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Die Stimme · 1934-05-25 · Heft 355 (25.5.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 355 (25.5.1934)
Date
1934-05-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 355 — 25. Mai 1934 <?o die Lehre, die in Deutschland den kleinsten Kindern vorgetragen wird und die sich von Deutschland aus über alle Lande ergießt als das Wesen, an dem die Welt genesen soll. In folgerichtiger Anwendung dieser Erkenntnis ist denn auch Deutschland aus dem Völkerbund davongelaufen. Da diese Einrichtung aber denn dooh hin und wieder zu gebrauchen ist, wenn sie In trigen ermöglicht, eo bemüht sich das Dritte Reich jetzt wieder um die Aufnahme in Genf. Freilich ist es dort heute diskriminiert. Dieses hübsche deutsche Wort ist von dem ehemaligen Reichskanzler Luther — der jetzt die Juden in Amerika diskriminieren will — geprägt, worden und er verstand darunter die angeblich durch Versailles er folgte Demütigung Deutschlands. Der Natio nalsozinlismus hat aus der Not eine Tugend gemacht und den Massen erzählt, daß alle Not ein Ende haben werde, wenn die Dis kriminierung beseitigt sein wird, das heißt wenn Deutschland die bisher als öffentliches Geheimnis betriebene Aufrüstung offen wird betreiben können, damit es mit dem alljüdLschen Völkerbund abrechuen könne. Einstweilen mordet es die Juden, da es für die Völkerbundstaaten noch zu schwach ist, und um ja in keinem Punkte ein Mißverständnis offen zu lassen, droht es den 4500 Juden im Saargebfet mit Mord und der Nacht der langen Messer wenn die Abstimmung, bei der es weiß Gott nicht auf 4500 Stimmen ankonimen wird gegen Deutschland ausfallen sollte. Dies und die anderen markanten Äußerungen deutscher Rechtlichkeit und Friedenswillens die Ritualmordnummer des „Stürmer“, die Reden Goebbels und die zweideutigen Propaganda fl tige des G o e r i n g haben zur Diskriminierung Deutschlands in der jetzigen, wahrscheinlich entscheidenden Phase das meiste beigetragen. Aus allen Reden und Beschlüssen in Genf hört man d i e k a .l t e V e r a c h.t.u n g gegen das Dritte Reich, das Land des Rechtsbruches, heraus, das man nicht nach der „Gre-uelpropaganda“ beurteilen muß, sondern einfach nach den Exzessen seiner Goebbels und der anderen Gesellen. Und diese Stimmung der Diskriminierung überträgt sich auf das Schicksal der deutschen Minderheiten, die — wenigstens nach den Auslassungen der führenden deutschen Presse und nach den Mitteilungen des Stuttgarter Auelanddeutschen-Institutes zu schließen — in heißen Gefühlen für diesen neudeutschen Kurs brennen und gegen die Totalität nichts einzuwenden haben. Wie sie aber die Grenzen überschreitet und von anderen Staaten angewendefc wird, rennen sie zum Völkerbund, auch wenn es sich nur um Schnaps handelt. OK GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN 1;, Kärlnerjlrafre Nr 61 Besitzer Olfo Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise In allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer Die neue Lage in Lettland und die Juden Riga, 18. Mai. Iin Zusammenhang mit der Außerkraftsetzung der Verfassung in Lettland wurde neben der faschistischen und sozialistischen Presse auch die revisionistische Tageszeitung „OwndpoÄt" verboten. Das Volkshaus des „Bundil und der Perez-Klub werden geschlossen. Außer Faschisten wurden die meisten sozialistischen Deputierten, unter ihnen der Vorsitzende des „Bund“, BabinowitBcb, verhaftet. Die Stimmung unter don Juden ist ruhig. NEUEROFFNUNG PENSION, CAFE-RESTAURANT, orth. TtfD A. BARSCHAK & C0* aus Wien, II., Große Schiffgasse 3, Tel. A 46-4-39 in BAD HALL Ob.-Österr. (Villa Mayrhofer) Das Unternehmen steht unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Babad Barthou: Unvergeßliche Erfahrungen Die Agence Havas, die amtliche Nachrichtenstelle der französischen Regierung verbreitet über den Stand der Saarfrage die folgende Darstellung: „Bis zur . letzten Sitzung des Völkerbundratee am 19. Mai abends konnten die verhandelnden Teile hoffen, daß eine allgemeine Regelung der Angelegenheit der Volksabstimmung im Saargebiet erreicht werden könnte. Zwischen den Unterhändlern und Berlin wurden zwei Punkte heftig diskutiert: die Festsetzung des Datum« der saarländischen Abstimmung und die Frage des Schutze« von Personen und Gütern im Saargebiet nach der Abstimmung. Außenminister Barthou hat die zwei Fragen in untrennbarer Weise miteinander verbunden. Es war in der Tat unmöglich, Deutschland die Genugtuung zu geben, die es verlangte, indem man schon jetzt das Datum der Volksabstimmung festsetzte, ohne für alle Bewohner des Saargebiets das Mindest maß an Schutz, den Humanität und gewisse unvergeßliche Erfahrun gen vom Völkerbundrat erforderten, erhalten zu haben.“ Der Völkerbundrat soll nun am 30. Mai diie endgültige Entscheidung treffen. Diese diplomatisch verhüllte, aber trotzdem sehr unmißverständliche Mitteilung ist im Grunde die erste amtliche Stellungnahme einer Regierung zu dem deutschen System, der erste Versuch, das Blutregime in Deutschland vor ein internationales Forum zu bringen. Das Junktim, das der französische Außenminister zwischen dem Ahstiim mungsdatum und der' Garantie für Leben und Vermögen der Personen henstellt, ist ein deutliches Urteil, und der Rat des Völkerbünden hat sich vertagt, um eine Formel dafür zu finden, wie er die ßevöikerung des Saargebietes vor den Segnungen des Dritten Reiches schützen kann. Frankreich erklärt es für unbedingt notwendig, ein Mindestmaß an Menschlichkeit zu verlangen, und es beruft «ich auf unvergeßliche Erfahrungen. Sie liegen in dem Schicksal der Juden Deutschlands, die am hellichten Tag überfallen, gedemütigt und mißhandelt worden sind. Sie eind bisher in der internationalen Politik nur Objekte eines Mitleids gewesen, einer Sympathie, die sich ängstlich vor der berühmten Einmengung in innere Angelegenheiten fürchtete und jeden Akt vermied, der Deutschlands Empfindlichkeit reizen konte. Denn die Herrschaften, die In Deutschland Recht und Gesetz in den Erdmittelpunkt hineintrampeln, die die Juden enteignen und ausrauben, die den Marxisten und Katholirung des Entsetzens im Ausland zu einer Verschärfung ihres Terrors. Aber das Aus hind läßt sich nicht den Mund verbieten, und wenn es auch den Juden nicht direkt hilft und wenn es auch die Regierung Deutsch lands als Regierung behandelt, gibt es doch Momente, wo mit entschiedener Deutlichkeit gesprochen wird. Die Erfahrungen aus Deutschland sind unvergeßlich, schon darum, well sie zeigen, was jedes europäische Volle von diesem Deutschland zu erwarten hätte, wenn der Tag kommt, au dem die Rüstungen vollendet sein werden. Was heute den Juden geschehen ist, droht mor gen den Saarländern und nächstens den Franzosen, Polen, Tschechen. E« ist. höchst nutzlos von Deutschland Bürgschaften zu fordern. Das Dritte Reich das mitten im Frieden gegen seine eigenen Bürger Krieg führt, ist die Verkörperung der Untreue, und wenn es heute Bürgschaften unterschreibt, so wird es 6ie morgen brechen. Garantien kann nur der Völkerbund selbst steheu, indem er das Abstimmungsland militärisch besetzt, die vom Präsidenten Knox als unverläßlich bezeichnete Polizei, die von Berliner Kriminalbeamten durchsetzt ist, entwaffnet und dann die Abstimmung durchführt. Sollte die Abstimmung für Deutschland entscheiden, wa« gar nicht so sicher ist, so müßte die Okkupation noch für mindestens ein Jahr aufrecht bleiben und das Land müßte unter die Kon trolle des Völkerbundes gestellt werden. Der deutsche Nationalsozialismus ist eine Gefahr für die ganze Welt, und er entwickelt -jetzt wieder als Ablenkung von seinen inneren Fehlechlägen, außenpolitisch große Aktivität, Mit aller Täppigkeit, die nun einmal zu diesem System gehört. Er mengt sich zwischen Jugoslawien und Italien und ver stimmt beide, indem er zur gleichen Zeit den Goering nach Belgrad und den Riibbentropp nach Rom schickt. Er hetzt im Orient gegen England, gegen die MaoDonald-Regie rung (die über Hitler dio schützende Hand hält) und enteendet einen Sonderbeauftragten nach London. Er bietet in Prag einen Nichtangriffspakt an und schickt Spione nach Böhmen, die nebenbei die Emigranten bespitzeln und Rauschgift verbreiten. (Feststellung der Prager Polizeidirektion!) Er bietet den Ungarn das Burgenland, den Jugoslawen Kärnten, also Teile des zweiten deutschen Staates an. Er schafft alle Voraussetzungen für „unvergeßliche Erfahrungen.“ Aber dieses Wort ist jetzt in die internationale Diskussion getragen worden. Es ist mehr als ein Wort, es ist ein Bogriff. Europa will keun Konzentrationslager w: ken die Zeitungisbäuser gestohlen haben, sind I den. Der Völkerbund bekommt gerade d“ "ch sehr zartbesaitet und benützen jede Äuße-! Deutschland wieder Autorität und Rückgrat. Gleiches Recht für die Juden Die „Wiener Neuesten Nachi c h t e nu wenden sich gegen den Anspruch des nationalen Judentums auf leiches menschliches und b ü rerliches Rec’ht. Den Genuß der Menschenrechte wollen sie gnädig auch den •Juden zugestehen, wobei allerdings nicht definiert wird, was unter „Menschenrecht“ verstanden wird, wohl deshalb, weil ja dann dio Vorgänge in Deutschland zur Sprache kommen müßten. Anders steht es um das bürgerliche Recht, das einfach als eminent nationale Angelegenheit, also als das Eigentum der Mehrheit, erklärt wird. Würde dieser Grundsatz in der Tschechoslowakei oder Ungarn oder Italien oder Polen gegen die Deutschen angeführt werden, — welcher Lärm würde sich bei don Deutschen erheben! Dio „Wiener Neuesten“ rücken dann mit den „Weisen von Zion“ auß; „Sollte zwischen deutschem und jüdischem Recht, deutschem und jüdischem Rechtsempfinden, dom Geisto der alten, deutschen Rechtsbücher und des Talmud wirklich so wenig Unterschied bestehen, daß der Jude verlangen und darüber erfeut sein kann, gleiches Recht mit dem Deutschen zu genießen? Ja vielleicht sogar dom Deutschen zumuten darf, jüdisches Rocht und jüdischo Rechtsprechung zu ertragen?“ Es ist ein Unsinn, den Talmud heranzuziehen, der keine Gesetzbuch ist, sondern ein Kommentar zur jüdischen gesetzgebenden Körperschaft. Das jüdische Recht ist in den Zehn Geboten niedergelegt, die einfach und klar sagen: Du sollst nicht morden, nicht, stehlen, nicht falsch schwören, nicht ehebrechen. Das ist menschliches Recht, das allerdings von der Konfession der „Wiener Neuesten Nachrichten“ nicht akzeptiert werden kann, obzwar das Christentum dieses Recht, das Grundgesetz menschlicher Zusammenarbeit, übernommen hat. Die Juden bestehen darauf, daß Recht eben Recht bleiben muß, weil es sich von selbst versteht, und das legen ihnen dio Kreise, deren Sprachrohr das erwähnte Blatt ist, als Streben nach Vorrechten aus. Wenn Heiligkeit des Lebens, des Besitzes, des Wortes, der Ehe jüdisches Recht sind, nun dann sind wir darauf stolz; wir wollen uns nicht dadurch beeinflussen lassen, daß „die nationale Idee nur im Zusammenhang mit einer solidarischorganischen Gesamthaitung des Denkens fruchtbare Gestaltung hervorbringen kann“, eine Behauptung, die wir, offen gestanden, ‘ gar nicht verstehen, und die daran erinnert, daß man des Lebens Unverstand mit Wehmut genießen kann, was dann Tugend und Begriff ist. Aber der ganzo Kern der Judenfrage ist ja solche Ungereimtheit. Palästinaabteilung ’ornn^nD Josef PoDDer Internationale Transporte Wien, II., Tahorstrafle 22 Telephon R 48-5-10, R 49-5-70 Serie Spezial -Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. Der Rat der Stadt Wien Am 17i d. M. hat im Rathaus zu Wien die Angelobung der neuen Bürgerscha.ftsräte stattgefunden. Bei der Bildung der Ausschüsse wurde der Vertreter der Judenschaft, Herr Dr. Jakob Ehrlich, in den Heimatrecht-Ausschuß berufen. BAD ISCHL freie Lage, gutbiirgerlichc Pension von S $'— aufwärts. Besitzer: Hans Taubinger. Hotel-Pension TISSERAND Herrliche staub- Die Juden in Danzig Der Vorstand der Synagogengemeinde in Danzig hat sich an den S e n a t s p r ü « iden te n mit einem Schreiben gewandt, in dem gegen ein im „Danziger Vorposten“ veröffentlichtes Gedicht sowie gegen die Verbreitung des „S t ü rmc r“ protestiert wird. Der Gemeindcvorstand bittet den Präsidenten, die zuständigen. Behörden anzuweisen, auch den Juden, und zwar sowohl den Danziger Staatsangehörigen als auch den ‘ Ausländern, den ihnen zukbmmendeu Schutz gegen Verunglimpfung zuteil werden zu lassen. Der SenatepriUsident hat dem Gemeindevorstand mitgotoilt, daß er dio Meinung, daß in dem betreffenden Gedieht eine Aufreizung zu Gewalttätigkeiten liege, nicht eilen könne. Auf die Angelegenheit des „Stürmer“ geht das Schreiben des Senatspräsidenten nicht ein, doch ist indessen die botreffondo Nummer verboten worden. Der Senatspräsident versichert, daß die Regierung wie bisher, so auch in Zukunft dio Mitglieder der jüdischen Gemeinde genau so wie auch alle anderen Staatsbürger zu schützen wissen werde. Der Synagogenvorstand wird wegen der , Frage des Ehrenschutzes für dio Juden in Danzig noch einmal bei der Regierung vorstellig werden. 5iuiST2TiNGHr5ffi* »RA U H E C K« Täglich abends, Sonn- und Feiertag 7.5 Uhr Tanz Im Freien oder Diele FRANK DICK and bis band — UNGARISCH! SPEZI A LITÜTBN sowie Wioner Küche — Herrliche Gärten — Liogestühlo — Kegelbahn — Naurigon&ChanK

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