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Die Stimme · 1934-05-15 · Heft 353 (15.5.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 353 (15.5.1934)
Date
1934-05-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 DIE STIMME Nr. 353. — 15. Mai 1934 LCTCTI^IACHRICHTEN Lord Cecil fordert Pässe für die deutschen Flfichtlinge Regierung zu verlangen, daß sie alles, was sie kann, tun möge, um den anderen Regierungen die Schwierigkeiten zu erleichtern, in die sie durch die deutsche Aktion gebracht worden sind. Mindestens — so führte Viscount Cecil weiter aus — sollte die deutsche Regierung jene Schwierigkeiten mildern, die den Flüchtlingen aus der Tatsache erwachsen, daß sie oft nicht i m Besitz von Pässen oder sonstigen im internationalen Verkehr notwendigen Dokumenten, mit deren Hilfe sie sich von einem Land in ein anderes begeben könnten, sind. Ohne solche Dokumente sind die Flüchtlinge gezwungen, in dem Lande zu bleiben, in das sie ursprünglich gegangen sind. Das ist in vielen Fällen weder für die Flüchtlinge, noch für das Land, in das sie gegangen sind, eine befriedigende Lösung. In der Sitzung des Verwaltungsrates des Völkerbundes für die deutschen Flüchtlinge hielt der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Viscount Cecil of Chelwood, eine Ansprache, in der er die tragische Lage der ungefähr 60.000 aus Deutschland ausgewanderten Juden und Nichtjuden schilderte und die Notwendigkeit betonte, eine endgültige Lösung des Problems an .die Stelle der zeitweiligen Unterstützung treten zu lassen. Es ist völlig klar, sagte Viscount Cecil, daß alle die Mühen und Plagen, mit denen wir uns abzugeben haben und für deren Ursachen wir in keiner Weise verantwortlich sind, sich aus der Aktion ergeben, die zu ergreifen die deutsche Regierung für gut befunden hat. Dies — so sollte man glauben — ist , Grund genug, von der deutschen Gesetz gegen den Antisemitismus in Holland angenommen Amsterdam, 13. Mai. Die Zweite Holländische Kammer hat das vom katholischen Minister van S c h a i k eingebrachte und begründete Ge Berlin legt die Vormundschaft für Indische Kinder nieder Die Stadt Berlin hat die städtische Vormundschaft für nichtarische Kinder n i edergelegt und die Zuschüsse für die Erziehung jüdischer Kinder, die unehelich geboren sind, eingestellt. Die Stadt forderte j die Jüdische Gemeinde auf, die Vormundselz, wonach die Aufreizung zu feindlichen . schäften zu übernehmen, andernfalls man die Gefühlen gegen gewisse Teile der Bevölkej Kinder einfach ihrem Schicksal rung unter Strafe gestellt wird, mit großer Mehrheit angenommen. Minister van Schaik unterstrich in seiner Rede die von den Interessen des Staates aus gebotene Notwendigkeit, energisch gegen die Verbreitung judenhetzerischer Broschüren und Reden vorzugehen, und wies darauf hin, daß namentlich im letzten Jahre die antisemitische Literatur in Holland sehr zugenommen hat. Goebbels droht mit Judenmord Am Freitag wurde im Spörtpalast der an gekündigte „Feldzug gegen Miesmacher und; Kritikaster“ mit einer Rede des Reichsministers Dr. Goebbels eröffnet. Der 1. Mai habe bewiesen, wie das deutsche Volk über die Leistungen der nationalsozialistischen Regierung denke. Ein ganzes Volk sei entschlossen und einig, sein nationales Lebensrecht auch der Welt gegenüber zu verteidiüberlassen würde. Dieses Beispiel dürfte sehr bald von allen anderen deutschen Gemeinden nachgeahmt werden. An- Fa- Von der Prager deutschen Universität „Prager Mittag“ setzt heute die klagen gegen die Medizinische k u 11 ä t der Prager Deutschen Universität, die dem begabten jüdischen Nachwuchs den Weg in die Zukunft systematisch versperrt, fort und bringt wiederum eine Menge von Tatsachen, Namen und Belegen zur Bekräftigmng dieser Anklage bei. Die Klinik des Professor Schlöffe r, heißt es in dem Artikel, gehört seit jeher zu den „rein rassigen“. Die begabtesten jüdischen Assistenten können keine Dozentur erlangen spräche über das Verhältnis Syriens zu den Juden und die Möglichkeiten einer Kooperation zwischen Syrien und Palästina. Godard erklärte: „Zwischen der internationalen Stellung Palästinas und derzenigen Syriens besteht ein großer Unterschied. Der Status Palästinas ist dadurch geregelt, daß alle Mächte den Grundsatz der Errichtung des jüdischen Nationalheims anerkannt haben. Die Einwanderung von Juden nach Palästina ist völkerrechtlich garantiert. Syrien aber ist ein Mandatsgebiet, das schon morgen seine völlige Unabhängigkeit erhalten kann. Demnach steht es ihm frei, Juden Gastfreundschaft zu gewähren oder zu verweigern. Was mich betrifft, so sehe ich kein ernstes Hindernis für eine Kooperation zwischen Syrern und Juden.“ „Die Juden“, fuhr Senator Godart fort, „haben in den letzten Jahren Palästina vollkommen umgewandet, seine arabische Bevölkerung hat aus dieser Prosperität hohen Nutzen gezogen. Eine Kooperation zwischen Syrien und Palästina schließt eine Kooperation der arabischen Länder nicht aus; wir wissen aus der Geschichte, daß die Juden im Mittelalter mit den Mohammedanern eng befreundet w'aren. Ich habe die Eage in Palästina seit 1929 studiert und bin der Überzeugung, daß eine Verständigung zwischen Arabern und Juden leicht herzustellen ist. Im Lande ist Raum für beide Brudervölker.“ LOKALCHRON1K Grabsteinlegung für Löbel Taubes s. A. Die Grabsteinlegung für den vor einem Jahre verblichenen Herrn Löbel Taubes findet am Jahrzeittage, das ist am 2. Siwän 5694 (Mittwoch, den 16. Mai 1. J.), um 12 Uhr mittags, auf dem Zentralfriedhof, IV. Tor, statt. Die Freunde und Gesinnungsgenossen dea Verblichenen werden auf diesem Wege durch die Hinterbliebenen von der Grabsteinlegung verständigt. Zionistischer Vortragshalender Dienstag, 15. Mai: 1. Bez.: Sektion III, Wiener RingcafS, I„ Stubenring 18. Dr. Leo Goldhammer: „Juden in Österreich“, '/0 Uhr abends. 2. Bez.: Sektion II und Klub „Erez Israel“, II., Praterstraße 13, 8 Uhr abends: Seminar über zionistische Geschichte unter Leitung Dr. T. Nussenblatt. 6. Bez.: Sektion VI/VII und Wizo, VT., Loquaiplatz 11, 8 Uhr abends: Kurs für jüdische Geschichte unter Leitung Dr. R. Taussig. 20. Bez.: Wizo, XX., Jägerstraße 30, 8 Uhr abends: Vortrag. AUS DER PROVINZ Großrabbiner Splra zu Geldstrafe verurteilt Das Kreisgericht in Uzhorod verurteilte den Mukacevoer Großrabbiner Lazar S p i r a ... , zu einer Geldstrafe von 500 Ke, weil er im gen Die deutsche Regierung sei jeden Tag|vori Jahr anIäßlich einer Steuerexeku- Af «»AVI t Ata A» At*A Ataf tl,A t»rl A niü O tion (man hat ihm für schuldige Steuern eine umfangreiche hebräische Bibliothek bereit, wenn es von ihr gefordert werde, die Nation erneut zu befragen. Der Minister ging; sodann auf die D e v i s e n s c h w i e r i gj beschlagnahmt) die Funktionäre „Räuber“ k e 11 e n ein und betonte, wenn Deutschland; nannte der Welt erklären müsse, daß es nicht mehr1 * * * in der Lage sei, seine. Schulden zu bezahlen und die Zinsen zu transferieren, so liege die Schuld nicht an Deutschland. Wenn noch ein Teil des Auslandes Deutschland mit dem anonymen Boykott begegne, so wisse Deutschland wohl, daß das auf seine Gedenkfeier für Jakob Bassevl von Treuenberg In Jungbunzlau fand eine Gedenkfeier für den vor genau 300 Jahren auf dem dortigen Friedhofe begrabenen Jakob jüdischen Mitbürger zurückzuführen S 6J“ eaV V V.° n. r e u e n e r c._._r..j•_! Jakob Schmieles genannt) statt. Bassei. Solange die Juden im Ausland Deutschland boykottieren, könne die Judengesetzgebung im Innern nicht zurückgezogen werden. Die Juden sollten nicht glauben, wenn sie den Boykott so weiter treiben, daß er zu einer ernsteren Bedrohung der deutschen wirtschaftlichen Situation werden sollte, daß sie dann frei ausgehen würden. Die Verzweiflung des deutschen Volkes würde sich dann zuerst an d i e halten, die im Lande greifbar seien. Jüdischer Schächter ln Breslau zu Gefängnis verurteilt Das Breslauer Amtsgericht verurteilte den jüdischen Geflügelhändler Karl Kufzbach wegen. Vergehens gegen das Schächtgesetz zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten. Das Gerichtnahm als erwiesen ah, daß im Anwesen Kurzbachs durch ihn oder durch einen anderen Geflügel nach jüdischen! Ritus geschlichtet worden war.. Der „Angriff“ berichtet über den Prozeß in großer Aufi maohung und schreibt: „Im Keller d6S Grundstücks machten, die Beamten e i n e furchtbare Entdeckung: Massenweise lag dort das geschachtete Geflügel kerum.“ sevi war der erste Jude, dem der Adel des römisch-deutschen Kaiserreichs nebst einem Wappen verliehen wurde. Bässevi hatte sich große Verdienste um die Finanzierung der habsburgischen Unternehmungen erworben, übersiedelte zu Anfang des 30jährigen Krieges von Wien nach Prag, wo er Primator des Ghetto wurde und trat dann in die Dienste Wallensteins, dem er in der Beschaffung der gewaltigen Kriegsmaterialien behilflich war. Bassevi hatte durch die Kaiser Matthias und Ferdinand und später durch Wallenstein ganz ungewöhnliche Handelsprivilegien erhalten und stand auch in regen geschäftlichen Beziehungen zu den Reichenberger Tuchmachern, wovon mehrere im Reichenberger Stadtarchiv vorhandene Dokumente Zeugnis ablegen. Er starb kurz nach der Ermordung seines Gönners Wallenstein und hinterließ kein nennenswertes Vermögen. Nachkommen von ihm leben noch in Prag, Reichenberg, Deutschland und den Vereinigten Staaten. Syrien und die Juden Auf einem in Beirut veranstalteten Bankett hielt der ehemalige französische Minister Senator Justin Godart eine Ah- Salzburg: Der von der Zionistischen Ortsgruppe Salzburg am 28. April d. J. veranstaltete Vortragsabend war einem Reisebericht gewidmet den der erst kürzlich aus Erez Israel zurückgekehrte Herr Gg. Rudolf Ornstein mit dem Thema „Wie ich Palästina sah“ hielt. Der Vortragende schilderte seine Reiseroute nach den historischen Stätten des Landes, gab dann ein anschauliches Bild von Tel-Aviv, von Haifa mit seinen neuen Hafenanlagen, und von Jerusalem und berührte zum Schluß die Fragen der Kolonisationß- und Aufbauarbeit des neuen Palästina, an der mitzuwirken Aufgabe des gesamten jüdischen Volkes ist. An den mit starkem Beifall aufgenommenen, interessanten Vortrag schloß sich eine längere Debatte. Jüdischer Klub Baden. Am 28. April d. J. fand in unserem Klubsaal wieder ein Vortrag statt. Herr Doktor S. Spitzer berichtete über die Veränderungen im Klubvorstand: lra Zusammenhänge mit den Vorgängen in der zionistischen Bewegung ist die revisionistische Gruppe Badens aus dem Klub ausgetreten. Nunmehr haben wir den Beschluß gefaßt, uns organisatorisch dem zionistischen Landeskomitee in Wien zu unterstellen. Der Austritt der Rivisiomisten, im Klub zahlenmäßig nicht von Bedeutung, erforderte eine Neuwahl des Präsidiums, welches nun aus den Herren Dr. Rudolf Lackenb a c h e r als Obmann, Ludwig Grünwald und Hermann Glück als Obmannstellvertreter besteht. Dr. Spitzer begrüßte nun den neuen Obmann und übergab ihm den Vorsitz. Nach einigen programmatischen Erklärungon . erteilte nun Dr. Lackenbacher Herrn Dr. Paul Berger aus Wien das Wort zu seinem Vortrag über aktuelle zionistische Probleme. Der Redner schilderte in anschaulicher Weise die heutige Lage des Zionismus, insbesondere die Wichtigkeit des Jugcndproblems für Palästina, die Wichtigkeit der beruflichen Umschichtung und die Notwendigkeit der regen Arbeit für die zionistischen Fonds. Reicher Beifall des dichtgefüllten Saales lohnte die fesselnden Ausführungen Dr. Bergers. Am Sonntag-, den 6. d. M-, hatten -wir Herrn Prof. D r. Wilhelm Stein, Wion, für das Thema „J Üdische Tragik der Gegenwart“ als Redner gewonnen. Herr Prof. Dr. Stein ging von dem Schicksal Jakob Wassermanns als Deutscher und Judo aus, um, von dom Einzelmenschen ausgehend, dessen wichtigste literarische Arbeiten er uns geistvoll näherbrachte, auf das tragische Geschick so vieler Juden, die sich nicht in das jüdische Volk einzugliedorn vermögen, li in zu weisen. Die Ausführungen des Vortragenden wurden mit großem Interesse vom zahlreich anwesenden Publikum aufgenoraraen. Mittwoch, 16. Mai: 6. Bez.: Klub junger Zionisten, VI., Loquaiplatz 11, Geselligkeitsabend mit Vortrag,. 8 Uhr abends. 10. Bez.: Sekt. 10, X., Hasengasse 17. Ein* weihungsfeier des neuen Heims. 8 Uhr abends. Ansprache: Dr. Oskar Grünbaum, Präsident des Zion. Landesverbandes für Österreich. Be* grüßung: Obmann der Sektion, Erich Jellinek. Für die Jugend: Nagler. Rituelle Funktion: Rabb. Dr. A. Weiner und Oberkantor S. Weiß. Festrede: Direktor Dr. Viktor Kellner. 15. Bez.: Sekt. XII/XIV/XV, Xy\, Herklotzgasse 21, 8 Uhr abends: Dr. Seelen Jakob: „Über Hygiene und das Hcranwachsen der jüdischen Jugend“. ■ 17. Bez.: Sektion XVI/XV1I und Wizo, XVH., Frauengasse 27, 149 Uhr abends: Gesprochene Zeitung: Frau Dr. G. Blauer: „Gegenwartsprobleme im Zionismus“. Fr. Bianca Federn: „Kulturelle Frauenarbeit in Palästina“. Doktor Paul Berger: „Moderne Jugendbewegung.“ Dr. Ludwig Kubin: „Kfar Ussischkin“. Dr. Tulo Nussenblatt: „Theodor Herzl“. Donnerstag, 17. Mai: 1. Bez.: Sekt, I und Hakoali, I., Wiesingerstraße 11, 149 Uhr abends: Dr. Josef Waltuch: Aktuelles aus Palästina“. 6. Bez.: Sektion VI/VII und Frauengruppe, VI., Loquaiplatz 11, %9 Uhr abends: Dr. Josef Löwenherz: „Die allgemeine Lage der Juden“. Verband radikaler Zionisten. M i 11 w o c h, den 16. d. M., 10 Uhr abends, spricht Dr. Srul Oßterer über' „Neuestes aus Erez I s r a e 1“, im. Saal des Cafö Produktenbörse, II., Taborstraße 10. Legitimistlsclie jüdische Frontkämpfer. Das Zentralbüro unserer Vereinigung befindet sich: Wien, I., Parkring 4, Tel. R 27-7-57. Das Sportamt der „Judäa“ veranstaltet zu Pfingsten, vom 17. bis 22. Mai a. c. eine Fahrt nach Budapest. Preis: S 32.—. Geboten wird: Fahrt tour—retour (Schiff), Verpflegung (drei reichliche Mahlzeiten) und Quartier iu Budapest. Eventuelle Führungen. Ausführliche Auskünfte und Anmeldungen im Zentralheim der „Judäa“, IX., Alsorstraße 26, Telephon A 25-2-28, Montag bis Donnerstag von 18 bis 20 Uhr. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.— Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—. Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50. Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20. Rumänien vierteljährlich Lei 120.—. übriges Ausland viertellährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck- Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. I9M99. Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Eigentümer. Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich. Wien. I.. Kärntnerstraße 28. — Verantwortlicher Redakteur: Pr. Rudolf Glücklich Wien. I„ Kärntuerstraße 28. Druck: Vernay A G., Wien, IX., Canisiusgasse 8—10.

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