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Die Stimme · 1934-05-18 · Heft 354 (18.5.1934) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 354 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Sdiewuoth*BeiIage jtiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiHHiiiiniiiiiiiiiiimiiiiiiiniiiiiiiinmniinniiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiininniiiiiin^ i S&e-MPtccil» I DER KNABE: Heute wollen wir Sonne und Grün, §Mutter lächelt so still und froh, | Auch Vater läßt seine Sorgen und Mühen | Eünd Schwesterleins Wangen, Gott, wieg | sie glüh'n, %Als riefe es auch sie von irgendwo . I Mich locken von ferne die Freunde im I | Chor, 1 |Sie schwimmen im Teiche, wie Fisches | so frei. | | Ich eile, ihr Lieben, ins rauschende Rohr, I 1 Dann komm ich und streue euch Schilf § 1 vor das Tor | | Und flecht euch den herrlichen grünen Mai | § Ins graue und ewige Einerlei. § | DER VATER: j 1 An so einem Tage vor Jahren, vor Jahren, jjj | Da blühte unsere eigene Flur, I | Da strömten mit Erstlingen die Scharen, I ISz'e feierten frei das Fest der Natur. I 1 Das Fest der Feste, das Fest des Lichts, I I Das Moses strahlenden Angesichts | 1 Vom flammenden Sinai gebracht. | | DIE SCHWESTER: | | Bring uns der Hoffnung grünende Pracht — 1 | DIE MUTTER: | I Ich fürchte, mein Kind ... j 1 DIE SCHWESTER: I | Und Blumen, die Menge — | f Mutter! Willst du denn grauen Alltag I 1 und Enge? I ImiimniiiiiiimiiiiiiiniiiiiHiiiiiiimimiimniiimiHiimiiiniiiBiinuiiiiiiiiiiiniiinnmiiiiiiiiimmil; Die Völker weisen die Lehre zurück Bevor die Kinder Israels die Lehre empfingen, icandte sich Gott an jeden Stamm und jede Nation, um ihnen seine Lehre anzubieten, denn er wollte nicht haben, daß sie später einmal sagen sollten: Hätte Gott uns seine Lehre angeboten, so hätten wir sie angenommen. Aber der Reihe nach weigerte sich jedes Volk, seine Lehre anzunehmen. Als Gott sich an die Kinder Esaus wandte und fragte: „Wollt Ihr die Thora?“ antworteten sie ihm: „Was ist darin geschrieben?“ Er antwortete ihnen: „Du sollst nicht töten!“ Darauf sagten sie: „Willst Du etwa den Segen von uns nehmen, mit dem unser Vater gesegnet war? Denn er wurde gesegnet mit den Worten ,Durch das Schwert sollst du lebenT Wir icollen Deine Lehre nicht annehmen!“ Darauf wandte sich Gott an die Kinder Ismaels und fragte sie: „Wollt Ihr die Lehre annehmen?“ Aber sie antworteten: „Was ist darin geschrieben?" Und er sprach: „Du sollst nicht stehlen!“ Darauf sagten sie: „Willst Du den Segen von uns nehmen, mit dem unser Vater Ismael gesegnet wurde? War ihm nicht versprochen worden: ,Seine Hand soll auf dem Besitz jedes einzelnen Menschen liegen?’ Wir wollen deine Lehre nicht!“ So wandte sich Gott von einem Volk zum anderen, aber jedes Volk hatte eine andere Entschuldigung für die Weigerung, seinem Gesetz zu gehorchen. Aber als er zum Volke Israel kam und es fragte: „Wollt Ihr die Thora annehmen?“ da antworteten sie ihm: „Was ist darin geschrieben?“ Und er sprach: „Sechshundert und dreizehn Gebote!“ Da sagten sie: „Alles, was Gott gesprochen hat, wollen wir tun und, gehorchen!H Darauf beschloß Gott, den Kindern Israels die Lehre zu geben. A.BU JBLDA S^kinderltatmes unto JtcAeit und AtfaVetfn Vcn Gci^eireu, Jetfu«alem Im arabischen Shuk war er sprichwörtlich. In der arabischen Presse eine Schlagzeile. In den arabischen Kaffeehäusern Tagesgespräch. Auf den arabischen Straßen sangen die Kinder: „Es lebe Abu Jilda! Denn er ist unser König!“ Was auch in den letzten Monaten im Lande an verwegenen Gewalttaten geschah, wurde immer ihm zugeschoben. * Mir selbst begegnete sein Schatten bei einer Autobusfahrt über palästinensisches Land, als plötzlich der Wagen von zwei schwerbewaffneten Gendarmen angehalten wurde: der gefährliche Räuber sei in der Nähe, der Transport müsse bewacht werden. Die Gespräche verstummten, und ängstlich blickten die Reisenden auf die Berge und in die Schluchten rechts und links des Weges-. Niemand sah ihn. Nach zwei Stunden sprangen die Polizisten wieder ab. Aber als man heimkam, klebten große Plakate an den Mauern: An das Volk von Palästina, Syrien und Transjordanien! 350 Pfund Belohnung bekommt derjenige, der Abu Jilda fängt oder die Polizei zu seinem Versteck führt! Und die jungen Angestellten Jerusalems übten in ihrem englischen Abendkursus an dem Satz: „Wenn die Polizei Abu Jilda gefangen hat, wird er geköpft.“ $ Der richtige Name des schon Sechzigjährigen ist Ahmad-Al-Mahmud. Sein Vaterdorf zu sein, ist eine Ehre, um die sich Eine Stütze, wie eine feste Hand sind alle unsere Mode- und Maßsdiuhe, denn sie sind alle nach orthopädischen Grundsätzen gebaut LEOPOID JELLINEK nur VII., Burggasse 5 Orth. 1^3 PENSION KOHN Balatonszemes am Plattensee (Ungarn) hochlieaend, 2 Minuten vom Bad und Bahnhof, großer sandiger Strand. Anerkannt vorzügliche Küche. Verlangen Sie Prospekte. Referenzen in Wien: Oberkantor Simon Weiß, IV., Belvederog. 42. Izak Premlnger, IV., Rainerg. 27. S. Stern, II., Tnboratr. 52a. Dr. R. Weiß, VI.,Mariehilferstr. 05. Julius Kohn,II.,Rembrandtstr. 17/6, Em. Hoffmann, VI., Linieng. 34. In Bratislava: H. ßuxbaum, Zochova 3. mehrere Orte bewerben; auf jeden Fall stammt er aus der Gegend bei Nablus, die wild und bergig ist und für rechte Räuber wie geschaffen. Drei Polizisten und etwa zehn Zivilisten fielen seinen wohlgezielten Kugeln zum Opfer. „Alle seine Opfer waren Araber“, sagte die englisch geleitete Polizei. Die Araber erwidern: „Die Polizisten waren allerdings Söhne unseres Volkes, denn die Engländer trauen sich ja gar nicht an Abu Jilda heran; aber sonst hat er stets nur britische Touristen überfallen und beraubt, jedoch nur dann getötet, wenn sie ihm Widerstand entgegensetzten...“ Ein ganzer Geschichtenkranz windet sich um die legendäre Gestalt; es ist schwer zu entscheiden, was Wahrheit und was Dichtung ist: Bis zum Krieg war er Beamter beim türkischen Zoll. Als aber die Türken bei Kriegsausbruch s?inen Sohn zum Militär cinziehen wollten, flüchtete er mit ihm in die Berge. Seine Verfolger schoß er nieder. Das war der Anfang- Eines Tages überfiel or eine englische Reisegesellschaft, nahm ihr alles Geld ab und stellte ihr — Quittungen über die entwendeten Beträge aus. Die herbeieilende Polizei verjagte er mit seinen Schüssen. Dann rief er beim Polizeihauptquartier an: „Helft euren Kameraden! Sie sind in einer kritischen Situation! Hier ist Abu Jilda — Die Legende behauptet: Eines Tages wollte die Polizei ihn vergiften. Sie versicherte sich der Dienste Sanyas, einer der in Nablus wohnenden Frauen des Banditen. Sie brachte dem Gefürchteten zu essen. Der aber, von Mißtrauen erfüllt, zwang Sanya, von den Speisen zu kosteD Als er die Wirkung des Giftes sah, erschoß er Sanya. Und der Volksmund berichtet: Die Armen schützt er, und die Bösen verfolgt er, und „die Engländer wird er ins Meer werfen“, Abu Jilda, der große Abu Jilda! Der Kampf gegen Abu Jilda hielt das arabische Volk in Atem und beflügelte seine Phantasie. „Dieser Bandit hat die Regierung mehr Mühe gekostet als die arabischen Demonstrationen,“ höhnte die nicht eben englandfreundliche Zeitschrift „An Nahar“ in Beirut. „Während wenige Flintenschüsse genügten, die höchst beträchtlichen Demonstrationen in Palästina zu zerstreuen, reichten Zehntausende von Soldaten, ausgerüstet mit Maschinengewehren und Aeroplanen, nicht aus, um Abu Jilda zu fangen oder auch nur sein Versteck ausfindig zu machen.“ Einmal war bereits die Hoffnung der Staatsgewalt aufs höchste gespannt. Abu Dole, lange Zeit Kampf- und Raubgefährto Abu Jildas, stellte sich, des bewegten Lebens müde, der Polizei und versprach ihr, gegen Zusicherung der Straffreiheit den Meister zu verraten. Freilich fand er weder den Räuber noch die Höhle. Nunmehr telegraphierte die Polizei enttäuscht nach Scotland Yard und ließ zehn Polizeihunde kommen, von denen jeder seine hundert Pfund wert sein soll. Mehrere sind auch schon in Abu Jildas Falle gegangen. * Die arabische Intelligenz erlebte die Verehrung des Banditen mit etwas zwiespältigen Gefühlen. Die Zeitungen „Dschemal Hussein“ und „Mart-el-Schark“ stritten sich um ihn. Das eine Blatt verehrte Abu Jilda als Nationalhelden; das andere erklärte: er ist ein gewöhnlicher Mörder und Bandit, ein Frauenräuber und Erpresser, ein Flock auf der Ehre des arabischen Volkes ... Der Redakteur einer dritten arabischen Zeitung ließ sich von mir interviewen. Frage: Ist es wahr, daß die Kinder singen: Abu Jilda ist unser König!? Antwort: Ach wo, Herr Kollege, das ist eine Erfindung der Juden, die den weißen Schild der Araber beschmutzen wollen (— eine Konstruktion, die nicht wenig gesucht, aber für die Stimmung in gewissen arabischen intellektuellen Kreisen typisch ist). Die Kinder singen etwas ganz anderes: Oh, Regierung — Statt, die Araber anzugreifen In den Slädtori und Dörfern Und statt vor Kindern und Frauen Dich als Helden zu zeigen Bei den Demonstrationen — Geh lieber in die Berge Und verhalte Abu Jilda! Das singen die Kinder. (Natürlich ist daran kein Wort wahr. Der tüchtigo Kollego hat sich das Lied in demselben Augenblick ausgedacht, in dem er os zitierte, froh, auf diese Weise proarabischo Propaganda in die europäische Presse lancieren zu können.) Frage: Glauben Sie, daß die Regierung den Banditen findet? Antwort: Nein, das Volk verrät Abu Jilda nicht. Die Regierung ist schlecht mit dem Volke, und das Volk ist daher auch schlecht mit der Regiorung. * Auch Abu Jilda selbst tat das seine da- Der Streit der Berge Während die Völker es ablehnten, die Lehre anzunehmen, stritten sich die Berge um die Ehre, auf welchem von ihnen die Lehre geoffenbart werden sollte. Der Ararat sagte zum Ilermon: „Auf mir soll die Schechinah ruhen. In den Tagen Noahs bedeckten die Fluten die Erde und sogar die Berge, die bis unter den Himmel reichten, aber die Wasser stiegen nicht, bis zu meiner Spitze und die Arche stand, auf meinem Gipfel. Darum bin ich dazu berufen, die Schechinah zu tragen.“ Der Hermon antwortete dem Ararat: „Auf mir soll die Schechinah ruhen, denn als Israel das Rote Meer durchqueren wollte, war ich es, der es ihnen ermöglichte, es zu tun. Denn ich ließ mich zwischen den beiden Küsten des Meeres nieder, so daß sie durch meine Hilfe von der einen zur anderen Seite ziehen konnten, ohne daß ihre Sandalen dabei naß wurden.“ Inzwischen ließ sich der Karmel an, der Meeresküste nieder, denn er dachte: „Wenn die Schechinah auf dem Meere ruhen soll, so wird sie sich auf mir niederlassen.“ Nur der große Berg Sinai kämpfte nicht um diese Ehre und versuchte nicht, seinen Platz zu wechseln, damit, die Schechinah auf seinem Gipfel ruhe. Denn bescheiden sagte sich der große Sinai in seinem Herzen: „Wer bin ich? Selbst der stolzeste aller Berge ist zu niedrig und zu gering, um die Schechinah zu tragen.“ Da sprach eine Stimme und sagte: „Gott will nicht, daß die Schechinah auf einem der hohen Berge ruhe, die nur mit, Verachtung aufeinander blicken Und so wie Gott sprach, geschah es. Israel empfing die Lehre vom Berge S i na i. alte es. ' T li/ c u.b e t»* Mit voller Erhaltung und Verfügbarkeit dereingezahlten Beiträge. MHTENANSTAIT I C N GRABEN 20 TE\.*U 21*510) zu, im Mittelpunkt des Intoresses zu bleiben, indem er es wachhält durch — Briefe an die arabischen Zeitungsredaktionen des Landes. Nicht ohne Bositzerfrcudo zeigte mir der arabische Kollege die lotzto Botschaft des „Königs der Berge von Samaria“: „... Ich bin ein Bandit aus Tradition. Schon vor siebenzig Jahren gab es zwischen meiner Familie und ihren Nachbarn Streit, der zu Morden führte und zu Verurteilungen. So bleibt das Erbe im Blut... Abor warum jagt die Polizei mich? Weil ihr nicht am Frieden gelegen ist. Es wäre besser, sie gäbe den Kampf auf. Denn wenn ein Mensch sterben soll, bestimmt Gott und nicht die englische Polizei!“ Hi Nun scheint es allerdings, als ob Gott sich eingemischt habe. Vor wonigen Tagen ist nämlich Abu Jilda verhaftet worden.

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