Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 355 (25.5.1934)
- Date
- 1934-05-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Kr. 365 - 25. Mai 1034 DIE STIMME Seite 3 Unrecht als politisches Prinzip Von unserem Korrespondenten CH» Hotter, TebAvtv Wir befinden uns in einer Periode, in der die Gewalt alt, politisches P r i nz i p znrückkehrt. Der kurze Rausch nach dem großen Blutvergießen des Weltkrieges, in dem die Verantwortlichen für das Schicksal der Menschheit von Gerechtigkeit und Menschlichkeit im Verkehr der Vöiker sprachen, ist vorbei, und man wird nicht gerne wieder dara.n erinnert. Man ist wieder ins Gleichgewicht gekommen. Die Gewalt ist wieder Herrin im Verkehr der Völker, und die moralischen Prinzipien sind wie früher zu ihren Werkzeugen degradiert, sobald man von ihnen einen heuchlerischen Gebrauch machen kann. Die Wege der englischen Politik zur Durchführung des Mandats, decken Zweck die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina sein soll, wurden an d: 'er Stolle wiederholt dargelegt. Wenn es noch eines Beweises für die Konsequenz bedürfte, mit der England diese Wege geht (aber wer verlangt heute noch danach?!), so lieferte ihn die palästinensische Regierung durch ihre eben erfolgte Bekanntgabe des Kontingents für die erlaubte jüdische Arbeitercinwänderung im nächsten Halbjahr Mai bis Oktober 1934. Der Oberkommissär schätzte die Aufnahmefähigkeit Palästinas für diesen Zeitabschnitt insgesamt auf 6400 Personen. Davon brachte er gleich 800 Zertifikate in Abzug für Personen, die im Lande als Touristen illegal verblieben oder ins Land gekommen sind. Von den übrigen 5600 Zertifikaten werden — selbstverständlich— die 1350 Zertifikate abgezogen, die im März auf Rechnung .der heutigen Zuteilung vora.usgegeben wurden. Diesen Vorschuß bewilligte die Regierung unter dem Dmck der dringenden und allgemeinen Not an Arbeitshänden im Lande, als man gezwungen war, die reiferen Kinder aus den Schulen zu reißen und sie aufs Land zur Arbeit zu schicken und Arbeiter aus den Werkstätten der Stadt weg — wie für die Lösoharbeiten eine« Brandes — für den gleichen Zweck zu mobilisieren, um eine Wanderung von den Kolonien iu die Stadt und von der Landzur Bauarbeit und anderen höherentlohnten Berufen. Damit wird immer weiteres Feld für das Eindringen der billigen fremden Arbeiter frei. Selbst T e 1 - A v i v, die Stadt der hundertprozentigen jüdischen Arbeit, beherbergt heute an die 1500 arabischen Arbeiter, und ihre Zahl muß, wenn keine Änderung ein tritt, wachsen. Das ist kaum zu vermeiden, denn das wirtschaftliche Leben stellt seine gebieterischen Forderungen, und es hält sich bei den möglichen Folgen in der Zukunft nicht lange auf. Aber es ist nicht, schwer, sich ein solches Bill der Zukunft vor Augen zu halten, wenn einmal die Arbeitslage sich gewendet und die 0 Überflutung der j üdischen Wirtschaft mit Hauranern, Transjordaniorn, Ägyptern und andern Nachbarn zu verhüten. Man braucht sich ja nicht weiter zu bemühen, sondern die „Schätzung“ des Oberkommissärs allein im Lichte dieser Tatsache zu sehen, um ihren Charakter zu erkennen. Jedermann im Lande weiß von der Tatsache, daß es heute keine arbeitslosen palästinensischen Araber gibt, und daß aus den arabischen Nachbarländern tausende Einwanderer vom palästinensischen Arbeitsmarkt aufgesaugt werden. Es ist auch schon die Erscheinung bekannt, daß sich von Seiten der einheimischen Arbeiter ein Widerstand gegen die preisdrückende Konkurrenz dieser fremden Elemente äußert, deren Lebensstandard unwahrscheinlich niedrig ist. Bis in ihre fernsten Dörfer vor breitete sich die Nachrieht von der Fülle an Arbeit und Verdienst, dio es in Palästina gibt, und das zu erreichen so leicht und hindernislos möglich ist. Man hört nichts von der scharfen und rücksichtslosen Grenzkontrolle ihnen gegenüber, wie sie zur Seeseite gegenüber den Juden und einzelnen Waghalsigen, die auf dem Weg der syrischen Grenze das Land ihrer Sehnsucht zu erreichen suchen, geübt wird. Das sind ’ie JESAI AS PRESS NEUES PALÄSTINAHAND. BUCH Der vollkommenste Reiseführer mit 31 Karten u. Stadtplänen GENERALKARTE VON PALÄSTINA Aufgenommen nach dem Stande vom 1. I. 1934 Maßstab 1 :600.000 HUGO HERRMANN PALÄSTINA WIE ES WIRKLICH IST Das beste Informatlonsbuoh mit 64 Bildern und Tafeln PALÄSTINAKUNDE FIBA phie, Bürgerkunde,Qeschlc Das Jüdische Aufbauwerk VERSANDBUCHHANDLUNG Wien, VI., Gumpendorferstr. 10 Telephon B 24-9-78 <\V %*&«*&** Mittel, durch die die englische Mandatsmacht „dio Errichtung einer jüdischen Heimstätte mit allen Kräften hilft und fördert“. Das ökonomische Gesetz von der Anziehungskraft der hohen Löhne der Städte, das Gesetz, das in den letzten Menschonaltem das flache Land entvölkert und «li© Großstädte entstehen ließ, ist auch im jüdischen Palästina nicht zu umgehen. Der Mangel an Arbeitern und die wachsenden Löhne der Stadt bewirken eine, wenn auch durch moralische Hemmungen verlangsamte arabischen Arbeiter ihre „Rechte“ ersessen haben werden. Von der Beschäftigung billiger Arbeiter aus Not bis zu ihrer Beschäftigung aus Absicht und Willen ist es nur ein Schritt. D i e Eroberung des jüdischen. Arbeitsplatzes in der jüdischen Wirtschaft war eine dergröfiten nationalen Errungenschaften der palästinensischen Arbeiterbewegung. Das ist der Grundstein unseres Baues. Er ist jetzt gefährdet. Der Arbeitskampf in Kfar Saba, wo das Prinzip der jüdischen Arbeit bis vor kurzem unangefochten war, spielt ßich auf diesem Hintergrund ab. Und das Beispiel reizt. Mit anspruchslosen und gefügigen Heloten ist es billiger und bequemer. Die Versuchung bedroht bekanntlich auch Menschen, di« weniger schlecht als charakterschwach sind. Und wie viele Menschen bringt jetzt die Alijah ins Land, denen die ganze Frage innerlich fremd ist und für deren Handeln es keinen andern Antrieb gibt, als der eigene Vorteil. Das geschieht, währenddem die ganze junge Generation des jüdischen Volkes im Galuth ihre brennenden Augen, nach dem jüdischen Palästina richtet und auf Einlaß wartet. Sie blickt über die scheidenden Entfernungen hinweg, sehnsüchtig auf die Arbeitsstätten in Kfar Saba, Petacb-Tikwah, Neß Ziona, in Tel-Aviv und unzähligen andern Orten, die mit den Kräften der jüdischen Sehnsucht und der chaluzischen Pioniere in ungeheurer fünfzigjähriger Arbeit und Selbstverleugnung geschaffen wurden und heute an Hauraner und Beduinen vergeben werden. Die Frucht der Träume und der Mühen eines Volkes wird an ein anderes verschenkt. Die englische Regierung zwingt uns ein Joch auf, das nicht unser ist, wir sollen ein Volk mit Arbeit versorgen, das Millionen zählt. Dafür noch ein Beweis: Die Regierung ist ira Begriffe, eine Novelle zum „Gesetz zur Vermeidung von Gewalttaten“ zu erlassen, nach der die bisi>^ erlaubte Aufstellung von Arbeiterwpchon mit friedlichem Charakter an Arbeitsstätte', an denen Konflikte bestehen, verboten wird. Das bildete bisher ein moralisches Dnp-kmittel gegenüber den Arbeitgebern, besoders in Fällen, in denen Entfremdung ' .r jüdischen Arbeit in Frage kam. Freilich kam es dadurch auch manchmal zu Zusammenstößen, die die Polizei und die Gerichte beschäftigten. Aber in der Lage, in der wir uns befinden und in der wir oft unsere nationale Stellung unter mißgünstigem Zusehen der Behörden verteidigen müssen, war dies ein notwendiges Übel, ein moralisches Kampfmittel, das mit geringen Ausnahmen die jüdische Allgemeinheit für sich hatte. Jetzt soll es unter dem Vorwand der Vermeidung von Rassen kämpfen verboten worden. Die Juden, die wollen, und es £&t viele, die wollen werden, haben freie Bahn zum Ausschluß der jüdischen Arbeit. A”; Hindernisse werden beseitigt. Unter den uns bisher bedrängenden politischen Schwierigkeiten galt als einz:3möglich die Devise: Unaufhaltsam weitergehen, unter allen Umständen weiterarbei. ten und Realitäten schaffen! Es war gewissermaßen ein Wettrennen zwischen der jüdischen Arbeit und den sich häufenden Schwierigkeiten. Die Entwicklung scheint indessen ein Stadium zu erreichen, in dem uns das Ziel auch auf diesem Wege entschwinden könnte. Der Werte und Realitäten, die wir bisher in diesem Lande . haften müssen zur Sicherung unserer Stellung, müssen nicht nur viele sein, sondern sie müssen vor allem in ihrem ganzen Gewicht jüdisch sein, um als Träger für den Aufbau eines jüdischen Palästinas dienen zu können. Jüdische „Unternehmungen“ mit günstigen Verdienstchancen für einzelne T ,den haben wir in Warschau und Berlin und im ganzen weiten Galuth geschaffen, und welchen Wert sie für das jüdische Volk hatten und haben, wissen wir. O h h e v o 1 i e u n d uneingeschränkte jüdische Arbeit i nd er jüdischen Wirtschaft gibt es keinen nationalen Bestand und keine Zukunft für all unsere Arbeit, schaffen wir ein neues Ga 1 u t h in P al äs t in a, werden wir zu Kolonialfarmern südamerikanischen Typs, zu Arbeitgebern mit „eingeborenen“ Arbeitnehmern, die über kurz oder lang den Charakter „Unternehmungen“ entscheiden werden: Nicht für uns. Die palästinensische Regierung strebt eine Sterilisierung des jüdische ■ Werkes in seinem heutigen Stand und ln dem heutigen Einflußverhältnis der beiden Völker - an. Es will die Entwicklung a.bschließen oder .durch fremde Gegengewichte neutralisieren. Aber man kann einen le' digen Organismus nicht abschließen und mumisieren. Es gibt nur Wachstum oder Verkümmerung. Gegen diesen Stand der Dinge müssen wir uns wehren. Die Entwicklung des jüdischen Wanderungsproblems in der Welt, für die kein'Ausweg gefunden werden kann, außer Palästina auf der einen Seite und die Entwicklung der politischen Lage in Pal!- .a selbst, die von der Devise des palästinensischen Oberkommissärs, General Wanehop: Der sdiönstgelegenste Garten der Welt! Palakv’s WwiMlerflartcn Wien, XIX., Grinzingerstraße 68 ENDSTATION G? Hohe Warte Ständig warme Küdhe! Billigste Jausenstation I Tanz im Freien I Donnerstag, Samstag und Sonntag Fünf-Uhr-Tee! Bei Regen gedeckte Terrassel Berühmte Zigeunermusik mit singendem Zigeunerprimas! Autobusverkehr bis früh I Billige zeitgemäße Preisei „daß er sich in seinen Maßnahmen von f r Lage der Juden in der Welt nicht beeinflussen lassen könne“, geleitet wird, auf der andern, diese beiden Linien müssen h in absehbarer Zeit in einem bestimmten Punkt schneiden und zu einer neuen Entscheid führen. Was den Ausgang dieser Entscheidung nicht zum wenigsten bestimmen muß, ist derkr -- zentrierte Druck, der von der wachsen den geistigen und materiellen Einstellung des ganzen jüdischen Volkes auf einen einzelnenPunkt — und dieserheißt Palästina — ausgeht. Ebenso wie die Judenfrage ihren internationalen Charakter mit wachsender Aktualität hervor*! kehrt und sich mit ihr zu beschäftigen zwingt, ebenso wird es für dae Dauer nicht möglich sein, die palästinensische Politik allein vom Gesichtspunkt d^r englischen Interessen bestimmen zu lassen. Auch England wird nicht stark genug sein, die Tatsachen, die zu schaffen es selbst mitgeholfen hat, wieder machen. rückgängig zu Billige Klingen sind billig. Sanft, gründlich, rassig und preiswert ist natürlich nur SWING Protestbewegung in Wien Die Drosselung der Zertifikatzuteilung durch England, hat in österreichisch-zionistischen Kreisen eine nachhaltige Erregung hervorgerufen. Allgemein herrscht die Ansicht, daß England durch die Zuteilung von nur 5600 Zertifikaten einen Druck auf den Jischuw zugunsten der Beschäftigung arabischer Arbeitskräfte ausüben will, wodurch der Aufbau des jüdischen Nationalheimes gestört werden soll. Das Landeskomitee für Österreich hat mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinie Triest-Jaffa des LLOYD TRIESTIN O Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner, Luxuseillimen nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Colombo, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Auskunft: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6, Tel. U 47 5 - 60