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Die Stimme · 1934-05-04 · Heft 350 (4.5.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 350 (4.5.1934)
Date
1934-05-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 350. — 4. Mai IW-f ' ——ggggg Die Schreckensherrschaft m Stettin Wie erinnerlich, wurden vor kurzem in S t e < t i n mehrere SA-Leute auf Veranlassung des Ministerpräsidenten G ö r i n g verhaftet und dann wegen Gefangenenniißhandlung zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Das Eingreifen Görings geschah auf Intervention des Feldmarschalls Mackensen, der sich darüber beklagte, daß führende Deutschnationale und Stahlhelmer von SA- Leuten verhaftet und erpreßt wurden. Erst bei dem Prozeß kam es heraus, daß auch mehrere hochangesehene jüdische Bürger verhaftet und gemartert wurden, nur durch ein hohes Lösegeld sich loskaufen konnten. Zu diesen jüdischen Bürgern gehörten — wie jetzt von zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird (über den Verlauf des geheim geführten Prozesses durften bekanntlich die Zei- ' tungen nichts berichten) — der weit über Stettin und Deutschland hinaus bekannte über 80 Jahre alte Großreedereibesitzer Wilhelm Kunstmann, der sich um das deutsche Reede- und Schiffbauwesen unvergängliche V erd i e n s t e erworben hat. Der auch von seinen christlichen Mitbürgern hoch geachtete Greis wurde von SA-Leuten brutal aus seinem Hause geschleppt und schwer mißhandelt. Kurz nachdem er — offenbar nach Leistung eines Lösegeldes — aus der Haft entlassen wurde, verstarb er an den Folgen der erlittenen Aufregungen und schweren Mißhandlungen. Ungefähr in der gleichen Zeit begab sich ein leitender Angestellter des international bekannten Stettiner Speditionsgeschäfts Cohrs & Amme, namens Heimann, ins Braune Haus zu Stettin, um in einer Denunziationsangelegnheit eines bekannten Juden | zu intervenieren. Heimann wurde eine Reihe von Tagen dort behalten und gefoltert, obwohl er im Felde Offizier war und schwer verwundet wurde. Als man ihn wegen seiner schweren Verletzungen nicht mehr dort behalten konnte, ließ man ihn einen Revers unterschreiben, daß er einen Unfall erlitten habe, und transportierte ihn ins Krankenhaus, wo die Ärzte verschiedene Knochenbrüche, schwerein- „Hebräisdi — leitht gemacht" (Transkription) Anerkannt als EINFACHSTE (psychotechnisdie) METHODE, HEBRÄISCH sprechen ZU LER¬ NEN! 2. AUFLAGE — Preis: S 6.— (kartoniert), nur gegen Vorauszahlung. „PAG“, Kreditkassa und Wirtschaftsvereinigung für den Warenaustausch mit Palästina, reg. Gen. m. b. H., Wien, VI., Capistrangasse i, Auslieferung: Montag bis Freitag, nur von 9 bis 12 Uhr. nere Verletzungen und so schwere G e s i c h t s v e r 1 e t z u n g e n feststellten, daß nach dem Befund der Greifswalder Universitätsklinik langsame, aber sichere Erblindung eintreten wird. Da es sich bei Heimann um einen prominenten Vertreter der Stettiner Gesellschaft und zugleich um den Repräsentanten eines Unternehmens von internationaler Bedeutung handelt, erregte der Fall im Zusammenhang mit der Verhaftung Kunstmanns solches Aufsehen, vor allem in der Geschäftswelt der an der Ostsee vorherrschenden Reedereien und Speditionsgeschäfte, daß der Regierung nichts anderes übrigblieb, als auch diese „jüdischen“ Fälle zur Verurteilung der SA-Leute heranzuziehen. Maly Dodel Max Schwober Wien Karlsbad Verlobte Wien, im April 1934 Die Mischehen in Deutschland Ober eine amtsgerichtliche Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung zur Frage der Mischehe berichtet das „Frankfurter Volksblatt“ u. a.: „Ein arisches Mädchen hatte sich mit einem neunzehnjährigen Nichtarier eingelassen und erwartete von ihm ein Kind. Der Kindesvater wollte das Mädchen heiraten und beantragte bei dom Amtsgericht seine Volljährigkeitserklärung, da nach den deutschen Gesetzen Minderjährige nicht heiraten dürfen. Da mit der Heirat dann das Kind als ehelich gilt, geben die Gerichte derartigen Anträgen in aller Regel statt. In diesem besonderen Fall sah sich das Gericht zur Ablehnung des Antrages genötigt. In den Gründen wird ausgeführt: Hätte das Gericht durch Stattgeben des Antrags dem Kindesvater die Heirat ermöglicht, so wäre eine neue Mischehe geschlossen und der Jude instandgesetzt worden, ungehindert und mit besonderer staatlicher Genehmigung eine Reihe von weiteren Bastarden in die Welt zu setzen. Der Staut, hier verkörpert durch das Gericht, muß es auf das entschiedenste ablehnen, hierzu seine Hand zu bieten.“ ★ Ehemalige Synagoge an den Hamburger Staat verkauft Die Deutsch-Israelitische Gemeinde hat das Gelände, auf welchem die sogenannte „Kohlhöfen-Synagoge“ steht, an den Hamburger Staat verkauft. Die Syna- JUDEN WIENS! Dienstag, den 8. Mal 1934, findet um X0 UhU abends, im Fesfsaal© des Hotel ContinerH tal, II., Taiborstmße 8, eine von den unter« zeichneten Bethausvereiiicn einberufeue große Versammlung, in welcher prominente Redner über die „Lage der Juden" sprechen werden, statt. Verein Scudath Sabat II, Bethausverein Machsike Hadath II, Bethausverein Khal Chasidim II, Bethausverein Stretincr Chasidim II, Bethausverein Osch Tow III, Bethausverein Schomer Israel III, Bethausverein Beth Hamidrasch, Beth Jakob IX, Bothausvcrcin Großrabb. Friedmann Or Tora IX, .Bethausverein Esras Israel IX, Bethausverein Mikdasch Meat II, Bethausverein Jüd. Kleingewerbetreibender II. Bethausverein „Bene Brlth“ XX, Ojseh Che« sed Weemes II, Sanzer Klaus II, Kehilath Jakob I, Chasidim II, Liwias Ohen II. Ahawath Wereuth II, Ojseh Chcsed II, Emes Wescholaum II, Bojaner Chasidim II, Beth Jizohok II, Jesehioth Chajim XX, Nord-Ost II Prater Bethausverein II, Chcsed l’Awrobom II, Prater Beth Hamidrasch II, Pomchc Thora II, Beth Josef II, Prater Bethausverein Pefilath, Brüderliche Hilfe II, „Sohomrei Hadath“ XX, „Schornrei Habrith“ XX, ßikur Chaulim XX, Agudas Jeschurim XX, Auschc Bmunah XX, Auschet Dath wu Zedek XX, Verein Misehuajith H. goge, die in ihren Nebengebäuden jahrelang die Talinud-Thora-Bürgerschule und zuletzt eine Mazzothfabrik beherbergte, geht am 1. November an den Hamburger Staat über; das ist der Tag, an welchem sie\ vor 75 Jahren eingeweiht wurde. Palästina meldet: Die Jewlsh-Agency-Anleihe London in Jerusalem, 2. Mai. Das Mitglied der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Elieser Kaplan, dem das Schatzamt der J. A. untersteht, hat am 29. April, die Reise nach London angetreten, um dort über die zwecks Konsolidierung der Schulden der Jewish Agency und wirtschaftlicher Verselbständigung der Jewish Agency-Kolonien aufzunehmende Anleihe zu verhandeln. Die Aufnahme einer solchen Anleihe wurde vom Zionistischen Aktionskomitee in seiner 1 CAFE 1 VICTORIA i I AM SCHOTTENTOR 1 WIEN I. SCHOTTENTOR ( ftiimiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiinmiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiinniiiiiiiiii? Jerusalemer Tagung beschlossen, w'obei die Zionistische Exekutive vom A. C. die Vollmacht erhielt, alle notwendigen Garantien und Verpflichtungen zu unterzeichnen, auch wenn diese die budgetären Rechte des Kongresses berühren sollten. Elieser Kaplan, der in der ersten Sitzung des A. C. in Jerusalem über das Anleiheprojekt referierte, teilte damals mit, daß sich die Aktiven der Jewish Agency auf rund eine Million Pfund belaufen, von denen 700.000 Pfund in landwirtschaftlichen Siedlungen investiert sind. Einige dieser Siedlungen werden erst in vier oder fünf Jahren mit den Rückzahlungen der investierten Summen beginnen können; in 40 bis 50 Jahren würden die Amortisationen beendet, sein. Der jetzigen Exekutive ist es in den ersten fünf Monaten ihrer Amtstätigkeit gelungen, die Schulden der Jewish Agency um etwa 30.000 Pfund zu reduzieren. Die Palästina-Zertifikate im letzten Halbjahr Wie au6 einer von der Jewish Agency veröffentlichten Statistik h-ervongeht, wurde von den im letzten Halbjahr ausgegebenen Einwanderungs-Zertifikaten die größte Quote Deutschland zugeteilt. Von den mehr als 4000 Zertifikaten erhielten Deutschland 1725, Polen 1400, Rumänien 340, Litauen 185, Lettland 95. Österreich hat nur 60, Danzig nur 15 Zertifikate bestimmt. In Polen erhielten Chaluzim 885 Angehörige von Palästina-Einwohnern 300 und Handwerker 215 Zertifikate. Eine Stütze, wie eine feste Hand sind alle unsere Mode-undMaßsd>uhe,denn sie sind alle nach orthopädischen Grundsätzen gebaut LEOPOLD JELLINEK nur Vll.i Burggasse 5 erhalten. Von den nach Deutschland geschickten 1725 Zertifikate waren 1150 für Chaluzim, 150 für Angehörige von Palästina-Einwohnern und 425 für Handwerker Der Arlosorogg-Mordprozeft Lokataugenschein an der Mordstelle und im Jaffaer Gefängnis Jerusalem, 30. April. Das Geschworenengericht in Jerusalem, vor dom der Arlosoroff-Mordprozeß verhandelt wird, nahm am Sonntag, den 29. April, an der Mordstelle am Strand von Tel- Av-iv einen Lokalaugenechein im Beisein der Tatzeugin Frau Sima Arlos 0 r 0 f f und der anderen, nach dem Morde dort eingebroffenen Zeugen vor. Im Anschluß hieran besichtigten die Mitglieder des Gerichtshofs dne Zeile im Jaffaer Gefängnis, in der der junge A naher Abdul Medschid, der «ich als Mörder Arlosoroffs bezeichnete, aber später sein Geständnis zurücknahm, umtenge-braoht war. Durch diesen letzteren Loka-laugensohein wollte das Gericht fentstellen, ob es -den Angeklagten Stavsky und Rosenbla-tt technisch möglich gewesen sein konnte, mit Abdul Medschid in Verbindung zu treten und ihn zu dem falschen Geständnis zu veranlassen. Im Verlauf der Verhandlung vor dem Jerusalemer Geschworenengericht am 27. April wurde Polizeiinspektor Barueh G 0 f f e r als Zeuge vernommen. Er erklärte, er habe, als er am Abend -des 16. Juni 1933 an der Mordstelle eintraf, dort bloß die Fußspuren von Dr. Arlosoroff und seiner Frau feststellen können. Fußspuren anderer Personen, die «ich von der Richtung der Mords!olle weg laufend gegen den in der Nähe befindlichen Hügel bewegt ha-bon mußten, hätten erst in 0 i n i g e r Entfernung von der M 0 r d s t e 11 e begonnen. Jüdische Siedlung in Transjordanien Jerusalem, 27. April. Wie der ITA-Vertreter zuverlässig erfährt, beabsichtigt Emir A b d u 11 a von Transjordanien während seines Besuches im Juni J. in London mit der englische» Regierung Uber j ü d i s e h e E i nwando ru n g und Siedlung in Transjordanion zu verhandeln. Nach wie vor ist der Emir der Ansicht, daß ein solches Siedlungswerk ein Glück für Transjordanien und seine Einwohner wäre. Es sei Ahdulla gelungen, viele maßgebende Araberführer in Transjordanien, die früher Gegnor der jüdischen Siedlung waren, davon zu überzeugen, daß das im vergangenen Jahr mit der Jewish Agency getroffene Abkommen wegen Abtretung einor großen Landstrecko an der Grenze gegen Palästina für jüdische Siedlung ondlich in Kraft treten müßte. .Jedenfalls sollen im transjordanischeu Parlament die Freunde einer jüdischen Siedlung stark überwiegen, während die Gegner zu einor unbedeutenden Minderheit horabgedrückt wurden. Unklar bleibt noch die Haltung der Palästinaregierung in der Frage' der jüdischen Arbeit in Transjordanien. Im. Prinzip ist die Regierung nicht gegen Bo« denkauf von Juden in Transjordanien, sio macht aber zur Bedingung, daß vor jeden derartigen Einwanderungs- und Siedlungsaktion ihre Zustimmung eingeholt werde. Dies erklärt die Regierung damit, daß sic sich bemüßigt sehen wird, für jede jüdische Gruppe, die in Transjordanien sie« delt, einen speziellen Polizeischutz zu stel« len. | beste Lage, großer schöner Garten, 1 | fließendes Wasser, Bad im Hause, | | komfortable Einrichtung mit und ohne | | Wäsche, staubfreie Lage, in Sauer- | | brunn, Badgasse 15, billig zu ver- | 1 mieten. Tel. U 22-9-51. I S => j Ruhiger Aufenthalt - Keine Belästigung f rimniiimiiiintiiniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiniiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiimiiiiiiiimiiiii^. Maifeiern in Jerusalem in geschlossenen Räumen Die Balästinairegierunjg hat die Abhaltung von Maikundgebungen in den Straßen am 1. Mai verboten und nur die Abhaltung von Maifeiern in gesdiilosMenen Räumen gestattet. Das Verbot öffentlicher Maidemonstrationen wird damit begründet, daß Z uf-ammenstöße von Klaissenkampfciharakt-cr zwischen Angehörigen der Hi-sta- POLEN PFINGSTFAHRT nach 17. Mal — 4. Juni Bewährt« Führung POLN. VERKEHRSBÜRO „FRANCOPOL“ III., Rennweg 1, Tel. U 16-4-90 flruth und der Revisionisten befürchtet werden. Die allgemeine palästinensische Arboiterfödoratiion Histadru-th feierte den 1. Mai im I.ainde durch Arbeitsruhe und durch Abhaltung von Fcstversammhingeii in gesclilcssenon Räumen. Nach Czernowltz und den polnischen Zwischenstationen verkehrt am 17. Mai ein verbilligter Sondorztig 2. und 3. Klasse. Vierzehntägiger Aufenthalt, am Reiseziel. Auskünfte beim Reisedienst der ..Czernowitzer Allgemeinen Zeitung“, L. Schulorstraßo 1—3 (Stndlbureau „Der Wioner Tag“), Telephou R 21-6-78. 1

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