Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 354 (18.5.1934)
- Date
- 1934-05-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE STIMME Nr. 354 — 18. Mai 1984 Vierte Woche im Arlosoroff-Mordprozeß ... Berichte der Jüdischen Telegraphen>Agentur Jeruslem, 16. Mai Am Montag, den 14. Mai, zu Beginn der vierten Woche im Arlosoroff-Mordprozeß, wurde die Vernehmung des Leiters des Kriminalbüros der Palä-tinapolizei. Hauptmann Rice, fortgesetzt. Der Zeuge schilderte den Verlauf der Identitiizierungsvorführung von PolizcihäfHingen vor Frau Arlosoroff. Er erzählte, daß er am Montag nachmittag nach dem Mord im Jaffa er Gefängnis 10 Juden und Araber vor Frau Arlosoroff antreten ließ. Als diese an Stavsky herankam, sei sie in 0 h nmach t. gefallen. Die zweite Identifizierungsvorführung habe im Gefängnishof stattgefunden. Diesmal seien die 16 Gefangenen an Frau Arlosoroff vorbeigegangen, die erklärt habe, sio erkenne Stavsky an der Gangart als einen der Täter. Später wurden einige der 16 Vorgeführten in ein Zimmer gebracht, wo Frau Arlosoroff Stavsky aufforderte, die Worte „K a m a H aschaah“ („Wieviel Uhr ist es?“ Es sind dies die Worte, die der eine der zwei Mör- Jüdisches Kinderferienheim in schönster Lage Steiermarks nimmt vom 8. Juli bis 10. September 1934 Kinder von 6 bis 14 Jahre auf. Auskünfte und Prospekte bei Lehrer Max Jellinek, Graz, Steyrergasse 60 oder Dr. Karl Jellinek, Wien, XV. Mariahilferstraße 166, Telephon R 35-408 der, der Arlosoroff ins Gesicht leuchtete, gesprochen hat) auszusprechen. Als Stavsky diese Worte sprach, habe sie zu Hauptmann Rice gesagt: „Haben Sie bemerkt, wie er seine Stimme verstellt hat?“ Auf eine Frage des Generalstaatsanwalta Trusted erklärte Hauptmann Rice, er habe am Abend nach dem Mord am Strand eine Probe angestellt, um sich zu überzeugen, ob es möglich sei, Personen in der Dunkelheit zu erkenneu. Die Probe habe ergeben, daß man auf zwei Schritte Entferfangenen sprechen zu dürfen, und zu ihm auf Deutsch gesagt: „Sie sind so jung, warum sagen Sie uns nicht, wer hinter Ihnen steckt?“ Am 9. Jänner, fuhr Hauptmann Rice fort, habe Subhi Zablawi ihm berichtet, daß Abdul Medschid mit ihm im Gefängnis über den Mord an Dr. Arlosoroff gespro chen habe. Am nächsten Tag wurde Abdul Medschid mit Subhi Zablawi k o n f r o n t i e r t. Zunächst erklärte Abdul Medschid, er habe nichts auszusagen, später aber legte er sein erstes Geständnis ab. Als nachher Abdul Medschid und Issa el D a r w i s h mit anderen Gefangonen Frau Arlosoroff vorgcführt wurden, erkannte diesen keinen der Vorgeführten als einen der Täter. Auch bei der Einzelvorflihning dieser Häftlinge wurde von Frau Arlosoroff keiner als der Täter bezeichnet. Als sie später mit Abdul Medschid allein konfrontiert wurde und dieser vor ihr Einzelheiten des Mordes schilderte, habe Frau Arlosoroff nach Abführung des Häftlings zu Hauptmann Rico gesagt, Abdul Medschid sei nicht der Mörder. Nunmehr richtete der Verteidiger Horace Samuel einige Fragen an den Zeugen. In Beantwortung dieser Fragen erklärte Hauptmann Rice, vor der Identifizierung Stavskys durch Frau Arlosoroff habe gegen niem a n d ein ernster Verdacht der Täterschaft bestanden. Das einzige V e rd a c h t s m o m e n t gegen Stavsky sei seine beabsichtigte Europareise gewesen. Als Leiter des Kriminalbüros habe der Zeuge seine Erhebungen nach drei Richtungen geführt. Er habe die Mörder unter Juden, Arabern und in kommunistischen Reihen gesucht. Bei einer sich nun entspinnenden Aussprache zwischen Rice und Samuel erklärte Rice, er halte Samuels Theorie, daß der Mörder linkshändig ist, für nicht stichhaltig. Weiter erklärte er, er habe mit denjenigen Personen der Histadruth, die eine eigene Nachforschung nach den Tätern führten, keinerlei Kontakt unterhalten. Samuel fragte Rice: Waren Sie darüber informiert, daß der Polizeikorporal Sherjmeister in seinem Bericht erwähnt hat, daß Sima Arlosoroff ihm am 16. August gesagt Österreichs stehen in treuer Pflichterfüllung auf unserem Posten und wünschen nichts andere«, wie als gleichwertige Bürger behandelt. zu werden. Nicht nur im politischer, sondern auch in wirtschaftlicher Beziehung. Durch die jüdische Arbeit wurden in den ersten beiden Monaten des Jahres 1934 doppelt so viel österreichische Waren nach Palästina eingeführt als im Jahre 1933 zusammen. Hoffen wir, daß die zuständigen Ministerien in Österreich ebenso wie die anderer Lcämdcr die Wichtigkeit dieses zentralen Marktes im mittleren Orient erkennen und durch Errichtung eines s t. ä ndigen offiziellen Pavillons und einer österreichisch-palästinensischen Handelskammer mit dem Sitze in Tel-Aviv unterstreichen werden.“ Generalkonsul Dr. J o r d a dankte Doktor Plaschkes, lobte die Leistungen der Juden in Palästina, und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß an der großartigen KINOPROGRAMME DER WOCHE II. Uolrnfllcrncndse 7a Telephon H 40-0-23 Leopoldstfldter VolKshlno Vom 18. Mni bis 21. Mai Oli WEISSE MAJESTÄT mit Gustav Diessel, Herta Thiele Wochentags 7A V»8, 7,10 Uhr, Sonnii. Feiertags 7»4 öhf Konkurs - Ausschreibung Bei der Israelitischen Kiiltusgemeinrie Innsbruck gelangt die Stelle eines Rabbiners Bürgermeister Dizcngoff, von allen Anwesenden stürmisch bejubelt, lobte Österreich und «eine Bundeshauptstadt, die der jüdischen Welt einen Theodor Herzl gegeben. Tn Wien hat. dieser Heros des jüdischen Volke« sein „Alt-Neuland“ geschrieben, dos in Tel-Aviv Wirklichkeit wurde. nung nicht nur die Form der Kleidung, son-.hat, Araber hätten Arlosoroff getötet? Rice dern sogar gewisse Farben erkennen konnte. SpLdcuUt voXl QwaUdl LEBENSVERSICHERUNG erwiderte, ihm sei eine solche Information nicht gegeben worden, möglicherweise aber Shitreet. Er fügte hinzu: Alles, was ich weiß, ist nur, daß Gerüchte umgingen, Sima Arlosoroff hätte erklärt, daß Araber ihren Mann getötet haben. Ich selbst habe mit Sherme.ister nicht darüber gesprochen. Meine Meinung war, daß Shermeister sich irrte. Ich selbst war es, der sich zuerst mit der Frage, ob Araber die Täter waren, beschäftigte. Würden wir Araber verdächtigt haben, so hätten wir dieser Sache mehr Aufmerksamkeit zugewandt. Wir vorfolgten 25 verschiedene Spuren, wir durchsuchten das ganze Land und stellten sogar in Ägypten und Syrien Nachforschungen an. zur Neubesetzung. Bewerber, die sämtlichen nachfolgenden Bedingungen vollauf entsprechen können, indgen die beglaubigten Abschriften ihrer Zeugnisse init Lichtbild bis spätestens 1. Juni 1934 dem gefertigten Vorstande einsenden. Bedingungen: 1. österreichische BundesbUrgerschaft. 2. Bin an einer inländischen oder mit den inländischen gleichgestellten Hochschule erlangter Doktorgrud der Philosophie. 8. Die an der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien abgelegte vollständige Rabbinerprtifung. 4. Stimmliche Befähigung, das Amt eines Vorbeters zu versehen. 5. Berechtigung zur Krteilung des öffentlichen Religionsunterrichtes an Volks- und Mittelschulen. G. Nicht Überschrittenes 25. Lebensjahr. Es wird besonders hervorgehoben, daß Gesuche von Bewerbern die die österreichische Bundesbürgerschnft nicht besitzen, unter keinen Umständen berücksichtigt werden. Julius Pasch Vorstand d. Israelit. Kultusgemeinde, Innsbruck Jubiläumsmesse trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten so zahlreiche Österreicher erschienen seien, um für die Ausfuhr aller Art von Waren zu wirken. Besonderen Anklang fanden die Worte des österreichischen Diplomaten, die sich auf die Vaterlandstreue der Juden und auf die Bestimmungen absoluter Gleichberechtigung in der neuveröffentlichten Verfassung bezogen. Die Zertifikate In der ,,C h w i 1 a“ schreibt Dr. F. Schmorak: Die Zahl der erteilten Zertifikate beweist, daß die Palästina-Regierung keinen sachlichen Argumenten zugänglich ist, und daß ihre Immigrationspolitik unserer planmäßigen Aufbauarbeit, weiterhin die größten Schwierigkeiten in den Weg legt. Es hat sich schon mehrmals erwiesen, daß bei der Regulierung der Einwanderung die wirklichen Bedürfnisse des Landes nicht in Betracht gezogen werden, sondern ... die uns wohl bekannte „Politik des Gleichgewichte s“ ausschlaggebend ist. Der Mangel an Arbeitskräften ruft im Laude eine große Verwirrung hervor. Was nützt eine Dosis von 5000, wenn man 30.000 Arbeiter mit der größten Leichtigkeit im Laufe von einigen Tagen unterbringen könnte? Dies berührt nicht die Administration, die „Politik des Gleichgewichtes“ zwingt die Juden arabische Arbeiter zu beschäftigen. Wollen Sie gut und billig leben? Kommen Sie zum Plattensee / Wasser, Sonne, Sandstrand, gute Verpflegung, das Eldorado für Kinder; verlangen Sie Prospekt / Pension Winkler, Balaton-Szarczo, Ungarn. Orth. ""itTD Jüdische Volksbibliothek „Zion‘‘, Wien, IL* Kleine Mohrengasse 3, verfügt über mehrere tausend Bände deutscher, hebräischer und jüdischer Literatur. Monatsgebühr 80 g, für Ju-i gendücho 40 g. Jahresabonnement S 8—* Bibliotheksstunden: Montag bis Donnerstag von K'7 bis 149 Uhr abends, Samstag von 1411 bis K*1 Uhr mittags. Im Verlauf seiner weiteren Aussage teilte er mit, daß Frau Arlosoroff am 29. Juli in seinem Büro Rosenblatt, der unrasiort gewesen sei, getroffen habe. Nachdem sie ihn einige Minuten angesehen hatte, erklärte sie, ihn mit Sicherheit erkannt zu haben. Sie habe um Erlaubnis gebeten, mit dem Ge- Österreich auf der Levante- Messe Tel-Aviv. Donnerstag den 3. Mai besuchte der österreichische Generalkonsul in Palästina, Dr. J o r d a, in Begleitung des in Tel- Aviv anwesenden Mitgliedes des Wiener Kultusvorstandes Dr. Leopold Plaschkes und des Wiener Vertreters der Levante-Messe Bruno Rabinowitz die österreichische Abteilung der Levante- Messe. Bei dieser Gelegenheit hielt Doktor Plaschkes an den Generalkonsul und den Bürgermeister eine Ansprache, in der er u. a. folgendes ausführte: „Wir Juden Eine jüdische Lehrfarm Die drückende Not der Zeit hat auch in nichtzionistischen Kreisen die Erkenntnis hervorgerufen, daß die von uns seit Jahrzehnten gepredigte Parole von der sozialen Umschichtung und der Rückkehr zu Handwerk und Ackerbau in die Tat umgesetzt werden muß. Das Zionistische Landeskomitee für Österreich hat bereits im Vorjahre die Gründung eines Kibbuz allgemeiner Zionisten bei Haifa in die Wege geleitet und der im Vorjahre gegründete Verein Jüdisches Jugendhilfswerk leistet ersprießliche Umschichtungsarbeit. Es ist nun dem Verein Jüdisches Jugendhilfswerk und dem Zionistischen Landeskomitee gelungen, an der Westbahnstrecke, in der Nähe von Altlengbach, eine größer o Bauernwirtschaft zu pachten, um auf ihr eine Lehrfarm zu errichten. Noch im Laufe dieser Woche werden sechs Chaluzim ihre Arbeit, in dem Auhof genannten Bauernhöfe beginnen und im Laufe der nächsten Wocho werden weitere zwölf Chaluzim folgen. Die Arbeit wird unter der Leitung eines vom Verein Jüdisches Jugendhilfswerk bestellten Agronomen geleitet, werden. Die Chaluzim werden Gelegenheit haben, in schwerer Arbeit sich in sämtlichen Zweigen der Landwirtschaft auszubilden. Da der Auhof uur zum Teile bewirtschaftet ist, harrt der Chaluzim eine besonders schwere Arbeit, und es ergibt sich außerdem die Notwendigkeit, für die Verpflegung und Erhaltung der Chaluzim in den nächsten Monaten Vorsorge zu treffen. Das Jüdische Jugendhilfswerk wendet sich daher hieniit an alle Freunde unserer Bewegung mit der Bitte, seine Arbeit durch Geldspenden, durch Spenden von Kleidern, Schuhen und Wäsche und durch Spenden von landwirtschaflichen Geräten aller Art zu unterstützen. Geldspenden werden auf das Postsparkassenkonto der Kompaß-Allgemeine Kredit- und Garantiebank Wien A 133.820 (für Jüdisches Jugendhilfswerk) erbeten. Naturalspenden werden gegen schriftliche Verständigung des Jüdischen Jugendhilfswerk (II., Untere Augartenstraße Nr. 35) oder des Zionistischen Landeskomitees (R 27-4-86) bei den Spendern abgeholt. SEKTION 8/9 UND WIZOpeatsaaj Handelsmuseums, IX., Berggasse 16, Donnerstag, den 24. Mai 1. J., 9 Uhr abends Große Werbeversammlung IKHVBHHnMS GALUTH UND PALÄSTINA Politik: Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zionistischen Landesverbandes für Österreich, Wirtschaft: Adolf Böhm