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Die Stimme · 1934-05-04 · Heft 350 (4.5.1934) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 350 (4.5.1934)
Date
1934-05-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
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m!H s3 i i iü I l! iii ii Sj * .*_! *•;j | I! f I Seite 6 DIE STIMME Kr. .05(1. f >r.Ti in$r s nman». Mrr.Tsama ZUM MUTTERTAG SCHENKT Jüdische Gemeinde Öffentliche Plenarsitzung des Wiener Kultusvorstandes Palästina. Sonne, Licht und Farbe durchfluten die Landschaft, freudige Arbeit und frohe Zuversicht pulsieren in den Gestalten und im Ausdruck der dargestellten jungen Arbeiter. Wilhelm Wachtel ist der begeisterte Schilderer unserer „Neuen Menschen“. Als Ausgangspunkt zu dieser neuen Welt wirkt in seiner erschütternden Tragik und leider in der immerwährenden Aktualität das bekannte Bild „Christus in der Pogrom-, gasse“, das in seiner Größe und künstlerischen Geschlossenheit monumentale Werk Wilhelm Wachtels. Die Ausstellung ist in den Räumen des Kunstgewerbemuseums in der Husova ul untergebracht und wird bis einschließlich 10. Mai dem Publikum zugänglich sein. KINOPROGRAMME DER WOCHE LeoDOldstödter Volkskino U. Rotensterngasse /a Telephon R 49-0-23 Cf Vom 4. Mai bis 10. Mai „DER TUNNEL mit Pani Hartmann, Attila Hörbiger Wochentags V»6. V»8> VJ-0 Uhr, Sonnu. Feiertags V>4 Uhi J&dische Rekordsportler. Der dänische Ringer Michael Kurland das bekannte Mitglied der „Hakoah“ Kopenhagen, wurde Meister im Bantam gewicht bei den kürzlich in Kopenhagen abgehaltenen Meisterschaften. DOKTORAND an der hehrStsclien UniversM (Jerusalem) zw. spez. Forschung in Wien, erteilt fachmännischen hebräischen Unterricht Zuckerman, Landesgerichtsstraße 20, III/23. Tel. B 27-9-31 Der „J e w i s h C h r o n i c 1 e“ berichtet, daß der bekannte jüdische Sportsmann .George Kojac bei dem kürzlich in New Lesitimistische Jüdische Frontkämpfer! Die Kameradschaftsabende der Bezirksgruppe Josefstadt finden jeden Mittwoch, pünktlich ah 8 Uhr abends, im CaieCoIonnaden, i, Rathausplatz 4, statt. — Gleichgesinnte Kameraden willkommen £ (York abgehaltenen internationalen Schwimmfest einen neuen Weltrekord im Rückenschwimmen aufstellte. Er schwamm die 440 Yards in 5 Minuten 34'8 Sekunden und schlug damit den bisherigen amerikanischen Rekordmann Fießler um 18 Sekunden. Er blieb nur 4 Sekunden hinter dem bisherigen Weltrekord für 400 Meter zurück. Kojac ist bereits Rekordinhaber über 100 und 200 Meter. Montag, den 30. April, fand im Sitzungssaals der Wiener jüdischen Gemeinde unter dom Vorsitz dee Präsidenten Doktor Desider F r i e d m a n n eine öffentliche Plenarsitzung dos Kultusvonstandes statt. Nach Verlosung des Einlaufes durch Amts direkter Regie rungsrat Fuchs gelb ergriff Präsident Dr. Desider F r i e d m a n n das Wort zu der auf der ersten Seite unseres Blattes veröffentlichten Erklärung. Hierauf würdigte Präsident Dr. Friedmann in einer herzlichen Ansprache die Verdienste des aus dem Präsidium scheidenden bksherigen Vizepräsidenten der Kultusgemoinde Dr. Jakob 0 r n s t e i n. Im Anschluß an die Verlesung des DemissioiLsschreibens Doktor Ornsteins sagte Dr. Friedmann, daß er sich in seinem Bestreben, Dr. Omstein von seiner Demission abzuh-adten, dee-sen bewußt war, daß diese Versuche wenig Aussicht auf E r f o lg haben werden, Weil diese Demission im Gegensatz zu früheren Fällen und vollständig abweichend von der Übung bereits vorher verlautbart worden ist, bevor sie Gegenstand der Beratung in den zuständigen Kollegium wurde. Präsident Dr. Friedmann unterstrich den Passus im Schreiben Dt. Om steins, der auf die Kollegialität und das freundschaftliche Zusammenarbeiten zwischen ihm und dem Präsidium hinweist, und gab dem Wunsche Ausdruck, daß auch für die künftige Geschäftsführung im Präsidium die Tradition des kollegialen und freundschaftlichen Zusammenwirkens erhalten bleiben möge. In ähnlichem Sinne sprach Vizepräsident Dr. Löwenherz, der auf die zehnjährige Zusammenarbeit als Vizepräsident mit dem scheidenden Vizepräsidenten Dr. Ornstein hin wies, in welchem Zeitraum es immer ein harmonisches Z ii s a m m e narbeiten gab. Dr. Löwenherz unterstrich unter Hinweis auf <1 io jüngsten Denunziationen die Tatsache, daß das gesamte Präsidium stets von allen Agenden g 1 e i c h z e i t i g informiert wurde. Voll Ergriffenheit von den herzlichen Ansprachen der beiden Präsidenten erwiderte Vizepräsident Dr. Jakob O r n s t. e i n, der auch seinerseits auf das im Interesse der Gemeinde stehende objektive und kollegiale Zusammenarbeiten mit Dr. Löwenherz und Präsident Dr. Friedmann hinwies. Er habe während seiner ganzen Amtstätigkeit mit seinem Kollegen Dr. Löwenherz stets in freundschaftlicher, kollegiale Arbeit zusammengewirkt. Vizopräsi clent Dr. Ornstein dankte insbesondere für die herzlichen Worte des Präsidenten Doktor Friedmann und sprach dem Beamtcnkörpe der Kultusgemeindö sowie dessen Führer Regierungsrat Fu c h s g e 1 b für die tat kräftige Mitarbeit seinen Dank aus. Im Namen der Angestelltenschaft 6owie im eigenen brachte als rangältester Beamter des Verwaltungsdienstes der Kulttisgomeinde Amtsdirektor Regierungsrat Fuchsgcl den Dank an Vizepräsident Dr. Ornstein und die aufrichtigsten Wünsche für sein weiteres Wohlergehen zum Ausdruck. Es fiel allgemein als befremdend auf, daß bei den Abschiedsreden für Vizepräsident Dr. Ornstein kein einziger Vertreter aus der Partei des schei denden Präsidenten das Wort ergriff. Im Mittelpunkte des zweiten Teiles der Plenarsitzung stand das Referat und die Abstimmung über Neue Lehrpläne für den Religionsunterricht In seinem sachlich fundierten Referat führte der Obmann der Unterrichtskommission, Professor Moses Rath, über die neuen Lehrpläne für den Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen unter anderem folgendes aus: In der öffentlichen Plenarsitzung vom 21. Dezember des vergangenen Jahres, habe ich über die von mir in Angriff genommenen Reformen und Verbesserungen auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes an den Volks-, Haupt- und Mittelschulen sowie des Ergänzungsunterrichtes an den hebräischen Bibelschulen Bericht erstattet. Unter anderem auch darüber, daß aus der Mitte der Lehrerschaft Kommissionen eingesetzt wurden, die in monatelangen Beratungen unter meiner Leitung die veralteten, unzulänglichen Lehrpläne ne<u bearbeitet und den Hebräisch-Unterricht eingebaut haben. Die von diesen Kommissionen ausgearbeiteten Entwürfe wurden vom Inspektorat guteheißen und der Plenar-Lehrerkonferenz zur Beschlußfassung vorgelegt. Hier wurden die Entwürfe neuerlich gründlich durchberaten und mit geringen Änderungen einhellig angenommen. Die Unterrichtskommission und das Vertreterkollegium haben jüngst die Lehrpläne einstimmig bestätigt und nun liegt e3 mir, auch vom Plenoim des Vorstandes die Genehmigung zu erbitten, damit wir rechtzeitig die Inkraftsetzung der neuen Lehrpläne bei den staatlichen Schulbehörden herbeiführen können. Wir waren uns nach wie vor im klaren darüber, daß der Religionsunterrieht an den öffentlichen Schulen, schon infolge der ihm anhaftenden hier bereits wiederholt besprochenen grundsätzlichen Schwierigkeiten, namentlich aber infolge der allzu geringen, zur Verfügung stehenden Unterrichtsstunden, nicht ausreicht, um die Jugend zum Erleben der jüdischen Kultur hinzuleiten, sie in ein inneres Verhältnis zur jüdischen Antike zu bringen, deren ewigen Werte in ihre Seele zu übergießen, auf daß man sie ohne Besorgnis als die zukünftigen Träger unseres gesamten Kulturgutes und unseres Wesens hinstellen könne. Denn das Erleben der jüdischen Kultur, die Erlernung der hebräischen Sprache und Literatur, die zusammenhängende Kenntnis der jüdischen Geschichte, die Vermittlung jüdischer Gesinnung und die Weisung « einer positiv jüdischen Richtung — all das kann nicht mit den Brocken erreicht werden, die der Religionsunterricht in den edn bis zwoi Wochenstunden zu bieten vermag. Ein Professor der Physiologie, erzählte einmal Bialik, hat seinen Hörern den Unterschied zwischen Physiologie und Psycnologie klarzumachen versucht. Er fragte seine Hörer, wie viel Boden ein Mensch nötig hat, um sich sicher zu fühlen. Es genügt nicht für ihm — meinte der Professor — genau gerade so viel Boden zu haben, um darauf zu steilen, denn wenn er fiele, stürzte er in den leeren Raum. Um sich sicher zu fühlen, muß er nach jeder Richtung hin so viel Boden haben, als seiner Körperlänge entspricht, so daß er in keinem Falle in den leeren Raum versinken könnte.- Nun, dio Körperlänge unserer Kultur beträgt 3000 Jahre. Die Richtungen sind: Die religiöse und die historische, die traditionelle und nationale. Hier genügen nicht Brocken... Dieses Gefühl der Sicherheit kann nur die j üd i s c h e Vollschulo schaffen. Diese Wahrheit haben in anderen Ländern und Gemeinden auch Nichtzionisten erkannt und danach gehandelt. Solange wir aber in Wien von Gemeinde wegen keine jüdische Vollschule haben und die zwei aus privater Initiative entstandenen und von der Gemeinde reichlich subventionierten Volischulon — das Ghajcs-Realgymnasium und die Volks- und Hauptschule in der Malzgasse — nur 900 Schüler und Schülerinnen, also kaum 0 Prozent, der gesamten jüdischen! Schülerschaft beherbergen, müssen wir ans dem R e 1 i g i n n s u n t, e r r i e h 1 das B e s I. m ö g 1 i e h r heranshol m und das übrige durch einen vermehrten und vertieften Unterricht, an den h e b r ä i s e h e n B i b e I s e h u I e n ergänzen. Wir wissen, daß der Erfolg nicht allein! vom Lehrplan abhängt, sondern von der Qualität, des Lehrers und seiner Hingebung sowie von der Unterstützung, die das Elternhaus angedeihen läßt. Aber auch der Lehrplan ist ein wesentlicher Teil des Hnterrichtswesens. und daher muß auch hier eine unseren jüdischen und pädagogischen Anforderungen entsprechende Verbesserung Platz greifen. Die G r u n d t h esc der neuen Lehrpläne ist folgende: Der Unterricht in biblischer und nachbib- Iiseher G e s c li i c h t. e soll die äußere und innere Geschichte des Judentums und seine Literatur im Zusammenhänge mit der W c 11 g e s c h i e h t, e behandeln, in der vierten Klasse der Haupt- und Mittelschule unter besonderer B e r ii e k s i c h t ig un " d e r G e s c h i c h t.e der Juden Österreichs. Im Anschluß daran die Behandlung einzelner Glaubens- und Sittenlehren und der ethischen Grundsätze des Judentums an Hand des geschichtlichen und literarischen Lehrstoffes. ZU PFINGSTEN BILLIG NACH POLEN Abreise am 17. V. 1934 Auskünfte: BÜRO DR. S. TOCKER I., Kärntnerring 12. Tel. U 40-301 AUSTROBUS l„ Ring des 12. Noven' ber 12. Tel. U 24-0-10 Der Unterricht im Hebräischen soll, in systematischer Form erteilt, in das Verständnis der Bibel, der Liturgie und der religiösen Literatur einführen und zur Teilnähme am öffentlichen Gottesdienste befähL gen. Der systematische und methodir* sehe Unterricht im Hebräischen soll dazu die* nen, die Erlernung der Sprache den Schülern zu erleichtern und das Ziel, das darin besteht, unsere Jugend mit der Bibel im Urtext und mit dem Gottesdienst vertraut zu machen, erreichbar zu gestalten. Wir hoffen, durch einen methodis c h e n Unterricht in den acht, beziehungsweise zwölf Jahren dio Jugend so heranzubilden, daß sie imstande ist, am Gottesdienst mit Verständnis aktiv teilzunehmen; und eine leichte Stelle des Tanach, auf Grund der erworbenen Kenntnisse zu vep* stehen. Es werden daher geeignete Lehrbücher geschaffen werden müssen als Vor* stufe zum Siddur und Tanach. Auf der obersten Stufe der Mittelschule haben wir neben' der Lektüre aus den Propheten und Psalmen' auch einiges aus der mittelalterlichen und neuhebräischen Dichtung (Jehuda Halevi, Bialik u. a.) aufgenommen. Der Unterricht in der R e l i g ions* lehre, welcher sowohl in systematischer Form als auch kn Anschluß an den Unterricht in der Geschichte und im Hebräischen erteilt wird, soll den Grundgedanken des Judentums, den Gottesbegriff, die Lehren' von der sittlichen Bestimmung des Menschen und der Menschheit entwickeln, Ritual- und Zeremonialgesetzo vermitteln, die Grundsätze der jüdischen Religion und Ethik mit besonderer Behandlung der Beziehungen zur Umwelt in alter und neuer Zeit uud die gegenwärtigen Strömungen im Judentum behandeln. Wir haben uns davor gehütet, den Lehrstoff quantitativ zu überlasten. Nicht auf das „Was“, sondern auf das „Wie“ kommt es an. Durch dio bessere, systematische und lebendigero Methode im Unterricht hoffen wir mehr als bisher zu erzielen. Ich bitte Sie, die vorgelegten Lehrpläne auch für dio Fortbildungsschulen, Handelsschulen und Handelsakademien zu genehmigen.“ Einstimmig angenommen In der darauffolgenden Abstimmung wurden die von Prof. R a t h unterbreiteten Lehrpläno einhellig angonommen. Im Rahmen der vom Keren Kajemeth und Herzl- Arcbiv veranstalteten HERZL-AUSSTELLUNG Findet Die Herzl-Feier des Zionistischen Landes - Verbandes für Österreich GEDENKREDE: DR. OSKAR GRÜNBAUM ANSCHLIESSEND: Dienstag, den 8. Mai, ’/& Uhr abends im Ausstcllnngsraume, I,, Rathausplatz 8 (neben Cafe Reichsrat) statt. FÜHRUNG DR. TULO NUSSENBLATT

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