Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 353 (15.5.1934)
- Date
- 1934-05-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 353. — 15. Mai 1934 DIE STIMME Seite 8 aufstellen wollte, die Grenzen für die zu konstituierenden einzelnen Gruppen kaum zu finden wären. Die U n t e r a’c h i c d o in der rituellen Observanz können Bonach tatsächlich eine Spaltung der Gemeinde nicht begründen. Da die angedeuteten Verschiedenheiten ebenso zahlreich als geringfügig sind, das Religionsbekenntnis in keiner Weise tangieren, die Anhänger des einen Ritus, so fest sie auch an denselben halten mögen, die Zugehörigkeit zum Judentum seitens der Anhänger des anderen Ritus gar nicht in Zweifel ziehen, so resultiert aus alledem nur das Eine, daß die eine Vielheit von jüdischen Riten in sich vereinigende Wiener Kultusgemeinde die Pflicht hat, alle diese Riten, selbstverständlich insoweit dieselben mit der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung und den hier obwaltenden Verhältnissen vereinbar sind, frei walten zu lassen. Dagegen erscheint es untunlich, ja sogar unmöglich, Kriterien einer mehr oder minder strengen religiösen Richtung aufzustellen.“ Weißbuch und Anleihe Wir haben letzthin berichtet, daß die englische Regierung ein Weißbuch über eine geplante Palästinaanleihe von 2.000.000 Pfund veröffentlicht hat. Jedes bisher von der englischen Regierung veröffentlichte Weißbuch hat uns geschadet. Als erstes in der Reihe der Weißbücher steht das Churchillsche Weißbuch, das sich von den nachfolgenden Weißbüchern besonders dadurch unterscheidet, daß es von der damaligen zionistischen Exekutive zum Zeichen des Einverständnisses unterfertigt worden war. Ein einziger Mann war so mutig, seine Unterschrift zu verweigern. Das war Leo Motzkin. Jabotinsky aber, der damals Mitglied der Exekutive war, hat das Churchillsche Weißbuch mitunterfertigt. Es ist notwendig, das wieder in Erinnerung zu bringen. Denn dieses Weißbuch ist das Prokrustesbett, in welches die zionistische Bewegung hineingezwängt wurde, und die weiteren Weißbücher sind nur so eine Art Strafverschärfung. Das ist vor alled das Passfieldsche Weißbuch, das unserer Aufbauarbeit den Todesstoß versetzen wollte. Es gelang bekanntlich Weizmann, den sogenannten MacDonald-Brief durchzusetzen, der die ärgsten Härten milderte. Aber auch dieser Brief sieht die Ansiedlung jener Araber vor, die ihren Boden an Juden verkauft haben und weder anderen Bodenbesitz noch eine andere, sie in gleicher Weise befriedigende Beschäftigung gefunden haben. Dieses Märchen von den „displaced Arabs“ stammt aus dem Vorläufer des Passfieklschen Weißbuches, aus dem Bericht von Sir Hope Simpson. Was haben die Juden den Arabern getan? Sie haben arabischen Boden um sündteures Geld gekauft und haben arabische Pächter, die auf diesem Boden saßen, noch entschädigt. In der ganzen zivilisierten Welt zahlt man den Kaufpreis nur einmal. Die Juden sollen ihn — nach Simpsons und Passfields Wunsch — noch einmal bezahlen. So entstand der famose Plan einer Palast i n a a n 1 e i h e. In Palästina tragen natürlich nicht die Araber, sondern d i e Juden das Hauptkontingent an Steuern. Nach Simpsons und Passfields Wunsch soll die Anleihe den Arabern zugute kommen und die Juden sollen das Anleihekapital samt Zinsen durch ihre Steuern zum größten Teile aufbringen. In diesem Zusammenhänge erscheint auch die von der Palästinaregierung geplante Einkommensteuer In einem neuen Lichte. Das neue Weißbuch enthält nun einen Plan über die Verwendung der projektierten Anleihe, der den schärfsten Protest des Judentums in der ganzen Welt hervorrufen muß. Nicht weniger als 250.000 Pfund sollen für die Wiederansiedlung von Arabern verwendet werden. Dabei hat eine amtliche Untersuchung festgestellt, daß es verhältnismäßig sehr wenige „dislozierte Araber“ gibt. Dieser Plan ist ein offener Angriff auf das Palästinamandat, dessen Zweck die Errichtung des jüdischen Nationalheimes durch eine geschlossene Ansiedlung von Juden ist. England tut aber so, als ob es den Auftrag hätte, mit jüdischem Geld ein arabisches N a t i o n a 1 h e i m zu schaffen. Es hat bisher von den Staatsländereien den Juden nichts, dafür aber den Arabern viel gegeben, es drosselt die jüdische Einwanderung, um die Beschäftigung von Arabern zu erzwingen. East die ganze Anleihe soll den Arabern zugut e kommen. 250.000 Pi und für die Errichtung arabischer Schulen und keinen Penny für die Ansiedlung von Juden und fttrjtidische Schulen, mit einem Worte also: Anleihe gegen die Juden, von den Juden bezahlt! Noch ist es nur ein Plan, morgen kann er verwirklicht sein. Der 17. Kongreß hat mit Recht den MacDonald-Brief als Basis der Kooperation mit England abgelehnt. Darauf gestützt muß die Exekutive energisch gegen den Anleiheplan Front machen und sie wird alle Zionisten hinter sich haben. Das Judentum muß wie ein Mann auf- Btehen, um den schlechten Willen der englischen Regierung zu brechen. Das ist wichtiger als lächerliche Petitionen, nach deren Unterfertigung die Unterzeichner — und das geschieht in Österreich — eingeladen werden, einen Schilling zu bezahlen. „Bestärken Sie Ihre Unterschrift mit diesem Schilling!“ lesen wir da. Jeder Schilling ist vergeudetes Nationalvermögen, dem Keren Kajemeth entzogen. Kommt die Palästinaanleihe zustande, dann hat England das Heft in der Hand. Einmal hat schon der Vatikan versucht, den geschlossenen jüdischen Bodenbesitz zu verhindern. Es war ihm kein Erfolg beschieden; England aber könnte ihn haben. Vielleicht öffnet das neue Weißbuch so manchen Juden, welche die Petition Unterzeichneten, die Augen. Vielleicht sehen sie ein, daß ihr Platz i n der zionistischen Organisation ist. Vielleicht sehen auch die unentwegten Förderer der Histdruth Haowdim - teetmSle 3Gre empfinDlidjtn, fdimerjenDenSiiße in Kieles Snuerftoff« BnD {teilen! Steine 9\5ftmg unft Sterling mehr jmifdjen ften keine Hühneraugen, fallen unö Hornhaut mehr, keine Qlnfr&mellung, trennen unb ßnf3iini)ung mehr. 93eforgen 6ie fich einfad) non 3f)tetit 3Ipofheker ein 'Paket Sattraf ‘Roöell. Zun 6ie bauen fouiel in ein roarmeS ftufibab, baff ba3 ^Baffer mildfig auäfiehf. Csrleidfierung kommt in kur3er 3eh* ßaltraf ‘Kobell mcd)f 6auerftoff frei, [teilt einen regen 93lulkreiclauf toieber her unb 3iet)f ben ßchmeq toie fonft nidjfö heraus, g’ür ben (Erfolg roirb ln jebem ftafle garantiert, fonft baS (Selb 3urückerjtaftef. Sattraf ‘■Hobell ift ln affen ‘SIpotheRen, (Drogerien Süffttdfßtt Uni> 'Patfümci:ißn erbätÜid). öfterreicbifcbeS Gr. 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Der Krieg in Arabien Der englische Vertreter in Dschidda ist angewiesen worden, bei I b n Saud Aufklärung über seine Pläne bezüglich des Yemen zu verlangen. Die Antwort des Sultans lautete, wie es heißt, ausweichend. Er hat wohl antworten können, daß der Krieg noch nicht beendet ist. Inzwischen hat er seinen Sohn Faisal zum Emir des Yemen ernannt. In diesem Land lebt auch e i n 70.000 Seelen stark er jüdischer Stamm, der von der Regierung des Imam seit je verfolgt und versklavt worden ist. Zahlreiche jementische Juden — zumeist Handwerker und Zwergbauern — sind nach Palästina eingewandert, wo sie wegen ihrer Kenntnis der arabischen Sprache, ihres Fleißes und ihrer Klimafestigkeit zu schätzenswerten Mitarbeitern am jüdischen Aufbauwerk geworden sind. Wie sich das Los der Zurückgebliebenen unter der Herrschaft der Wahabiten gestalten wird, bleibt abzuwarten. Hier bietet sieb für den politischen Zionismus ein sehr wichtiges Problem. Im Yemen ist, wie vielleicht noch erinnerlich, kurz vor dem Weltkrieg der jüdische Forscher B u s c h h a r d t, der im Auftrag der italienischen Regierung das Land bereiste, ermordet worden. Großarabien Falls I b n Saud das Kriegsglück den endgültigen Sieg zuwendet, stünde er direkt an der Grenze des britischen Gebietes, des Hinterlandes von Aden. Der große Machtzuwachs wird dem Sieger verwaltungstechnisch keine großen Sorgen bereiten. Der Orient ist in solchen Fragen nicht heikel und am wenigsten Ist es der religiös orthodoxe Wahabitensultan. Dio Aufmerksamkeit Englands, Italiens und jetzt auch Frankreichs gilt vielmehr der politischen Entwicklung. Diese Seite der Frage behandelt ein Mitarbeiter der „Grazer Tagespost“, der eben den Orient bereist, in einem! aus S u n z datierten Artikel, dem wir das folgende entnehmen: ... Ibn Saud läßt gerade jetzt auf Umwegen propagieren, die im Irak nicht minder als im Yemen, in Kairo nicht weniger als in Hodeida. zum Gegenstand langer Gespräche geworden ist: Die Gründung einer „Allgemeinen Arabischen Partei“; je ein Prominenter aus den politischen Führern des arabischen Palästina, Irak, Ägypten, Syrien, je ein Scheich oder Emir aus den Gebieten der arabischen Halbinsel soll in dieser Partei Wort und Stimme haben, Ehrenpräsident aber würde er selbst sein, Ibn Saud, „König von Arabien“. Ein Versuch, der mindestens beim ersten Anlauf nicht gelingen wird, aber ein Symptom für die nicht endende Agitation, die dieser Reformator betreibt und bis zu seiner letzten Stunde betreiben wird. Denn die etwas phantastische Idee derpanarabischen Partei (heute wenigstens wirkt sie noch phantstisch, morgen mag sie schon höchst ersthaft wirken!) sieht auch die Gründung eines Presseorganes vor, und diese Zeitung soll nicht etwa nur in arabischen Lettern geschrieben werden, nein, sie soll auch in französischer und englischer Sprache im Ausland zeigen, um was es bei diesem arabischen Kampf geht. Das hört sich sehr einfach und klar an: Man muß nur wissen, daß in allen arabischen Ländern die Zahl der A n a 1 p h abeten immer noch zwischen 80 und 95 Prozent der Gesamtbevölkerung anzusetzen ist, und man muß wissen, daß es bisher kein „Arabisch“ gibt, sondern eine Reihe zwar eng verwandter, doch aber sehr verschiedener arabischer Sprachen, bei denen dio Unterschiede oft weitergehen als die zwischen Hochdeutsch und Holländisch. Man hat außerdem den Eindruck, daß keiner der kleinen und mittleren Machthaber daran denkt, sieh seine Rechte solimäj lern zu Lassen, gute Geschäfte nur aus Gründen des Panarabismus zu verlieren: Wie unendlich mühevoll war es allein, eine Einigung darüber zu erzielen, wie das großartige Geschäft der alljährlichen Pilgerfahrten nach Mekka auszunützen und zu verteilen sei, dieses Geschäft, dem eine national-ägyptische Bank den Kauf zweier Schiffe gewidmet hat und dem Ibn Saud jährliche schöne Straßenzolle innah men zu danken hat, Pilger, die sich auf unvorschriftsmäßigen Wegen bewegen, laufen auch heute noch Gefahr, ein bißchen überfallen und ausgeplündert zu werden, ohne daß sie den reichtigen Emir oder Scheich finden, der für diese altehrwürdige Art des Beutema chens zur Veranwortung gezogen werden könnte; und wer sollte ihn dann zur Verantwortung ziehen? Eine Zeitlang fand man sein gutes Auskommen, wenn man die politischen Rivalitäten der europäischen Mächte ausnützte, sich einmal den Briten, das andermal den Italienern oder anderen „vom Wahn befallenen Franken“ verschrieb; aber die Rivalitäten sind nicht mehr so scharf wie früher, an die Stelle der politischen Beeinflussung ist zum Teil die wirtschaftliche getreten (man kann in arabischen Häfen schon bedeutende Mengen japanischer Waren finden!), England fühlt eich nirgends bedroht, seine Stellung in Ägypten ist sicher, seine Beherrschung des Kanals und des Roten Meeres nach wie vor unbeschränkt — keine erfreuliche Situation für kleine arabische Großherren. Ibn Saud will Einigungen schaffen, Einigungen der Fürsten und Stammesführer; mehr als ein Jahrzehnt hindurch träumt er diesen Traum, er, der selbst aus einem kleinen Herrn ein großer wurde und vergessen hat, daß alle seine Nachbarn genau dasselbe wollen: aus kleinen Herren große werden! Und darum knallen die Büchsen fast täglich am Rande der Wüste, werden Eroberungen, gemacht, Gebiete gewonnen und verloren; an der Stelle der arabischen Einigkeit s teilt immer noch der arabische Kampf. Aber jetzt, am Abend, während drüben im Hafen von Port Taufik die Kräne immer noch krächzen, stellt sich hier neben der kleinen Moschee Beter auf Beter ein, das Gesicht gegen Mekka, beten sie das Abendgebet, wie sie morgen das Frühgebet sprechen werden, in Andacht auf der Erde kauernd: Dies und nur dies ist das einigende Band arabischer Welten. Sokolow fliegt nach Johannisburg Der Präsident der Jcwish Agency Nahum Sokolow, begibt sich mit seiner Tochter, Dr. Celina Sokolow, am 12. Mai mit Flugzeug nach Johannesburg, um den Keren Hajessod-Feldzug in Südamerika zu leiten. Er bleibt dort bis Juli. Leib JafTe begibt sich am 10. Mai nach Südafrika.