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Die Stimme · 1934-05-04 · Heft 350 (4.5.1934) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 350 (4.5.1934)
Date
1934-05-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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’ Kr. 350. — '4. Mai 1934 DIE STIMME Seite B Heute Eröffnung der Herzl-Ausstellung in Wien Der jüdisdie Gründer der österreichisdien Tabakregie Die aus Anlaß der in dieses Jahr fallenden 30. Wiederkehr des Todestages Theodor H e r z 1 s vom Keren Kajemeth und IIorzl-Archiv veranstaltete Gedenkausstellung ftir Theodor Herzl wird heute, Freitag, um 11 Uhr vormittags eröffnet. Die Aufstellung, die sich in den Räumen Ratha.usplatz 8 (neben dem Cafe Reichsrat) befindet, dauert vom 4. bis zum 10. Mai und ist. allgemein zugänglich. Im Rahmen eines gestern stattgefundenen Presseempfanges hatten die Vertreter der Wiener Tagespreise Gelegenheit, die interessanten Objekte dieser Ausstellung, die einen historisch und kulturpolitisch interessanten Einblick in die Anfänge der zionistischen Bewegung vermitteln, zu besichtigen. Die zahlreichen Briefe Herzls an bedeutende Staatsmänner und Schriftsteller seiner Zeit, darunter Dokumente, die bis nun der breiteren Öffentlichkeit nicht zugänglich waren, ferner Dokumente aus dem Herzl- Archiv, dem Hof- und Staatsarchiv in Wien, dem Wolfsohn-Archiv in J e r u s a 1 e m, dem Archiv dos Völkerbundes ln Genf sowie aus dem privaten Betsitz von Freunden, insbesondere den beiden Testamentsvollstreckern und Freunden eHrzls, Ing. Johann Kremenetzky und Dir. M. Reichenfeld bieten ein überaus interessantes Bild von dem ansgedehnten brieflichen und mündlichen Verkehr Herzls im Interesse der zionistischen Bewegrung. Wir finden hier unter den zahlreichen Briefen und Dokumenten die interessanten Schreiben dee Großherzogs Friedrich von Baden, des Ministerpräsidenten K o e r b e r, des Ministers P1 e h w e, des Staniclaus v. K o zm.ian, ferner Briefe von Lloyd George, des Königs von Italien und anderen mehr. Aus dem Nachlaß des geheimen Justizrates Bach.rach stammen einige interessante Dokumente über die Teilnahme Herzls am politischen Leben der Akademischen Lesehalle in Wien um das Jahr 1880. Reeht bemerkenswert ist hier die Kandidatenliste für den Ausschuß und die Kandidatenrede Herzls, in der dieser erklärt, „in allen den Hegern patriotisch österreichischer Gesinnung Freund und Genosse zu sein.“ Wir finden überdies eine Sammlung von Theaterzetteln, Programmen, die Herzl als Bühnenautor zeigen. Bilder von den zahlreichen Reisen, die Herzl im Interesse der Bewegung unternahm, vervollständigen das Bild der interessanten Ausstellung, die von den Veranstaltern liebevoll zusammengestellt wurde, und um cHe sich Dr. T. N u s s enbla 11 sowie I)r, M o n d, der die architektonische Ausgestaltung der Ausstellung besorgte, besonders verdient gemacht haben. Auch ein Entwurf eines Denkmals für Herzl, der von zwei Wiener Künstlern, von Bildhauer Felix Weiß und Dr. Ing. I. M o n d stammt-, ist zu sehen. Dieses Denkmal ist für Tel-Aviv geplant und stellt ein Momimentalgebäiide mit einer Herzl-Plaet-ik diar. Das Modell eines Ilerzl-Instituts, das alles auf Herzl bezugnehmende Material bezugnehmende Material beherbergen soll, ist jetzt während der Levante-Messe in Tel- Aviv aufgestellt. Anschließend an die Herzl-Ausstellung hat man Gelegenheit, auch in einem zweiten Raum die Arbeit und die Entwicklung des Keren Kajemeth zu besichtigen. Diese Ausstellung ist dem Begründer des Jüdischen Nationalfonds, dem Wiener Ingenieur Johann Kremenetzky, anläßlich seines 85. Geburtstages gewidmet. Alles in allem eine interessante Ausstellung, die Zionisten und Nichtzionisten gleichermaßen Neues und Wertvolles aus den Anfängen, aus den Kämpfen und Erfolgen der zionistischen Bewegung vermitteln. jr. TA.LA. &IRELL GEFAURLICHER AU DIE BESTIEN DER DXCHÜHUIH H E U[.T;E , GARTENBAU HAYDN»'VOTIVPARIC W ITN l'.v JE r;s-aV'-P I.cwi;' Die österreichische Tabakregie feiert derzeit, das 150jährige Jubiläum ihres Bestandes. Es ist daher interessant, daran zu erinnern, daß es ein Jude war, der sich um die Tabakregie große Verdienste eruarb und sie in den staatlichen Betrieb überführte. Dieser Marin v'ar Israel H ö ni g, später Edler von Königsberg. Israel Ilönig wurde im Jahre 1724 in Kuttenplan in Böhmen als Sohn des Löbel Königsberg geboren, der im scldcsischen Kriege österreichischer Armeelieferant war. Im Jahre 1752 übernahm Israel Königsberg zusammen mit seinem Schwiegervater die Tabakpacht der Stadt Prag. Im Jahre 1764 schloß er mit der Wiener Hofkammer einen zehnjährigen Tabakpachtkontrakt für sämtliche österreichischen Länder ab. Im Jahre 1776 errichtete er in Wien eine Wachskerzenfabrik. Im Jahre 1783 wurde er von Kaiser Josef II. zum. Regierungsrat und Tabak- und Siegelgefällsdirektor ernannt. Er erhielt den Auftrag, das Tabakmonopol in die Staatsregie überzuführen, was er auch im Jahre 1784 durchführte. Im Jahre 1784 wurde Hönig zum Direktor der drei, großen' Staatsmonopole ernannt. Honig war der erste jüdische Staatsbeamte im österreichischen Verwaltungsdienst. Im Jahre 1789 wurde König geadelt und erhielt das Prädikat Edler von Königsberg. Er war auch der erste österreichische Jude, der den Erbadel gewann. Israel Hönig, Edler von Königsberg führte einen frommen Lebenswandel und starb im Jahre 1808. Es ist bekannt, daß er einmal von dem Prager Rabbiner Laudäu eine Auskunft darüber verlangte, ob es ihm gestattet sei am Sabbat, falls es seine Amtsgeschäfte erforderten, seine Petschaft zu verwenden. Von seinen sieben Söhnen ist Maximilian zu nennen (1754 bis 1832), der um die Schaffung der Gemeindeorganisation der Wiener Juden bemüht war und in den Jahren 1792 bis 1832 dem Vorstand der Wiener jüdischen Gemeinde angehörte. Die übrigen Kinder Israel von Königsbergs traten zum Christentum über und heule dürfte die Familie bereits ausgestorben sein. Die österreichische Tabakrcgic feiert ihr Jubiläum durch die Ausgabe einer neuen Zigarettensorte, „J u, b i l ä u m s z i g ar ett e“. Die Innenseite der Zigarettenschachteln trägt das Bild des Kaiser Josef II. mit der Unterschrift „Gründer der österreichischen Tabakregie“. Richtig i s t j cd o c h, daß cs Israel König w a r, der die österreichische Tabakregie begründete und ihr erster Direktor war. Er hat, somit den Grundstein zur heutigen Tabakregie gelegt und es wäre tcohl am Platze gewesen, wenn auch die Tabakregie anläßlich ihres Jubiläums ihres Gründers gedacht hätte. Ausstellung Wilhelm Wachtel Irt Brünn Wie uns aus Brünn berichtet wird, hat das dortige Publikum zum erstenmal Gc- Sternsdie Schulu. Erziehungsanstalt iiniiiiniiimiiiiiimiiuuiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!:i[ii]]]]]i]i]iiiiiiiu]iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiii SchuldlrekUon: Malvine Frledmann Wien, l. Bezirk, Werdertorgasse 12 Volksschule (Knaben u„ -Mädchen), 9 Uhr Beginn, öffentliches Recht Hauptschule mit Franz.,Engl., Latein (nach Wahl) Vorbereiturgsklasse für die Mittelschule Hebräische Sprachkurse Fortbildungskurse: Allgemeinbildung Berufsausbildung: Sprachen, Handelsfach, Kunstgewerbe Einjähriger Haushaltungskurs Tagesheim, Großer Garten, Internat Musik, Sport, Prospekte Telephon U 28-1-97 legenheit, eine Auslese von Werken Wilhelm W a c h t e 1 s kennenzulernen. Diese Ausstellung bietet in ihrer Gesamtheit ein erhebendes Bild des aufstrebenden jungen GRAND-HOTEL PANHANS, SEMMERING miiiiiiiiiiiniiniiiniiiiiimiMiiiiiiimuiiiiniMmiiimmimiMiiiiiunmmimiiiiitiimimiiinuniiiininiiuiimuiumiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiimmtiiiimiiiiimimimiiiiiiiiiiii Größtes Kur- und Sporthotel des Kontinents in direkter Verbindung mit dem ersten alpinen HAUENSCHWIMMBAD EUROPAS 1.040 Meter über dem Meeresspiegel.Herrliche Tennisplätze, Golfplatz. In nächster Nähe des Hotels die wundervoll gelegene Jausenstation „Gut-Alpcnhof“. SPORTPENSION PANHANS in Verbindung mit dem Grand Hotel Panhans. Moderne, gutbürgerliche Familienpension. Lag B’omer-F M e r 0 n — e>in hochgelegenes, winziges galiläisches Dörfchen im Umkreis der Safeder Berge. Still und einsam ist cs während des Jahres um die heiligen Gräberstätten, und nur betende Greise und einige Safeder Talmudschüler erinnern an eine jüdische Siedlung. Am Todestage des Rabbi Schimon Bar-Joch ai aber wird Meron zu einer nach Tausenden zählenden Stadt. In Massen strömen sie von allen Ecken des Landes, von Ägypten, Syrien, Marokko, Tunis, Arabien, Bagdad und Persien zusammen. Aschenasisc.be Juden im Kaftan, vornehme Sephardim, orientalische Rabbiner in weißen Turbanen und roten Gürteln, sc.hwarzbra.unc Jemeniten und bucharischgrusinische Juden in farbig schillernden Scidongewändern. Hier um das Grab Bar-Jochais und seines Sohnes lernt man das heilige Buch „Sohar“ und betet die Psalmen; hier fleht man zu Gott und seinen Ileligen um die Erlösung aus der Diaspora und um die Befreiung des „gefesselten Messias“. Alles, was ein jüdisches Herz bedrückt, wird in Meron zum Ausdruck gebracht; man weint um Gesundheit und um Heilung von Krankheiten, man bittet ums tägliche Brot und um die Gnade, Kinder und Kindeskindcr „zur Thora, zum Traubalilachin und zu guten Taten“ erziehen zu können. Ein erhebender Anblick wa.r es, als ioh dm Nachts das Grab betrat und in dem engen Raum Dutzende von Männern und Frauen antraf. An der Dncko brannten silberne Ewigkeitslichter, das Grab war von brennenden und schmelzenden Kerzen übereuer in Meron sät, und im Ramm herrschte eine stickigheiße und räudige füllte Atmosphäre, die den Atem beklemmte. So standen sie stundenlang dichtgedrängt um das Grab und sagten Psalmen und Sohar vor sich her. Auf der Erde in den Winkeln kauerten ' alte Mütterchen, halb wachend, halb schlafend, murmelten mit blassen Lippen ihre Sorgen und Wünsche und sogen die heilige Grabesluft in sieh ein. Wenn man einige Rundgänge durch all die Plätze, Höfe pnd Räume, die sieh um die Gräberstätten konzentrieren, macht, und die zusa-mmengepferchten Wallfa.hrermas.sen auf dem nackten Erdboden, den kalten Steintrcppen und in den stickigen Zinimereilen hiiigestreckt sieht, so erfaßt einen Erbarmen mit diesen von Leid und Not verdüsterten Gestalten. Man fühlt sich glücklich, wenn man nach einem solchen Rundgang nicht auf Mcnschenleiber getreten ist und dio vielen Kinder schonen konnte, denen hier nach uralter Sitte das Haar zum erstenmal geschnitten wird. Draußen im Freien aber ist das Bild ein anderes: Fliegende Toehallon und Restaurants, provisorische Nachtruhestätten, allerlei Verkaufsbuden, lärmende Marketenderinnen, Bewegung in allen Ecken und Enden, ein Lager mitten im heiligen Meron. Gegen Mitternacht wird es immer lebendiger, denn alles ist L11 Erwartung des großen F e u e r w 0 r k s, der heiligen „Iladlaka.h“. Reihenweise kommen alte mul junge Frauen mit ihrer Opfergabe dein Seidenschal und der Flasche Olivenöl — in der Hand; der Diener hat viel zu tun, die Seide in den hiefiir bestimmten Schlund zu werfen lind das Öl darüberzuschütten. Eng ist der Dach raum um den brennenden Schlund, doch noch enger schließen sich die Leiber aneinander, und mit unglaublicher Ekstase und den immer wiederkehrenden Worten „Bar-Jochai, Bar-Jochai“ huldigen sie tanzend und singend dem Toten. Blitzartig überträgt sich die Stimmung auf alle Anwesenden, und in den verschiedenen Höfen und Plätzen beginnen die Tänze und Freudengesänge, die sich bis zum frühen Morgen liinziehen. In einem der Höfe ließ sich ein Jüngling auf die Schultern heben und dirigierte mit einem schweren Stock stundenlang tanzende und singende Männer und Greise. Ihm gegenüber in der anderen Ecke befehligte ein orientalischer Jude, eine Weidenrute in der Hand, eine Gruppe sephardisoh-jemenitischer Jünglinge, die ein jüdisches Volkslied in arabischer Sprache sangen. ln einem zweiten Hof stand ein europäisch gekleideter Sepharde, einen roten Fez auf dem Kopf, und sang cha,ssidiseh-asc!ikenas.isclie Volkslieder. Seine Augen glühten, seine Stimme war heiser und die Glieder schwebten in der Luft. Während ich mich in dieses ekstatische Antlitz vertiefte, bot mir ein Safeder Jude ein Buch zum Kauf an; offenbar hielt er diesen Moment für den geeignetsten. Als ich aber ablehnte, suchte er mich durch die folgende Erzählung zu gewinnen: „Vor ungefähr achtzig .fahren kam eine reiche Bagdad er Jüdin mit ihrem einzigen Söhnehen nach Meron. Während eines Gedränges fiel da« Kind von einer hohen Treppe in den Iluf und blieb tot liegen. Dio Kunst der Ärzte versagte, und die Mutter jammerte verzweifelt; da nahmen fromme Juden den Leichnam und legten ihn auf das Grab Bar- Jochais. Nach einer Weile hörte man plötzlich „Mutter, Mutter“ rufen, und das tote Kind ward wieder lebendig.“ Ich schüttelte bedenklich mein Haupt, worauf mein Gewährsman erregt antwortete: „Wenn Sie es mir nicht glauben wollen, lesen Sie cs in diesem Buch, schwarz auf weiß geschrieben, nach!“ Im Hofe der Talmudschule bot sich wieder ein anderes Bild. Ein Jerusalemer Jude in farbigem Gewand tanzte, von Neugierigen umringt, ganz allein. Die frommen Safeder Musikanten, die in dieser Nacht ihr Jahre&geschäft machen, spielten immer ein neues Lied auf, während der Tänzer jedesmal in die Taschen griff und die letzten Münzen hergab. Das Wesen des Tänzers, der seine Augen halb geschlossen hielt, war in sich gekehrt, und mit seinen Blicken und Bewegungen schien er Unfaßbares zu suchen. Endlich zog er ein Taschentuch hervor, selnvaug es in die Höhe und begann sich immer wilder im Kreise zu drehen, bis er erschöpft zusainmenbrach, unverständliche Laute murmelnd. Es ist ungewiß, ob nach einem Mentschenalter das große Feuerwerk aus öltlammen und brennender Seide am Grabe Bar- Joclmis, begleitet von all den seltsamen Zeremonien und Umzügen, noch zu sehen sein wird, aber Meron wird doch ein an Erinnerungen gesättigter Ort bleiben, den das kommende Geschlecht sicli zum Zentrum großer Volksveranstaltungen erwählen wird. Dann wird auch das Andenken Bar-Joehais, von dem eine Sage zu melden weiß, daß er auf der Flucht, vor den Römern dreizehn Jahre seinem Lebens in einer der Höhlen Merons zubringen mußte, gefeiert werden. Simon M e n c z e r, Tel-Aviv. 928120061515621852981409535966784530430305105001229088850701475441970927071492231155029137845232059104056

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