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Die Stimme · 1934-05-15 · Heft 353 (15.5.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 353 (15.5.1934)
Date
1934-05-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 353. — 13. Mal 1933 Völkerbundkomitee für die Minderheiten im Saargebiet Gent', 10. Mai. Das Dreierkomitee des Völkerbundrates für die Vorbereitungder Sa.irabstim.mung, bestehend aus den Vertretern Italiens, Spanien und Argentiniens, tritt in Genf zusammen, um seinem Bericht für den Bat — dessen Tagung am 11. d. V. beginnt —- eine endgültige Form zu geben. Dioser Bericht, soll unter anderem auch gewisse Empfehlungen und Vorschläge über die den Mi nderheiten des Saarplebiszits zu gewährenden Garantien enthalten. Wie verlautet, wird das Dreierkomitee die Ernennung einer dreigliedrigen Plebiszitkommission mit weitgehenden Vollmachten für die Organisierung und vertragsmäßige Durchführung des Plebiszits beantragen. Diese Kommission, deren Ernennung der Rat. wahrscheinlich gleich vornehmen wird, soll aus Vertretern von drei Staaten bestehen, die den Versailler Vertrag nicht unterzeichnet haben. Wahrscheinlich werden es ein Skandinavier, ein Holländer und ein Schweizer sein. Ihr zur Seite wird ein bereits ernannter dreigliedriger Sachverständigerausschuß stehen, der aus dem italienischen Juristen Bindo Galli, dem holländischen Juristen Xypels und der Amerikanerin Miß Sarah Wambaugh zusammengesetzt ist. Der Rat wird auch seinerseits ein dreigliedriges Plebiszittribunal ernennen. Die luden im Staatsdienst Ille Zionisten! kaufen oder bestellen Klassenlose beim GUOCKSBal^ GLCKKSBAUER Wien. IV., Favoritenstraße 4, Tel. U 47-5-20 Filiale: II.. Leopoldsgasse 25, Tel. A 46-6-81 Ziehung schon am 23. Mal j Benesch über die Juden Prag, 11. Mai. Zu den verschiedenen Empfängen und Festlichkeiten anläßlich der Anwesenheit des Außenministers Dr. Benesch in U z h o r o d war die Jüdische Partei geladen und durch Dr. Chaim Kugel, Dr. Sternbach, Dr. Saphir und Deutsch ver treten. Die Delegation der Partei trug dem Minister die jüdischen kulturellen Minderheitsforderungen vor. Doktor Kugel besprach die Lage der hebräischen Volksschulen und die schwierige Entwick lung deä aus eigenen Mitteln geschallenen und unterhaltenen hebräischen Gymnasiums in Uzhorod, das unter der zögernden Haltung der Behörde sich gehemmt fühlt und im Rahmen der Gesetze als Schule des nationalen Judentums Förderung erhofft. Doktor Kugel überreichte dem Ministor über diese Fragen Memoranden. Minister Dr. Benesch sagto in seiner Erwiderung: „Sie haben selbst meine Beziehungen zu Ihren Bestrebungen betont. Ich habe diese Linie vom Jahre 1920 nicht geändert. Das ist die Linie meiner Politik als auch die des Präsidenten. Ich verstehe Ihre Bestrebungen und will Ihnen behilflich sein. Ihr seid im Rechte, wenn Ihr kein Instrument der Tschechisierung sein wollt, das wäre nicht gut für euch und nicht gut für uns. Wir wollen dies auch nicht. Ich worde die Fragen des hebräischen Schulwerkes und des Gymnasiums, die Sie in Ihrem Memorandum angeben, mit Interesse studieren und verspreche Ihnen meine Unterstützung.“ Zentii8=$föfee auf dem Hakoahplatz (Krieau), warme und kalte Duschen — werden Über die ganze Saison komplett vermietet. Klubräume stehen zur Verfügung. — Plätze werden auch stundenweise vermietet. — Auskünfte telephonisch A 20-108, A 20-109 u. R zj-Q-io Eine neue und interessante Auslegung des Friedensvertrages von St. Oermain hat „Der Mittels c h u 11 e h r 0 r“, das Organ des Verbandes der österreichischen Mittelschullehrer, gefunden. Er schließt sich im Aprilheft (Nr. 8) der Forderung an, daß die Regierung den „unerträglichen Verhältnissen“ ein Ende setzen soll, daß nämlich angeblich Juden in übergroßer Zahl im Staatsdienst, angestellt sind. „Es ist klar“, sagt dieses Organ, „daß eine Abstellung dieser für die christliche und arische Bevölkerung unerträglichen Zustände in keiner Weise gegen den unseren jüdischen Mitbürgern im St. Germainer Friedensvertrag zugesicherten Schutz verstößt. denn die Zahlen beweisen, daß die um ihre Rechte besorgten jüdischen Mitbürger nach der gegenwärtigen Lage der Dinge eines Schutzes seitens des Staates gar nicht mehr bedürfen. Nötig ist in Wahrheit der Schutz der christlichen und arischen Bevölkerung und einer solchen Forderung dürfte wohl auch der Vertrag von St. Germain nicht entgegenstehen.“ Das ist originell und in der Sprache dieser Getarnten und Nichtgetarnten wird in solchen Fällen gerne das Wort „Dreh“ angewendet. Aber diese Argumentation ist, wie wir sofort zeigen werden, auch innerlich haltlos. In Nr. 7 hatte „Der Mittelschullehrer“ in bezug auf die von ihm vertretene Kategorie gesagt: „Es ist überflüssig, die (jüdische) Prozentzahl auch für die Mittelschulen anzuführen.“ Weshalb ist das überflüssig? W i r wollen die Zahlen anführen Unter den 2700 M i 11 e 1 s c h u 11 e hr e r n in cl n n österreichischen Ländern befindet sich gar kein .1 u d 0. An den B u n d 0 s mi 11 c 1schulen, einschließlich der S t a a t s g 0 w 0 r b e s c h u 1 e n in Wien sind derzeit, definitiv beschäftigt 1260 Personen. Darunter befinden sich ganze 68 Jude n. Hof fcntlich Btößt sich „Der Mittelschullehrer“ nicht, daran, daß der jüdische Religionsunterricht zu hundert Prozent •— elf jüdische Lehrer von 84 im ganzen — von Juden erteilt wird. Bemerkenswert, ist, daß von den 68 jüdischen Mittelschullehrern 50 Kriegsteilnehmer sind. Uns dünkt das ein sehr hoher Prozentsatz. Unter den als konfessionslos angegebenon 51 Lehrern befinden sich 15, die aus der mosaischen Konfession ausgetreten sind. 36 sind „Arier“ Von den 200 Supplenten im ganzen Bundesgebiet sind fünf Jude n. Es ist. also schon zu verstehen, warum diese Ziffern dem „Mittelschullehrer“ als überflüssig erscheinen. Was werden sich diese Jugenclerziehcr jetzt ausdenken? Bei dieser Gelegenheit sei auch angeführt, daß sich unter den 62.000 Eisenbahnern dos ganzen Bundesgebietes 30 Juden befinden. Die Direktionsbezirke Linz, Villach und Innsbruck sind judenrein. Die „Verjudungs“-schreier werden sich selbstverständlich durch diese Ziffern nicht stören lassen. Die Vaterländische Front In der Mai-Nummer des monatlichen Mitteilungsblattes der „Vaterländischen Front“ werden zwei exzessiv antisemitische Bücher den Lesern empfohlen. Das eine, in einem Grazer Verlag erschienene Buch heißt „Judaismus, der weltgeschichtliche Gegensatz zum Christentum“ und ist von Anton Orel; das andere ist die berüchtigte Schrift des Grazer Pfarrers Gaston Ritter und soll die „Protokolle der Weisen von Zion“ popularisieren. Wie erinnerlich, hat Oberrabbiner Dr. Feuchtwang in einer Predigt Ritters Schrift beleuchtet und dabei sein Bedauern ausgesprochen, daß diesem Nachdruck einer offenkundigen Fälschung dio kirchliche Druckerlaubnis erteilt worden ist. Aus der Besprechung des Orelschen Buches erfährt man, daß auch dieser Arbeit die Druckerlaubnis der Kirche zuteil geworden ist. Wie dieser Orel das Judentum auffaßt, darüber sei aus der Besprechung zitiert: „Nicht ,Antisemitismus*, sondern ,Antijudaisraus* ist die richtige Bezeichnung der Judengegnerschaft, die sich zum Beispiel nicht gegen die semitischen Araber, sondern gegen den spezifisch judaistischon Geist des semitischen jüdischen Volkes richtet, das durch den materialistisch aufgofaßten Auserwähnungsglauben (als leibliche Nachkommen Abrahams) und die darauf erfolgte Abachließungs- und Inzuohtspolitik entstanden ist. Das Wort ,Der Geist i.st's, der lebendig macht* bewahrheitet sich bei den Judaisten insoferne, als ihr religiös unterbauter Ungeist des Materialismus sie zu reinen Diesseitsmenschen mit allen deren Attributen einer Macht- und Genußgier verhärtet. Die religiöse Grundlage dieses judaistisehen Ungeistes ist es, was wir als Angelpunkt der ganzen Judenfrage zu beachten haben und von der auch die Frage der judaistisehen Rasse in erster Linie beantwortet und ent schieden werden kann.“ Dem Mann ist es entgangen, daß die katholische Kirche Deutschlands dem Na tionalsozialismus das „Diesseitsmenschentum mit allen Attributen einer Macht- und Genußgier“ vorhält. Aber es fehlt uns der Anlaß, uns mit dieser Art von Forschung wie sie Orel und Ritter vortreten, eingehend zu beschäftigen. Es sind einfach Umschreibungen der üblichen Pogromhetzerelen. Die Vaterländische Front ist durch ein eigenes Gesetz als Träger des Österreich! sehen Staatsgedankens anerkannt worden. Diese hohe Stellung gibt ihr auch Pflichten, und vor allem die Pflicht, in ihrem Organ auf Sauberkeit zu halten. Es geht nicht an, eine Gemeinschaft von zirka 200,000 Menschen schimpflich zu beleidigen und kritiklos Bücher zu empfehlen, gegen die die vielen Schriften gegen dio katholische Kircho harmlose Schülerübungen sind. Diese Bücher sind aus dem goistigen Dunstkreis des Nationalsozialismus entstanden. Die Vater ländische Front darf solchen Tendenzen nicht ihre Unterstützung gewähren. der „Union“) in einom Montagblatt abgegebene programmatische Erklärung, daß die Kultusgemeinde sich nur auf den ihr gesetzlich zugewiesenen religiösen Wirkungskreis zu beschränken habe. Die Berichterstattung der „Reichspost“ Unter dom Titel „Die Vorgänge in der Wiener Judenschaft“ berichtet die „Reichspost“: Eine am Dienstag abond im Hotel Continental“ unter dem Vorsitze dos Zionißtenführers Friedmann abgehaltene Vorsammlung beschäftigte sich mit dor Forderung orthodoxor Kreiße auf Umstellung der Israelitischen Kultusgernoindo i m Sinne einer religiösen Erneueu n g sowie mit den im Zusammenhang damit stehenden Bestrebungen, nach dom Vorbild anderer Länder die religiös eingestellte Judcnschaft in oinor eigenen, den Einflüssen der religiös indifferenten Kreise entzogenen Kulusgemeindo zu sammeln. Gegen diese Bestrebungen waren dio von der Kultusgemelndo subventionierten und dahnrvon ihrer Mehrheit ab- Versammlung für die Einhoitsgemoinde im jüdisch-nationalen Sinne aussprachen und durchblicken ließen, daß eine Spaltung dio Subventionen der Bethausveroine gefährden könnte. Dor Zweck der Versammlung, orthodoxe Kreise für dio Einhoitsgemoinde resolutionieren zu lassen, wurde auch erreicht. In dor Versammlung vertrat Rabbiner II a b 0 r m a n n die Ansicht, daß die Schaffung einer separaten religiösen Gemeinschaft nur für dio aus Ungarn und don Westländorn stammenden Juden einen Sinn habe, während bei den aus Polon hier ansässig gewordenen Juden eine Zusammenfassung der religiösen Elemente unmöglich und schädlich wäre. Präsident Dr. Fried mann erUlärto dio Schaffung einer separaten Religionsgemeinschaft mit rein religiöser Tendenz als ausgeschlossen, weil dio Mehrheit dies nicht wolle und die Verfassung der Kultusgerneinde eine Autonomie verleihe, die der Mehrheit die Macht gehe. Er wandto sich hängigen Bethausveroine aufgescharf gegen die von dem neuen VizeprUsiboten worden, deren Vertreter sich in der i denten der Kultusgemelndo Dr. Ticho (von Diese Mitteilungen beweisen wieder, daß die „Reichspost“ von einer unbekannten Seite über die Wiener jüdischen Angelegenheiten bewußt unrichtig informier t w i r d. So wurde u. a. die Rede des Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Desider F r i e drnann vollkommen entstellt, wiedergegeben. Präsident Dr. Friedmann hatte in der Versammlung mit besonderem Nachdruck darauf hingewiesen, daß die Kultusgemeinde es als ihre erste Pflicht betrachtet, das religiöse Leben der Wiener Judenschaft zu vertiefen. Er führte in diesem Zusammenhänge aus, daß in der Zeit, seitdem die Zionisten auf die Verwaltung der Kultusgemeindo durch ihro Mandatare Einfluß nehmen konnten, die Institutionen der Gemeinde streng rituell eingerichtet wurden, daß der jüdische Gottesdienst und die Unterweisung der Jugend in der Religion seither ungeheuren Aufschwung genommen haben, daß alle Einrichtungen der Kultusgemeinde derart gestaltet wurden, daß sie auch den Anforderungen der strengsten religiösen Richtung vollkommen Rechnung tragen. Er bezeichneto als unabänderliches Programm für die Führung der Gemeinde die Beobachtung des Gesetzes, der Statuten und d i e Wahrung der konservativen Tradition. Mit keinem Worte wurde von ihm für eine Überschreitung des Wirkungskreises der Kultusgemeinde plädiert. Er berief sich vielmehr auf die Artikel 29 und 30 der neuen Verfassung, dio bestimmen, daß die Religionsgesellschaften ihre inneren Angelegenheiten selbständig ordnen und verwalten, und daß ihnen ein hierüber hinausgehonder Wirkungskreis zuerkannt werden kann, sowie, daß eine solche Regelung durch das Gesetz im Einvernehmen mit den Religionsgesellschaften in der Verfassung vorgesehen sei. Seine Polemik gegen die Separationsbestrebungen gipfelten darin, daß diese Tendenzen deshalb zu verurteilen seien, weil den religiösen Bedürfnissen aller im Wiener Judentum vertretenen Richtungen durch die Verwaltung der Kultusgemeinde in weitgehendem Ausmaßo Rechnung getragen wird. Es ist nicht uninteressant, hervorzuheben, daß die in dem Artikel der „Reichspost“ angeführten jüdischen Jugendverbände, die sich zu einer Jungjftdischeu Front zusammengeschlossen haben, sich ausnahmslos aus zionistischen Jugondbtinden rekrutieren. Wenn in dem Artikel der „ReichBpost“ ein Gegensatz zwischen der derzeitigen Leitung der Kultusgemeinde und der „Union der österreichischen Juden“ in religiöser Hinsicht aufgozeigt werden soll, so beweisen auch diese Ausführungen die Uninformiertheit dor „Reichspost“ in jüdischen Dingen, da bekanntlich dio Mitglieder der „Union“ nicht der streng religiösen Observanz angehören, sondern sich ausschließlich aus Kreisen zusammensotzen, die bis vor kurzem der liberalen Weltanschauung und politischen Richtung angehörten. Die „Union“ hat in den Wahlkämpfen der letzten Jahre jüdische Wahlwerbungon bekämpft und ist offen für dio Kandidaten der liberalen und demokratischen Parteion cingetreten. In diesem Zusammenhänge ist auch auf den Motivenbericht zum Statut der Israelitischen Kultusgemeinde hinzuweisen, dessen Verfasser der ehemalige Präsident der „Union“, der bekannte liberale Gemeinderat und nachmalige Präsident der Israelitischen Kültusgemeindo Dr. Alfred Stern gewesen ist. In dem Motivenbericht, mit wolchem die Regierungsvorlage Uber das Gesetz vom Jahre 1890 an das Parlament oinbegloitet wurde, linden sich u. a. folgende Stellen: „Dio Unterschiede, welche trotz der inneren Einheit des Judentums untor seinen Bekennern obwalten, betreffen dio rituelle Observanz und don synagogalen Ritus. Was dio orstero betrifft, so gibt es Juden, welche es z. B. mit don Speisogosotzen und dergleichen sehr genau nehmon, wlo es anderseits solcho gibt, welche sich darüber hinwogsotzon. Zwischen dioson beiden Extremen gibt es aber noch zahlreiche Schattierungen, so daß, wonn man hienach Unterschiede

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