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Die Stimme · 1934-05-18 · Heft 354 (18.5.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 354 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 3 DIE STIMME Nr. 354 — iS. Mai 1934 damals die Juden ebensowenig gekannt, wie Herr Goebbels und die nationalsozialistischen Helden von heute sie nicht kennen. Gewohnt, den armen wehrlosen jüdischen Hausierer im Kaffeehaus* zu beschimpfen und zu verhöhnen und in ihm. der in seiner Seele gequält, stumm blieb, den Repräsentanten des Judentums zu sehen, konnten es diese Edelmensohen nicht fassen, daß es auch andere Juden gibt, deren beste Parade immer der Hieb war. Lusern armen Brüdern im Dritten Reich und dem andern vom Ghettogeist noch nicht Freien, mögen diese Episoden lächerlich, kleinlich, gemessen an den furchtbaren Geschehnissen unserer Zeit, in Erinnerung gerufen sein. Die romantischen Studenten von damals sind die entschlossene jüdischselbstbewußte Generation von heute. Durch eine Judengasse gehen w i r auch heute nie 1) t! Wir werden nicht rasten und nicht ruhen bis zum letzten Atomzug, bis die Schmach von uns getilgt ist, mit der uns die Hitler, Goebbels und ihre Millionen gleichgesohalteten, edlen, heroischen Nachläufer vernichten wollen. Noch entschlossener und trotziger als da nvals rufen wir die Lauen und Wanket miitigen von heute, wir rufen sie alle mit dem fast vergessenen studentischen Kampflied von damals: ..Wacht, auf, Ihr Schläfer in tiefer Nacht! Die Schritte der Jungen erdröhnen1 Es wogt und braust ide Sturm und Schlacht, Das Volk der Juden ist erwacht, Es ruft nach seinen Söhnen!** Wie damals wollen wir auch heute einstimmig und trotzig antworten: „Durch eine Judengasse gehen wir n i ch t!“ Dawid Jehuda. Goebbels Rede Eine Erklärung der „Jüdischen Rundschau Berlin, 15. Mai. Die Beunruhigung der deutschen Juden durch die Ritualmordnunimer des S t r eich e r s c h e n Blattes „Der Stürmer“ und durch die Reden des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels hat jetzt zu einer Stellungnahme der „Jüdischen Run dscha u'1 geführt. Sie schreibt: Zunächst frappiert uns als deutsche Juden die Stelle, in der der Minister sagt, der Boykott sei auf „unsre jüdischen Mitbürger“ zurückzuführen. Alle verantwortlichen Stellen der deutschen Juden, nicht zuletzt die „Jüdische Rundschau“, haben sich stets nachdrücklich gegen eine gegen Deutsch land gerichtete Boykottpropaganda gewendet. Die deutschen Juden sind bemüht gewesen, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß die ausländischen Juden den Boykott einstellen, aber wir mußten feststellen, daß unser Einfluß sich nur b es-o h r ä n k t answirkte, am ehesten au solchen Stellen, wo wir durch enge Verbundenheit und Gemeinsamkeit der jüdischen Gesamtauffassung verbunden sind, wie zum Beispiel in Palästina. Die deutschen Juden sind nach der Rede de3 Dr. Goebbels in überaus schwieriger Lage. Denn die ausländischen Ju- CAFE-RESTAURANT „DIE LUSTIGE WifWE“ PRATER, HAUPTALLEE NR. 5 Großer schattiger Garten, angenehmster Aufenthalt Erstklassige Küche, gepflegte Biere und Wein ‘■ vom Faß / Billige Preise / Besuchen Sie ins! dem erklären uns und erklären in ihren Zeitungen unumwunden, daß es ihnen nicht, oder zumindest nicht in erster Linie um das Schicksal der deutschen Juden geht, sondern sie empfinden überall in allen Ländern das Kommen einer historischen Auseinandersetzung um die Gestaltung des Judentums in der Welt, und wenn in Publikationen aller Art Angriffe gegen die allen Juden gemeinsamen Güter, zum Beispiel d i e jüdische Rasse oder Religion, erhoben werden, dann fühlen die ausländischen Juden sich selbst als die Betroffenen. Es gibt Vorwürfe, wie etwa den einer angestrebten jüdischen Weltherrschaft, oder die R i t. u a 1 m o r dbeschuldig u n g, die ihrem Wesen nach nicht gegen das deutsche Judentum gerichtet sind, sondern gegen das Judentum schlechthin, also gegen alle Juden, wo immer sie wohnen. Es ist die Rede von einer „Teufelsbrut, deren Verworfenheit unter anderm in der Sitte des R i t u a 1 m o r d e s zum Ausdruck komm t“. Das gerade ist eine Sache, die die deutschen Juden in den letzten Wochen mit Schrecken erfüllt hat. Was uns beunruhigt, ist ja nicht die Tatsache, daß die Erfinder des Ritualmordmärohens ihre Schriften verfaßt haben, sondern daß sie in weiten Kreisen des Volkes willige und gläubige Leser gefunden haben und finden. Diesem Phänomen des an das Ritualmordmärchen glaubenden oder halb glaubenden Nichtjuden stehen wir Juden völlig verständnislos, ja mit tiefinnerer Erschütterung gegenüber. Abschließend schreibt die „Jüdische Rundschau“: Die alten Methoden der Politik sind im neuen Deutschland abgesohafft. Es ist uns aber unverwehrt, wenn von dem Mördervolk geredet wird, vor die Schranken zu treten und zu sagen: Wir sind hier nicht ein Mördervolk, aber das Volk der Juden, das so wie irgendeine Menschengruppe Schmach und Schmerz, Schöpfertum und Weltbejahung, und vor allem auch Ehre empfindet. Die Auffassung in der Dipomatie Paris, 15. Mai. Georges Blum, der Berliner Sonder-, bcrichterstutter des „Journal“, meldet seinem Blatte: Die antisemitische Hetzrede, die Dr. Goebbels kürzlich im Sportpalast gehalten hat, hat in den Kreisen der ausländischen Diplomaten Verwunderung hervorgerufen. Man versteht nicht, wie ein deutscher Minister bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge es wagen kann, Drohungen auszustoßen, welche von erregten Gemütern nicht anders denn tls Aufforderung zur Gewalt aufgefaßt und als Einladung ausgelegt werden können, sich für die Not der Krise an den Juden schadlos zu halten. Anderseits, fährt Georges Blum fort, lassen sich die antisemitischen Hetzartikel des „Angriff“ nur aus der hochgradigen Nervosität d’er nationalsoziali- Keine Juden auf dem Kurfürstendamm. Einer Berliner Depesche des „Journal“ zufolge, erhebt der „Angriff“ die Forderung, daß es Juden verboten werden soll, auf dem Kurfürstendamm spazieren zu gehen. Das erste Opfer Am 14. Mai verbreitete der reichsdeutsche Rundfunk folgenden Bericht: „Der jüdische Angestellte der Kommerz- und Privatbank in Berlin Dr. Jakob Wassermann ist verhaftet worden wegen schwer beleidigender Äußerungen über den Reichsminister Dr. Goebbels, die er mit zynischer Frechheit u n’d oftmals wiederholt gemacht hat. Die Verhaftung, die aus dem Betrieb heraus erfolgte, hat unter der Belegschaft große Genugtuung hervorgerufen, da das empörende Benehmen d i eses jüdischen Angesteilt’en bereits unliebsame Auseinandersetzungen nach sich gezogen hatte. Er ist in das Konzentrationslager Oranienburg gebracht worden, wo er längere Zeit* darüber wird nachdenken können, wie sich ein Gast des deutschen Volkes in Deutschland zu benehmen hat. Der Erzbischof von Canterbury gegen die Eitualmordlüge London, 15. Mai. Der Erzbischof von Canterbury veröffentlicht in der „Times“ im Zusammenhang mit der bekannten Veröffentlichung des „S türme r“ einen scharfen Protest gegen die Ritualmordhetze. Der Erzbischof Wiener Bank-Verein Die 64. ordentliche Generalversammlung des Wiener Bank-Verein findet am 25. Mai 1934 um 11 Uhr vormittags im Anstaltsgebäude statt. Gegenstände der Tagesordnung: Jahresbericht des Administrationsrates, Bericht der Zensoren über den Rechnungsabschluß pro 1933, Beschlußfassung über die Auflösung der Gesellschaft durch Fusion mit der österreichischen Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe inWien, Beschlußfassung über die Ermächtigung des Vorstandes, gemeinsam mit dem Präsidium im eigenen Wirkungskreis die aus Anlaß der Fu sion erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Jo eine Aktie lit. A oder je fünf Aktien lit. B geben das Recht auf eine Stimme. Die Deponierung der Aktien hat bis spätestens 18. Mai 1934 zu erfolgen. der in cler erklärt, daß die Lügen und Legenden über die angebliche Sitte der Juden, Ritualmorde zu begehen, oft und oftgenug wider legt worden sind. Er sagt, diese Hetze erinnere an die übelsten Exzesse mit telalterlichen Fanatismus. Er spräche im Namen von vierzig Vertretern der religiösen Öffentlichkeit dieses Landes, die ihn ermächtigt hätten, zu erklären, daß sie sich voll mit seinem Protest identifizieren. Er sei überzeugt, daß die gesamte Gemeinschaft seiner Mitbürger, wenn sie von dem Charakter dieser Veröffentlichung Kenntnis erhielte, seine Entrüstung teilen würde. Sternsche Schulu. Erziehungsanstalt miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Schuldirektion: Malvlne jFrledmann Wien, I. Bezirk, Werdertorgasse 12 tfnllrccrhnin (Knaben u. Mädchen) O-Uhr-Beeinn, Üffont fUUlSJUHlIK lichkcltsrecht mit Franz., Engl., Latein (nach Wahl) n» di. MittelsciiBle HeDHe Sprachkurse fortliiltiunoskurs Allgemeinbildung aerafsaustiiidDns: gssir K™'"' EinMer Baosiialiungüiurs Tageskim ” “s?“ “ Internat Prospekte Telephon Nr. U28-1-97 stischen Führerkreise erklären. Diese Nervosität ist die Folgo der ernsten Verschlechterung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage des Dritten Reiches. Die Nervosität bewirkt das Wiederaufflammen des Antisemitismus. Streichers Ritualmord- Propaganda vor dem englischen Unterhaus London, 16. Mai. Oberst Oliver Locker-Lampson richtete im Unterhaus an den Staatssekretär für Inneres die Frage, ob er Schritte ergreifen wolle, um den Vorkauf der Ritualmord-Nummer der vom Regienmgsmitgliecl für Franken Julius Streicher in N i't rnb e r g herausg'Ggebonon Wochenschrift „D 0 r Stürme r“ in England zu verbieten, da eine Verbreitung dies ns Pamphlets den Frieden stören könnte. Der Unterstaatssekretär für Inneres D 0 ug 1 a b II a c k i 11 g erwiderte, das Innenministerium habe Erkundigungen oingozogen und festgestellt, daß Exemplare dor erwähnten Zeitschrift in England nicht öffentlich verkauft werden; sollte dies doch geschehen, so würdo das Innenministerium erwägen, ob im öffentlichen Interesse irgend eine Aktion notwendig oder wünschenswert sei. | beste Lage, großer schöner Garten, 1 | fließendes Wasser, Bad im Hause, | | komfortable Einrichtung mit und ohne 1 | Wäsche, staubfreie Lage, in Sauerj | brunn, Badgasse 15, billig zu ver- 1 | mieten. Tel. U 22-9-51. 1 | Ruhiger Aufenthalt - Keine Belästigung | iniinmuiiininiiiiiuiiiiiiiiiimimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiul Nahum Sokolow über aktuelle Fragen Jerusalem, 16. Mai. Unmittelbar vor seiner Abreise mit Flugzeug nach Südafrika, wo er die Leitung der diesjährigen Keren-Hajessod-Campagne übernimmt, äußerte sich der Präsident der Zionistischen Weltorganisation und Jewish Agency Nahum Sokolow einem Gespräch mit einem Vertreter Jüdischen Telegraplien-Agcntur über einige aktuelle Fragen der zionistischen und Palästina-Politik, wobei er foststellte: 1. daß die Gerüchte, die zionistische Exekutive bereite die Herausgabe eines gegen die englische Palästina-Politik gerichtetes „B1 a u - W e i ß - B u c h“ vor, grundlos sind; 2. daß die Meldungen über die Möglichkeit einer Vereinigung Palästmas mit Transjordanien jeder Grundlage entbehren; 3. daß die Möglichkeit besteht, eine größere Zahl von Zertifikaten zu erlangen, falls die Exekutive an höhere Instanzen appellieren werde, upd 4. daß die Reise Emir Abdullahs nach London mit jüdischen Interessen nichts zu tun hat. Schließlich stellte Sokolow fest, er habe, während seines Aufenthaltes in Palästina beobachtet, daß in letzter Zeit die städtische Kolonisation auf Kosten der Ansiedlung auf dem flaohen Lande zu sehr in den Vorder-* grund gerückt worden sei. Anläßlich der bevorstehenden Campagne in Südafrika werde er mit besonderem Nachdruck auf die Notwendigkeit hinweisen, den jüdischen Besitzstand in ländlichen Gebieten zu vergrößern. Wozu war Frick in Palästina? Jerusalem, 15. Mai. Die plötzlich gesteigerte antijüdische Propaganda in Palästina und in den benachbarten Ländern bringen eingeweihte Kreise mit dem kürzlichen Besuch des Reichsinnenministers Dr. Fr ick in diesen Ländern in. Zusammenhang. Die arabischen Zeitungen in Beirut und in Bagdad bringen jetzt Hitlers „Mein Kampf“ in Fortsetzungen, einige arabische Zeitungen in Palästina bringen Lobgesänge auf Hitler. Man weiß, daß mehrere arabischo Zeitungen in Ägyp- „Hebräisch — leicht seinacht" (Transkription) Anerkannt als EINFACHSTE (psydiotechnischc) METHODE, HEBRÄISCH sprechen ZU LER¬ NEN! 2. AUFLAGE — Preis: S 6.— (kartoniert), nur gegen Vorauszahlung. „PAG“, Kreditkassa und Wirtschaftsvereinigung für den Warenaustausch mit Palästina, reg. Gen. m. b. H., Wien, VI., Capistrangasse 2. Auslieferung: Montag bis Freitag, nur von 9 bis 12 Uhr. ten schon von früher her aus den Fonds des R e i c h s p r 0 p a g a n d a m i n i s t eriums gespeist werden. Seit Fricks Orientbesuch werden auch die arabische» Zeitungen der übrigen 0 rie n 11ä »de r aus den Fonds des Roichspropagaudaministcriurns bedacht. Aus g’utinforiniertor Quello wird mitgoteilt, daß in Kairo ein Amt besteht, das sein Budget und seino Instruktionen direkt vom Berliner Propagandaministoriuni erhält. A r a bische A g e n t 0 n werden regelmäßig nach Berlin eiiigoladon, wo sie einer Art „Schulung“ als Propagandisten unterworfen sind. Denket beim Thoraaufnuf am Schwuoth des Keren Kajemeth —jj Kfar Ussischkin cc ^863974252

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