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Die Stimme · 1934-05-11 · Heft 352 (11.5.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 352 (11.5.1934)
Date
1934-05-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 351 — 11. Mai 1934 DIE STIMME Seite 5 Imposante Massenkundgebung der Wiener orthodoxen fudenschaft Für die Einheit der Kultusgemeinde nach dem Programm eines einzelnen Mannes, sondern nach der M e h rh c i t des Kultusvorstandcs geführt werden. Mit dem Appell zur Einigkeit und Einheit schloß Präsident Dr. Friedtnann seine mit brausendem Beifall aufgenomme nen Ausführungen. Stürmisch begrüßt, führte Vizepräsident Dr. Löwenherz folgendes aus: Seit dem neunzehnten Jahrhundert hat es keine Regierung unternommen, an der Autonomie der Judengemeinde zu rütteln, die von den Juden bis zu dem heutigen Tage gehegt und gepflegt wurde. Greift man diese an, dann unterbindet man den Lebensnerv des jüdischen Volkes. Dr. Löwenherz verwahrt sich dagegen, daß eine jüdische Gruppe es wagte, ein christliches Blatt zum Sprachrohr der verschiedener Konflikte innerhalb der jüdischen Gemeinde zu machen. Es ist ein tragisches Schicksal, sagte Dr. Löwenherz, daß während der Präsident der Kultusgemeinde beim Bundeskanzler und Bürgermeister mutig die Rechte der Juden dieser Stadt verteidigt, die Regierung die Legitimation der Kultusgemeinde als Zusammenschluß aller Juden anerkennt, diese Legitimation von den Juden angezweif e 11 wird. Es bedeutet eine religiöse Heuchelei, wenn die Kultusgemeinde aus religiösen, rituellen Gründen angegriffen wird. Als wir vor zehn Jahren in der Wiener Kultusstubc unsere Arbeit übernahmen, haben wir der orthodoxen Judensohait das Versprechen gegeben, ihre Interessen zu wahren. Wir haben unser Versprechen gehalten. Unter großen materiellen Opfern haben wir im Spital der Kulfcusgemeinde neues Geschirr für koschere Zwecke erworben, wir haben in Wien die siebzig Bethäuser den achtzehn Tempel gleichgestellt, von hundertseohzigtausend Schilling, die für Schulzwecke a-usgegeben werden, entfallen 40 Alle Zionisten! kaufen oder bestellen Glücks- Klassenlose beim GLOCKSBAUER Wien, IV., Favoritenstraße 4, fIel. U 47-5-1*0 Filiale: II., Leopoldsgasse 25, Tel. A 46-6-81 Ziehung schon am 23. Mai österreichischen Juden für ihre Heimat geben die Tafeln und Gräber in der Zeremonienhalle des Wiener Zentralfriedhofes beredtes Zeugnis ab, wir sind viel zu gute österreichische Patrioten, als daß wir immer wieder auf unsere Vaterlandsliebe hinweisen müßten. Die Wiener Judengemeinde ist, die Gemeinde für alle Juden jenseits aller Unterschiede. Denn es gibt nur eine jüdische Gemeinschaft, für deren Einigkeit, Eintracht und Erhaltung alle kämpfen müssen. Zum Schluß wurde unter stürmischen Zustimmungskundgebungen die folgend© Resolution angenommen: Die am 8. Mai sfattgehabte jüdischorthodoxe Massenversammlung anerkennt mit besonderer Befriedigung die seitens der Kultusgemeinde in den letzten Jahren geleistete, auf Erneuerung und Vertiefung des jüdischen Lebens und den Ausbau der religiösen Institutionen gerichtete Tätigkeit. Die Versammlung verurteilt auf das entschiedenste die von einer zahlenmäßig vollkommen unbedeutenden Gruppe der Wiener Orthodoxie gegen den Kultusvorstand gerichteten, mit der jüdischen Tradition in krassem Widerspruch stehenden Angriffe. Sie spricht dieser trennungsortho- Die neueste Sensation von Wien Oer Tanz mit der Schlange / Baronesse Mnriefta von Seotti O.-Höhle täglich in der I., Habsburgergasse 4. Bis 4 Uhr früh geöffnet Der Festsaal des Hotels Continental bot Dienstag abends ein erhebendes Bild. Er war der Schauplatz einer überaus imposanten und machtvollen Kundgebung der strenggläubigen Wiener Judenschaft für den E i n h e i t s g e d a n k c n der Wiener J 11 d e n g e m e i n d e. Dicht gedrängt, Kopf an Kopf, lauschten die das letzte Plätzchen des großen Fcstsaales füllenden orthodoxen Juden mit atemloser Spannung den Ausführungen der Repräsentanten der orthodoxen Judenschaft dieser Stadt. Die Exponenten der Wiener Orthodoxie, Rabbiner und Vertreter von 64 Bethausvereinen der Stadt Wien, haben die in letzter Zeit von einer zahlenmäßig vollkommen bedeutungslosen Gruppe gegen die Wiener Kultusgemeinde, gerichteten Denunziationen zum Anlaß einer scharfen Protestkundgebung genommen und durch Reden der wirklichen Repräsentanten der Wiener orthodoxen Juden die Stellungnahme der strenggläubigen Wiener Judenschaft zu der vom gegenwärtigen Kultusvorstand geleisteten Arbeit zum Ausdrucke gebracht. Es war eine Heerschau der Wiener orthodoxen Judenschaft, die durch ihre leidenschaftliche Anteilnahme eine kaum geahnte Kraftquelle verriet, die durch ihr Gelöbnis und feierliches Bekenntnis zur Einheit der jüdischen Gemeinde den Führern der Wiener Kultusgemeinde eine große Genugtuung für all die Angriffe einer verschwindenden, sich orthodox nennenden Minorität bedeutete. Die Kundgebung im Hotel Continental, eine der mächtigsten jüdischen Massenkundgebungen, die Wien je gesehen, war die Repräsentantin der vierzigtausend orthodoxen Juden dieser Stadt und brachte in ihren Reden und Beschlüssen den Willen dieser v i e r z i g ta u s e n d orthodoxen. Juden zum Ausdruck. Und dies kann wohl den heutigen Führern der Kultusgemeinde, wie Präsident Dr. Friedmann selbst hervorhob, Mut und Kraft für die im Interesse aller Richtungen des Wiener Judentums geführte aufopferungsvolle Arbeit schenken. RHEUMA / ISCHIAS / NERVEN HEILANSTALT HELIA* I., Fleischmarkt 7 Großrabbiner Salomon Friedmann eröffnete die Versammlung, worauf Rabbiner Horowitz, Kultusvorsteher Dr. Rosenberg, Bethausvorstehor Geiger, Rabbiner Jakob Friedmann in temperamentvollen Ausführungen die Trennungstendenzen als unjüdisch und als Gefahr für die Wiener jüdische Bevölkerung schärfstens zu rück wiesen und ein feierliches Bekenntnis zur Wiener jüdischen Gemeinde ablegten. Sämtliche Redner des Abends — der beschränkte Raum läßt es leider nicht zu, all die glänzenden Roden ausführlich wiederzugeben — rühmten die sozialen und kulturellen Leistungen des gegenwärtigen Kultusvorstandes, hoben die Wahrung insbesondere der r el i g i ö s e n und kulturellen Interessen gerade durch die zionistische Majorität dos Kultusvorstandes hervor. Jedo Trennungstendenz würde Unheil für die ganze jüdiseho Gemeinschaft bringen. „Wer“ — rief Rabbiner Horowitz mit erhobener Stimme aus — „würde für unsere Kranken und Siechen, für die religiösen und sozialen Interessen der jüdischen Massen dieser Stadt sorgen, wenn dio festgefügte Kultusgemeindo durch Trennungstendenzen geschwächt wird.“ Mit größtor Empörung wandten sich dio Redner gegen dio sich orthodox nenuendo Minderheit, die cs wagt, in einem Zeitpunkt größtor Judennot durch u n j ii d i s e h cs Handeln cino Gefahr für die jüdiseho Gemeinschaft hcraufzubosclnvörcn, die nicht abzusehen ist. Die houte mit dem Schlagworto der Frömmigkeit operierende Agudah hatte es nicht goschout, jahrelange Wahlgcmcinsehaft mit der Union und anderen, nicht gerade orthodox eingestellten Gruppen, aufrechtzuerhalten. Die aufopferungsvolle Tätigkeit der zionistischen Mandatare in der Wiener Kultusgenieinde bedeutet für die Wiener orthodoxe Judengemeinschaft genügende Gewähr für die Wahrnehmung und Verteidigung der Interessen des gesamten Wiener Judentums durch die gegenwärtige Majorität der Wiener Kultusgemeinde. Mit großen Ovationen wurden die im Saal anwesenden Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde Dr. Friedmann und Dr. Löwenherz bedacht. Unter stürmischem Beifall ergriff Präsident Dr. Desider Friedmann das Wort zu folgenden Ausführungen: „Dio heutige Versammlung der Wiener orthodoxen Juden“ — sagte Dr. Friedmann — „gibt uns Mut, die Einheit unserer jüdischen Gemeinde auch weiter gegen alle Angriffe zu verteidigen. Viel Leid und Trauer hatten wir in diesen letzten Tagen zu ertragen. Aber diese mächtige und erhebende Versammlung gibt uns Genugtuung für unsere Arbeit.“ Präsident Dr. Friedmann weist auf das Schmachvolle der jüngsten Pressedenunziationen hin, die in einem Blatt erfolgten, in dem kurz vorher Artikel erschienen waren, in denen ausgeführt wurde, daß die Juden, vom Erbblut belastet, nur durch das Sakrament der Taufe einer Wandlung zugeführt werden können. Dieses Blatt wurde nun von einer jüdischen Gruppe zum Richter und Schlichter jüdischer Konflikte auserwählt. In der Wiener Judenheit bat es immer verschiedene religiöse und politische Strömungen gegeben, doch nie haben sie so bedauerliche Formen angenommen wie diesmal, die nur dazu angetan sind, bei unseren Gegnern Schadenfreude auszulösen. Die neue Verfassung gibt den Juden die Möglichkeit, den einen oder anderen Vertreter in die Bürgerschaft zu entsenden. Ein bis zwei Mandate sind der Grund, daß wir unseren Gegnern Nahrung bieten, judenfeindliche Stimmungen zu stärken. Geltungsbedürfnis einer verschwinden- - den Minderheit ist der Grund dieser schändlichen Zustände. »Wir fürchten nicht“, sagt Dr. Friedmann, „die Trennung, weil die weitaus überwiegende jüdische Mehrheit unserer Stadt sie nicht will, weil die Verfassung den Juden Selbstbestimmung und Autonomie gewährt, die darin besteht, daß die Wiener jüdische Gemeinde von Männern des Vertrauens der Wiener jüdischen Bevölkerung geführt wird. Wir werden den Weg gehen, den das Statut, das Gesetz, die konservative Tradition unserer Kultusgemeinde uns vorschreiben und werden uns hierin nicht beirren lassen.“ Als einer der ältesten Kultusvorsteher könne Dr. Friedmann mit ruhigem Gewissen sagen, daß die jüdische Gemeinde in diesen letzten Jahren viel jüdischer geworden ist. Präsident Dr. Friedmann beschäftigt sich mm mit dem in einem Wiener Montagblatt erschienenen Interview des neuen Vizepräsidenten Dr. T i e h o, der erklärte, daß die Kultusgemeinde sich bloß auf die Wahrnehmung religiöser Interessen zu beschränken habe. Dr. Friedmann weist darauf hin, daß die Kultusgemeinde weit über das Religiöse hinaus Pflichten den großen jüdischen Massen gegenüber zu erfüllen habe, und gibt die Erklärung ab, daß dio Wiener Kultusgemeinde sich den Umfang ihrer Tätigkeit von niemandem beschneiden lassen werde. Alle Sorgen der Wiener jüdischen Bevölkerung, ob sie nun religiöser, sozialer oder politischer Natur sind, müssen und werden von der jüdischen Gemeinde wahrgenommen werden. Und wenn Sie Schutz und Verteidigung gegen Unrecht suchen werden, so werden Ihre Vertreter bei meiner Tür und der des Dr. Löwenherz Eingang Anden. Im übrigen wurden Erklärungen in der Öffentlichkeit bisher ausschließlich vom G esamtpräsidium abgegeben, und nur solche haben für die Öffentlichkeit einen Wert. Die Gemeinde wird nicht Prozent auf orthodoxe Bibel und Talmudschulcn, weil wir vom Grundsatz ausgehen, daß keine kulturelle und religiöse Arbeit ohne Kenntnisse der hebräischen Sprache geleistet werden kann. Auch die Agudah, die mit ihren drei bis vierhundert. Mitgliedern gegenüber den vierzigtausend orthodoxen Juden Wiens, deren Vertreter hier versammelt sind, eine quant.i16 negligable ist, hat uns wohl Unterstützung zugesagt, wenn wir unsere Institutionen rituell ausbauen. Alle unsere Instetutionen stehen heute unter der Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinats, so daß sie von dem orthodoxesten Juden strengster Observance aufgesuoht werden können. Was die Agudah besitzt, besitzt sie durch die Wiener doxen Gruppe das Recht ab, sich in der Öffentlichkeit als legitimierte Vertretung der Wiener orthodoxen Judenschaft auszugeben und im Namen des glaubenstreuen Wiener Judentums irgend weiche Erklärungen abzugeben. Die Versammlung legt ein feierliches Bekenntnis für die Einheit der Wiener jüdischen Gemeinde ab und weist mit Entrüstung alle Trennungsbestrebungen zurück. Sie dankt dem im Amte befindlichen Kultusvorstand für dessen volles Verständnis für die Bestrebungen und Bedürfnisse aller im Wiener Judentum vertretenen religiösen Richtungen und spricht ihm ihr u n e i n-t geschränktes Vertrauen aus. GRAND-HOTEL PANHANS. SEMMERING iiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiimmiiinmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiimiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiimmim Größtes Kur- und Sporthotel des Kontinents in direkter Verbindung mit dem ersten alpinen HALLENSCHWIMMBAD EUROPAS 1.040 Meter über dem Mccresspiegcl.Herrliche Tennisplätze, Golfplatz. In nächster Nähe des Hotels die wundervoll gelegene Jausenstation „Gut-Alpenhof“. SPORTPENSION PANHANS in Verbindung mit dem Grand Hotel Panhans. Moderne, gutbürgerliche Familienpension. Kultsugcmeinde. Aber ihre Kranken schickt sie in die christlichen Sanatorien und nur wenn das Gold zur Neige geht, erinnern sie sich daran, das jüdiseho Spital um F r e i p 1 ä t z e aufzusuchon. Zum Schluß wendet sich Dr. Löwenherz gegen den Unterschied zwischen Ost- und Wostjuden. Zwanzigkusend Ostjuden sind in den letzten Jahren in ihre frühere Heimat zurückgefahren. Bei aller Liebe zur österreichischen Heimat muß auch jetzt daran erinnert worden, daß all die tausenden Juden aus Galizien und der Bukowina, die von ihren Häusern vertrieben, all ihrer Habe beraubt, nach Wien kamen, die schwersten Opfer für Österreich gebracht haben. Voii den großen Opfern der Nichtjude spendet 10,000 Pfund für jüdische Emigranten Ein Londoner Christ übergab dem Bankhaus Rothschild einen Scheck über 10.000 Pfund für H i 1 f 0 an aus Deutschland ausgewanderte Jude n. Der Spender will nicht genannt sein. ZU PFINGSTEN BILLIG NACH ▲ POLEN Abreise am; 17. V. 1934 Auskunftei BÜRO DR. S. TOCKER l., K&rntnerrlng 12. Tel. U 4C-3C1 AUSTROBUS tÄftir läi4"°.v.r'

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