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Die Stimme · 1934-05-01 · Heft 349 (1.5.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 349 (1.5.1934)
Date
1934-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 340. 9 i. im tm Große Werbeversammlung MITTWOCH, DEN 2. MAI 1934, 8 UHR ABENDS, SEKTION WIEDEN-MARGARETEN, V., MARGARETEN* PLATZ 7, RESTAURANT K0LAR1K; DR. DESIDER FRIEDMANN: „DIE LAGE DER JUDEN“ * DR. HENNI RAPPAPORT-LICHTENSTEIN: „DIE ZUKUNFT DER JÜDISCHEN FAMILIE« Levante-Messe unter der jüdischen Fahne eröffnet Tel-Avlv, 28. April. Die Eröffnung der Levante-Messe in Tel-Aviv am 26. April fand in einem besonders festlichen Rahmen statt und gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung der wirtschaftlichen Potenz des aufstrebenden Landes. Im großen Saal des Messe-Restaurants fand zu Ehren des High Commissioner von Palästina Sir Arthur Wauchope, der das Protektorat über die Messe übernommen hat, der Leiter der palästinensischen Regierungs-Departements und der ausländischen Delegationen ein Bankett statt. In einer Reihe von Ansprachen wurde auf die außerordentliche Bedeutung der Messe für die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas und darüber hinaus für die wirtschaftliche Erschließung des gesamten Vorderen Orients sowie für den Ausbau der Handelsbeziehungen zwischen diesen Ländern und den großen europäischen und amerikanischen Märkten hingewiesen. Hierauf nahm High Commision er Sir Arthur Wauchope in Anwesenheit der offiziellen Delegationen von 24 Staaten und vieler Tausender ausländischer Gäste die Eröffnung der Messe vor. Der Beginn der Messe wurde durch das langgezogene Tönen einer aus Schweden gebrachten Riesensirene weithin bekanmtgegeiben. Vom Stadthaus, wo Bürgermeister Dizengoff einer Abordnung der Messeleitung die Fahne der gleichzeitig das Jubiläum ihres 25 j ä h r i g e n Bestehens fei er nd en Stadt Tel-Aviv übergab, bewegte sich ein imposanter Festzug durch die menschenerfüllten Straßen zum Messegelände, auf dem die Fahne für die Dauer der Ausstellung gehißt wurde. Die diesjährige Messe verspricht, den Erfolg aller früher in Tel-Aviv veranstalteten Messen beiweitem zu übertreffen. Die Stadt ist von Messebesuchem aus allen Ländern der Erde überflutet. Angesichte des außerordentlichen Interesses, das die Messe in den maßgebenden Wirtschaftskreisen aller Länder gefunden hat, wird allgemein der Überzeugung Ausdruck gegeben, daß der von der arabischen Exekutive an ihr Anhänger soeben erlassene Aufruf, die Messe zu boykottieren, deren Erfolg nicht im mindesten beeinträchtigen wird. „Völkischer Beobachter" über Assimilation und Zionismus Berlin, 26. April. gefühlt. Irgend etwas anderes, was zu einem Protest des Mädchens hätte Anlaß geben können, sei nicht vorgefallen. Im weiteren Verlauf der Vernehmung der Frau Sima Arlosoroff vor dem Geschworenengericht. stellte die Zeugin die Behauptung, sie hätte jemals Araber als die Mörder ihres Gatten bezeichnet, entschieden in Abrede. (Der Tel-Aviver städtische Beamte Schamai Kuperstein und der mit ihm befreundete jüdische Polizist Scharmeister hatten im Jänner bei ihrer Vernehmung im Vorverfahren ausgesagt., Frau Arlosoroff habe auf ihre Frage, wer die Mörder gewesen seien, geantwortet: „Araber!“) Frau Arlosoroff erklärte im Gegenteil, sie habe gleich, als sie um Hilfe Tief, auch gerufen: „Juden haben auf ihn geschosse n!“ Auch erklärte es Frau Arlosoroff als unwahr, daß sie gesagt habe, sie habe nicht auf die Mörder geschos&en, weil ihre Hand gezittert habe. Weder Dt. Arlosoroff noch sie hätten in der Mordnacht einen Revolver bei sich getragen. Im Verlauf des Kreuzverhörs stellte es sich heraus, daß der palästinensische Arbeiterverband Histadruth einen eigenen Fahndungsdienst organisiert hatte, der in Zusammenarbeit mit der Polizei die Spuren der Mörder verfolgen sollte. Während der Vernehmung von Frau Arlosoroff wurde gegen diese vor dem Gerichtsgebäude eine feindselige Kundgebung veranstaltet, was vom Vorsitzenden des Gerichtes scharf gerügt wurde. Rechtsanwalt Horace Samuel schloß sioh der durch den Vorsitzenden ausgesprochenen Verurteilung dieses Zwischenfalls an. Die Vernehmung der Frau Arlosoroff, für die man allgemein mit einer mehrtägigen Dauer gerechnet hatte, wurde bereits in der Nachmittagsverhandlung des 25. April abgeschlossen. Außer den Versuchen des Verteidigers, nachzuweisen, daß Frau Arlosoroff mit der Polizei in engem Kontakt gestanden habe, daß sie auf der Hauptpolizeistation sich bemüht habe, Rosenblatt zu einem Schuldbekenntnis zu bewegen, indem sie ihm versprach, im Falle seiner Verurteilung den High Commissioner um Strafmilderung zu bitten, brachte die Nachmittagsverhandlung nichts Wesentliches mehr. Frau Arlosoroff stellte in ihrer Aussage ausdrücklich fest, daß sie nicht Mitglied des Arbeiterverbandes Histadruth ist. KINOPROGRAMME DER WOCHE LeoDOldstödter Volkskino Telephon R *49^23 Vom 27. April bis 3. Mai: Elisabeth Bergner In; „KATHARINA DIE GROSSE" mit Douglas Fairbanks Jun. Wochentags 7*8, */*8, 7*10 Uhr, Sonnu. Feiertags 7*4 Uhi AsseSafh Haniwcharim für den 7* Mal einberufen Jerusalem, 26. April. Wie aus Kreisen des Waad Leumi mitgeteilt wird, wurde der Beginn der diesjährigen Tagung der Assefath Haniwcharim, de« Parlaments der öffentlich-rechtlich anerkannten G j.samtorganisation der palästinensischen Judenheit (Knesset Israel), auf den 7. Mai festgesetzt. Die Assefath Haniwaharkn, die, obwohl sie jährlich mindestens einmal tagen sollte, ira vorigen Jahre nicht zusammengetreten ist, wird diesmal eine allgemeine Neuwahl der Mitglieder dieser Körperschaft auszu- Bchreiben haben. Vermutlich wird diese Wahl gegen Ende des Sommere 1934 vorgenommen werden. Im „Völkischen Beobachter“ untersucht Lutz Lenders in einem Artikel „Zum Problem der Dissimilation“ die Möglichkeiten einer Regelung der Judenfrage in Deutschland durch Zusammenwirken der Ariergesetzgebung mit einer „Dissimilation“, die von den Juden selbst auszugehen hätte. Es wird unter anderem ausgeführt: „DeT Nationalsozialismus, der in der Judenpoütik völlig neue und revolutionäre Wege beschritt, konnte natürlich nicht bewirken, daß mit einem Schlage zwischen den Deutschen und den Juden das richtige Verhältnis heigestellt wurde. Es wäre ein verhängnisvoller, weil die Wachsamkeit einschläfernder Irtum, zu glauben, daß mit der nunmehr abgeschlossenen Ariergesetzgebung die Judenfrage, das heißt die Frage nach den richtigen Beziehungen zwischen den beiden Gruppen, endgültig beantwortet sei. Vielmehr ist dies nur möglich auf dem Wege einer tiefschürfenden und nicht ermüdenden Erziehung. In die Diskussion um die Judenfrage wurde nun in neuerer Zeit eine Parole ausgoworfen, die mit dem Anspruch auf tritt, einen wesentlichen Beitrag zu einer nationalsozialistischen Judenpolitik zu geben. Es ist das Wort von der „Dissimilation“. Dieses Wort erfuhr sozusagen sein politisches Debüt auf dem 9. europäischen Nationalitätenkongreß, der im vorigen Jahre in Bern tagte. Auf Betreiben der deutschen Volksgruppen nahm der Kongreß eine Resolution an, die grundsätzlich einer „DLssimiiierung“ gegenüber eine positive Haltung nicht versagt. Es ist mit Recht darauf hinge wiesen worden, daß die Emanzipation — was die Juden des vorigen Jahrhunderts nie verstanden haben — nicht aus judenfreundlichen, sondern aus doktrinären Gründen erfolgte. Gewiß war der Liberalismus nicht judenfeindlich. Aber er war — so paradox es auch einer landläufigen Anschauung klingen mag! — judentumsfeindlich. Er verlangte nämlich von den Juden als Preis der Emanzipation die Aufgabe des Judentums. Er verlangte also Assimilation, das ist Angleichung an das Deutschtum. Nur solche Juden wurden anerkannt, die sich — wenigstens äußerlich — als Deutsche verkleideten. Gegen die jüdische Assimilation trat gegen Ende des vorigen Jahrhunderts der Zionismus erfolgreich hervor. Im Verlauf der zionistischen Propaganda ist der Begriff der „Assimilation“ jedoch wesentlich verfälscht, zumindest aber undeutlich gemacht worden. Man glaubte, bereits durch ein bloßes Bekenntnis zum Zionismus, durch die Bejahung seiner Ziele oder durch die persönliche „Alijah“ (Einwanderung nach Palästina) die Assimilation überwunden oder, wie wir heute sagen, sich dissimiliert zu haben. Wenn man aber auf den Sinn des Wortes Assimilation sieht, so trifft das auf einen großen Teil der Zionisten, besonders auf den Begründer der modernen Form der Bewegung, Theodor Herzl, nicht zu. „Assimilation“ bedeutet Angleiolumg. „Similis“ heißt ähnlich. Durch die bloß ideologische Bejahung der zionistischen Theorie aber war der geistige Inhalt der Juden noch nicht „unähnlich“, nämlich dem geistigen Inhalt der Umwelt. Der politische Zionismus selbst, wie ihn Herzl gepredigt, und wie er in seiner klassischen Form im heutigen „Revisionismus“ wieder aufleibt, war als System selbst assimiliert a.n die europäischen Nationalismen. Gegen die formal-nationale Auffassung Herzl« setzte A oh ad Haam den „Kultur-; Zionismus“ und gegen den marxistischen Sozialismus der „Poale Zion“ setzte A. D. G o r d o n den antimarxistischen „nationalen Sozialismus“ des „Hapoel Ha«zair“ („Der junge Arbeiter“). Beide Auffassungen waren eigenständiger, jüdischer; hier hatte rler Zionismus die Assimilation in einem tieferen Sinne überwunden, hier war er wirklich zur Dissimilation vorgestoßen. Dissimilation als Gegensatz zur Assimilation kann — ebenso wie diese — nur von den Juden selbst ausgehen. Wenn der Arierparagrapü den Juden von einer Betätigung in der deutschen Politik und Kultur auissohaltet, so ist das — wie manche meinen — keine Dissimilation, da es nur einen äußeren Zustand regelt, aber auf das Innere der Juden zunächst kernen Einfluß hat. Wir können die Juden nicht anders, nicht jüdisch machen. Das ist ihre Aufgabe. Wir können nur darauf achten, daß nicht wieder jenes deutsch-jüdisches Durcheinander entsteht, in dem der Jude sich als Praecepter Germanica ausgeben und als Repräsentant deutscher Kultur fühlen konnte. Dafür ist die Ariergesetzgebung da. Vom nationalsozialistischen Standpunkt aus, konsequent zu Ende gedacht, wäre es nur zu begrüßen, wenn man die Juden ihrerseits die äußere Grenzziehung des Arierparagraphen mit der inneren Grenzziehung der Dissimilation beantworten würden. Dissimilation — das ist die große Ohanoe der deutschen Juden, durch den Aufbau einer eigenen Ge f ü h 1 s- und Vorstei- 1 u n g s w e 11, von sioh ans einer unfreiwilligen Situation einen Sinn zu geben, sie zu einer freiwilligen umzugestalten und ihr so den Diktatcharakter zu nehmen. Im Anschluß daran fordert der Verfasser eine völlige Richtungsänderung für die Tätlgkeit des Kulturbundes deutscher Juden durch Pflege der hebräischen und jiddischen Literatur und gibt der Erwartung Ausdruck, daß eine Ungestaltung der jüdischen Schule nachholen werde, was der Kulturbund ver*. säumt habe. Auch in diesem Jahr 40.000 Juden nach Palästina Jerusalem, 27. April. Aus zuverlässiger Quelle erfährt die Jüdische Telegraphenagentur, daß in den Kreisen der Palästinaregierung hinsichtlich der jüdischen Einwanderung eine weitherzigere Auffassung als bisher Platz gegriffen hat und daß die Regierung bereit ist, im Verlauf des Jahres 1934 40.000 neue jüdische Einwanderer in (las Land kommen zu lassen. Diese liberalere Auffassung bezieht sich vorläufig aber nur auf sogenannte K ap i t a 1 i s t e n mit mindestens 1000 Pfund Eigenvermögen, denen keine Schwierigkeiten mehr gemacht werden sollen; hingegen nimmt die Regierung in der Frage der Chaluz-Einw ander u ng noch immer eine vorsichtige Stellung ein; sie zeigt sich nicht geneigt, die ihr von der Jewish Agency überreichte Forderung nach einer bestimmten Zahl von Zertifikaten, die kleiner ist als die für das abgelaufene Halbjahr angeforderte, aber nur zu einem Teil bewilligte Zahl, ganz zu befriedigen, dies, obwohl der Mangel an Arbeitshänden in Palästina immer fühlbarer wird. Die Regierung ist der Ansicht, daß von der Kapitalisteneinwanderung nicht nur die Regierungsfonds, sondern auch die Araber stark profitieren. Hingegen läßt sich die Regierung nicht davon überzeugen, daß die jüdischen Arbeitgeber just jüdische Arbeiter beschäftigen müssen, und sie will auch weiterhin nicht die speziell jüdische, sondern die allgemeine Arbeitslago im Lande zur Richtschnur für die Höhe der zu vergebenden Zertifikate nehmen. Die neuen Zertifikate werden der Jewish Agency Anfang Mai gegeben werden. Die Regierung hat für Rechnung des laufenden Halbjahres der Jewish Agency 48 Zertifikate für die jüdischen Flüchtlinge aus Buchara, die sich in Afghanistan und Persien aufhalten, gogeben. 4. Hai 11 Uhr vormittags Eröffnung der Herzl-Ausstellung. Veranstaltet vom Keren Kajemeth u. Herzl-Archiv Die Ausstellung Ist geöffnet täglich bis einschließlich 10. Hai

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