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Die Stimme · 1934-05-04 · Heft 350 (4.5.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 350 (4.5.1934)
Date
1934-05-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. m — 4. Mai 1934 Ihrer Mitglieder wird der staatllcfie Beistand gewährt, sofern sie im Einvernehmen mit der Staatsgewalt auferlegt wurden oder aus sonstigen Titeln zu Recht bestehen. Art. 30. Die Angelegenheiten der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften, die auch die staatlichen Interessen berühren, werden besonders geregelt. Hiebei können der einzelnen Kirche oder Religionsgesellschaft je nach ihrer Eigenart oder allgemeinen Bedeutung im Staate auch noch andere als die im Artikel 29 genannten Rechte zuerkannt werden. Damit gehen wir der Erfüllung eines alten zionistischen Progranimpunktes entgegen. der Schaffung des jüdischen Ge-' nieindcbundes. Mit dieser Institution wird ein Rechtszustand geschaffen, der in Italien, der Tschechoslowakei, Jugoslawien usw. hingst eingeführt ist. Darüber hinaus wird aber die Beitragsleistung des Staates 7,ur Erhaltung der jüdischen Gemeinden und ihrer Institutionen endlich analog der Kongrua in Kraft treten müssen. ln dem eben publizierten Konkordat I#1 I NÄCHSTE PALÄSTINAREISE Am 9. Mai mit der „Gerusalemmtt“ Triest—Ilaita Am 16. Mai mit der „Italia11 Triest—'Haifa NORDISCHES REISEBUREAU (Reiseleitung N. M. Racker, Wien, I., Seilergasse 3) R 24-2-31, R 25-0-92 Österreichs heißt es: mit dem Vatikan „Die Kirche, ihre Orden und Kongregationen haben das Recht, unter Beobachtung der allgemeinen schulgesetzlichen Bestimmungen Schulen zu errichten und zu führen, denen auf die Dauer der Erfüllung dieser Voraussetzung die Rechte einer öffentlichen Lehranstalt zukommen.“ Artikel VI, § 4, ergänzt diese Be Stimmung wie folgt: „Wo solche Schulen eine verhältnismäßig beträchtliche Frequenz auf weisen und in folgedessen den Bestand, die Erweiterung oder Errichtung öffentlicher Schulen Gleichschaltung. Wir wollen unsere religiösen, politischen und kulturellen Angelegenheiten allein besorgen und lehnen jede Einmischung in die Angelegenheiten der anderen Konfessionen ab. Das ist ein zionistischer Grundsatz seit Jahrzehnten. Wir erwarten, daß der neue Staat unsere gerechten Forderungen berücksichtigen wird und daß er unsere Umschichtungsbestrebungen fördern wird. Das Minoritütenreeht ist eine der wenigen Errungenschaften des Weltkrieges. Es wird Österreich in den Augen der ganzen Welt nur zum Vorteil gereichen, wenn es sieh1 in der Behandlung seiner Minderheiten beispielgebend verhalten wird. Die Festrede des Oberrabbiners Dr. David Feuchtwang Mit. dem heutigen Tage tritt Österreich durch seine Verfassung in eine neue Form geschichtlicher Existenz ein. Es ist dieser erste Tag des Monats Mai ein epochaler Ge burtstag für unser Vaterland, dem schwere Geburtswehen vorangegangen waren. Helle Sonne glänzt auf alle Geschöpfe, erquickt und beglückt alle in gleicher Weise. Bäume blühen, Blumen duften in Garten und auf Fluren in hundertfachen, leuchtenden Far ben. Jeder Baum, jede Blume für sich ein or GASTSTÄTTE FÜR JEDERMANN l.(. Kärlnerslrafie Nr. 61 Besitzer Ollo Kaserer WIENER RATHAUSKELLER volkstümliche Preise in allen Lokalilälen Wien vor 400 Jahren Allabendlich Original Wiener Musik und Gesang Inhaber Ollo Kaserer gleicher Art in einer Weise beeinflussen, daß der betreffende Schulerhalter (Bund, Land oder Gemeinde) eine finanzielle Entlastung erfährt, haben sie aus dem hiedurch ersparten öffentlichen Aufwand nach Maßgabe der Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse angemessene Zuschüsse zu erhalten.“ Diese Bestimmung gilt auch für die Schulen katholischer Vereine, und im letzten Absatz des Paragraphen heißt es: „Durch diese Maßnahmen soll das katholische Schulwesen in Österreich gefördert und damit auch die Voraussetzung für die Entwicklung zur öffentlichen katholisch-konfessionellen Schule geschaffen werden.“ Wir erklären schon heute, daß wir Juden, gestützt auf die verfassungsmäßige statuierte Gleichheit aller Staatsbürger, jüdische Schulen für unsere Kindor verlangen, wie es übrigens die Wiener Jüdische Gemeinde in einer Eingabe bereits getan hat. Wir verlangen die Subventionierung unserer Schulen, zum Beispiel des Chajes-Realgymnasiums mit seinen mehr als 800 Schülern, da es dem Staate öffentlichen Aufwand erspart. Ebenso werden wir die Subventionierung unseres Spitals begehren. Es ist vielen Juden noch nicht zum Bewußtsein gekommen, daß eine neue Zeit auch für uns hereingebrochen ist. Das assimilatorische Gedankengebäude mit seinen wurmstichigen Argumenten bricht zusammen. Alle Positionen der Assimilation werden von den Zionisten und der zionistischen Ideologie gestürmt. Die Zeit der Ilintertreppenpolitik in jüdischen Dingen muß beendet sein. Das ist sowohl im Interesse des Staates als im jüdischen Interesse gelegen. Von uns verlangt niemand eine NEUEROFFNUNG PENSION, CAFE-RESTAURANT, orth. “UW -w A. BARSCHAK & CO. aus Wien, II., Große Schiffgasse 3, Tel. A 46-4-39 in BAD HALL Ob.-Österr. (Villa Mayrhofer) Das Unternehmen steht unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Babad Israelitischer Festgotte'sdienst am 1. Mai £934 Anläßlich des Inkrafttretens der neuen Verfassung fand über Anordnung des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Dienstag, den 1. Mai 1934, um halb 10 Uhr vormittags im Seitenstetten- Tempel ein Festgottesdienst statt. Demselben wohnten unter Führung des Präsidenten Dr. Desider F r i e d m a n n und der Vizepräsidenten Dr. Josef Löwen herz und Dr. Josef T i c h o die Mitglieder des Kultur vorstaindes un d der Bezi rkskommissio nen, die Angestelltenschaft der Kuitusgcmeincle, ferner in Vertretung des Verbandes der türkischen Israeliten der ' Präsident' II e s k i a mit dem Vizepräsidenten Dr. I. Haim und dem Vorstandsmitglied Dr. M enasse sowie eine große Zahl von Gemeindemitgliedern bei. Nach dem vom Oberkantor Fischer mit dem Tempelchor vorgetragenen Ma-Tauwoh und dem Liede „Gepriesen sei die Stunde...“ hielt Oberrabbiner Dr. David Geschöpf nach seiner Art; alle mit gleichen Rechten in der Schöpfung und Natur, von der man sagt, sic sei ewig gerecht.. Alle weisen auf eine schöpferische Kraft, die den Bau der Welt vollbracht, hat, in Größe und Herrlichkeit für alles Geschaffene zu gleichem Anteil und mit gleichem Aufruf zu Pflicht und Arbeit Nun ist das Haus der neuen Verfassung gebaut. „Wenn der Herr das Haus nicht baut, haben die Bauleute sich umsonst gemüht; wenn der Ewige die Stadt nicht behütet, hat der Wächter vergeblich gewacht? (Ps. 127.) So ist es stets gewesen, so wird es Immer sein! Das kann nichts anderes heißen, als daß kein großes oder kleines Menschenwerk gelingt und dauernd ist, daß nicht die ewigen Gesetze, die unvergänglich sind, im Grundriß und Aufriß beobachtet; daß keine Gemeinschaft sicheren Bestand haben kann, deren Gesetze und Prinzipien nicht mit den ewigen, unveränderlichen Gesetzen und Lehren der Natur, der Moral, der NEU 1040 m Seehöhe Streng nuo KURPENSION Dr. HECHT, SEMMERING Diätkuren, Physikalische Therapie. FUr Kinder ohne Begleitung geschultes Pflegepersonal. Ermäßigte Vorsaisonpreisc. Auskunft: Lehrer J. Eisenberg, II., Gr. Pfarrgasse 8. Tel. A 45-4-92 Menschlichkeit, also der wahrhaftigen Religion und des wahrhaftigen Glaubens in Übereinstimmung sind; als da sind: Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe. Formen wechseln. Doch es gibt ewige Gesetze, die für jede Gemeinschaft zwingende Geltung haben. Für die Familie, die Gemeinde, die Stadt, für den Staat, für die Welt, die Menschheit. Wir fühlen und ahnen im Weltgebäude die Kraft des Schöpfers, der nach ewigen, vielfach erkanten, vielfach unerkannten Gesetzen die Geschöpfe in ihrer Gleichheit und Ungleich- Feuchtwang eine die Bedeutung des neuen VerfassungsWerkes beinhaltende Festrede, die in Glück- und Segenswünschen für dessen Gelingen ausklang. Mit der Absingung der Bundeshymne fand der Gottesdienst seinen Abschluß. Palästinaabteilung vSTDv?na Josef Popper Internationale Transporte Wien, II., Taborstraße Telephon R 48-5-10, R 49-5-70 Serie 22 Spezial -Warentransporte, Übersiedlungen, Verpackungen für Palästina, Transport- und Reisegepäckversicherungen. Auskünfte jeder Art über Palästina. Eine Pfingstretee nach Polen ohne Visum Am 17. Mai 1934 findet unter bewährter Führung eine billige Pfingstreise statt. Krakau. Lemberg, Stanlslau usw. Reserviorte Plätze, bequeme Wagen, mäßige Preise. Die günstigste Gelegenheit, Pfingsten in Polen zu verbringen. Nähere Auskünfte: Bureau Dr. S. Tocker, I., Kärntnerring 12, Tel. U 40-301. Auatrobus. L, King des 12. November 12, Tel. U 2U0-10. heit, in »Sein und Wesen und Wirken gesetzt hat. Wir sind durchdrungen von der Überzeugung, daß die Schöpfer dieser unserer neuen Verfassung erfüllt gewesen sind und bleiben werden, von jenem Geiste, der in menschlicher Ausdrucksweise vom Gottesthrone sagt: „Recht und Gerechtigkeit sind die Grundlage Deines Thrones, Liebe un/t Wahrheit, stehen aufwachend vor Deinem Angesicht.“ Diese sind unerbittliche, unerschütterliche Forderungen für }ed'> Form von Herrschaft und Regierung und nur Erfüllung dieser Forderungen ist wahrhaftige Bürgschaft, für Festigkeit und Treue in der Dauer der Zeiten, bürge aber auch für Zufriedenheit und Glück der Bürger des Staates. Wir sind der sichersten Hoffnung voll, daß die Weisheit der Gesetzgeber diesen Grundsätzen folgt und mit hingebungsvoller Liebe und Treue wollen wir den Lenkern und Führern folge leisten; mit jener aufrichtigen, tiefen Liebe zum Vaterlande, die wir Juden durch unsere vieltausendjährige Geschichte stets be- . währt und bewiesen haben; die uns so selbstverständlich ist, wie Erfüllung unsere Pflichten gegenüber Religion und Glauben. Denn nicht besser können wir diese Liebe bewahren und erfüllen als durch Treue uns selbst, dem Judentume gegenüber, dessen uralte Lehren und Gesetze nicht nur den erhabensten Lehren und Gesetzen der Staaten und Völker nicht widersprechen, sondern mit ihnen in harmonischem Einklang stehen. Sind wir unserer Geschichte, unserem Glauben treu, dann sind wir felsenfest vertrauenswürdige, Vertrauen fordernde Bürger des Vaterlandes. Heiße Wünsche er-i füllen unser Herz in dieser ernsten, feierlichen Stunde, die w i r f r e u d i g, doch nicht unbesorgt erleben. Wir beten um Glück und Heil Österreichs und seiner Bürger; Segen und Wohlergehen der. regierenden Führer. Mügo Sic der göttliche Geist erfüllen mit Weisheit, Einsicht und Erkenntnis; unserem Vaterlande Wachstum und Gedeihen beschieden sein. — Wie dieser helle Maientag von wundervollem Som nenschein überglänzt ist, der tausend Blumen und Blüten in Gärten, Wäldern und Feldern unseres schönen Vaterlandes, in unserer schönen Stadt sprießen läßt in Pracht und Eintracht. — So möge uns allen die Sonne des Friedens scheinen. Der Minderheitenschutz in Obersdilesien Die Zeitung „Deutsche Ostfront“, Gleiwitz, enthält einen parteiamtlichen Untergaubefehl des Untergauleiters Waldmann, in dem es unter anderem heißt: „Um den aus dem Genfer Abkommen für das Deutsche Reich sich ergebenden Verpflichtungen Genüge zu tun und den in dieser Richtung bisweilen auftretenden Schwierigkeiten zu begegnen, werden alle Unter- und Nebengliederungen der NSDAP, innerhalb des ehemaligen oberschlesichen Abstimmungsgebietes angewiesen, j egliche öffentliche Propaganda gegen Angehörige der üdischen Minderheit im früheren Abstimm ungsgebiet zu unterlassen. Verstöße werden in Zukunft parteidisziplinarisch geahndet. Um die Einwanderungs-Zertifikate für das kommende Halbjahr Jerusalem, 30. April. Die Leiter des politischen Departments der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Ben G u r i o n und Mosche S h e r t o k, haben am 27. April in einer zweistündigen Audienz beim High Commissioner Sir Arthur Wauchope anläßlich der bevorstehenden Festsetzung der Arbeitereinwanderungs-Schedule für das kommende Halbjahr nochmals auf Grund der von der Palästina-Exekutive durchgeführten Erhebungen über den Arbeite r be darf in den städtischen und ländlichen jüdischen Siedlungen die F o r d e r u n g e n der Jewish Agency betreffend Verstärkung der jüdischen Einwanderung vorgelegt. Es wird e rdaß der Umfang der nächsten im Lauf der kommenden amtlich bekanntgegeben werden wartet, Schedule Woche wird. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wird die Zahl der von der Regierung bewilligten Einwanderungszertifikate nicht wesentlich höher sein als im letzten Halbjahr. Auch will die Regierung abermals eine Anzahl von Zertifikaten für die n a c hträglicbe Legalisierung des Aufenthalts von Touristen, die sich ohne Erlaubnis im Lande niedergelassen haben, zurüekbehaiten. Die Regierung nimmt an, daß im Durchschnitt monatlich 500 jüdische Touristen zu dauerndem Aufenthalt im Lande bleiben.

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