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Die Stimme · 1934-05-18 · Heft 354 (18.5.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 354 (18.5.1934)
Date
1934-05-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Erscheint Dienstag und Freitag Frei« dieser Nummer 25 g V. b. b. HEUTE POPPELNUMMER 12 Seiten stark mit Frauen- und Schewuoth-Beilagen JÜDISCHE ZEITUNG ENGL. HERRENMODE FEINE MASSWÄSCHE EUGEN PRAGER I., SPIEGELGASSE 25 FERNRUF: R 22-3-90 Nr. 354 f""™""wien, 18. Mai 1934 I ■Heuummmuuummui Redaktion und Administration. Wien, •. Klrntnerstraße 2b Tel. R 27-4-85. RedaktlonssohiuB Montag und Mittwooh vorm. Dr. Jakob Ehrlich - ' : i lli« - TV: > > . , mtm Unser -Gesinnungsgenosse Dr. Jakob Ehrlich wurde zum.Rat der Stadt Wien 'ernannt. Er übernimmt damit ein schweres und verantwortungsvolles Amt. Wir müssen unser Bedauern darüber.ausdrücken, daß im Rate ■ der Stadt Wien unter 64 Mitgliedern nur 2 Juden sitzen, außer Dr. Ehrlich noch der Präsident des Gremiums der Kaufmannschaft Leopold Länger. Wir Juden machen in Wien zirka 11% der Bevölkerung aus und unser Anteil am Wirtschaftsleben ist noch bedeutend höher. Wir meinen daher, daß gerade durch die berufsständische Verfassung die Möglichkeit gegeben ist, den Wiener Juden eine angemessene Vertretung zu sichern, und wir wollen hoffen, daß künftige Bestellungen unseren gerechten Forde-, rungen nach angemessener Vertretung in den ständischen Körperschaften Rechnung tragen werden. Mit Dr. Jakob Ehrlich tritt kein Unbekannter vor dio Öffentlichkeit. Er wurde in Bistritz am Hostein in Mähren geboren, absolvierte das Gymnasium in Kremsier und die Rechtsfakultät der Wiener Universität. Er steht seitseiner Jugend in der zionistischen Bewegung und ist Alter Herr der Jüdischen Akademischen Verbindung Ivria. Seit dem Jahre 1912 gehört er dem Wiener Kultusvorstande an, in den er und Ing. Stricker damals als erste Zionisten einzogen. Er rückte sofort nach Kriegsausbruch ins Feld ein, leistete als Frontoffizier Kriegsdienste bis Ende 1917 und wurde mehrfach ausgezeichnet. Im Jahre 1919 wurde er auf zionistisches Programm in den Wiener Gemeinderat gewählt, dem er durch eine Wahlperiode angehörte. Er stand wiederholt an der Spitzo des Zionistischen Landesverbandes für Österreich, ist derzeit Obmann des Klubs der zionistischen Kuitusmandatare und gehört seit mehr als zehn Jahren dem Disziplinarrat der Wiener Rechtsanwaltskammer an. Dr. Ehrlich ist ein Mann von größter persönlicher Bescheidenheit, dem jede Phrase fremd ist, der aber gleichzeitig ein beredter und mutiger Vertreter seiner jüdischen und zionistischen Überzeugung ist. Die Wiener Rat der Stadt Wien Juden werden ihn als würdigen und energischen Vertreter ihrer Interessen kennenlernen. Es ist, gewiß kein Zufall, daß gerade zum Vertreter der „Israelitischen Religionsgesellschaft“ ein Zionist ernannt wurde, jener Richtung also, der auch die Majorität des Wiener Kultusvorstandes angehört. Ist es doch der Zionismus, der durch sein offenes Bekenntnis zum Judentum, durch die klare | Erkenntnis der jüdischen Situation, durch den furchtlosen Kampf für unsere Gleichberechtigung und den Palästinaaufbau nicht nur die jüdischen Massen erobert, sondern sich auch die Achtung der christlichen Welt erworben hat. Mit Dr. Jakob Ehrlich zieht der berufenste Mann als jüdischer Vertreter in den Rat der Stadt Wien ein. Sein großes Wissen, seine Energie und Opferwilligkeit werden der Gemeinde Wien und den Wiener Juden nur Vorteil bringen und das jüdische Ansehen |heben. Der Zionistische Landesverband für Österreich beglückwünscht seinen langjährigen Präsidenten, dessen Ernennung auch im Auslande bei den Juden lebhafte Genugtuung h e r vorruf e n wird, zu seiner Ernennung. Die unzähligen Glückwünsche, die dem Zionisten Dr. Ehrlich, der als Sachwalter des gesamten Wiener Judentums in die Wiener Ratstube einzieht, auch aus nichtzionistischen Kreisen Wiens zukommen, beweisen, daß der Bürgermeister von Wien richtig gewählt hat. Palästina ■ Anleihe vom Unterhaus angenommen Große Debatte über Englands Politik gegenüber dem Jüdischen Nationalhelm London, 14. Mai. . In der Sitzung des Unterhauses am 11. Mai wurde das Ermächtigungsgesetz zur Ausgabe einer Zw*;i- Millionen-- Pfund-Anleihe für Palästina einmütig angenomm e n. Der Abstimmung ging eine lebhafte Debatte voraus, in der außer den für die Ausgabe der Anleihe maßgebenden Gründen auch Fragen der allgemeinen englischen Palästina-Politik und Fragen des Jüdischen Nationalheims zur Sprache kamen. Der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lieter begründete die Vorlage mit dem Hinweis darauf, daß die Finanzlage Palästinas und damit die Sicherheit der Anleihe jetzt unvergleichlich besser sei als bei der 1926 aufgenommenen Anleihe. Man erwarte, daß der Überschuß Palästinas im Finanzjahr 1933/34 etwa eine Million Pfund betragen werde. „Warum will Palästina dann borgenV“, fragte der ehemalige Zivil-Lord der Admiralität und frühere Führer der liberalen Parlamentsfraktion George Lambert. Der Minister erwiderte, es tue das, weil Cs ein sehr gesunder Grundsatz sei, Gelder für Kapitalsanlagen aufzunehmen und große Reserven zu schaffen. Die Gesamtlage könne dahin zusammengefaßt werden, daß die Sicherheit mit vollem Recht als zufriedenstellend erachtet werden könne; es sei durchaus gerechtfertigt, daß das Haus die Anleihe garantiere. Die Aufgaben der Anleihe seien Aufgaben einer gesiiudeu Entwicklung; die Palästina-Regierung habe die Auswahl derart getroffen, daß dio geplanten Arbeiten in hohem Maße ertragbringend sein würden. So seien zum Beispiel 210.000 Pfund für die Errichtung eines Öldocks und( Planierungsarbeiten in Haifa vorgesehen. Nach dem mit der Petroleumgesellschaft abgeschlossenen Vertrag werde dieses öldock im Jahr mindestens 30.000 Pfund ein- VII., KAISERSTRASSE 123 * IX., ALSERSTRASSE 6 bringen. Audi das Jerusalemer Postamt mit Telephonzentrale werde die Kosten seiner Errichtung und seiner Erhaltung auf bringen. Mit Hilfe der zu gewährenden landwirtschaftlichen Kredite würden viele Landwirte aus den Händen der Geldverleiher befreit werden. Weitere Ausgaben seien für Brunnenbobrungen, Erforschung von Wasservorkommen und Verbesserung der Wasserversorgung vorgesehen. Zwei Drittel der Anleihe für die Araber, ein Drittel für die Juden Man habe die Ansicht geäußert, daß all diese Dinge mehr den Arabern als den Juden zugute kommen würden. Ihm liege eine auf der Basis der Bevölkerungsteile und Gebiete, die voraussichtlich von der Anleihe profitieren würden, an.gestel.lte Berechnung vor; er sei dahin informiert, daß die Ausgaben aus der Anleihe zu zwei Dritteln den Arabern, zu einem Drittel den Juden zugute kommen würden. Rede des ehemaligen Bergwerksministers Foot Der liberale Abgeordnete Isar Foot, ehemaliger Bergwerksminister, erklärte, die Ausgabe dieser Anleihe zeuge nicht von Not, sondem von Prosperität. Mit Hilfe der früheren Anleihe habe Palästina etwa eine Million Pfund zurückzahlen können, die ihm von England zur Behebung von Kriegsschäden vorgeschossen worden war. Es sei höchst wünschenswert, daß das Haus, soweit dies durch oine Garantie geschehen könne, die palästinensische Landwirtschaft ermutige. Nach einem Hinweis auf die großen Leistungen der Palästina-Regierung in der Wasserversorgung in Stadt und Land ging der Redner zur Besprechung der mit Hilfe der Anleihe zu erfüllenden kulturellen Aufgaben über. Er würde es begrüßen, wenn in Palästina die Dorfschule als ebenso unerläßlich erachtet werden würde wie der Dorfbrunnen. Unter der Verwaltung Sir Herbert Samuels seien in 200 Dörfern Schulen errichtet worden; die Fortsetzung dieses segensreichen Werkes habe aus Geldmangel unterbleiben müssen. Er wisse aus eigener Erfahrung, welch dringendes Bedürfnis nach Erziehung bei der arabischen Jugend vorhanden sei. Er gebe zu, daß mit dem, was Nur in die guteD billigen Messer Fahrschulen Wien, VIII., Neudeggergasse 18, Tel, B 46-5-72 und Inzersdorf (Nied.-Österr.) III Elektrisches Lehrchassis I I! geplant sei, den arabischen Kindern einVorteil eingeräumt werde; doch sei dies eine aus historischen Ursachen sich ergebende Notwendigkeit. England habe eine Erbschaft übernommen, mit der es sich befassen müsse. Doch glaube er, daß dieser den Arabern gewährte Vorzug dazu beitragen werde, die Kluft zwischen den beiden Völkern in Palästina durch Herstellung eines einheitlicheren Niveaus der Erziehung zu verkleinern. Es wäre tragisch, wenn diese Anleihe oder die an ihr geübte Kritik dazu führen würde, dio Kluft zwischen den beiden Völkern zu erweitern statt sie enger zu machen. Er hoffe, daß diejenigen, die an der zionistischen Bewegung, einer der bemerkenswertesten Bewegungen der Weltgeschichte, teilgenommen haben, nicht entmutigt werden würden. Wedgwood gegen die Palästina-Regierung Colonel Josia Wedgwood erklärte, er habe den Vorschlag einer Palästina- Anleihe unterstützt, als er vor einem Jahre zum erstenmal dem Hause vorgelegt wurde. Seither seien jedoch eine Reihe neuer Punkte auf getaucht. Er unterstütze durchaus die Garantie der britischen Regierung. Diese Garantie sei ein guter Schritt vorwärts, denn solange die Palästina geliehene Summe von der englischen Regierung garantiert werde, werde die Kontrolle Englands über das Mandatsgebiet aufrechterhalten werden; es habe sich seit dem letzten Jahr gezeigt, daß der erste Schritt einer Regierung, sobald sie die wirkliche Macht erlangt habe, darin bestehet die Zinsen für geliehenes Geld nicht mehr zu bezahlen. Unter diesen Um-

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