Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 350 (4.5.1934)
- Date
- 1934-05-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE STIMME Seite 3 ’ Nr. 350. - \ Mai 1034 Hltlers^Geburtstags^Angeblnde AUS DEM DRITTEN REICH Oer Antideutsche Boykott kommt zu voller Wirkung Der Berliner Korrespondent des Londoner ,,D a i I y T c 1 e g r a p h“ berichtet seinem Blatt über die am Freitag, den 27. April in Berlin begonnene Konferenz zwischen den Vertretern der Gläubiger Deutschlands und den Reichsibankibehörden und teilt mit, daß in der Konferenz die k a t, a s t r o p h a 1 e Abnahme von Deutschlands Exporthandel eine Rolle .spielte und rlaß .rla.bei festig esteillt wurde, daß neben den wirtschaftlichen Ursachen für Deutschlands Exportfcatastrophe auch die politische Ursache eine aaissoh laggeibende Bedeutung hat: Der Boykott deutscher Waren in vielen Ländern der .Welt, der hauptsächlich zum Protest gegen die Judenverfolgungen in Deutschland durchgeführt wird, kommt erst jetzt zur vollen Wirkung. Anspruchsvolle Starkbärtige, Empfindliche, Eilige, nehmen nur die sanft-scharfe SWING Die Mordhetze des „Stürmers“ „Pariser Tageblatt4 druckt im Faksimile das Titelblatt des von Julius Streicher herausgegebenen „Stürme r“, das sich „Deutsches Wochenblatt zum Kampf um die Wahrheit“ nennt, ab. Es enthält die folgende Inhaltsangabe in der Form von Titelüber- Schriften: „Enthülltes Geheimnis: Jüdischer Mordplan gegen die nichtjüdische Menschheit aufgedeckt. — Der Verdacht des Ritualmordes. — Der Kampf des „Stürmer“. — Jüdische Massenmorde und Massenblutbäder. — Das jüdische Geheimgesetz. — Der Nichtjude ist nicht Mensch, sondern Tier. — Das Menschenschächtgesetz. — Der Rifcualmord am Purimfest. — Der Ritualmord am Passahfest. — Wohin kommt das nichtjüdische Blut. — Jüdischer Mordplan gegen den Zar Nikolaus. — Jüdischer Mordplan gegen Adolf Hitler. — Nichtjuden, schließt euch zusammen!“ CAFE SILIER ..... ........ .. I., SCHWEDENPLATZ Otto Strossers Judenprogramm Der Führer der von Hitler abgespaltenen „Revolutionären Nationalsozialisten“ Doktor .Otto Strasser hielt gestern in Prag einen Vortrag über dio philosophischen ^Grundlagen des deutschen Nationalsozialismus und erklärte auf die Frage eines Zuhörers, er verurteile die jetzige Ausdrucksform des deutschen Antisemitismus. Die 'echte konservative Revolution betrachte die Juden als nationale Minderheit, die im Rahmen eines allgemeinen Minderheitenschutzes ihre Rechte und Pflichten zu erhalten hätten. * 'Jüdischer Sportkrieg in Deutsch• 1 and Das Präsidium des Deutschen Makkabikreises hat bis auf weiteres seinen [Vereinen den Spiel verkehr mit den Sportvereinen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (RjF.) untersagt; auch die Teilnahme an Sportefsten, an denen RjF.-Vereine teilnehmen, findet vorläufig nicht statt. Das Präsidium des Deutschen Makkabikroises erklärt, es habe sich zu dieser Maßnahme mit Rücksicht auf die Stimmung entschlossen, die in den Makkabi- Vereinen wegen der Methoden entstanden sei, deren sich der BjF. im innerjüdisehen Kampf bedient habe. Durch die Maßnahme werde bezweckt, unerwünschten Zwischenfällen vorzubeugen. Zu Hitlers 45. Geburtstag hat die Stadt Berlin in ihrem Rathaus ein goldenes Buch aufgelegt, in dem sich reinblütige deutscharische Eltern, die zwei gesunde Kinder besitzen, eintragen können. Diese Eintragung bedeutet die Übernahme der Verpflichtung, ein drittes Kind in die Welt zu setzen. Ein bestimmter Lieferungstermin ist nicht vorgeschrieben — offenbar verläßt man sich auf die geschäftliche Reellität des „bodenständigen“ Berliners, der seinen Gustav Freytag gelesen hat und aus dem Roman „Soll und Haben“ erfahren hat, daß die kaufmännische Korrektheit, zu der natürlich in erster Linie die pünktliche Effektuierung übernommener Lieferungsaufträge gehört, eine der spezifisch christlich-germanischen Tugenden darstelle, die das arische Blut gewährleistet, während geschäftliche Unmoral ein jüdisches Rassenmonopol bilde. Jüdische Ehepaare sind selbstverständlich von der Eintragung ins Goldene Buch zu Ehren des Osafs ausgeschlossen, und so besteht kein Anlaß, daran zu zweifeln, daß die am Geburtstag des Führers im Berliner Rathause antretenden Gratulanten das ihnen gestellte Ziel zu erreichen trachten werden. Jedes sich meldende Ehepaar weiß, was es soll und es ist auch darüber informiert, was es davon haben wird: Es erhält nebst einem Diplom einen Erziehungszuschuß aus dem Stadtsäckel, kurz, es ist ein reelles Geschäft im Zeichen von „Soll und Haben“, auf der heutzutage sehr soliden Basis von neun Monaten Ziel. Man kann sogar wetten, daß dieser Dreivierteljahrplan der Hitler-Gratulanten viel pünktlicher verwirklicht werden wird, als der Vierjahrplan, mit dem Hitler selbst seit seiner Machtergreifung in der Hoffnung ist. Wird sich diese im Vorjahre vor dem Reichstag pompös proklamierte Hoffnung erfüllen, und welche Rolle ist dabei den „Hitler-Kindern44, die als Angebinde zu Hitlers 45. Geburtstag ihren eigenen erleben dürfen, zugedacht? Würde man nicht Hitlers Abneigung gegen das Alte Testament kennen, so wäre man versucht, sein Einverständnis mit der einzigartigen Geburtstagshuldigung der Stadt Berlin auf sein tiefes Erfassen der jüdischen Psalm-Weisheit: „Der Kinder und der Säuglinge Lallen befestige dein Reich!“ zurückzuführen. Doch ebensowenig wie der hebräische Dichter dieses Psalmes dabei an das Dritte Reich gedacht hat, dürfte der Osaf von dem Ehrgeiz beseelt sein, unseren Patriarchen Abraham zu kopieren, dem der Segen prophezeit wurde, daß die Nachkommenschaft seines Stammes zahlreich sein werde, wie der Sand am Meere. Denn schließlich würde schon ein bevölkerungspolitische Angleichung an den Sand der Mark Brandenburg, die des Römischen Reiches Streusandbüchse hieß, genügen, um die Finanzierer des Goldenen Ratfyausbuches von Berlin rettungslos in den Ruin zu treiben. Zum Glück besteht ein tiefgehender Unterschied — wie könnte es bei solcher Rassenverschiedenheit auch anders sein? — zwischen der altjüdischen und der neudeutschen Auffassung vom Segen des Kinderreichtums. Der jüdische Psalmist, der nicht die Marschgesänge kriegsfähiger Vaterlands Verteidiger, sondern das Lallen der noch Wehrlosen als die wahre Befestigung eines Reiches preist, will damit sagen, daß nicht die Bereitschaft zum Tode auf dem Schlachtfeld, sondern der von Gott den Menschen zutiefst eingepflanzte Lebensdrang, der sich im Kindergestammel am rührendsten kundgibt, die sicherste Bürgschaft für den Bestand eines Volkes bildet. Wie ganz anders dio Staatsweisheit Hitlers in diesem Punkte eingestellt ist, verrät das Budget des Dritten Reiches. Rund eine halbe Milliarde Reichsmark sind für Rüstungszwecke vorgesehen. Dazu kommen noch Riesenbeträge in gar nicht abschätzbarer Höhe, die nicht ausgewiesen werden. Wie verschwindend nehmen sich daneben die für Kindererziehung innerhalb und außerhalb noch so sinniger Hitler-Huldigungen bewilligten Zuschüsse der deutschen Behörden aus! Und selbst in dieser verhältnismäßigen Armseligkeit sind die Unterstützungen kinderreicher Eltern auch nur als wichtige Posten im — Heeresetat Hitlers zu erklären. Denn was würde dem Deutschen Reiches seine in der letzten Zeit im größten Ausmaß durchgeführte Aufrüstung mit Waffen, Flugzeugen und Tanks nützen, wenn eines Tages Mangel an der Bedienungsmannschaft für diese Kriegsgeräte eintreten würde? Mag der Krieg noch so mechanisiert sein und die maschinelle Waffentechnik eine noch so hohe Stufe der Vollkommenheit erreichen — das Sophokles-Wort, daß der Mensch das Maß aller Dinge ist, gilt leider auch für den modernen Krieg. Das war ja die bittere Lehre des Weltkriegs für die Deutschen, daß selbst die genialsten Erfindungen ihrer Rüstungsindustrie den Mangel an Menschenmaterial nicht wettmachen konnten. Die Saumseligkeit der deutschen Eltern — das war der wahre „Dolchstoß von hinten“, der den Krieg entschied. Darum setzt die deutsche Aufrüstung, die seit Hitlers Machtergreifung unermüdlich am Werke ist, auch in diesem Punkte planvoll ein. „Der Kinder und der Säuglinge Lallen44 ist für Hitlers Ohr nicht wie für das des jüdischen Psalmisten die Labsal eines humanen Kinderfreundes, sondern nur die Introduktion für das Stöhnen und Röcheln künftiger Heldenopfer des organisierten Völkermordes, der die unersättliche Machtgier des Dritten Reiches befriedigen soll. Dio Grausamkeit Pharaos, der aus vermeintlicher Staatsklugheit die israelitischen Knäblein töten ließ, verblaßt vor dem Hakenkreuzsadismus, der sich, ohne in einem noch so verschrobenen Staatsgedanken eine ideelle Erklärung finden zu können, an den Seelen der jüdischen Schulkinder austobt. Echte Kinderliebe ist in jener deutschen Lehrerin verkörpert, die sich weigerte, in ihrer Klasse antisemitische Hetzgedichte deklamieren zu lassen, weil ihr der Gedanke an die Seelenpein ihrer einzigen jüdischen Schülerin beim Anhören dieser gereimten Schmähungen unerträglich war. Und auch der Oberlehrer, der diese ihm unterstellte Lehrerin gegen die Vorwürfe der Hakenkreuzler in Schutz nahm, deklarierte sich als wahrer Kinderfreund. Die beiden wirklich edlen Pädagogen haben einem jüdischen Schulkind zuliebe ihre Stellung geopfert — wahre Helden schönster Menschlichkeit! Die Nazibonzen' aber, die dieses Opfer heischten und zwei vorbildliche Erzieher, die gerade durch die mutige und selbstlose Tat, durch die sic ihr Lehramt verloren, ihre hervorragende Eignung für ihren Beruf bewiesen hatten, davonjagten, machen sich bloß lächerlich, wenn sie sich als Kinderfreunde feiern lassen. Wären sie es, sie würden sich zuerst einmal um die Linderung der himmelschreienden Not der bereits lebenden Kinder in Deutschland bemühen, bevor sie die deutschen Eltern zur Vermehrung unversorgten Nachwuchses anregen. Die deutsche Not ist nach einem nationalsozialistischen Schlagwort die Not eines „Volkes ohne Raum“. Seit wann behebt man Raumnot durch noch dichtere Besiedlung? Diese Frage ist allerdings ungerecht. Denn nicht die nährende Ackerscholle ist der Raum, den Hitler, seinem „geliebten“ Volke zuweist, sondern das totbringende Schlachtfeld. Nicht eine glücklichere Generation künftiger Nutznießer einer produktiven Politik der Menschenliebe ist es, die Hitler von den deutschen Eltern, die ihm an seinem 45. Geburtstag huldigt, fordert, sondern Kanonenfutter für eine Politik des Hasses und der Völkerverhetzung, deren Saat eines Tages blutig aufgehen muß, wie auch die alarmierenden Noten, die Frankreich in diesen Tagen an die übrigen Großmächte gerichtet hat, feststellen, die ganze Welt zur Abwehr der von Hitler-Deutschland drohenden Gefahr aufrufend. < mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinie Triest-Jaffa des LLOYD TRIESTINO Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner: Luxuseillinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Colombo, Sinyaporc, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Auskunft: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6, Tel. 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