Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 353 (15.5.1934)
- Date
- 1934-05-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint Dienstag und Freitag Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG mB/iku'uimnm Die nächste Plutnmec ctec //Süimm" ecseUewi als SckewuoiU-HCUteUtU U* vetdäMeu* Uiu-fatety üud i/ustäMet Auflage Nr. 353 | Wien, 15. Mal 1934 f Redaktion und Administration. Wien, «. KSmtnerstraSe 28. Tel. R 27*4-85. RedaktionssohluS Montag und Mittwoch vorm. 1 (X. Slwan 5694) | 7« Jahrgang Gegen die Einwanderungsdrosselung Eine Erklärung der Jewtsh-Agency Die Exekutive der Jewish Agency nimmt in einer umfangreichen Erklärung Stellung zu der neuerlichen Einschränkung der jüdischen Einwanderung. In der Erklärung, die uns vor Schluß des Blattes zugeht, heißt es: In der Entscheidung der Palästinaregierung erblick tdie Exekutive die Fortsetzung einer Politik, die durch Drosselung der Einwanderung bei steigender Aufnahmefähigkeit des Landes eine ständig wachsende Spannung zwischen der Nachfrage nach Arbeitsplätzen und deren Bereitstellung schafft, was zum Verlust jüdischer Wirtschaftspositionen führt und die Aussichten einer gesunden, ungehinderten Entwicklung des Jüdischen Nationalheims beeinträchtigt. Die beiden letzten Jahre waren eine Epoche unerhörten wirtschaftlichen Fortschritts in Palästina. Die Erschütterung der Lage der deutschen Judenheit und ihre über die ganze Welt sich erstreckenden Auswirkungen haben die jüdischen Massen zu der Erkenntnis geführt, daß Palästina allein ihnen die Möglichkeit gesicherter Existenz bietet. Dementsprechend war ein vermehrter Zustrom von Kapital nach Palästina zu verzeichnen, Investitionen in Neubauten, Landwirtschaft und Industrie haben zusehends Fortschritte gemacht. Die Einkünfte der Regierung zeigen eine ungeheure Vermehrung, die Überschüsse des Schatzamtes sind innerhalb eines Jahres um eine Million gestiegen. .V Die Jewish Agency findet es unmöglich, diese Einschränkung, der Einwanderung' mit der erklärten Politik der Mandatarmacht zu vereinbaren, daß die Einwanderung cn tsprechend der wir.tschaf tlichen Fähigk.ei ten Palästina^ neun? Einwanderer aufzunehmen, geregelt werden soll. Dieser Grundsatz, dein die JeiWish Agency stets entsprochen hat, bedeutet nicht nur, daß Einwanderung in einem die Absorptionskraft übersteigenden Maße nicht zugelassen, sondern auch, daß sie im vollen Ausmaß der Aufnahmefähigkeit zugelassen werden soll. Darüber hinaus schädigt diese einschränkende Politik schwerstens die Struktur des Jüdischen Nationälheims und droht, wirtschaftliche Positionen, unter großen Anstrengungen und Opfern gewonnen, zu u n t e r g r a b e n. Der Brief Mac Donalds Das Jüdische Nationalheim wird durch die Investierung jüdischen Kapitals nicht allein aufgebaut werden. Jüdische Arbeit in den von jüdischem Kapital geschaffenen Unternehmungen bietet die Basis des Heims und sichert seinen gesunden Bestand. Dieses vitale Prinzip wurde in dem vom Ministerpräsidenten MacDonald an Dr. Weizmann gerichteten Brief anerkannt. Eine Politik, die es verhindert, daß die Einwanderung jüdischer Arbeiterelemente dem Ausmaß der jüdischen Investitionen in Palästina entspricht, rührt an die Wurzeln des JüdIschen Nationalheims. Die Erklärung teilt sodann die Einzelheiten der von der Jewish Agency vorgenommenen Überprüfung des Arbeitsmarktes mit und fährt fort: Auf das Ergebnis einer mühseligen Untersuchungen stützte sich die Jewish Agency, als sie 20.100 Zertifikate anforderte. Wenn die Regierung diese Zahl um fast 75% zu hoch gegriffen hält, dann ist das wenigste, was die Jewish Agency darauf sagen kann, die Feststellung, daß die Regierung ihrerseits durch Unterschätzung einen weit größeren Irrtum begangen hat. Die Jewish Agency kann nicht zugeben, daß die neue Schedule ' eine faire Schätzung der Absorptionskraft des Landes bildet. Sie kann eine Maßnahme, die dem jüdischen Fortschritt in Palästina ein schweres Hindernis schafft, nicht als imGeistd es Mandat’es getroffen erachten, des Mandates, das der Regierung die p o s i t i V e Verpflicht u n g auferlegt, die Einwanderung zu erleichtern. Sie kann auch die erstaunliche Tatsache nicht rechtfertigen und nicht dabei ruhig bleiben, daß in Palästina weiter Arbeitermangel anhälten und das schreiende Bedürfnis des jüdischen Siedlungswerkes nach; mehr Arbeit unbefriedigt bleiben soll zu einer Zeit, da Zehntausende von Pionieren überall in der Diaspora mit brennender Ungeduld auf die Möglichkeit warten, sich dem Aufbau des Jüdischen Heims widmen zu können. , Da das Bedürfnis der jüdischen Massen, in Palästina eine Heimstätte zu finden, jetzt stärker ist als jemals zuvor, muß die Jewish Agency darauf bestehen, daß die Mandatarmacht ihrer Pflicht Einwanderung in vollem Ausmaß der von Palästina bewiesenen Absorptionsfähigkeit zuzulassen, entspreche Sie bedauert, in der gegenwärtigen Schedule einen deutlichen Beweis dafür erblicken zu müssen, daß die Mandatarmacht dieser grundlegenden Verpflichtung nicht nachgekommen ist. Die zionistische Exekutive an die Mandatskommission Die Exekutive der Jewish Agency hat dem High Commissionar Sir Arthur Wauchope ihren Bericht über die Entwicklung des Jüdischen Nationalhelms im Jahre 1933 zwecks Unterbreitung an die Mandatskommission des Völkerbundes übergeben. Der Bericht ist vom Präsidenten der Jewish Agency, Nahum S o k o 1 o w, unterzeichnet. In dem Mantelschreiben Sokolows wird besonderer Nachdruck auf die Frage der jüdischen Einwanderung be) gleichzeitigem Hinweis auf den in Palästina bestehenden akuten Arbeitermangel, ferner auf die ernste Notlage der Juden in den Ländern der Diaspora gelegt. 40»000Juden_iiach Palästina Die Palästina-Regierung hat. 5600 Zertifikate für die Arbeitereinwanderung bewilligt. Die Jewish Agency hatte 21.000 ver: längt, um, wenn auch in eingeschränktem Maße, den Bedürfnissen der Wanderung und des Arbeitsmarktes entsprechen zu können. Zwischen der Anforderung und der Bewilligung besteht demnach ein sehr großer Unterschied, und dieser Unterschied kann mir psychologisch gewertet werden. Er kennzeichnet die Politik der Palästina- Regierung, die immer Organ der Londoner Regierung bleibt, gegenüber den Juden. Dieser Unterschied ist die Erfüllung des Mondates, und er .hat seine. Bedeutung darin, daß er von antijüdischen Tendenzen und von proarabischen Stimmungen erzeugt worden ist. '.Zu.bemerken ist dabei, daß diese 5600 Zertifikate für Eheleute gelten,1 daß sie also die Einwanderung von 1L200’ Personen ermöglichen, die fast dürChWegs ■ unter 35 Jahren alt ßind. Außerhalb dieser- Zertifikateinwanderer steht die Sonderklasse der Kapir talisten, die im Durchschnitt .1000 Pfund Besitz nachweisen müssen, und mit Verwandten einwandern können. Rechnet man diese Kategorie mit, so. kommt , man auf 20.000 Einwanderer im Halbjahr, somit auf 40.000 im Jahr. Rein optisch erscheint die Einwandererziffer verhältnismäßig hoch. Aber sie enthüllt sich als außerordentlich zwiespältig, weil sie für den Charakter der ganzen jüdischen Siedlung Gefahrenmomente schafft. Der Zionismus will nicht die europäische Schichtung des Judentums nach Palästina verpflanzen; es ist ein nationales und ein soziales .Werk. Er will den jüdischen Menschen mit dem Boden verbinden und die Stadtkiutur kann er nur nebenher als unvermeidliche Begleiterscheinung in den Kauf nehmen. Die Einwanderung des Kapitals wäre nur insoweit zu begrüßen, als sie zur Stärkung der landwirtschaftlichen Siedlung verwendet wird, auf Bodenkauf, Meliorierung, auf dörfliche Anlagen, auf Straßenbau und Entsumpfung gerichtet ist, kurz, wenn sie Werte schafft, die in die Zukunft reichen und die Sicherheit des Landbesitzes verbürgern. Wenn aber diese* Kapital lediglich auf Rentabilität und Wachrufung von städtischen Luxusbedürfnissen gestellt ist, dann wirkt es dem Sinn und Zweck der zionistischen Grundansdhauungen entgegen, ja es hebt sie aus. Die Einwanderung von Arbeit und Kapital muß in einem Verhältnis stehen, das dem Inhalt des Zionismus entspricht. Es besteht , aber auch die Gefahr, daß das nationale Prinzip verletzt wird. Das Kapital, kapitalistisch angewendet, sucht die möglichst billige Erzeugung; es läßt sich oft nicht davon abhalten, die billigere arabische Arbeit an die Stelle der jüdischen zu setzen. Anderseits wirkt es, wenn es Stadtbau vorzieht, aufsaugend auf die ländlichen Arbeiter. Hier ist also die sorgsamste Aufsicht am Platze. Aber diese Wirkung. eines Mißverhältnisses liegt auf der Linie der englischen Politik. Sie nimmt auf die . Empfindlichkeit der Araber zu starke Rücksicht und schließt gern die Augen vor der unleugbaren Tatsache, daß nur die jüdische Arbeit Palästina die Blüte geschaffen hat, die es heute zeigt. Die von der Palästina-Regierung ins Treffen geführte Besorgnis vor einem Rückschlag, der Arbeitslosigkeit erzeugen müßte, ist bis jetzt ohne Grund. Die jüdischen Ämter weisen vielmehr ein sehr empfindliches Fehlen von Arbeitskräften nach und haben aaich aus diesem Grund eine Zuteilung von 21.000 Arbeiterzertifikaten verlangt. Anderseits ist durch die gesteigerte Bautätigkeit in den Städten, insbesondere in Tel-Aviv, ein Anziehen der Löhne eingetreten, das wieder eine Abwanderung vom Land erzeugt, aber auch in der Stadt selbst unheilvoll sich auswirkt. Bauten können nicht zu Ende geführt werden, weil Arbeitskräfte mangeln oder zu teuer sind, die Mieten wachsen an, es entsteht Mißstimmung, die vielleicht in politischen Radikalismus umschlägt. Eine ausgiebige Erhöhung der Arbeiterimmigration hätte wie Regen in der Dürre gewirkt.. Aber England will das nicht, es will die Juden hemmen, in Schwierigkeiten stoßen, und es sieht die inneren Kämpfe der radikalen Flügel nicht so ungern. Immerhin: e.s werden 40.000 Juden indiesem Jahre in Palästina einwandern, und sie sind, wenn sie dem Gefüge der jüdischen Wirtschaft eingeordnet werden, eine Stärkung. Freilich tritt eine Entlastung der durch den Nationalsozialismus und seine antijüdische Gefolgschaft wieder begonnenen jüdischen Wanderung nicht ein. Sie wäre möglich, wenn Transjordanien geöffnet würde. Das wollen die dortigen arabischen Führer. Aber England will’s nicht. Reise des High Commissioner nach Genf und London Jerusalem, 10. Mai. Wie die Jerusalemer Presse meldet, hat sich High Commissioner Wauchope entschlossen, nach Genf zu reisen, um persönlich an der Tagung der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes teilzunehmen. Die Zeitungen berichten weiter, daß sich der High Commissioner bei dieser Gelegenheit während des Aufenthaltes Emir A b d u 1.1 a auch nach London begeben wird, um dort während des Aufenthaltes Emir Abdullahs von Transjordanien im Monat Juni anwesend zu sein. Plan einer jüdischen Siedlung in Kenya London, 9. Mai. Die Londoner Presse teilt mit, daß Führer der jüdischen Gemeinde in IC e n y a, dem britischen Mandatsland in Ostafrika, nach London den Plan einer Ansiedlung von 1000 Juden in diesem Gebiet übersandten. Rasiere dich m und ßillig Österreichisches Oiinlltfltsfnhrikat Ueberall erhältlich