Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 353 (15.5.1934)
- Date
- 1934-05-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 OIE STIMME Nr. 353. — 15. Mai 1934 DerMordorozelWi^Jeriisalefii Berichte der Jüdisctaen-Telegraphen-Agentur Jerusalem, 9. Mai. Am Montag begann die dritte Woche im Arioforoff-Mordprozeß. Einvernommen wurde zuerst der Zeuge Moische Cohen, der am 7. August 1933 verhaftet und in die gleiche Zelle wie Zvi Rosenblatt gebracht worden war. Cohen meldete dann der Polizei, sein Zellengenosse Rosenblatt habe hn Gespräch mit ihm zugegeben, daß er den tödlichen Schuß auf Arlosoroff abgegeben hat Vor Gericht erklärte Cohen, er habe in der Zelle das Vertrauen Rosenblatts gewonnen, der ihm einen angeblich von Wladimir Jabotinsky geschriebenen Brief vorgelesen habe, in dem die verhafteten Revisionisten zum Durchhalten ermutigt werden. Als Rosenblatt — erzählte Cohen weiter — den Brief von Jabotinsky in seinen Händen hielt, äußerte ich mein Erstaunen darüber, daß Hände, die so zart wie die eines Mädchen sind, einen Revolver halten konnten. Darauf sagte mir Rosenblatt: E s ist Tatsache, diese Hände hielten die Waffe. Vom Generalstaatsanwalt T r u s t e d ins Kreuzverhör gezogen, sagte Cohen, Rosenblatt sei völlig offen zu ihm gewesen und habe ihm sogar über seine Unterhaltung mit Frau Arlosoroff im Bureau des Captain Rice berichtet, wobei er, Rosenblatt, hinzufügte, daß, wenn Frau Arlosoroff die Überzeugung gehabt hätte, daß er wirklich der Mörder Dr. Arlosoroffs ist, sie ihm nicht in die Augen hätte sehen können. Cohen sagte weiter aus, er habe mit Rosenblatt nur eine Unterhaltung geführt, am nächsten Tage sei er, Cohen, in eine andere Zelle gebracht worden. Vom Verteidiger Horaee Samuel gefragt, warum er verhaftet wurde, erwiderte Cohen, man habe ihn beschuldigt, eine Uhr aus seiner eigenen Wohnung entwendet zu haben, die entweder seiner Schwester oder einem Kostgänger gehörte. Weder seine Schwester noch der Kostgänger hatten das Fehlen der Uhr bemerkt, da sie unbrauchbar war. Auch haben weder seine Schwester noch der Kostgänger ihn bei der Polizei angezeigt; er stand gut mit den beiden nach wie vor der Verhaftung. Ich selbst, fügte Cohen hinzu, hatte Interesse daran, überführt zu werden; ich wollte ins Gefängnis. Samuel fragte: Wollten Sie ins Gefängnis, um Rosenblatt zu einem Geständnis zu bewegen? Cohen erwiderte: Ich bin nicht verpflichtet, auf diese Frage zu antworten. Der Vorsitzende, Richter C o r r i e, sagte zu Cohen: Sie müssen antworten! Darauf Cohen: Ich erinnere mich nicht genau, warum ich ins Gefängnis gehen wollte; es war jedenfalls nicht darum, weil ich ein Geständnis von Rosenblatt erhalten wollte, aber an den wirklichen Grund erinnere ich mich nicht. Cohen sagte weiter aus, er sei wegen des Uhrendiebstahls zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt worden, habe aber nur zwei Tage der Haft verbüßt. Er war zuerst in eine Zelle mit zehn Arabern gebracht worden, hatte aber um die Überführung in eine andere Zelle gebeten. Er war nicht überrascht gewesen, als er in Rosenblatts Zelle kam, denn e-r hatte darauf gehofft. Als er mit Rosenblatt allein war, habe er diesem zu verstehen gegeben, daß er als Revisionist, der im Besitze illegaler Dokumente angetrofTen wurde, verhaftet worden war. Dies habe er gesagt, um Roeenblatts Vertrauen zu gewinnen. Auf die Frage, ob der Gefängnisbeamte ihm aufgetragen habe, zu versuchen, e i n Geständnis von Rosenblatt zu erhalten, erwiderte Co-hen, er erinnere sich nicht daran, aber er sei nicht b ereit zu schwören, daß dem nicht so war. Ich habe, fügte Cohen hinzu, gelogen, als ich im Gefängnis sagte, ich sei Revisionist; ich habe manchmal die Gewohnheit, Lügen zu erzählen. Gefragt, ob er von der Polizei beauftragt war, die Revisionisten zu bespitzeln, erklärte CobeD: loh bin nicht bereit zu beschwören, daß dem nicht so war. Verteidiger Horaee Samuel gab Cohen zu verstehen, daß das ihm von Rosenblatt in der Zelle gezeigte Manuskript nicht ein Brief von Jabotinsky war, sondern eine mit der Schreibmaschine hergestellte Kopie eines Artikels Jabotinskys über die Lage der Juden in Rußland. Cohen aber blieb fest dabei, daß es ein Brief von Jabotinsky war. Gegenüber Samuels Andeutung, daß sein Bericht über seine Unterhaltung von Rosenblatt von Anfang bis zu Ende erlogen sei, versicherte Coben, er habe den Verlauf seiner Unterhaltung mit Rosenblatt vollkommen wahrheitsgetreu wiedergegeben. Gefragt, warum er, der doch zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt worden war, schon am dritten Tage frei gelassen wurde, erwiderte Cohen, er wisse dies nicht zu erklären. Können Sie beschwören, fragte Samuel, daß die Polizei Ihre Inhaftierung nicht nur aus dem Grude arrangierte, um durch Sie ein Geständnis von Rosenblatt zu erlangen? Darauf Cohen: Nein, ich kann es nicht beschwören. Cohen erzählte weiter, er sei nach seiner Freilassung von der Polizei beschäftigt worden. Abdul Medschld über seine Unterhaltungen mit Stavsky Es folgte die Einvernahme des aus dem Gefängnis vorgeführten jugendlichen Arabers Abdul Medschid, der seinerzeit gestand, an dem Morde an Arlosoroff beteiligt gewesen zu sein, dann aber sein Geständnis zurückzog. Abdul Medschid sagte aus, er sei von Beruf Mechaniker. Zusammen mit einem anderen jungen Araber, I s s a D a r w i s h, sei er wegen Ermordung des arabischen Barbiers Lufti verhaftet worden. Im Gefängnis traf er mit Stavsky, Rosenblatt und Achi M e i r zusammen, er habe aber nur mit Stavsky und Rosenblatt Gespräche geführt. Seine erste Unterhaltung mit Stavsky fand zwei Tage vor Neujahr statt. Stavsky trat zu ihm heran und fragte ihn nach dem Grunde seiner Verhaftung. Er habe erwidert, er und Issa Darwish seien wegen der Tötung von Lufti verhaftet worden. Die zweite Unterhaltung fand am Neujahrsmorgen satt. Diesmal habe er, Medschid, die Unterhaltung begonnen. Er fragte Stavsky, warum er in Haft sei. Stavsky erwiderte, er, Rosenblatt und Achi Meir seien in Verbindung mit dom Mord an Dr. Arlosoroff verhaftet worden. Stavsky erklärte ihm später, er werde 1000 Pfund und ausländische Verteidiger erhalten, wenn er und Issa Darwish den Mord an Arlosoroff auf sich nähmen; es treffe sich gut, daß er, Abdul Medschid, Stavsky und Issa Darwish Rosenblatt ähnlich sieht. Stavsky habe ihm auch erzählt, er habe 500 Pfund für einen anderen inhaftierten Araber, Sufchi, hinterlegt, der Medschid Einzelheiten geben wird, wie er seinen angeblichen Morl an Arlosoroff zu schildern habe. Dann habe ihm Stavsky geschildert, wie er und Rosenblatt Arlosoroff töteten. Sie seien ihm bis zum moslemitischen Friedhof gefolgt, gingen dann in eine hölzerne Baracke, warteten dort, kehrten zurück und trafen dann Arlosoroff und seine Frau wieder. Stavsky habe Arlosoroff gefragt: „Wieviel Uhr ist es?“ Arlosoroff habe erwidert: „Ich kann es in der Dunkelheit nicht sehen.“ Darauf leuchtete Stavsky mit einor Taschenlampe auf Arlosoroff, während Rosenblatt schoß. Sie entkamen später in der Richtung auf den moslemitischen Friedhof. Während Stavsky ihm diese Begebenheit schilderte, habe Stavsky ihm auch eine Planskizze gezeigt und geschildert, wie der Mord vor sich ging. Es begann das Kreuzverhör mit Abdul Medschid. Der Vorsitzende, Richter Gorrie, fragte: War der Plan fertig oder wurde er in Ihrer Gegenwart skizziert? Medschid erwiderte: Der Plan war schon fertig. Medschid erzählte weiter: Am nächsten Tage traten Stavsky und Rosenblatt auf ihn zu und sagten ihm: Haben Sie sich die LeHrstellenausschreibung An der einklassigen, ungeteilten Volksschule der aut. orth. isr. Kultusgemeinde Eisenstadt (Burgenland) gelangt die Stelle des .CHUIIEITERS mit Beginn des kommenden Schuljahres zur Besetzung. Diplomierte Lehrer österreichischer Staatsbürgerschaft, welche befähigt sind, in dem erweiterten Religionsunterricht, in Gesang und im Zeichnen Unterricht zu erteilen — wollen ihre entsprechend belegten Offerte biszum t. Juni 1. J. beim Schulstuhle der obigen Kultusgemeinde einbringen. Bezüge nach den gesetzlichen Normen. Der Schulstuhl-Präses Abdul Medschids Jerusalem, 10. Mai. Zu Beginn der Sitzung am 8. Mai zog zunächst der Regierungsanwalt Musa E ffendi al Alami den Zeugen Abdul Medschid ins Kreuzverhör. Auf seine Fragen erklärte Abdul Medschid, er sei aus der Haftzelle zu Captain Rice, dem Leiter der Untersuchungsabteilung, gebracht worden und habe auf dessen Fragen zunächst geantwortet, daß er nichts über den Mord an Dr. Arlosoroff wisse. Darau.hin sei Subhi Zablawi zu Captain Rice geholt worden, um Medschid mit Zablawi zu konfrontieren. Subhi Zablawi habe ihm mit den Augen gewinkt und habe auch gleich begonnen, zu erzählen, wie Abdul Medschid und Issa Darwish Arlosoroff ermordet hatten; Zablawi habe auch die Einzelheiten geschildert, wie sie ihm seitens Stavskys und Rosenblatts berichtet worden waren. Medschid wurde dann über seine Konfrontierung mit Frau Arlosoroff ins Verhör genommen. Er erklärte, daß er damals Frau Arlosoroff zum erstenmal gesehen habe. Ich sagte ihr, fuhr er fort, was Subhi Zablawi mich zu sagen gelehrt hatte. Samuel fragte Medschid: „Sic geben zu, für die Polizei gegen Belohnung gearbeitet'zu haben?“ Medschid: „Ja.“ Sa m u c 1: „Wie wurden Sie bezahlt?“ Medschid: „Mir wurde für jede Information eine Belohnung gegeben.“ Samuel: „Wie oft waren Sie in Tel- Aviv?“ Sache durch den Kopf gehen lassen? Fürchten Sie nichts! Wir werden Ihnen jede nötige Hilfe zuteil werden lassen. Hierauf habe er, Medschid, sich mit Rosenblatt besprochen, der Stavskys Angaben über den Mord bestätigte und hinzufügte: Die Waffe war eine Selstladepistole. Der Regierungsanwalt Musa Alami fragte: In welcher Sprache wurden die Unterhaltungen geführt? Medschid erwiderte: Hebräisch. Alami fragte: Können Sie hebräisch? Medschid anwortete: Ein wenig. Alami fragte wieder: Kann Stavsky hebräisch? Medschid antwortete: Ja. Alami fragte: Und Rosenbiatt? Medschid antwortete: Wie, können Juden nicht ihre eigene Sprache? Medschid erzählte dann weiter: Als ich ins Jerusalemer Gefängnis überführt wurde, traf ich dort Sufchi, der mir sagte, ich solle mich nicht fürchten; 500 Pfund seien wirklich hinterlegt worden. Sufchi hat begonnen, mir die Einzelheiten des Mordes an Arlosoroff zu erklären, er schilderte die Vorgänge genau so, wie Stavsky und Rosenblatt es getan haben, wobei er mir sagte: Halte das Datum des Mordes in Erinnerung! Es war der gleiche Abend, an dem die Vorführung des Preisfechters Hussein, eines ägyptischen Arabers, in Jaffa stattfand. im Kreuzverhör Medschid: „Ich ging immer nach Tel- Aviv, wenn ich Einkäufe machen oder das Kino besuchen wollte. Meist ging ich an den Freitag-Abenden dorthin.“ (Medschid vergaß, daß an den Freitag-Abenden die Geschäfte in Tel-Aviv geschlossen sind.) Er erzählte weiter, er und Issa seien an dem Freitag, an dem der Mord an Arlosoroff begangen wurde, in Jaffa gewesen und hätten der Preisfechter-Konkurrenz beigewohnt; sie hätten sich aber nach der Vorführung nicht nach Hause begeben. Medschid schloß: „Als ich im Bureau von Captain Rico gesagt habe, ich hätte mit Issa Arlosoroff erschossen, hat die zur Identifiziernug anwesende Frau Sima Arlosoroff gerufen: ,Nein, er ist nicht der Mörder!4 Als ich später merkte, daß der Fall politische Hintergründe hat, beschloß ich, das Mordgeständnis zurückzuzieh e n und der Wahrheit gemäß zu erklären, daß ich nicht der Mörder bin.“ Auch die Sitzungen am Mittwoch Vor- und Nachmittag waren mit dem Kreuzverhör mit Abdul Medschid ausgefüllt, welches nunmehr, vorläufig beendet wurde. In der Nachmittagssitzung am Mittwoch kam es zunächst zu einem dramatischen Wortgefecht zwischen dem Verteidiger Horaee Samuel und dem Zeugen Abdul Medschid. Samuel beschloß dieses Zwiegespräch mit den, dem Gericht zugewandt, gesprochenen Worten: „Ich werde dom Gericht b e w eisen, daßAbd ul Medschid undlssä e 1 D a r w i s c h den Mord an Dr. Arlosoroff ausgeführt haben.“ Polizei gegen Jüdische Streik* posten in Palästina Jerusalem, 9. Mai. Die Inkraftsetzung des neuen Gesetzes, welches die Stellung jüdischer Streikposten als Demonstration gegen die Beschäftigung arabischer Arbeiter in jüdischen Plantagen verbietet, wurde heute durch Entsendung von polizeilichen Verstärkungen nach Kfar Saba und die anderen Kolonien im Tale Sharon demonstriert. Gleichzeitig haben die jüdischen Plantagenbesitzer ihre Söhne in die Sharon- Kolonien entsandt, damit sie neben den Arabern arbeiten, um auf diese Weiso das Prinzip gemischter Arbeit zu verteidigen. „Davar“ beschuldigt den Verband jüdischer Pflanzer und seinen Leiter Smi- I i a n s k y, das neue Gesetz zu unterstützen. Der Pflanzerverband, sagt „Davar“, sieht in; dem Gesetz einen Sieg der Pflanzerinteressen. über 20.000 Juden leben auf Nationalfondsboden Jerusalem, 10. Mal. Das Hauptbureau des Jürischcn Nationalfonds in Jerusalom teilt mit, daß der Bodenbesitz des Keren Kajemeth derzeit 331.000 Dunam umfaßt. Die Hälfte hievon ist Ackerland, auf dem rund 7000 Judon arbeiten. 65.000 Dunam umfassen dio auf Nationalfondsboden errichteten Orangenpflanzungen. Auf ihnen arbeiten über 9000 Juden. Der Rest des dem Nationaifonds gehörigen Bodens entfällt auf Arbeitslager und eine Reihe städtischer und ländlicher Wohnsiedlungen. Insgesamt sind über 20.000 Juden in Palästina auf Nationalfondsboden beschäftigt oder ansässig. Im Jahre 1913 waren kaum 19.000 Dunam im Besitz des Jüdischen Nationalfonds. Sektion VI/VII und Wizo, VI» Loquaiplatz 11, Donnerstag, den 17« Mai, 8 Uhr abends Große Werbeversam Dr. Josef Löwenherz, Vizepräsident der Israel Kultusgemeinde: „Die allgemeine lege der luden