Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 349 (1.5.1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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feite 2 DIE STIMME Nr. 349. — f. MaJ 1934 "\ihrt1 an ch'ii Mitteilungen. Sowohl das Präsidium der Kultusgenieinde, wie Vizepräsident Dr. Ornstein und der Zionistische Landesverband haben auf den Artikel der ..L’eielispnsP' mit Erklärungen geantwortet, die wir hier publiziertm und ans dentm dt'r Leser erkennen kann, mit welcher Leichtfertigkeit. die ..lleiehsposjt" sieh hat mißbrauchen lassen. Die „unterrichtete Seite“, die man nach dem Satz ..eui bnno“ in der Agmlah suchen darf, ist sehr gut unterrichtet. Um vor Außenstehenden so gut lfigen zu können, muß man wirklich gut unterrichtet sein. Aber die ..Reichspost“ hätte leicht feststellen können, daß zum Beispiel Frau Anita Müller niemals in den Vorstand b e r u f e n worden ist. daß Dr. L ö w e n h e r l nicht seit 1932. sondern seit Ende 1029 Vizepräsident ist, daß Dr. Fried in a n n mit Dr. Kantor nicht verwandt ist — was ein besonders giftiges avis au lectetir war — und daß die über Dr. Or n b t e i n vorgetragene Erzählung im ganzen und im einzelnen erstunken und erlogen ist. Sie hat jedoch insoweit ihren Wert, als sic auf die „unterrichtete Seite“ schließen läßt, die allein ein Interesse daran hat, die Geschichte von dem einstimmig angenommenen, i a b e r n i e o i n g e b r :i. c h t, en Antrag J auf agudistische Gleichschaltung nicht ver- [ gossen zu lassen.! Die übergroße Mehrheit, des Wiener! Judentums bekennt sich zur Kult.usgcmeindc und hat Vertrauen zu der zionistischen Führung. Die zionistischen Versammlungen sind überfüllt,, einfach darum, weil die Zionisten Positives, Einigendes zu berichten haben und weil sic in diesen Sturmtagen sicher am Steuer stehen. Was hat d i e A g u d a h jemals f ü r d a s J tid e n tum, für das jüdische V o 1 k g e 1 e i s t e t? Dort, wo cs um die. Vertretung jüdischer Lebensintercssen geht, ist die Agudah noch nie zu finden gewesen. Sie blufft seit Jahren und sie drängt sich wieder — nicht erst heute zum erstenmal — in nichtjüdische, antijüdische Kreise, um mit deren Hilfe ihren Bluff fortzusetzen. Unter 180.000 Wiener Juden hat die Aggdah 878 Menschen für sich zur Wahlurne gebracht. Und da wagt sie sich als richtiger Adabei noch in die Öffentlichkeit, um an der jüdischen Not ihre Suppe zu wärmen! Sic hat nur einen einzigen Progrannnpunkt: Denunzieren und zum „Poriz“ laufen. An unsere P. T. Abonnenten und Inserenten I Wir machen höflichst darauf aufmerksam, daß Zahlungen an Inkassan* ten von uns nur dann anerkannt werden, wenn sich der Inkassant mit unserer Legitimation ausweist und die Zahlung auf unseren Drucksorten im Durchschreibeverfahren bestätigt. Die Administration Erklärung des zionistischen Landesverbandes Von Herrn Dr. Friedmann, als dem Vorsitzenden der in der Vorwocho abgelialtenen Landeskonferenz dos zionistischen Landesverbandes, erfahren wir folgendes: Eine Teilnahme des Herrn Oberbaurates Robert Stricker an den Beratungen der Landeskonferenz des zionistischen Landesverbandes für Österreich kam von vornherein nicht in Betracht, da die selbständige Gruppe des Oberbaurates Stricker außerhalb des L a n d c s v o r b a nd o s steht. Die Landeskonferenz hat sich mit der Verteilung der Ehrenstellen in die nicht beschäftigt. Die Angelegenheit der Mandatsbesetzung kam weder in meritorischer noch in personeller Beziehung zur Diskussion, so daß die Herrn Doktor Plaschkes in den Mund gelegten Äußerungen frei erfunden sind, verschiedenen Körperschaften auf Grund der neuen Verfassung überhaupt ZU PFINGSTEN BILLIG NACH Abreise am 17. V. 1934 [ Auskünfte: POLEN BÜRO DR. S. TOCKER I., Kärntnerring 12. Tel. U 40-301 AUSTROBUS [ÄÄ ß Novem* 24-C-10 * * * Erklärung^^^PVäsid^imsjdwJCultusge^inde Zu dem in der „R e i c h s p o s t“ vom Sonntag unter der Überschrift „S t r ömungen und Konflikte in der Wiener Judenschaft“ veröffentlichten Artikel erhalten wir vom Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde Wien und dem Vizepräsidenten Dr. O r n s t e i n folgende Mitteilung: Epilog zur Landeskonferenz Ein Artikel der i Die veröffentlichte Darstellung ist vom j Anfang bis zum Ende unrichtig und; stellt sich als eine gröbliche Irre-I f ii h r u n g der „R e i c h s p o s t“ und der mit den tatsächlichen Verhältnissen der J jüdischen Gemeinde nicht vertrauten Leser, dar. Nach dem geltenden Statut besitzen { Unwahr ist ferner, daß der Vizepräsident der „Union“ gleichzeitig Vorstandsmitglied der streng religiösen Synagoge in der Großen Schiffgasse ist. Die Anwesenheit des Herrn Professors Selig Brodetzky, der auf seiner Rückreise von Palästina nach London sich zwei Tage in Wien aufhielt, hatte mit Fragen der Kultusgemeinde, den Angelegenheiten der Wiener Judenschaft und den Mandaten in die neu zu schaffenden Vertretungskördie Frauen in der Wiener Kultus- . , . passive Wahlrecht. Es f n IC h' c a S, S,e.r>n? s ‘ e J »J1» n- Frau dem Kultusvor-i Professor Brodetzky hielt einen öffentlichen Müller ist da-! Vortrag und eine Pressekonferenz, über welche die meisten Wiener Zeitungen, darunter auch die amtliche „W i e n e r Z e i t u n g“, berichtet haben. Seine Referate waren ausschließlich Palästina fragen gewidmet. Ein Vorschlag an die Regierung über die in die Vertretungskörper zu entsendenden Vertretern der israelitischen Religionsgesellgemeinde nicht das hat niemals eine stände angehört. Frau Anita her niemals in den Kultusvorstand berufen worden und es ist deshalb niemals zu einem Sturm der orthodoxen Judenschaft gekommen. Präsident Dr. Friedmann ist weder ein Schwager noch Sozius des Präsidenten der Rechtsanwaltskammer Dr. Siegfried Kantor, sondern dessen Regiekollege. Dr. Josef Löwenherz gehört dem! wurde b i sh c r w e d e r abge f o r- Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde seit Beginn des Jahres 1925 an und über- ■ nahm, als Herr Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim bei den Wahlen im Jahre 1932 eine Wiederwahl ablehnte, | das Finanzressort. Herr Generaloberstabs-1 arzt Professor Dr. Alois P i c k, der bei den | t . „ . . . letzten Wahlen in den Kultusvorstand «o-i f.^koll», _ wählt wurde, hat die auf ihn gefallene Wahl nicht ange n o m m e n. Die Besetzung sämtlicher Stellen im Prä m den dert. noch erstattet. Es konnte daher Herrn Dr. O r n s t e i n irgend ein Vor wurf, daß er ein Protokoll, nach dem den Zionisten alle Rechte eingeräumt werden sollten, unterschrieben hat, von keiner Seite gemacht werden, und die Erzäh lung, daß er die Unterschrift eines solchen einer Eingabe an die Regierung damit zu rechtfertigen ge- . j sucht hätte, daß ihm ein Schriftstück unterschoben wurde, welches er infolge seines Augenleidens versehentlich unterfertigt hat, ist eine glatte Erfindung. Er wurde daher auch von keiner Seite zu einer Rechtfertigung aufgefordert. Das Präsidium einschließlich des Vizepräsidenten Dr. Ornstein weisen mit Entrüstung die Zumutung zurück, daß das Augenleiden des Herrn Dr. Ornstein dazu sich Vizepräsident j ausgenützt wurde, ihm irgend ein Schriftdie „zur Nachfolge stück zu unterschieben und ihm auf diese Weise eine Unterschrift abzulisten. Es ist unrichtig, daß Herr Professor Moses Rath zum Oberinspektor des Religionsunterrichtes und Herr Ludwig B a t o zum Direktor des Friedhofamtes bestellt Herr Vizepräsident Dr. Orninfolgedesson auch in diesen Fällen nicht in die Lage kommen, die angeblichen Ernennungen, für welche übrigens die Beschlußfassung dos Gesamtvorstandes erforderlich wäre und die nicht in sidium, im Vertreterkollegium und Kommissionen erfolgte einhellig. Die Pensionierung von Amtsleitern hat in der laufenden Funktionsperiode den Kultusvorstand überhaupt noch nicht beschäftigt und es ist daher vollkommen unwahr, daß Dr. Ornstein gegen Ausersehenen“ scharf ausgesprochen und den ihm unterschobenen Widerspruch gegen die zu ernennenden Nachfolger mit deren religiösem Lebenswandel begründet hat. Vizepräsident Dr. Ornstein muß sich deshalb auch in entschiedener Weise gegen j wurden, und dir Behauptung verwahren, daß er mit: Ktein konnte den von der Jugendgruppe der Agudas Jisroel. mit der er in k e i n e r lei 13 e- Ziehungen steht, verbreiteten unrichtigen Nachrichten irgendwie in Zusammenhang gebracht wird. Herr Dr. Ornstein ist die Kompetenz des Präsidiums fallen, durch ein unentwegter Vertreter und Verfechter seine Unterschrift zu genehmigen. Die Beder Einheits gemeinde und ein ent-! hauptung. daß Herr Vizepräsident Dr. Ornsohiedener Gegner aller Trennungshestre-: stein seine Klubmitgliodor zur Verhinderung hungern Es ist daher eine g r ö b I i c h o 1 „dieser Ernennungen“ angeeifert hätte, ist Unwahrheit, daß er die Jugendgruppe daher ebenso unrichtig wie alle der Agudas Jisroel z u r T r e n n u n g a u fsonstigen Angaben des A rgestachelt hat. 11 i k e 1 s. Die Landeskonferenz dos Zionistischen Landesverbandes für Österreich ist beendet. Ihr Ergebnis ist — wie vorweggenommen werden kann — ein erfreuliches. Die Landeskonferenz war sehr gut beschickt und ihre Debatten bewegten sich auf einem achtbaren Niveau. Raummangel macht es uns leider unmöglich, die einzelnen Reden wiederzugeben. Wir müssen uns daher darauf beschränken, die Probleme zu erörtern, die Gegenstand der Beratungen waren. Was zunächst die organisatorischen Leistungen des abgetretenen Landeskomitees anbelangt, so gab es diesbezüglich keine differenten Ansichten. Die Delegierten waren sich darüber einig, daß ersprießliche Arbeit geleistet wurde und daß ein erfreuliches Wachstum der allgemein-zionistischen Organisation das Ergebnis der Tätigkeit des Landeskomitees war. Die bei der Landeskonferenz gefaßten Resolutionen geben ein Bild der behandelten Themen. Die Resolution über die Notwendigkeit der nationalenKolon i s a t i o n und die Förderung Fonde bedeutet einen feierlichen Protest gegenüber jenen Kreisen, die den Keren Kajemefch und den Keren Hajessod sabotieren. Wir sind vom Wert der privaten Initiative und der privaten Kolnisation durchdrungen. Aber gerade in einer Zeit, wo sieh bedauerliche Auswüchse der Tätigkeit des privaten Kapitals in Palästina zeigen, ist es mehr denn je Pflicht aller Zionisten, unsere nationalen Fonds zu stützen. Sie bieten — leider die einzige und unzulängliche — Waffe gegen das Spekulantentum. Wer die Fonds sabotiert, fördert den Bodenwucher und unterminiert die Stellung der Zionistischen Weltorganisation. Die Resolution über die Fonds ist ein Mahnruf an alle Zionisten und ein Protest gegen die Revisionisten. Gegen sie richtet sich auch die Resolution gegen die Petitionsbewegung, auf deren Nutzlosigkeit und Schädlichkeit wir wiederholt hingewiesen haben. Die Petitionsbewegung ist auch politisch unklug, weil sie die Staatsoberhäupter zu einem Protest gegen England aufruft, mögen die Resolutionen in noch so devoten Ausdrücken abgefaßt sein. Uns trifft sicher nicht der Vonvurf, daß wir Englands Vorgehen in Palästina billigen. Wir haben auch nie, wie Jabotinsky, England offeriert, es möge Palästina seinem Imperium als Dominion ein verleihen und wir haben auch nicht, wie es seitens der Revisionisten geschah, England beschimpft, um dann vor ihm, wie es jetzt durch die Petition geschieht, als Bittsteller zu dienern. Gründe der Disziplin und der politischen Einsicht machten es daher notwendig, daß die Landeskonferenz nochmals warnend Ihre Stimme gegen die Petition erhob. Weiters hat die Landeskonferenz beschlossen, den Beschluß aus dem Jahre 1931 derzeit nicht abzuändern, wonach die L a n d o s p o 1 i t i k, ausgenommen die Angelegenheiten der Kultu.sgcmoindon, aus dorn Tätigkeitsbereich des Zionistischen andoskomitees ausgeschaltet wurden. Die Mehrheit fand entgegen der Ansicht der Radikalen Zionisten, daß es genüge, der Delcgiertcnvcrsammlung das Recht einzuräumen, den Beschluß aus dem Jahre 1931 jederzeit ganz oder teilweise aufzuheben. Ob und wann dieser Zeitpunkt eintreten wird, kann heute nicht gesagt worden. Einen breiten Raum in den Beratungen nahm dio Diskussion über die zionistische Situation nach der Jerusalemer Tagung des A. C. ein. Das ist bei der Schärfe der gegensätzlichen Anschauungen in der Weltorganisation — glücklicherweise nicht in unserem Landesverband — nur zu begreiflich. Eine sensationslüsterne Presse wußte natürlich von heftigen Zusammenstößen zwischen dem als Gast anwesenden Mitglied der zionistischen Exekutive Professor Brodetzky und dem Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes für Österreich Dr. Grönbaum zu berichten. Dieser „heftige Zusammenstoß“ gehört ebenso ins Reich der Fabel wie die „unter Lärm und Protestrufen“ von Dr. Grünbaum angeblich verfügte Vertagung der Landeskonferenz. Richtig ist vielmehr, daß zwischen Professor Brodetzky und Dr. Grünbaum in außenpolitischen Dingen Differenzen überhaupt nicht bestehen. Sieht man von gewissen parteipolitischen Übertreibungen ab, so muß man feststelleu, daß es nennenswerte außenpolitische Differenzen im Zionismus kaum gibt. Es gibt innerzionistischo Differenzen, dio allerdings einen bedauerlich hohen Grad erreicht haben und eine außerordentliche Gefahr auch außenpolitisch heraufbeschwören könnten. Auch darüber sind sich Brodetzky und Grünbaum einig, ebenso über die Notwendigkeit der Reform des Schekelwahl rechts, des Statuts der Jewish Agency und der Geschäftsordnung des Kongresses. In der Frage der Stellung zur „Histadruth Haowdim“ vertritt Dr. Grünbaum den Standpunkt, daß die Histadruth neutralisiert worden muß und daß es nicht angeht, daß die poale-zionistischen Führer gleichzeitig Führer der Gewerkschaft sind. Wir wissen aus unserer Erfahrung in Österreich, daß die sogenannten freien Gewerkschaften nichts anderes waren als Werkzeuge einer politischen Partei. Damit soll nicht gesagt werden, daß Professor Brodetzky nicht ebenso wie Dr. Grünbaum eine einheitliche, wirklich neutrale Histadruth wünscht. Der von Dr. Grünbaum vertroteno Gedanke ist Gemeingut auch sehr gemäßigter Kreise. Man erinnere sich beispielsweise an Kurt Blumenfelds Rode in Jerusalem gegen die Monopolstellung der Histadruth. Es fällt niemandem ein, dio ungeheuren Verdienste der Arbeiter um den Palästinaaufbau zu verkleinern. Aber Dankbarkeit ist etwas andere« und die Frage, ob der derzeitige Zustand gesund ist, ist auch etwas anderes. Es war ein schwerer Fehler der Arbeiterschaft, ihre zahlenmäßige Stärke am 18. Kongreß dazu auszunützen, um mit Hilfe einiger allgemeiner Zionisten —i die glaubten, damit der Organisation einen Dienst zu erweisen — die Misraehisten und den größeren 'Feil der Allgemeinen Zionisten von der Exekutive auszuschließen. Dio