Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 354 (18.5.1934)
- Date
- 1934-05-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 354 - 18. Mai 1934 ständen könne man wohl rvhlg sagen, daß der Kolonien minister das Schatzamt und Sir Montague Norman die vollständige Kontrglle über Palästina aufrechte/halfen wollen. Wenn dem so sei, was solle dann mit der Absicht der Regierung geschehen, Volksvertretung zu schaffen? Man. solle das lieber sein lassen. Die erste Parole der künftigen demokratischen Verpflichtungen betreffend das unter der in Palästina eine Regierung Palästinas würde es sein, die früheren autokrafi.sehen Regierung geliehene Geld abzulehnen. Die Palästina-Regierung, fuhr Colonel Wedgwood fort, ist nicht länger bemüht, das Land durch Bevölkerungsvermehrung m entwickeln und den Gedanken des Jüdischen Nationalheims zu fördern. Statt dessen ist sie zu der ausgesprochenen antisemitischen Regierung im ganzen britischen Reich geworden. (Zwischenruf Lord W i n t e r t o n s: Gefasel!) Es ist sehr wohl bekannt, daß während das anti-nationalsozialistische Braunbuch von der Palästina-Regierung verboten worden ist, eine Flut der übelste n Dokumente der anti j ü d is chen Hetze der Nazis in Pal ä s t i n a verbreitet, werden darf. Die Haltung der Regierung gegenüber der Einwanderung von Juden aus Deutschland könne nur damit erklärt werden, daß die Beamtenhierarchie der Pal ä s tina-Regi e r u n g die deutschen Juden n ic kt m a g. Diese Beamten beriefen sich darauf, daß den palästinensischen Juden die Juden aus Deutschland nicht willkommen seien und daß sie vollkommen damit zufrieden seien, daß man die Einwanderer aus Deutschland nicht zuläßt. PUSZTA CZARDA HIETZING Täglich abends, Sonn- ENDSTATION DER LINIE 58 »RAUH und Feiertag 7*5 Uhr Tanz im Freien oder Diele FRANK DICK and bis band — UNGARISCHE SPEZIALITÄTEN Herrliche Gärten — Liegestühle — Kegelbahn — Heurlgenschank sowie Wiener Küche — ..Wie kann Colonel Wedgwood“, unterbrach Lord Winterton. ..die soeben gemachte höchst bemerkenswerte Erklärung mit der Tatsache vereinbaren, daß seit Monaten eine Einwanderung aus Deutschland vor sich geht, und daß in Deutschland Vorkehrungen für die Auswanderung getroffen wurden.“ Colonel W e d g w o o d erklärte, im letzten Jahre seien 10.000 Juden aus Deutschland nach Palästina gekommen. Das seien die letzten Auswanderer aus Deutschland gewesen. Nach der neuen Schedule sei nun die Einwanderung von Juden aus der ganzen Welt auf 5000 beschränkt worden. Kolonienminister Sir Philip C u n 1 i f f e- Lister; „Das ist eine vollständig unrichtige Darstellung der Tatsachen. Die Arbeiter-Schedule bildete nur einen Teil. Im vorigen Jahre betrug die Arbeiter-Schedule 19.000 von einer Gesamtzahl von 30.000 Einwanderern.“ Colonel Wedgwood erwiderte, er freue sich sehr über diese Richtigstellung. 11,000 Personen, die außerhalb der Arbeiter- Schedule zur Einwanderung zugelassen wurden, seien somit Kapitalisten gewesen. Dies sei besser als er gedacht habe. In Palästina brauche man den arbeitenden Juden und nicht den Juden mit einem Kapital von 1000 Pfund. Ein weiterer Beweis für die Parteilichkeit der Regierung, erklärte Wedgwood, seien die wundervollen Nebenstraßen, die von den Hauptstraßen zu den Dörfern, aber nicht z u jüdischen Dörfern, führen Schließlich übte Colonel Wedgwood Kritik am palästinensischen Erziehungssystem. Die GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN l„ Kärlnerslrobe Nr 61 Besitzer Otto Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise In allen Lokalitäten Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer jüdischen Kinder würden in einer absolut unbekannten Sprache, die man die hebräische nenne, unterrichtet ' Alle diese Kinlornen, behauptete er. Sie wollen Englisch der seien schrecklich begierig, Englisch zu lernon, um nach Amerika gehtyi zu können "i Man vermittelt Ihnen aber kein Englisch, man gibt ihnen den Koran oder den Talmud ' (Diese Äußerungen Wedgwoods sind vollkommen unverständlich Red.) Den Zustrom billigerarabischerArbeitBk räf te aus den Gebieten jenseits des Jordan« müsse er bedauern. Die Volkszählung habe in den letzten Jahren gezeigt, daß die arabische Bevölkerung sich viel stärker vermehrt als die Jüdische. Die einzige Aus-| sicht, Palästina zu einem jüdischen Land zu machen, bestehe darin, jüdischen Arbeitern die Einwanderung zu erlauben, und darauf zu achten, daß sie nicht durch m i nderwertige Arbeitskräfte verdrängt werden, denen Löhne gezahlt werden, von denen ein Jude nicht leben könnte. Lord Winterten« Rede Der Konservative Lord W i n t e r t o n, früherer Unterstaatssekretär für Indien, er klärte: Wenn jemals eine Nation in Ehren versucht habe, ihre Versprechungen zu er füllen, so sei es England gewesen; Colonel Wedgwood wisse, daß die Hände der Regie Palästinaabteilung '■*rro1?nD Josef Popper Internationale Transporte Wien, II., Taborstraße 22 Telephon R 48-5-10, R 49*5-70 Serie Spezial - Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina, des Hauses denken, bevor sie die britische Verwaltung von einem jüdischen Standpunkt aus kritisieren. Wedgwood irre, wenn er behaupte, den deutschen Juden sei der Zutritt nach Palästina verwehrt worden. Seit der Nazi-Revolution seien so viele Juden au« Deutschland ins Land gelassen worden als dieses absorbieren konnte. Man sehe offenbar, fuhr Lord Winterton fort, eine besondere Härte darin, daß es den Arabern möglich ist, jüdische Arbeit zu unterbieten. Juden hätten jedoch durch Tau sende von Jahren aus Gründen, die ihnen liooh angerechnet werden müssen, die Arbeit anderer in allen Teilen der Welt unterboten. Sie «eien anspruchslose Leute gewesen, die schwer arbeiteten und um Ihre Familien besorgt waren. Sic seien eine sehr genügsame und moralische Rasse. Die Juden sollten die letzten sein, sich darüber zu beklagen, daß Araber ihre Löhne unterbieten. Die im Rahmen der Anleihe vorgesehene Ansiedlung auf dem Lande sei notwendig, wenn man eine zufriedene und gedeihende Bauernbevölkerung haben wolle, an der beide Völkerschaften einen angemessenen Anteil haben sollen. Er wolle seine Anerkennung für das aussprechen, was von der zionistischen Bewegung und von jüdischen Emigranten in den jüdischen Kolonien, die geschaffen wurden, geleistet worden ist. Die Entstehung dieser Kolonien sei nur durch B e i t, r ä g n v o n J u d c n in aller Welt möglich geworden. Niemand könne sich dagegen wenden, daß Geld ausgegeben werde, um das Niveau der arabischen landwirtschaftlichen Bevölkerung auf dasjenige der jüdischen zu heben. Zum Schluß wandte sich der Redner entschieden gegen die Auffassung Colonel Wedgwoods, daß die P a 1 ä s t i n a - II e g i e- ▼TTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTT Kinder ins Gebirge Das bestrenommierte Ferienheim Wienerbruck bei Mariazell (800 m) nimmt Kinder (3 bis 15 Jahre) auf. Erstklassige Referenzen, mäßige Preise. Anmeldung Elly Rothwein.VII., Mariahilfcrstr. 72/i7,TeI. 636-0-51 AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA rung proarabisch sei. Dies sei ein sehr ernster Vonvurf gegen die Verwaltung Palästinas durch einen Mann, der im Südafrika erfolgreich die Verwaltung geführt habe. Es sei nicht richtig, daß Geld nur für arabische und nicht für jüdische Dörfer verwendet werde. Ebenso unrichtig sei es, daß die Juden im Erziehungswesen zurückgesetzt würden. Wenn die Entwicklung und Prosperität Palästinas anhalten sollen, dann müsse diese Entwicklung auf der Grundlage guter Beziehungen und gemeinsamer Arbeit beider Volksstämme vor sich gehen. rung durch die 1917 und später gegebenen Versprechungen gebunden sind. Diejenigen, die gegen die Palästina-Verwaltung Anklagen erheben, vergäßen diese Verpflichten gen. Die Rede Colonel Wedgwoods bedauere er. Unterstützung der rivalisierenden Forderungen der Zionisten und der Araber würde ee unmöglich machen, Palästina zu regieren. Diese Anleihe müsse in ihrer Verwertung doppelseitig sein, das heißt iglands Garantie müsse soweit wie möglich zum Vorteil von Juden und Arabern gegeben werden. Er sei weder Prozionist noch Antizionist, er habe d i e Balfour-Deklaratlon angenommen. Wenn er auch mit den Arabern sympathisiere, so sympathisiere er doch keineswegs mit dem Standpunkt der arabischen Extremisten Palästinas. Reden von der Art der von Colonel Wedgwood gehaltenen würden für die gesamte arabische Gemeinschaft einen wesentlichen Beschwerdepnnkt bilden. Wäre eine Bolche Rede über den Konflikt dor indischen Mohammedaner und der Hindus gehalten worden, eo hätten sie Unruhen in Bombay verursacht. Zu fordern: einmal, daß Palästina das Nationalheim der Juden sein muß, und ein anderes Mal, daß os das der Araber sein soll, sei ethnologisch und historisch unrichtig und politisch vom jüdischen und vom arabischon Standpunkt au« verhängnisvoll. Das einzige, was ein furchtbares Blutvergießen verhindere, seien die britische Regierung und die britischen Streitkräfte. Daran mögen die Mitglieder Barnelt Jänner antwortet Lord Winterton Der jüdische Deputierte Bar nett Jänner erklärte, niemand, der an der Entwicklung Palästinas interessiert ist, icünsche eine Reibung zwischen einem Teil der Bevölkerung und dem anderen. Dank der gewaltigen Anstrengung des jüdischen Volkes ist Palästina heute in der Lage, seinen Verpflichtungen voll nachzukommen. Das Budget des letzten Jahres in Höhe von nur drei Millionen Pfund ergab den gewaltigen Überschuß von einer ganzen Million Pfund. Die Städte wachsen rapid, die junge Stadt Tel-Aviv zählt bereits 100.000 Einwohner, der Export nimmt qualitativ und quantitativ zu, allein 1933 kamen 621 neue Unternehmungen hinzu. Die Gefährdung der Sicherheit dieser Entwicklung liegt nur — wie der Redner weiter ausführte — darin, daß die E in w and er ung unzur eichend ilst. Im Geiste der Freundschaft möchte er den Kolonienminister dringend bitten, sich die Lage um das ideale Streben jener zu vergegenwärtigen, die nach Palästina gehen wollen, und diesen Menschen die Einwanderung zu erleichtern. Eine Schedule von 5600 Zertifikatisten ist lächerlic h; sie ist eine Gefahr für Juden wie für Araber; denn der jüdische Einwanderer bringt dem Lande Prosperität, die beiden Rassen zugute kommt. Die Zionisten sind bestrebt, beide Teile der Larulesbevölkerung zusammenzubringen, dies wird durch Verfügungen von Menschen gestört, die die Lage nicht verstehen, sowie durch politis che l nt ri* gante n, denen nicht gestattet sein sollte, sich in die Angelegenheiten jener einzumischen, die aktiv den Boden bearbeiten. Jewish Agency oder die jüdischen Siedler wollen keinem einzigen Araber Schaden zufügen, sondern im Gegenteil dem ganzen Lande helfen. Das jüdische Volk in Palästina will aber nicht von Barmherzigkeit abhängen, sondern wünsche eine Verwaltung, die ihm seine menschlichen Rechte sichert. Man kann nicht die jüdische Gemeinschaft in der Welt zu sehr überlasten, denn diese Gemeinschaft trägt im Zusammenhang mit der in Deutschland vor sich gegangenen und noch andauernden unzivilisierten und unmoralischen Aktion eine genug schwere Bürde. Es sei nicht nur notwendig, in Palästina gerecht zu sein, es sei auch notwendig, öffentlich zu demonstrieren, d i'ß Gerechtigkeit geübt wird. Es wäre nützlich zu ivissen, wie viele Nazi-1 Agitatoren seit Jahr und Tag Juden und Araber in P alästina gegeneinander auf hetzen. Was die Sicherheit der Anleihe betrifft, so ist diese um so gesicherter, je mehr Juden in das Land kommen. Entwickle sich das Jüdische Nationalheim ungehemmt, so werden hundertfach größere Anleihen für Jahrhunderte gesichert sein. NEUEROFFNUNG PENSION, CAFE-RESTAURANT, orth. -UM A. BARSCHAK & CO. aus Wien, II., Große Schiffgasse 3, Tel, A 46-4-39 in BAD HALL Ob.-Österr. (Villa Mayrhofer) Das Unternehmen steht unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Babad Die Antwort des Kolonien« minister« KolwUmmiiwetcr Sir Philip Cun 1 iffeist e r führte im Schlußwort u. a. aus: er habe nio geleugnet, daß Palästina Geld auf offenem Markte auch ohne Garantie der britischen Regierung bekommen könnte, aber diio britische Garantie soi notwendig wegen der Zinsraten, die Palästina zu zahlen haben würde, Wedgwoods Rede, fuhr dor Minister fort, war wirklich eine außerordentliche, Er beschuldigte die Regierung, ein Vorurteil gegen die Zulassung deutscher Juden zu haben, und ignorierte auch völlig die Arbeitsstatistiken. Während der vier Jahre der Administration Lord Plumars, die musterhaft war, kamen nach Palästina: 1925 - 34.000, 1920 - 13,000, 1927 — 2700, 1928 2158, aber 1933 unter der jetzigen Administration 30,000 jüdische Ein-| Wanderer. In den ersten zwei Monaten 1934 kamen 5200 Juden ine Land. Die Höhe der Einwanderung hängt von der Absorptionsfähigkeit dos Landes ab, das bedeutet nicht Absorptionsfähigkeit in einem bestimmten Augenblick, sondern die g a n z e z ukünftige Entwicklung müsse in Betracht gezogen werden. Für diese Schätzung verantwortlich sind die Personen der Verwaltung, deren alleiniges Inte rosse os ist, dem wirtschaftlichen und dem allgemeinen Wohl de« Landes zu dienen. Nie werde er, der Minister, vorsuchen, diesen Personen du« Rocht auf Urteil und Beschluß aus der Hand zu nehmen. In jedes jüdische Haus Die Stimme“ IJ1