Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 349 (1.5.1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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- 2fr. 349. - t Ma! 1934 OKI SflHHB Bette n Arbeiterschaft hat weiter in Prag den Fehler gemacht, Versammlungsreden zu halten, statt mit einem konstruktiven Programm zu kommen. Wichtiger war ihr so eine Art Heiligsprechung der Iiistadruth und die Folgen sind nicht ausgeblieben. Die Parteigegensätze in Palästina sind bis zur Siedehitze gediehen und niomand weiß, ob es nicht zu einer Explosion kommt, deren Folgen unabsehbar wären. Wir sind nicht, so autoritär, um die Verschuldensfrage zu beantworten, aber wir meinen: Dem jetzigen Zustand muß rasch ein Endo gemacht werden. Tropfenweise Zugeständnisse können den Brand der Parteileidenschaften nicht löschen. Die Landeskonferenz hat einstimmig einen Warnungsruf ergehen lassen. Ihre Resolution wendet sich nicht, nur an die Arbeiterschaft Palästinas, sondern an all jene, die die Zeichen der Zeit nicht verstehen. Wie steht es nun mit den Differenzen, die wir mit der Exekutive haben? Die Landeskonferenz hat die Einführung des Schiedsgerichtsverfahrens bei Arbeitskonflikten begrüßt und hat alle Zionisten aufgefordert, den Primat des ganzen Volkes anzuerkennen und „alle auf die Erhaltung und Festig ungder zionistischen Organisation gerichteten Bern ü h u n g e n der zionistischen Exekutive zu unterstütze n“. Die Resolution besagt über die Stellung des Landesverbandes zur Exekutive nicht mehr und nicht weniger, als wir eben zitierten. Auch Professor Brodetzky ist sicher mit uns darüber einig, daß es bedauerlich ist, daß in Jerusalem die Verbreiterung der Exekutive nicht, gelungen ist. Daß die Mitglieder der Exekutive sich nicht, als Abgesandte ihrer Partei betrachten dürfen, sondern sich als Sachwalter des ganzen Volkes betrachten müssen, wie HEUTE ERÖFFNUNG CAFE-RESTAURANT BURGGARTEN NEUE HOFBURG WIENS SCHÖNSTER GARTEN Die Juden im Fernen Osten Dio offiziöse japanische Telegraphen -Agentur teilt mit, daß seit Verstärkung der antisemitischen Na.zipropagaiiidia die Juden im Femen Osten eine freundschaftliche Stellung gegenüber Japan und besonders gegenüber Mandsohukoo cinzunehmen begonnen haben; sie betrachten Manidschukuo als eine Art zweites Palästina, und treffen Anstalten, sich dort eine Dauerexistenz zu schaffen. Die Juden haben sich auch an der Sammelaktion zugunsten der Opfer der Brandkatastrophe in Hadiodiate hervorragend beteiligt.. Professor Brodetzky bei der Eröffnungssitzung unter demonstrativem Beifall ausführte, ist auch unsere Meinung , Daß es schließlich in der Frage, was A11ge meiner Zionismus ist, nuancierte Auffassungen gibt, das ist nur für jene eine Sensation, die Sensationen machen. Der Allgemeine Zionismus wird seinen Weg machen. Er wird aber immer links und rechts Anstoß erregen. In der einen Hand muß er daher den Ölzweig und in der anderen Hand das Schwert tragen und darf sich nie aus seiner Zentrumstellung verdrängen lassen. Die Zeit, wo er nur den Ölzweig tragen wird, ähnlich Noahs Taube, wird leider nicht so bald kommen. Wir Allgemeine Zionisten in Österreich tragen noch Schwert und Ölzweig und wir glauben, daß wir gut daran tun. Unsere Erfolge beweisen es. Andere reden von Frie den, der durch Reden nur verscheucht wird Wir arbeiten für ihn. Wir sin d auf dem Wege zur Verwirklichung der Einheitsorganisation. Je stärker und geschlossener wir Allgemeine Zioni sten sein werden, desto eher werden wir beispielgebend für die anderen Landesorgauisationen sein. Die Landeskonferenz war ein guter Anfang. Per Mordprozeft in Jerusalem Jerusalem, 26. April. Die Vormi ttags Verhandlung am 24. Apriil, dem zweiten Tag im Arioso roff-Mordprozeß, wurde mit der Vernehmung des Polizeikommissars S h i t r e c t eingeleitot., der im Vorverfahren das Prozesses die öffentliche Anklage vertreten hatte. Shitreet verlas in hebräischer Sprache die von Stavsky und Roßcnbilatt unmittelbar nach ihrer Verhaftung vor ihm gemachten Aussagen. Danach erklärten sich beide als nicht schuldig und schilderten als Alibibeweis unter Anführung von Einzelheiten, wie sie die Zeit, zu der Dr. Arlosoroff in Tel-Aviv ermordet wurde, in Jerusalem verbracht hätten. Verteidiger S a m u e 1 stellte sodann ein Kreuzverhör mit dem Zeugen an. Er wollte wissen, ob die von den beiden Beschuldigten gemachten Aussagen freiwillig gemacht worden oder durch Drohung zustande gekommen seien. Kommissar Shitreet erklärte, einzelne Teile der Aussagen seien Antworten auf Fragen der mit der Untersuchung beauftragten Beamten gewesen, die einzelne Punkte aufklären wollten. Auf eine nach | der Vernehmung Shitroets an Stavsky und] Rosenblatt gestellte Frage antworteten diese, sic hätten den Bekundungen des Kommissars nichts hinzuzufügen. Die Einvernahme des Polizisten 0 s t r o w s k y wurde am 24. April fortgesetzt. östrowsky wurde gefragt, gegen wen sich der erste Verdacht gerichtet habe. Ostrowsky erklärte, zuerst sei ein A r an b e r verhaftet worden und später einei Gruppe aktiver arabischer und jüdischer Kommunisten. Alle diese seien später wieder freigelassen worden, da' man ihnen nichts habe nachwedsen können. Der Verteidiger Horace Samuel . zog nun den Polizei-Staatsanwalt Shitreet in ein Kreuzverhör, das eich besonders auf die an der Mordstelle vorgenommene Reproduktion der Fußabdräcke beraog. Samuel er-> innerte daran, daß die Spurensachverständigen ausgesagt hatten, die Fußabdrüoke zeigten das Bild von Schuhen, deren Sohlen mit Eisennägeln beschlagen waren. Eß sei aber festgestellt worden, daß Rosenblatts Schuhe nicht mit Eisennägeln beschlagen waren. Shitreet erwiderte, Rosenblatt habe bis zu seiner Verhaftung Zeit gehabt, die Schuhe zu wechseln. Zwischen Shitreet und Samuel entspann sich nun ein ziemlich erregter Wortwechsel. Frau Arlosoroff als Zeugin Die Stadt Tel -Aviv ist 25 Jahre alt. geworden. Ein Vierteljahrhundert ist sonst in der Geschichte der Städte kein zu feierndes Ereignis. Aber diese Stadt ist die erste jüdische Stadt, von Juden gegründet, von Juden gebaut, von Juden geführt und verwaltet. Sie ist eine stolze Errungenschaft zionistischen Strebene, und die Feier ihres Bestandes führt alle jüdischen Herzen zusammen, um wenigstens im Gedanken bei diesem Fest zugegen zu sein. Bei einem Fest, das wie ein Sonnenstrahl in diese trüben Tage bricht. Tel-Aviv ist vor fünfundzwanzig Jahren ein sandiges Feld bei Jaffa gewesen; es ist heute eine kräftig aufstrebende Stadt von 100.000 Einwohnern, dehnt uncl streckt sich immer weiter aus, ein Zentralpunkt für Handel und Verkehr an der Küste des Mittelmeeres. Tel-Aviv feiert sein Jubiläum zugleich mit der EröffnungderLevante Messe einer großangelegten Schau der Produkte der jüdischen Arbeit, des jüdischen Fleißes und des jüdischen Geschmackes. Was jüdische Hände in Palästina erzeugen, wird auf der Messe vorgestellt. Denken, Schaffen, Wirken — das breitet sich vor dem Besucher aus, erzählt ihm, daß das Wachstum Tel- Avivs nicht das einzige Wunder in diesem Lande ist, daß vielmehr das ganze jüdische Leben von einem stürmischen, schöpferischen Impuls getrieben wird, daß mit der geistigen und materiellen Kultur auch die seelische in ununterbrochenem enthusiastischem Aufstieg ist. Eine Stadt ist mehr als eine Anhäufung von Menschen und Häusern. Eine Stadt ist eine Zusammenballung geistiger Kräfte, eine Quelle für immer noue Formen des Zusammenlebens und immer neuer Bedürfnisse. Es mag manches an der atemlosen Entwicklung Tel-Avivs, besonders in den letzten Monaten, nachdenklich und kritisch stimmen. Aber im ganzen ist sie ein Triumph zionistischen Geistes, und sie führt voll Freude der Welt, den Völkern, den Staaton vor, was in 25 Jahren geschaffen worden ist. Zum erstenmal empfängt die jüdische Stadt als Repräsentant des jüdischen Landes dio Gäste, und sie hat vom Gastrecht andere Auffassungen als dio Länder, dio i'hro Vertreter an den Mittelmeerstraod entsendet haben. Ich Herr, du Herr, bo grüßt da« jüdische Volk seine Gäste, so grüßt das Volk der Propheten die Völker der Pogrome. Die Regierungen und Institutionen, die zur Messe ihre Abordnungen gesendet haben, sehen diese Veranstaltung mit kaltem, nüchternem Blick an, als einen Maßstab für neue Handelsuncl lmportmögliehkeit. Aber dieses Land,, mit dem sic jetzt in Verbindung kommen, ist erst durch die blutige Mühe der Juden in den Stand gesetzt worden, Handelsmöglichkeiten zu bieten, uncl diese Anstrengungen der Juden fließen aus dem zionistischen Geist, aus der jüdischen Seele, die ein Großer, The o*d o r H e r z 1, geweckt hat. Er wäre morgen, am 2. Mai, 74 Jahre alt geworden, und es ist schöne Pflicht, in der Woche des Jubiläums Tel-Avivs und der Messe des Geburtstages dieses Mannes zu gedenken, der ein Staatsmann und ein Dichter gewesen ist, dessen Donnerstimme die Starrheit des Exils gebrochen hat. Er hat den Zionismus in das Herz des Volkes getragen, er hat es aufgenifen. seine Kraft zu wagen, zu hoffen, au streben und zu schaffen. Das ist der Zionismus. Daß das jüdische Volk sich wieder stark fühlt, daß es an sich glaubt und daß es sich von Weg und Ziel nicht mehr abbringen läßt. Dieses Volk hat wieder einen Willen. Der Zionismus hat ihm die Straße in der Väter Land gezeigt, der Zionismus hat ihm dio politische Anerkennung gebracht, der Zionismus hat Tel- Aviv und die vielen Dörfer gebaut, in denen jüdische Menschen lachend am Werk sind, in denen jüdische Kinder froh aufwachsen, der Zionismus hat dieses Wunder hervorgebraeht, das sich heute vor Europa begibt, cler Zionismus rettet das jüdische Volk, gibt ihm Schönheit, Heim, Lied und Freude. Und am Anfang' des Zionismus steht eine kleine Broschüre: „Der Judenstaat“ von Theodor H e r z 1. Das jüdische Volk ist kein müdes Volk. Es hat. wieder etwas zu sorgen, zu hoffen für den kommenden Tag. Es geht seinen Wog. Heute ist, eine Viertelmnilion Juden in Erez Israel, bald werden es doppelt so viel sein, und dann werden die Faktoren, die uns heute noch hemmen, die neidisch und zornig auf all das Neue schauen, sich zu einer anderen Haltung bequemen. Die jüdische Arbeit ist eine Tatsache, dio von selbst wirkt. Und ihr erstes Wort kam von Theodor Henzl. Die Sitzungen des Gesellwornengerichtes in Jerusalem am Vor- und Nachmittag des 25. April waren der Vernehmung der Frau des ermordeten Dr. Arlosoroff gewidmet, die als Tatzeugin aussagte. Frau Arlosoroff, die in Schwarz erschien, wiederholte nur die während der ersten polizeilichen Untersuchung und im Verlauf des polizeilichen Gerichtsverfahrens von ihr gemachten Aussagen und hatte dem nur wenig Neues hinzuzufügen. Sie behauptete, Abraham Stavsky und Zwi Rosenblatt als Täter wiederzuerkennen, und erzählte, Rosenblatt habe den Schuß auf Dr. Arlosoroff abgegeben, während Stavsky Arlosoroff ins Gesicht geleuchtet habe. Als man ihr nochmals die Rosenblatt gehörende Jacke zeigte, erklärte sie mit Bestimmtheit, Rosenblatt habe diese Jacke am Mordabend getragen. Der Verteidiger Horace Samuel befragte Frau Arlosoroff über die Stellung, die Dr. Arlosoroff in dem Augenblick, da der Schuß auf ihn abgegeben wurde, eingenommen hat, und versuchte darzulegen, daß der Mörder linkshändig gewesen sein muß, was Rosenblatt aber nicht ist. Frau Arlosoroff zeigte sich außerstande, die genaue Stellung Dr. Arlosoroffs in der Sekunde, in der der Schuß abgegeben worden ist, zu beschreiben. Während der Einvernahme des Kommissars Shitreet fragte ihn der Verteidiger, warum die Tochter des Hoteliers Turgeman, in dessen Haus Stavsky die Mordnaeht verbracht haben soll, während ihrer Vernehmung durch Kommissar Shitreet Schreie ausgestoßen habe; ob nicht Methoden des „dritten Grades“ bei dieser Vernehmung angewendet worden seien. Kommissar Shitreet erklärte, das Mädchen habe sieh durch die Frage, ob sie lesen oder schreiben könne, b e 1 e i d I g t © mit den vorzüglichen, großen Salonschiffen der direkten Eillinie Triest-Jaffa des LLOYD TRIESTINO Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr Ferner; Luzuscillinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Colombo, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Aiiskunft: Lloyd Trlestino, Wien, I., Kärntnerring 6, Tel. U 47 5«60 ^7043^8273