Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 354 (18.5.1934)
- Date
- 1934-05-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 354 — 18. Mai 1934 DIE STIMME Seite 5 Der Biro-Bfdschan-Bluff in neuer Gestalt Das Glück bei Sdtelhantmer in Permanenz! war, erfand die Sowjetregierung Biro Bidschan. Eine von Malaria durchseuchte Gegend am Amur, nahe dem mandschurischen Land, ein Gebiet, dem immer wieder Krieg droht, in dem sich nicht einmal die Sträflingskolonien gehalten hatten. Wieder gab Rußland nichts als die Menschen, wieder kam aus Amerika Geld. Und trotzdem ging das Werk nicht weiter. Seit sechs Jahren wird von Biro Bidschan gesungen, aber die jüdische Siedlung kam nicht vorwärts. Inzwischen ist aber der Zionismus stärker geworden, und die Viertelmillion Juden in Palästina, ihre nationale und wirtschaftliche Bedeutung wächst von Tag zu Tag, und sie erregt nicht nur die mißgelaunte Aufmerksamkeit der englischen Regierung, sondern auch der Sowjets. Die Anziehungskraft Palästinas wirkt sich auch, leise und verdünnt zwar, doch fühlbar bei den jüdischen Heloten Rußlands aus. Das Judentum Rußlands, ein Dreimillionenvolk, das der Zarismus nicht hatte beugen können, ist durch die Methoden des Kommunismus verarmt an Leib und Seele. Der Zionismus steht unter schwerster Strafe, Übung der Religion, Kenntnis der hebräischen Sprache und Literatur ist verboten. Trotzdem lebt der jüdische Geist fort und erhebt sich an Palästina. Die Sowjetregierung hat darum eine neue Walze eingelegt. Sie gründet eine jüdische Republik mit Regierung, Armee, Briefmarken und Währung. Das Geld soll wohl wieder aus Amerika geholt werden, denn der Kommunismus hat keines. Und der erste Akt dieser jüdischen Regierung? Ein Erlaß, der sich gegen die zionistischen Elementein Biro Bidschan wendet und dazu auffordert, in der neuen Sowjetrepublik Biro Bidschan gegen den Zionismus zu kämpfen. Der uneingestandene Sinn dieses Erlasses ist der, für Rußland j ü d isches Kanonenfuttergegen Mandschukuo und Japan bereitzustellen. Es ist keine Frage, daß Biro Bidschan niemals mit Palästina in eine Reihe gestellt werden kann. Hier die verarmten geknuteten, verproletarisierten und verratenen jüdischen Parias, auf fremder Erde, die ihnen nichts bedeutet, dort freie jüdische Siedler auf geweihtem, jüdischem Boden, stolz auf ihr Judentum, selbstbewußt in ihrer Haltung zur Umwelt. Palästina, ist die Erlösung des Judentums, auch des russischen. Tiberlas zerstört Ein schweres Unglück hat die Judenschaft Palästinas heimgesucht Die Stadt T i b e r 1 a s am Galiläischen Meer ist am 14. und 15. d. M. durch Wolkenbrüche und Flutwellen fast vollkommen zerstört worden. Es sind viele Menschen zugrunde gegangen. Die Stadt ist auf Befehl der englischen Behörden geräumt worden. Die Einwohner kampieren in Zelten. Die bisher vorliegenden Meldungen besagen: Von den noch am Sonntag agnoszierten Opfern der ersten Katastrophe, deren Zahl mindestens 26 betrug, waren 11 Mohammedaner, 3 Juden und 1 Christ, unter allen diesen 11 Kindern. Der Rest der Leichen konnte noch nicht identifiziert werden, doch steht fest, daß sich unter diesen eine Anzahl Juden befindet. Jüdische Kolonisten aus der Umgebung beteiligen eich in großer Zahl an dem Rettungswerk. Die Obdachlosen wurden zum Teil im Jj8i aer im vergriiigeiiGii Monät D66D,uGt6n 30. Klassenlotterie wurden wieder drei Haupttreffer mit Schelhamnier-Losen gewonnen. Wieder waren es Haupttreffer im Betrage von 60.000, 50.000 und 40.000 Schilling nebst vielen Treffern von 1000 bis 20.000 Schilling, außer des am 1. März mit einem Schelhammer-Los gezogenen Anteiles des Millionen-Schilling- Haupttreffers der Trefferanleihe, welche das Glück den Spielern im Haupttreffer-Bankhause beschieden hat. Schon am 23. Mai beginnt eine neue Lotterie, bei weloher der größte Haupttreffer jetzt eine ganze Million Schilling beträgt. Da zu dieser Lotterie auch die Losanzahl von 84.000 auf 60.000 vermindert wurde, ist größte Eile zum Ankauf von Sehelhammer-Losen geboten. Die Schalter des Bankhauses S c b e 1 b a mmer & Schattera, Wien, I., Stephansplatz Nr. 11, oder dessen Filiale, Wien, XIII., Hadikgasso 60 a, sind für den Verkauf von Klassenlosen täglich ununterbrochen von 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends geöffnet. Lospreise: */8 S 6.—, )/% S 12.—, % S 24.—, Vi s 48.-. Saba behördlich mit der Begründung aufgelöst, daß der Polizei fünf Tage vorher die Kundgebungen hätten zur Kenntnis gebracht werden sollen. Der Stadtrat von Tel-Aviv hielt zum Protect gegen die Drosselung der Einwanderung eine außerordentliche Sitzung ab, in der die revisionistische Fraktion die Proklamierung der Arbeitseinstellung im ganzen Lande, Boykott von Pension Eckstein - Post, Telegraph und Eisenbahn, sowie Verweigerung der Steuerzahlung beantragte. Fran Schoschana Persitz (Allg. Zionistin) unterstützte die Anregung betreffend St euer Verweigerung. Die Sprecher der Hißtadruth-Fraktion warnten vor allzu radikalen Beschlüssen, ohne daß vorher die Billigung der Exekutive der Jewish Agency eingeholt werde. Es wurde ein Unterausschuß zur Prüfung der Anträge eingesetzt. GRAND-HOTEL PANHANS, SEMMERING Größtes Kur- und Sporthotel des Kontinents in direkter Verbindung mit dem ersten alpinen HALLENSCHWIMMBAD EUROPAS 1.040 Meter über dem Meeresspiegel.Herrliehe Tennisplätze, Golfplatz. In nächster Nähe des Hotels die wundervoll gelegene Jausenstation „Gut-Alpenhof“ SPORTPENSION PANHANS in Verbindung mit dem Grand Hotel Panhans. Moderne, gutbürgerliche Familienpension. Es war lange still um Biro Bidschan; die sagenhafte jüdische Siedlung im Amursumpf. Nun kommt eine Wendung, die auch den abgehärtetsten Zeitgenossen in Staunen versetzt. Das Zentralexekutivkomitee der Sowjetunion und der Rat der Volkskommissare der Sowjetunion haben beschlossen, in einem Dekret, das von dem Präsidenten der Sowjetunion K a 1 i n i n, von Stalin und M 0 i 0 10 w unterzeichnet ist, das jüdische Kolonisationsgebiet in Biro Bidschan mit sofortiger Wirkung zur autonomen, 11 n a b h ä n g i g e n jüdischen Sowjetrepublik mit eigener Regierung auszurufen. In dem Dekret heißt es, daß die neugegründete jüdische Sowjetrepublik als gleichwertiges Mitglied in den Bund der Sowjetrepubliken eintritt. Sie erhält eine eigene Regierung und bildet eine eigene Armee unter Leitung des Generals der Roten Armee Rappaport. Die Stärke der Armee wird auf vorläufig 7500 Mann festgesetzt. Die Amtssprache ist jiddisch. Biro Bidschan erhält eigene Briefmarken und Währung. Fehlt nur mehr das Geld. Die Sache wäre als Operette aufzufassen, wenn es sich nicht um das sehr ernste Schicksal einiger tausend jüdischer Familien handeln würde und wenn nicht diese so solenn angekündigte Republikgründung in einer Zeit ausgerufen würde, in der dem Judenvolk an Scherzen wenig liegt. Biro Bidschan spukt schon seit geraumer Zeit in den dem Wohle des Judentums gewidmeten Erzählungen der russischen Regierung und der Jewsekzie. Der Sowjetkommunismus hat mit seinen Judensiedlungsplänen wiederholt Reklame gemacht, Versprechungen über Versprechungen in die Welt lanciert, und dank der Mithilfe sachverständiger Mitarbeiter in der Jewsekzie immer wieder den amerikanischen Jude n Geld unter den verschiedensten Vorwänden herausgelockt. Dies war die eine Seite der Politik. Die andere war die Konkurrenz mit dem Z i 0 n i s m u s. Erst war es die Krim, auf der den Juden das Glück blühen sollte. Auf Boden, der teils den vertriebenen Aristokraten, teils dem Zarenhof enteignet worden war, wurden jüdische Familien aus der Ukraine angesetzt und ohne Schulung, ohne Ackergeräte, ohne Häuser ihrem Schicksal überlassen. Auf den Boden hatten mohammedanische Tataren immer wieder Anspruch erhoben, mit einigem Recht, da er ihnen von den Romanows abgenommen worden war. Die jüdischen Siedler konnten nicht festen Fuß fassen; es gab immer wieder Verwicklungen, Zusammenstöße mit Tataren und auch Überfälle mit blutigem Ende kamen vor. Zudem drang trotz aller Absperrungsmaßnahmen die Kunde von dem Aufleben Palästinas herein. Den jüdischen Siedlern, die sich dem Judentum und ihren Hoffnungen nicht abspenstig machen ließen, wurde das Leben sauer gemacht, und allmählich verliefen sie sich. Sic kehrten lieber in die u k r a i n i s e h 0 Hölle z u- RHEUMA / ISCHIAS / NERVEN HEILANSTALT -HELIA* I., Fleischmarkt 7 rück und warteten weiter auf eine Wendung des Schicksals, die es ihnen gestatten würde, sich wieder dem jüdischon Leben in der Welt anzuschließen. Dio Regierung verbreitete phantastische P o t e m k i a- (l e n über dieses jüdische Bauernland in der Krim und holte sich aus den Taschen der amerikanischen Juden, dor reichen wie der arme n, immer wieder Geld. Den R 0 i c h 0 n, die sonst den Bolschewismus hassen, schmeichelte os, daß eino Regierung zu ihnon kam; und dio führenden Kreise dor Vereinigten Staaten, für die der russische Kommunismus sonst gleich nach dem Teufel kommt, duldeten gern diese unterirdische Verbindung mit Rußland, aus der sich geheime politische Fädon und Exportmöglichkeiten anbahnen ließen. Die armen jüdischen Arbeiter gaben gern ihr Scherflein für die jüdischen Klassengenossen in dem Sowjetparadies. Als aber in der Krim nichts mehr zu tun Jerusalem, 15. Mai. Der alte Teil der biblischen Stadt Tiberias am Galiläischen Meer (See Genezareth) mit dem Markt wurde durch einen am Montag mittag niedergegangenen Wolkenbruch in Trümmer gelegt und von riesigen Wassermassen überschwemmt. Bisher wurden 20 Leichen, zum großen Teil Kinder, geborgen. Sehr viele Personen werden noch vermißt, und man befürchtet, daß sich die Zahl der Opfer beträchtlich erhöhen könnte. 1500 Soldaten sind aufgeboten worden, um gemeinsam mit starken Polizeiabteilungeil die Aufräumungsarbeiten vorzunehmen. Die Bevölkerung wurde vollkommen von der Katastrophe überrascht und konnte fast nichts von ihrer Habe retteu, die von den Fluten fortgeschwemmt wurde. Viele Häuser wurden durch Steinlawinen verschüttet und zerstört. Das Wasser stand in einzelnen Straßen zwei Meter hoch. Nach oberflächlichen Schätzungen beträgt der Schaden mindestens 30.000 Pfund. Man nimmt an, daß die Mehrzahl der Opfer Juden sind. Tiberias zählt gegenwärtig 9000 Einwohner, davon sind 6000 bis 7000 Juden. Zweiter katastrophaler W olkenbruch Jerusalem, 16. Mai. Gerade zu der Zeit, als man mit der Bestattung der Opfer der ersten Wolkenbruch-Katastrophe, von der Tiiberias heimgesucht wurde, beschäftigt wiar, ging ein zweiter schwerer Wolkenbruch nieder, der von einem Orkan begleitet wa.r. Mehr als eine halbe Stunde lang ergossen sieh u ngeheure Wa ss e r ma s s e n aus den Wolken und überfluteten die Stadt. Die Panik war unbeschreiblich. Kinder wurden in den Straßen von den Fluten ihren Müttern weggerissen, gellonde Hilferufe schallten durch dio Gassen. Aus dem See Genezareth wurden Leichen von Bewohnern, die bei der sonntägigen Katastrophe spurlos verschwunden waren, durch die Gewalt des Sturmes wiodor ans Ufer gespült. Man befürchtet, daß durch die zivrn Teil in Verwesung übergangenen Leichen Seuchen in Tiberias ausbrechen könnten. Die Bevölkerung hat dio Stadt bis auf wenige Nachzügler g e r ä u m t und kampiert, teils in Zelten, auf den Hügeln der Umgebung. Allgemein wird erklärt, daß dio Gegend noch niemals von einer solchen Wetter- J katastrophe heimgesucht worden ist. Schweizer Hospital und im Rabbi Medr Baal Ness-Armenhaus untengebracht. Distriktskomanissar Edwin Samuel, bekanntlich ein Solln Sir Herberts, überwacht die Rettungsarbeiten. Der High Commissioner kondolierte dem Bürgermeister von Tiberias und verfügte die Absage einer für Dienstag angesetzten Festlichkeit. Protestversammluitgeii in den Jüdischen Zentren verboten Jerusalem, 14. Mai. Eine vom Tel-Aviver Stadt rat einberufene Protestversammlung gegen die Einschränkung der jüdischen Einwanderung, Die Regierung und die Juden Im „D 0 a r H a j 0 m“ (Jerusalem) schreibt B. D.: Das Gesundheitsbudget Tel-Avivs beträgt 28.500 Pfund. Es wird von der Gemeinde Tel-Aviv, der Histadnith, der Pica und den benachbarten Kolonien aufgebracht. Die. Regierung steuerte bis jetzt hiezu 7500 Pfund bei. Plötzlich erklärte sie nur 5000 Pfund zur Verfügung stellen zu können, obwohl sic einen Überschuß von Millionen Pfund ausweist. Würden sich aber die Araber an sie wenden, dann hätte sie offene Taschen. ... IPORTSCHACH | AM WÖRTHERSEE, Kärnten, österreichische Riviera PARK-HOTEL (Hans Taubinger) §j 5 Führendes Hius . 230 Zimmer . Verlangen Sie, bitte, Prospekte || HiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiNiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiliP zu der über 2000 Personen erschienen waren und in der Rabbi Uziel, der Führer des Welt- Misrachi Rabbi Meir, Berlin, Dr. Benzion Mossinson und Vertreter aller Partoien hätten sprechen sollen, wurde unmittelbar vor Beginn behördlich aufgelöst. Die Besucher verließen den Saal unter Rufen gegen die Regierung und dem Absingen der Hatikwah. Ebenso wurden Protestversammlungen in Petach-Tikwah, Rechoboth, Herzlia und Kfar Infolge des Sdiewuoth festes und der Pffngslfeferlage erscheint die Inädiste Nummer der »Stimme« Freitag/ den 2$. Mai