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Die Stimme · 1934-05-15 · Heft 353 (15.5.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 353 (15.5.1934)
Date
1934-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 858. - 15. Mai 1934 DIE STIMME Seite 5 Die Tarucha Momentaufnahmen von der levante-Meste Von Erich Gottgetreu, Jerusalem Kunst und Literatur UBHHMmraKHHUHHHHUmmnHI Konzert Juliusz WolSeoSin Das umfangreiche Programm enthielt außer dem Chopin-Konzert. E-Moll und der Hebräischen Suite für Klavier mit Orchester von Juliusz W o 1 f s o h n oine Uraufführung eines jungen jüdischen Komponisten, Alfred F r e u d e n h a i n, bclitolt Poeme. Das Werk verrät, einen großen Könner und erzielte lebhaften Beifall. Das Wiener Konzertorchester, dessen Konzertmeister, der bekannte Primgeiger des G a 1 i m i r - Quartetts, sieh in den Soli der Hebräischen Suite besonders ausgezeichnet hat, stand diesmal unter der Leitung des überaus musikalischen Dirigenten Dr. Ernst B a c h r i c li, dem ehemaligen Dirigenten der Volksoper und des ITakoah-Orchesters. Den Höhepunkt des Abends bildete die Aufführung der Hebräischen Suite für Klavier und Orchester von Juliusz W o 1 f s o h n, vom Meister selbst aufs wunderbarste interpretiert. Über den starken künstlerischen Eindruck dieser Aufführung gibt das folgende, von Professor Emil von S aner an den Künstler gerichtete Schreiben beredtes Zeugnis. Sehr geehrter Herr Professor! Der Eindruck, welchen die Aufführung Ihrer Hebräischen Suite in mir erweckte, ist so stark und nachhaltig, daß ich Sie gern auch auf diesem Wege zu Ihrem großen, verdienten Erfolge beglückwünschen möchte. Die schöne Komposition ist modern in bestem Sinne des Wortes, der Klaviersatz glänzend, voll neuer, zauberhafter Klangeffekte und die Instrumentierung, welche die Hand eines Meisters erkennen läßt, nicht genug zu rühmen. Es handeltsich entschieden um eine begrüßenswerte Bereicherung der Musiklitcratur, um eine edle, tief empfundene Schöpfung, in welcher Klavier und Orchester eine adäquate Rolle spielen, um ein Werk, welches dem Aufführenden einen sicheren Erfolg verbürgt, N. B. wenn es so hervorragend wiedergegeben wird, xoie in Ihrem letzten Konzert durch Ihre fesselnde, herrliche Interpretation. Mit freundlichsten Grüßen verbleibe ich stets Ihr ganz ergebener Emil v. Sauer nt. p. Jede Hinzufügung zu diesem glänzenden Urteil einer so hervorragenden Musikerpersönlichkeit würde den Wert nur herabmindern. Der Abend brachte Juliusz Wolfsohn einen künstlerisch und gesellschaftlich gleich großen Erfolg. Fünf Gesandte und zahlreiche Persönlichkeiten aus der Musikwelt waren anwesend. Der beim Konzert anwesende berühmte Komponist Kienzl umarmte Professor Wolfsohn coram publico mit den Worten, daß die Hebräische Suite für ihn „eine neue, wunderschöne Welt" bedeute. Jüdische Kulturstelle (JKa) Die Jüdische Kulturstelle (JKa) hat sich die Aufgabe gestellt, als Zentrale jüdischer Bildungsarbeit durch Zusammenschluß und Förderung aller jüdischen wissenschaftlichen und künstlerischen Organisationen jüdische Kultur in die breiten Massen zu tragen. Die JKa wird ihre Tätigkeit frei von allen politischen Strömungen innerhalb des Judentums ausüben. Folgende Organisationen haben sich der JKa angeschloseon: Voreiu zur Förderung jüdischer Musik, Jüdischer Gesangsvoroiu, Verein für jüdische Geschichte und Literatur, Jüdische Kunst-steile, Jüdisches Volkshoim, Volksbibliothck Zion, Thcatorgruppo des Klubs Eroz-Isreal. Dio Gründung eines jüdischen Volkskonservatoriums wird geplant. Zur Pflege des jüdischen Liedes sollen Singschulen bei don Jugendvereinen, Blaltlesokurso und Chorvereinigungon gebildet werden. Eine der vornehmsten Aufgaben der JKa wird es sein, zur Verbreitung dos jüdischen Buches durch Bibliotheken und Gründung einer jüdischen Buchgemclnschaft beizutragen. Führungen durch Kunststätton und Veranstaltung von Ausstollungon weiden das Intoresso für bildendo Kunst wocken. Jedes Mitglied der JKa erwirbt auch das Recht auf don Bezug von Theater- und Konzertkarten zu ermäßigtem Preis im Wege der oigonon Kunststolle. Der Jahresbeitrag beträgt S 2.50. Anmelduiigen sind zu richten an die Jüdische KuUuistalle (.JKa), Wien, II., Aspernbitickeng'asse 2, Tel. R 48-2-91. Die Tel-Aviver sind in diesen Messetagen sehr traurig darüber, daß eie trotz ihrer — arbeiten müssen. Vor der Stadt ist's ja jetzt, viel interessanter a.l« in ihr. So pilgert, wenigstens abends jung und alt hinaus — was, so hin,geschrieben, eigentlich ein Unsinn ist,, denn in Tel-Aviv gibt« fast nur jung. Die Messehallen »ind bis elf Uhr geöffnet. Der Rummel im Luna,park dauert noch länger. * Damit alles «einen Ausgleich findet, haben an einem der ersten Messetage die Tel- Aviver Ladenbesitzer, wenigstens die kleineren, ihre Geschäfte nicht geöffnet. Sie protestierten damit gegen den Mietzins, von dem sie mit Recht behaupteten, daß er in den letzten Monaten in die Höhe geklettert sei wie der Turm auf der „Tarucha“, der Messe. Freilich — bekam man durch die Gitter der Geschäfte doch alles hindurchgereioht, was man wünschte. Also nicht einmal „hintenherum"... * Herrlich ist der Nachtblick vom Turm der Tarucha. Das Ausstellungsgelände prunkt und perlt. Ein Lichtmeer funkelt am Mittelmeer. Eine lyrische Dame hört ich schwärmen: „Es ist wie auf dem Schiff...". Aber ihr Begleiter war enttäuscht: „Das angenehme Schaukeln fehlt...“ * Einer der schönsten Stände der Ausstellung zeigt Photographien des Preseephotographen Kluger. Er hat Palästina für den Keren Hajessod bereist und das Bild der Landschaft und der jüdischen Arbeit vollendet aufgefangen. Seine Stärke ist seine Sachlichkeit. Er verkitscht sein Objekt nicht. Er verschönt es auch niemals. Er sieht und lehrt sehen. Der Pre&sephotograph war in diesem Falle der gegebene Messephotograph. * Besonders stolz ist alles auf den Autosalon. Eine ganze Reihe-.führender .Firmen, stellt aus. Die Wagen glänzen. Die Fenster dbr Karosserien blitzen ’ spiegelbla.uk. Es.''ist eine Lust Gas zu geben. Die Motoren und die letzten Droschkenkutscher brummen.' * Frankreich will höher hinauf. Sein Luftfahrtministerium zeigt Flugzeugmotoren. Das Publikum ist sehr interessiert. Das Flugwesen wird in Palästina populär. Schon wurden über den Mauern von Jericho Vergnügungsflüge veranstaltet-. Und zur Eröffnung der Levante-Messe flog und weihte der High-Commissioner die Luftstrecke Jerusalem—Ludd ein. Ludd soll Tel-Avivs Flughafen werden. Bisher sah nur selten jemand auf Tel-Aviv herab. Wir palästinensichen Patrioten meinen, daß das ganz in der Ordnung ist. * Auch in der Palästinaha.lle selbst wird Luftsport getrieben. Allerdings nicht mit Neuerscheinungen im Fäba*Verlag Das Protokoll des 18. Zionistenkongresses und der 3. Jewish Agency-Tagung. Im F i b a - V e r 1 a g, W i e n * L e i p z i g, der in letzter Zeit, eine Reihe wertvoller Palästina-Literatur herausgebracht hat, erschien sooben das offizielle Protokoll des 18. Zionistenkongresses des Jahres 1933 in Prag und der 3. Tagung des Councils der Jewish Agency, der eineu stattlichen Band von 63 Seiten umfaßt. Das Protokoll enthüllt den gonauen und vollständigen Bericht über alle Sitzungen, den Text allor Beschlüsse und genaue Angaben über die Zusammensetzung des Kongresses, die Wahlen usw. Angesichts der Bedeutung der auf diesen Tagungen erörterten Probleme für den Aufbau Palästinas und der Lago des gesamten Judentums bildet dieses Protokoll ein wuchtiges historisches Dokument für joden, der ein Freund de« jüdischen Nationalhoims ist und sich mit jüdischen Dingen befaßt, Pionierlust, und Heroismus, sondern mit Scharm und Schönheit-. Junge Damen führen.' einen Fallschirm vor, der ln die Luft geschnellt wird umd dann, entfaltet, wieder heimfindet. Ihr fr üb lieh es Zählen: „Ach ad, Stajim, Schaloscli...!" dringt, den ganzem Tag über Stand und Wand. * Im Pavillon am Meer wird getanzt. Jazz kommandiert die Beine. Zwischen Bar und Ka.ffeestamd schwebt des ersten Geigers Hand. Auf dem Parkett, das die mondäne Weltbedeutet, werden elegante Moden zur Schau getragen. Klein-Paris ist eine Messe, eine Messe Klein-Paris wert. Wer sehnt sich nach der Seine? Musik, durch Lautsprecher vielfach verstärkt, erschüttert auch dio ahnungslose Luft zwischen den Hallen. Strauß verkracht, sich mit Verdi, Kantor Rosenblatt schlägt sich, mit Joseph Schmidt — bei dessen Tel- Aviver Konzerten sich wieder das Publikum fast um die Karten schlug. Vom Stadion her werden Sportergebnisee in die Messewelt gebrüllt. Auf dem Festspiel platz vor der Palästinhalle spielt zu allem Schrecken auch noch eine leibhaftige Kapelle ihr Programm ab. Laut flehen ihre Lieder. Aber kein Grammophon läßt sich den Trichter stopfen. * Hingegen bekommen im Lunapark die Augen etwas zu lachen. Die Götinnen in der Glücksbude „Wurf um Wurf ‘nen Piaster", die Eiswasserverkäuferinnen, die Anreißerinnen vor den großen Attraktionen, „Europas letzten Sensationen" — es sind zumeist hübsche, junge Mädchen, denen der neue so romantische Beruf sichtlich Freude macht. Die Sprache ihrer Reklame ist hebräisch und — deutsch. sie . „Sieben - weise . Männer sagen Ihre Zukunft. voraus.“ -Derder sich mit meiner beschäftigte, war so: orientalisch, daß er arabisch besser als hebräisch sprach. Ich mußte mit den'Fingern auf einebeliebige Stelle seines' hebräisch gedruckten Zauberbuchs zeigen; dann folgte sein Orakelspruch — in arabisch. Immerhin hatte er einen englischen Dolmetscher. ’-fi Die Samaritaner zeigen ■ in einem Zelt Reliquien ihrer Geschichte. Und ein alter Jude . .aus Jerusalem hat Psalmen auf ein Weizenkorn geschrieben: dreihundert hebräische Buchstaben auf jedes Korn! Man besieht sich das Wunder des sinnlosen Fleißes durch die Lupe. Das Werk des Kleinstschreibers mutet paradox an auf diesem Tummelplatz des Tempos, auf dem in steten Tag- und Nachtschichten weniger Monate aus dem weichen Sand die Tarucha erwuchs, nach Jerusalem, Haifa und Tel- Aviv die vierte große Stadt des Landes. Der Besuch Dr« Zollschans hei Masaryk Der. französische Publizist Emile Schreiber und Gattin wurden vom Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, Thomas G. Masaryk, eingeladen, ein Wochenende im Schloß Lana zu verbringen. In der Pariser Zeitschrift „L’Illustration" berichtet Schreiber über seinen Besuch und gibt einen Teil seiner Gespräche mit Masaryk wieder. Zur Judenfrage bemerkte Präsident Masaryk: „Kürzlich besuchte mich D o kt o r Z o 11 s c h a n, ein jüdischer Arzt aus Karlsbad, er erklärte mir, daß er einen internationalen a n t h r o p o 1 o g isehen Kongreß zu organisieren beabsichtige, um auf wissenschaftliche und objektive Weise festzustellen, daß cs unmöglich ist, die menschlichen Rassen voneinander zu unterscheiden. Ich habe ihn lebhaft angespornt, das zu tun, und schließlich habe ich ihm empfohlen, auch die Repräsentanten der deutschen Wissenschaft offiziell zu laden, damit sie dort, vor dem Areopag der Gelehrten j aus aller Welt, ihren Standpunkt darlegen, der dann diese Frage., unabhängig von der! •politischen Doktrin, lösen wird.“ I Biro-Bidschan — Jüdische« autonomes Land Moskau, 10. Mal. Die Proklamierung von Biro-Bidschan im Fernen Osten zu einem jüdischen autonomen Gebiet (Sowjetrepublik) ist vollzogen worden. Das Dekret des Zentralexekulivkdmitees der Sowjetunion ist in der „fswesti ja“ erschienen. Die jüdische Siedlung in Biro-Bidschan ist eigentlich ein Schmerzenskind des sowjetrussischen Aufbaus. Während die jüdischen Siedlungen in der S fi d u k r a i n e und auf der Halbinsel Krim — wo übrigens auch jüdische autonome Gebiete, freilich ohne den Charakter einer Republik, geschaffen wurden — unbeschadet des in den früheren Jahren seitens der Regierungsorgane sehr scharf geübten Nat-uralstcucrdrucks und der Zwangskollcktivierung sich verhältnismäßig gut entwickeln, konnten bisher in Biro- Bidschan die eingewanderten Juden nur schwer Wurzel fassen; dies ungeachtet der seit mehreren Jahren unter den Juden überall in der Sowjetunion und auch im Auslande systematisch geführten Propaganda zur Wanderung nach Biro-Bidschan. In dem Plan der Regierung wurde alljährlich eine bestimmte Zahl von tausenden jüdischen Familien genannt, die im Jahresverlauf in Biro-Bidschan seßhaft gemacht werden sollen, niemals aber wurde diese Quote auch nur annähernd aufgefüllt, und von den nach Biro-Bidschan gewanderten Juden wunderte ein sehr großer Prozentsatz zurück. Die bisherigen Mißerfolge im Aufbau Biro- Bidschans waren nicht etwa in den unzureichenden jüdischen Kräften, sondern — wie die russisch-jüdische Presse in ihren oft sehr freimütigen Kritiken feststellte — in den unzureichenden Vorbereitungen seitens der lokalen Kommissionen, die nicht für genügend Wohnraum, Nahrungsmittel und eine vernünftige Verteilung der Arbeitskräfte gesorgt haben, begründet,; nicht zuletzt auch darin, daß die jüngeren jüdischen Arbeitskräfte in der Industrie eine befriedigende Beschäftigung gefunden haben und für sie die Wanderung mach Biro-Bidschan die Aufgabe einer eroberten-Position bedeutete. Es bleibt abzuwarten, ob' die Proklamierung Biro- Bidschans zu einem autonomen jüdischen Land hier eine Wendung herbeiführen wird. Nach dem Plan der Sowjetregierung soll Biro-Bidschan mit seinem reichen Waldbestand und seinen wertvollen Bodenschätzen nicht allein als Ackerbauland, sondern auch als Industrieland aufgebaut, ja. das metallurgische Zentrum des russischen Fernen Ostens werden. Ein System von landwirtschaftlichen Kollektiven und staatlichen wie genossenschaftlichen Fabriksbetrieben ist bereits in Biro-Bidschan errichtet. Über die Zahl der jetzt dort ansässigen Juden war in der letzten Zeit nichts Genaues verlautbart worden; jedenfalls stützt sich das gesamte neue Aufbauwerk in Biro-Bidschan vornehmlich auf jüdische Kräfte. * In dem Dekret des Zeutralexekutivkoinitees der Sowjetunion und des Rates der Volkskommisäre heißt es, daß die jüdische Sowjetrepublik Biro-Bidschan als gleichwertiges Mitglied in den Bund der Sowjetrepubliken eintritt. 'Sie erhält eine eigene Regierung und bildet eine eigene Armee in der vorläufigen Stärke vou 7500 Mann unter der Leitung des Generals der Roten Armee, Rappaport. In dem gleichzeitig von der ncugebildeten jüdischen Regierung von Biro-Bidschan veröffentlichten Erlaß, dor sich unter anderem gegen die zionistischen Eiein eilte in Biro-Bidschan wendet,, werden die Einwohner aufgefordert, in der neuen Sowjetrepublik Biro-Bidschan gegen den Zionismus zu kämpfen. Dio Regienmgssprache in der neuon Republik ist jiddisch. Biro-Bidschan erhält eigene Briefmarken und eine Währung. leopolffldfer t/olkskino Tolupluui 11 40-0-2:) s'.mi 1,1. Mai his 17. Mai : ■■wirnw^ htel] .•n; Der feeismbernde Betrüger mit Ivan IMrovieli, Fn’l/. Kaniiieis, Kllen Kii'liier. Wiichentags ’/jO, l/A '/*K> Ulu, Sonn* u. Fciurtngs 'hi Uhl

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