Anschein nach aber besteht dieser Kampf in einer Petition, d. h. in Schreiben von Briefen, Bitten ilsw. Dies unterscheidet sich nicht so wesentlich von den von uns angewandten Methoden, außer in der Hinsicht, daß wir nichts davon halten, auf England durch andere Regierungen einen Druck auszuüben. Wenn wir Juden unßerer Sache treu bleiben, schloß Prof. Brodetsky, werden wir den Sieg erringen. ▼▼TTTff?m?mTTTTmTTfTTTn Die Session der Assefafh Hamwdiarim Kinder ins Gebirge Das bestrenommierte Ferienheim Wienerbruck bei Mariazell (8oo m) nimmt Kinder (3 bis 1 j Jahre) auf. Erstklassige Referenzen, mäßige Preise. Anmeldung Eily Rothwein.VII., Mariahilfcrstr.72/i7,Tel.B 36-0-52 AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA Jerusalem, 17. Mai. Am Dienstag, den 15. Mai, wurde die neue Session der Assefath Haniwcharim (Deputierten-Versammlung der organisierten palästinensischen Judenheit „Knesseth Jisraei“) eröffnet. Die revisionistische Fraktion, die zweitgrößte in der Assefath, die am Tage vorher ihren Exodus ankündigte, blieb auch schon der Eröffnungssitzung fern. Der High Commissioner Sir Arthur W auch 0 p e sandte an das Präsidium der Assefah ein Begrüßungsschreiben, in dem er der Tagung Erfolg wünscht. Der Vorsitzende der Assefath Haniwcharim, der Histadruth-FUhrer Ben Z w i, gab in seiner Eröffnungsrede einen Über, blick über die Ereignisse der letzten zwei Jahre, seitdem die Assefath zuletzt getagt hat, und unterstrich insbesondere, daß in dieser kurzen Periode die jüdische Bevölkerung Palästinas um 40% zugenommen hat, während gleichzeitig die Politik der Regierung gegenüber dem Jüdischen Nationalheim und den Be dürfnissen des Jischuw sich verschlechtert hat. Die Zahl der Juden, sagte Ben Zwi, die bei den Eisenbahnen, bei Post und Telegraph und in der Polizei beschäftigt sind, hat sich bedeutend verringert. Die Regierung verweigert den Juden eine angemessene Unterstützung ihrer lebensnotwendigen Institutionen aus dem Staatsbudget. Das Mitglied der Zionistischen Exekutive und, neben Ben G u r i 0 n, Leiter des Politischen Departements der Exekutive der Jewish Agency, Mosche Shertok, gab in einer zweistündigen Rede einen Überblick über die politische Situation. Seine Ausführungen machten sehr tiefen Eindruck auf die Versammlung. Er übte schonungslose Kritik an der Politik der Mandatarmacht und der Palästina- Regierung in der Frage der jüdischen Einwanderung, der B eschäftigung von Juden an Regierungsunternehmungen, sowie der allgemeinen Behandlung jüdischer Behandlung seitens der Regierungsstellen. Er wiederholte die Argumente, die in dem letzten Statement der Exekutive der Jewish Agency zur Frage der Einwanderung niedergelegt sind, und wies auf die besondere Gefahr hin, die sich aus der Einwanderungseinschränkung seitens der Regierung für den Jischuw und die Z u k d n f t des Jüdischen Nationalheims ergibt Shertok klagte die Regierung an, daß sie die in dem Brief des britischen Premierministers MacDonald an den früheren Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Chaim W e i z m a n n, niedergelegten Grundsätze eklatant verletzt, und forderte den Jischuw auf, als Maßnahme des Selbstschutzes eine kämpferische H a 11 u n g einzunehmen. Shertok übte vernichtende Kritik an der Verteilung der Fonds der Palästina- Anleihe und bezeichnete die Anleihe selbst als ein großes Unrecht gegen die Juden Palästinas, die die Hauptlast der Amortisation werden tragen müssen, wo doch die ganze Anleihe schon darum überflüssig ist, weil die Regierung über Überschüsse von zweieinhalb Millionen Pfund verfügt. Berl Katznelson berichtete in Ausdrücken tiefster Empörung, daß gerade heute drei jüdische Streikposten in Kfar Saba, die vor jüdischen Plantagen standen, in denen Araber beschäftigt werden, zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Einer der Verurteilten ist Mitglied der Assefath. Auf Antrag Katznelsons beschloß die Assefath, eine Abordnung an den High Commissioner zu entsenden, um ihm die Protestgefühle der Assefath auszudrücken. In tiefer Trauer hörte die Assefah den Bericht des vom Waad Leumi nach T i b e r i a s entsandten Mitglieds ihres Präsidiums A 1 m a 1 i a h an, der erzählte, daß die ganze Stadt Tiberias ein einziger Sumpf sei, daß kein Geschäft offen ist, keine Nahrungsmittel zu haben sind, und daß über 400 Wohnhäuser und Läden zerstört sind. Die Zahl der Obdachlosen wird auf 1000 geschätzt, von denen nur 150 in das Meer Baal Ness-Heim und 100 in das Schweizer-Hospital aufgenommen werden konnten. Araber und Juden aus der Umgebung senden Nahrungsmittel zur Stillung des augenblicklichen Hungers, aber für die Dauer wird eine konstruktive Hilfe notwendig sein. Almaliah forderte die Assefath auf, einen Aufruf an die Judenheit in der ganzen Welt um Hilfe für die Einwohner der alten jüdischen Stadt Tiberias zu richten. Konkurs - Ausschreibung Hei der Israelitischen Kultusgenieindc Innsbruck gelangt die Stelle eines Rabbiners zur Neubesetzung. Bewerber, die slimtlichcn nachfolgenden Bedingungen vollauf entsprechen können, mögen die beglaubigten Abschriften ihrer Zeugnisse mit Lichtbild bis splitestens 1. Juni 1034 dein gefertigten Vorstande cinsenden. Bedingungen: 1. Österreichische Bundesbtlrgerschafi. 2. Bin an einer inländischen oder mit den inländischen gleichgestellten Hochschule erlangter Doktorgrad der Philosophie. 3. Die nn der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien abgelegte vollständige Rabbinerprüfung. 4. Stimmliche Befähigung, das Amt eines Vorbeters zu versehen. ß. Berechtigung zur Krleilung des öffentlichen Religionsunterrichtes an Volks- und Mittelschulen. 0. Nicht Überschrittenes 35. Lebensjnhr. Ks wird besonders hervorgehoben, daß Gesuche von Bewerbern die die österreichische Bunriesbtlrgerschafl nicht besitzen, unter keinen Umständen berücksichtigt werden. Julius Pasch Vorstand d. Israelit. Kultusgeuieinde, Innsbruck jmmmamamamtamammammmms Leo PinsUer in Palästina bestattet Jerusalem In Jerusalem sind die sterblichen Reste des 1891 in Odessa verstorbenen Verfassers der „Autoemanzipation“ lind ersten Präeidenten des Odessaer Palästina-Komitees, Dr. Leo P i n s k e r, eingetroffen. Die Wiederbeisetzung soll in besonders feierlicher Weise stattßnden. Die Exhumierung der Gebeine Pinskers auf dem Odessaer Friedhof mußte heimlich erfolgen. arabische Arbeiter beschäftigt. In Haifa beträgt die Zahl der arabischen Arbeiter, die jüdische Arbeitsplätze besetzt haben, über 700, ebenso groß ist die Zahl der von Arabern besetzten jüdischen Arbeitsstellen in Die von der Assefath Haniwcharim gegen ' J erusalem. Die Zahl der Araber, die i n die Verurteilung von drei j ii d ijüdischen Orangenplantagen Die Verdrängung jüdischer Arbeit in den palästinensi» sehen OrangenpSlanzungen Jerusalem, 22. Mai. sehen Arbeitern, die in Kfar Saba vor jüdischen Orangenpflaimmgen, in denen arabische Arbeiter beschäftigt werden, Posten gestanden haben, bei der Regierung erhobenen Vorstellungen sind erfolglos geblieben. Die drei Arbeiter wurden am 17. Mai in das Jerusalemer Gefängnis cingeliefert, nachdem sie sich geweigert batten, eine Wohlverbaltungserklärung für ein halbes Jahr zu unterzeichnen und eine Kaution für Wohlverhalten zu hinterlegen. Der palästinensische Arbeiterverband (Histadruth Haowdim) hat den Gewerksehaftsverbündeu in London, New York und Warschau von der Einführung der drastischen Strafbestimmungen gegen Postenstchen in Palästina Mitteilung gemacht. Inzwischen hat sich die Lage auf Verwendung von arabischen in Kfar Saba verschärft. Die jüdischen Pflanzer, die Arbeitskräfte beschäftigen, ist a u f s i c b e n gestiegen. in Bezug Arbeitern Zahl der arabische an Stelle von Juden beschäftigt werden, wird mit 7000 angegeben. Unter Hinzurechnung der etwa 3000 städtischen Arbeitsplätze sind somit rund 10.000 für J uden bestimmte Arbeitsplätze derzeit von arabischen Arbeitern besetzt. Trotzdem nimmt ein Teil der arabischen Presse dio Forderung nach Berücksichtigung jüdischer Arbeiter in jüdischen Unternehmungen zum Anlaß einer scharfen Kampagne, wobei einzelno Blätter, wie die ,,Arab Federation“, sich sogar dazu versteigen, für den Fall des Beharrens der Juden auf ihrer Forderung, mit Unruhe n, ähnlich denen des Jahres 1929, zu drohen. lo.ooo jüdische Arbeitsplätze von Arabern besetzt Jerusalem, 18. Mai. Infolge der Drosselung der jüdischen Einwanderung und des damit verbundenen Mangels an jüdischen Arbeitskräften, geht ine fortschreitende Verdrängung jüdischer Arbeiter aus den für sie bestimmten Arbeitsplätzen durch Araber vor sich. In Tnlviv sind derzeit nicht weniger als 1500 Voraus muß man denken/ sidi sichern — versichern Phonix Allgemeine VeraidierungsM Oes«/ Wien, IX »»Alserplalx 3 Sternsche l!lll!lll!!!lllllllllllllllll!!!!ll!lllli Schulu. Erziehungsanstalt! Schuldirektion: Malvine Friedmann Wien, I. Bezirk, Werdertorgasse 12 llnll/ffrhnln (Knaben u. Mädchen) O-Uhr-Beglnn, öffent lUlftUlllUll! lichkeitsrecht Hapiitniile mit Franz., Engl., Latein (nach Wahl) mr di. Miftelschole Hebräische Sprachkurse MilUDnsskiirs: Allgemeinbildung Berulsausitiidang: Sr H“del’,“h' K““1 Einjähriger Haushalmngsiiuis — Großer Garten — IntflMiaf Musik, Sport lUIOIHttl Prospekte Telephon Nr. U 28-1-9/ Wo bleibt die Mandatskommission? Im Krakauer „N 0 w y D z i e 1111 i k“ schreibt Dr. 0. Thon: Daß die Administration zum großen Teil uns nicht sympathisch gegenübersteht, ist bekannt und läßt sich dadurch erklären, daß das Verständnis für den Zionismus für diese Leute mit einer zu großen Geistesanstreng-ung verbunden sein würde. Wenn ein High Commissioner aber uns gewogen ist und guten Willen hat, kann er die Administration entsprechend beeinflussen. Es schien einmal, daß Sir Arthur Wa 11 chopo dies zu tun geneigt ist, aber es hat sich erwiesen, daß er die geradlinige, vorwärtsführende Politik von Lord P1 um e r nicht verfolgen will. Vielleicht, weil wir jetzt erfolgreich sind. Daß man England das PaUistinamandat anvertraut hat-, bedeutet nicht, daß mau ihm das Eigentumsrecht auf Palästina gegeben hat. Der Völkerbund hat England dio Aufgabe übergeben, ein nationales Heim fiit die Juden erbauen zu helfen, woher also das Recht, die Aufbauarbeit zu stören? Vom rechtlichen Standpunkt aus steht England als Mandatarniacht unter der Kontrolle der Mandatskommission des Völkerbundes. Wo ist diese Mat ’atskommission? Es ist klar für uns alle, daß der Völkerbund momentan in einer sehr schweren Lago eich befindet und immer mehr sich in eine Fiktion verwandelt. Engand liegt aber sehr daran, daß diese Fiktion erhalten bleibt — England muß also nn Völkerbund und seinen Organen Gehorsam leisten. Dio Frago ist: Wo ist dio M'i idatskommission und warum steht sie illem schweigend gegenüber? Wir sind m schwach zu eitlem Kampf mit England, und loch müssen wir diesen Kampf attfnehinen. Wir appellieren au das Weltgewissen, und ^99231627^