Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 350 (4.5.1934)
- Date
- 1934-05-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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4. M A I 19 3 4 Ju#eHd6eitaQe dec „Stimme’ y-'^r. Lii;li:'l!!i!li!!i iMl Ein unveröffentlichtes Gedicht Theodor Herzls Wir bringen im folgenden ein bisher unveröffentlichtes Gedicht Theodor U er zl s, dos anläßlich des zweiten Geburtstages seiner Tochter T r u d e, geschrieben wurde. Das Gedicht, in dessen Schlußversen sich bereits Herzls Jugendgedankc an- /cündigf, ist dem W o l f s o h n - A rc h i v in J er u s a I c m entnommen, das sich auch in der am 4. Mai, beginnenden H er zl - A u s s teil u, n g in W i c n befindet. Die Red. Eure eigenen J^därchen Kinder! Ihr meint in kommenden Tagen, Daß ich Eure eigenen Märchen erfand! Von Frau Bribri, vom Schwan, der getragen Die fliehenden Kinder ins Schwanenland, Vom trunkenen Hampelmann Bibdibob, Vom Holzhauer, dessen Stimme, so grob, Von Wölfen und, Eseln und Wundertieren,, Die Kindern begegnen, wenn sie sich verlieren, find noch viel anderes Grausen und Lachen, Freundliche Feen und, schreckliche Drachen, Ganze Wälder von Märchenbäumen, Farbige Kugeln aus Seifenschäumen, Schlösser in Wolken, Bauten aus Sand — Kinder, Ihr meint, daß i c h es erfand!... Ach ja, ich glaubte es anfangs auch, Und sah's erstaunt — wie im Winter den Hauch Wir unseren Lippen entsteigen sahen — Ich sah dieses sichtbare Wallen und Wehen, Und ahnte nicht gleich, was es wirklich war... Jetzt!... Trudel geht in ihr zweites Jahr Und wünscht beinahe drohend noch immer Das Bribrimärchen, von dessen Schimmer Ihr Größeren ab gekommen seid, Pauline und, Hans! Schon seid Ihr zu stolz — Euch schnitz’ ich Figuren aus anderem Holz Und steck’ sie in manch ein f unkelndes Kleid. ... Jetzt hob’ ich endlich in lieblichen Stunden Von Eurem Märchen den Sinn gefunden. Ich suchte nur Spiele und fand mein Sinnen. — Kinder! Wie selig war mein Beginnen. Den Inhalt, der meinen Worten gefehlt, Ihn hat mir der Glanz Eurer Augen erzählt. Theodor Herzl. CARO & JELLINEK Spedltlons- und Lagerhaus-Aktiengesellschaft Zentrale: Wien,I., Deutschmeisterplatz 4, Tel. A 18-5-bO Serie Lagerhaus mit eigcnemBahn-undZollamt Station Wien Traisengasse Trockene lichte Lagerräume für 1200 Waggons, Inland- und Zollgüter (Zolleigen lager) Eigenes Möbellagorhaus in Betonbau mit versperrbaren Kabinen Eilsammeiverkehr von und nach Palästina via Triest und per Donau Eigene Kozernhüuser in allen wichtigsten Handelsplätzen der Weit Der Makkabi Hazair in Innsbruck konnte fast die ganze jüdische Jugend in Innsbruck erfassen und ist bereite eine der stärksten Jugendgruppen in der Provinz. Auch der Makkabi Hazair in Mödling entwickelt sich zufriedenstellend. Die Entstehung der Kwuzah Winaith des Gdud Z'irim in Mifraz Haifa Es sind nun fast sechs Jahre, daß der Jugendbund „Gdud Z’irim“ gegründet wurde. Als größten Erfolg unserer langjährigen mühevollen Erziehungsarbeit können wir heute unseren Kibbuz, der vor kurzem in Mifraz Haifa entstanden ist, ansehen. Doch welche Schwierigkeiten wir in der Entwicklung unseres Jugendbundes mitzumachen hatten, um zu diesem Ziel zu gelangen, läßt sieh schwer schildern. Nur eines sei hier angeführt, es hat viel Mühe und Anstrengungen unserer Führer gekostet, unsere Chawerim, die in den jüngsten Jahren in den Jugendbund kamen, so weit zu erziehen, daß sie letzten Endes als Ziel dieser Erziehung den Weg nach Erez Israel gefunden haben. Wenn man bedenkt, daß es bisher keine allgemein zionistiseh-ehaluzisehe Bewegung in Österreich gegeben hat, was sicherlich auf den damals bestandenen, jetzt aber glücklich überwundenen Mangel an Verständnis bei den allgemeinen Zionisten für die Jugend, besonders für die chaluzische Jugend, zurückzuführen war, wird man verstehen, wie schwer es unserem Jugendbund gefallen ist, den Weg der allgemein zionistisch-chaluzischen Bewegung zu gehen. Wir lernten aus unserer Geschichte die unheilvolle Wirkung der Zersplitterung, der verschiedensten Zielsetzungen und des Parteihaders kennen. Angeregt durch diese Erkenntnisse entstand unser tiefer Glaube an den Allgemeinen Zionismus, welcher über jede Parteilichkeit hinweg den Primat des Volkes über alle Stände und Klassen stellt. Dies hat uns vor allen anderen Wegen bewahrt. Heute, angesichts der Zustände in Palästina, des Brudcrkampfes und Hasses, dessen Ursprung lediglich in der verfehlten Erziehung der Jugend zur Parteilichkeit, statt deren Führung zur nationalen Einigkeit und Volksliebe, wurzelt, erkenen wir, wie richtig unser Weg war und ist. Als wir vor zwei Jahren unsere ersten Chaluzim nach Erez Israel schickten, waren wir uns dessen nicht ganz sicher, ob diese Chawerim allen Einflüssen sowohl von rechts als auch von links würden standhalten können. Dank des starken Kontaktes zwischen unserem Jugendbund und den Chawerim in Erez Israel ist es ihnen aber gelungen, sich den unserer Gedankenwelt widersprechenden Einflüssen zu entziehen. Diese wenigen Chawerim legten den Grundstein zu unserer Kwuzah. Im Laufe einer kurzen Zeitspanne vergrößerte sich unsere Gruppe, welche in R ananah bei Tel-Aviv, einer Kolonie im Scharon, in einem Zrif gemeinsam lebten. Dort erkannten unsere Chawerim, wie sehr es Erez Israel an einer allgemein zionistischchaluzischen Gruppe mit unserer Einstellung fehlte. Unser Kibbuz entstand nicht aus dem Grundo, weil wir aus ein und demselben Lande kamen — wenn sich auch unsere Kwuzah Wiuoith nennt — oder um unsere wirtschaftlichen gemeinsamen Interessen zu linden. Erentstand vielmehr durch die innere Überzeugung unserer Chawerim,welche in sich die Aufgabe verspürten, unserem Volke und unserem Lande vieles geben zu müssen, was bestehende Kibbuzim noch nicht gegeben haben. Ausgehend von den Thesen unseres Bundes, die besagt: „Fahre nach Erez Israel und baue auf unser Land durch deine Arbeit in unserer Kwuzah, denn in ihr allein können wir unserem Volke nützen und nur durch dieses System können die Klassengegensätze unseres Volkes ausgeglichen werden“, und weiter: „Sei dessen eingedenk, daß du einem jahrtausendealten Kulturvolk angehörst, welches Aufgaben noch zu erfüllen hat. In dir müssen die Ewigkeitswerte des jüdischen Volkes ihren lebendigen Ausdruck finden, und es sei die in deinem Innersten glimmende Vergangenheit unseres Volkes der Wegbereiter unserer Zukunft“, gingen wir an die Schaffung unserer Kwuzah. Mit Hilfe der Zionistischen Landesorganisation gelang es uns, Boden vom K. K. L. zu bekommen, auf welchem wir unter finanzieller Mithilfe einzelner Herren des Landeskomitees ein Holzhaus errichteten. Unter welch schweren Umständen wir bis dahin lebten, vermag ich nicht zu schildern, doch sei nur einzelnes hervorgehoben, um eine kleine Vorstellung unserer Entbehrungen in der Anfangszeit zu geben. In Zelten hausend, welche wir auf unserem Sandboden aufgeschlagen hatten, hatten wir mit großen ungewohnten Schwierigkeiten zu kämpfen. Schlangen und Skorpione, welche auf unserem Boden hausten, machten den Aufenthalt in den Zelten öfter zur Qual, .pie in der Nachbarschaft hausenden Araber, die uns eines Nachts mit ihrem Besuch überraschten, machten uns um einen Großteil unserer Kleider ärmer. Kurz darauf erkrankte der Großteil unserer Chawerim an Malaria. Geschwächt von der überstandenen Krankheit, körperlich hcrabgekommen, waren wir der schweren Straßenbauarbeit, die uns zugewiesen wurde, nicht gewachsen, so daß wir unter ungeheuren materiellen Sorgen zu leiden hatten. leh will nicht weiter unsere Schwierigkeiten beschreiben. Mit Mut und Geduld ertrugen unsere Chawerim alles Schwere. Denn wir gingen unseren freiwillig gewählten Weg mit fester Entschlossenheit, ihn selbst unter den größten Entbehrungen zu Ende zu gehen. Aufopferungsvolle, schwere Arbeit und enge Verbundenheit der Chawerim schufen das, was man heute vorfindet. Ein schönes Holzhaus, gut und zweckmäßig eingerichtet, welches von den uns umgebenden Zrifim angenehm abstieht, bietet unseren Chawerim ein angenehmes Wohnen. Schöne Duschräume stehen unseren Chawerim zur Verfügung. Ein Radioapparat und eine kleine Bibliothek, welche wir aus unseren sauer ersparten Groschen angekauft haben, verschönern nach der Arbeit unseren Chawerim die Abende. Doch sind wir momentan noch nicht in der Lage, unsere freie Zeit oft bei Radio und Büchern zu verbringen, denn in unserer freien Zeit beißt cs, unsere Arbeitskräfte dem Aufbau unseres Kibbuz zu widmen, den Boden zu bestellen, Gemüse anzubauen und weitere Wohnmöglichkeiten für die Chawerim zu schaffen, die wir erwarten. Großes Augenmerk muß auf die Schaffung von hygienischen Einrichtungen gelegt werden, denn diese sind die Voraussetzung für die Gesundheit unserer Chawerim, auf die wir sehr bedacht sind. Um all diesen Erfordernissen gerecht zu worden, müssen unsere Chawerim während des Tages tüchtig arbeiten, damit wir von ihrem Verdienst außer unseren Lebensunterhalt für dio Erweiterung unserer Kwuzah das notwendige Geld ersparen können. Aber auch auf die kulturelle Weiterbildung unserer Chawerim wird größtes Gewicht gelegt. Der Scliabbath, unser Ruhetag, und manche freien Abende werden verwendet, um die Chawerim in der hebräischen Sprache zu vervollkommnen und sie mit den jüdischen kulturellen Werten bekannt zu machen. Wir bemühen uns, die hebräische Sprache zu unserer Umgangssprache im täglichen Leben zu machen. Dio Feiertage werden von uns ebenso wie der Schabbath gehalten. Wir sind weiters darauf bedacht, einen Kontakt zwischen uns und der allgemeinzionistischen Jugend Erez Israels zu schaffen, wenn auch unsere Wege in manchen Beziehungen nicht die gleichen sind. Nur die Einigkeit dieser Jugend, die das Interesse des Volkes vor alle anderen Interessen Pension Eckstein stellt, gibt uns die Möglichkeit, unseren Einfluß auf alle anderen Gruppen geltend zu machen. In Erez Israel kann man bereits einen Einfluß der allgemein-zionistischen Jugend auf die Einstellung gewisser Kreise der Arbeiterschaft merken. . Vom frühen Morgen bis zum späten Abend arbeiten unsere Chawerim eingedenk dessen, daß ihre schwere Arbeit ihnen persönlich keine finanziellen Vorteile bringen kann, sondern dem großen Ziel dienen soll, für kommende Chawerim Möglichkeiten zu schaffen. Kraft unserer unentwegten Arbeit hoffen wir, bald in die Lage versetzt zu sein, vom K. K. L. fordern zu können, uns landwirtschaftlich anzusiedeln. Doch-glaube ich auch, durch die Schaffung unserer Kwuzah einen Grundstein für eine große Siedlungstätigkeit von Juden aus Österreich gelegt zu haben. M. T. NACHRICHTEN Am 25. März fand in Bratislava die Führertagung des tschechoslowakischen M a k k a b i - II a z a i r statt. Der Makkabi - Hazair, die zionistische Jugendbewegung des Makkabi, zählt in der Tschechoslowakei 43 Ortsgruppen. Die Führertagung, an der auch Vertreter des österreichischen M. H. tcilnabmcn, befaßte «ich mit ideologischen Fragen, mit der Stellung zum Hecluiluz und Pfingstsonderfahrt nach 2. u. 3. Klasse Ab 17. Mui, an 1. Juni u. 4. Juni Allo Auskünfte: Reisedienst „Czernowitzer Allgemeine Zeitung“. Wien, 1., Schulerstraße 1 (Stadtbüro „Der Wiener Tug“) Tel, R 21-0-78 und Reisebüro „1RUT“, I., Ivnrlsplutz 1, Tel. U44-5-79. Anmeldungen täglich von 0 bjs 12 Uhr dem Ausbau der Hachscharah-Gruppen. Die Tagung bekannte tsich neuerlich zum Gedanken einer überparteilichen zionistischen Jugendbewegung, ferner wurde beschlossen, den Eintritt in den Hecluiluz endgültig durehzuführen und dio eigenen Hachscharah-Gruppen als Snifim des Hechaluz zu organisieren. Platz im GedenMucii für Kfnr üssi i 4