Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 348 (27.4.1934)
- Date
- 1934-04-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 348. — 27. April 1934 T! der Konferenz nicht ihnen angekiindurteil wie den der Wiedererrichtung hedrins als obersten Gerichtes tums. in Angriff zu nehmen. eines Sandes Juden- Der Leiter de>s Palästina-Amtes in Riga und Mitglied des lettischen Sejm Rabbiner M. N u r o k wurde vom High Commissioner Sir Arthur Wauehope in längerer Audienz empfangen. Auf eine Reihe von Beschwerden betreffend die Handhabung der Einwanderungsvorschriften durch die Palästina- Behörden, die von Rabbiner Nurok dem High Commissioner vorgetragen wurden, erklärte dieser, das Einwanderungsdepartement der Palästina-Regierung werde derzeit reorganisiert, wobei darauf Bedacht genommen werde, daß künftighin Gesuche um Einwanderung schneller er werden sollen als bisher. berufen seien, die von I wird sie bloß 25.000 Dollar zur Erhaltung weitreichenden Pläne, ihrer Anstalten in Palästina beitragen. Der Keren Ilajessod stellt die Subventionierung der Krankenkassen vollständig ein. Offizielle Statistiken zufolge sind derzeit etwa 70.000 Juden in Palästina filr den Krankheitsfall versichert. Es soll jetzt ein besonderer Landesgesundheitsrat geschaffen werden, der sich mit allen Fragen, die den Gesundheitszustand der verschiedenen Kreise des Jischuw betreffen, befassen soll. Derzeit besteht ein elfgliedriger „Wand Habrijuth“, in dem der Waad High Commissioner verspricht beschleunigte Erledigung von Einwanderungsgesuchen Jerusalem, 24. April. gebühren betrugen 1922 bis 1933, abgesehen von den entsprechenden städtischen Abgaben, 182.000 Pfund; die Einkünfte aus Zöllen für die Einfuhr von Automobilen und Betriebsstoff 1,745.000 Pfund. Filr den Bau neuer Straßen und die Verbesserung alter Straßen wurden 956.000 Pfund verausgabt. Die Erhaltungskosten betrugen 809.260 Pfund. In der Zeit von 1926 bis 1930/31 allein hat der Autoverkehr um etwa 100 Prozent zugenommen. Der Straßenausschuß ist gegenwärtig mit der Ausarbeitung eines neuen Dreijahrplanes für die Ver- Lcumi acht Delegierte, die Hadassah, diei besserung des Autoverkehrs und Straßen Kupath Cholim je ein Mitglied und die Histadrutih vertreten sind. durch lediigt Die geplante Einkommen Steuer in Palästina London, 23. April. Der Abgeordnete Curry fragte im Unterhaus den Minister für die Kolonien, wie es gegenwärtig um den Plan, in Palästina die Einkommensteuer einzuführen, stehe, und ob der Minister geneigt sei, im Hinblick darauf, daß der vor kurzem im Mandatsgebiet Kenya unternommene Versuch der Einführung einer Einkommensteuer keinen Erfolg hatte, von ähnlichen Plänen in Palästina äbzuraten. In einer schriftlichen Antwort teilte der Kolonialminister Sir Philip Cunliffe- L i s t e r mit, daß sich die Palästinaregierung augenblicklich mit der Frage beschäftige, ob nicht die Einführung einer niedrigen Einkommensteuer, von der kleine Einkommen überhaupt befreit bleiben sollen, im Rahmen eines Planes zur Erleichterung der Steuerlast in Palästina angezedgt wäre. Mit der geplanten Einführung dieser Steuer sei nicht beabsichtigt, die allgemeine Steuerlast zu erhöhen, sondern diese besser zu verteilen. Im Februar sei eine Kommission palästinensischer Beamter, der ein Beamter des englischen Schatzamtes als Berater beigegeben wurde, eingesetzt worden, um Gutachten über den Steuerplan der Regierung von den Handelskammern, von Vertretern größerer Industrieuntemehmungen, der freien Berufe und anderer interessierter Kreise der Bevölkerung einzuholen. Der Minister halte es für verfrüht, seine Meinung zu dieser Frage zu äußern, bevor die Kommission ihren Bericht erstattet und er die Vorschläge des High Commissioner erhalten habe. Illegale Palästina-Einwanderer im Hungerstreik Jerusalem, 23. April. Wie „Doar Hajom“ berichtet, sind im Gefängnis von Jerusalem acht Juden, die als illegal Eingewanderte festgenommen worden sind, seit drei Tagen im Hungerstreik. Die Verhafteten verlangen, frei gelassen oder deportiert zu werden. Pfin9stsonderfaHrt nach Polen—Czernooltz 2. u. 3. Klasse Ab 17. Mai, an 1. Juni u. 4. Juni Alle Auskünfte: Reisedienst „Czernowitzer Allgemeine Zeitung“. Wien, I., Schulerstraße 1 (Stadtbüro „Der Wiener Tag“) Tel. R 21-6-78 und ReiBebüro „IRUT“, I., Karlspiatz 1, Tel. U 44-5-79 Legitimistisdie Jüdische Frontkämpfer! Die Kameradschaftsabende der Bezirksgruppe Josefstadt finden jeden Mittwoch, pünktlich ab 8 Uhr abends, im CafeColonnaden, I., Rathausplatz 4, statt. — Gleichgesinnte Kameraden willkommen Das Gesundheitswesen in Palästina Jerusalem, 23. April. In diesem Jahre soll schon die Sorge für die Erhaltung des gesamten Gesundheitswesens in Palästina vom Jischuw selbst übernommen werden. Die bisherigen Zuschüsse aus dem Ausland zur Erhaltung der verschiedenen jüdischen Gesundheitseinrichtungen sollen in Hinkunft wegfallen. Die Beiträge ausländischer Organisationen und des Keren Hajessod für Krankenfürsorge und Gesundheitswesen in Palästina betrugen in den letzten fünf Jahren insgesamt etwa 100.000 Pfund. Die amerikanische Frauenorganisation „Hadassah“ hat etwa 80.000 Pfund beigetragen. In diesem Jahre Die hundertste Fahrt Triest—Haifa Vor kurzem feierte der populäre jüdische Kapitän des dem Lloyd Triestino gehörenden Dampfers „Italia“, Umberto S t e i n d- 1 e r, das Jubiläum seiner hundertsten Seereise nach Palästina. Kapitän Steindler, der vor 40 Jahren seine Seemannslaufbahn beim Lloyd Triestino begann, hat für das jü dische Aufbauwerk in Palästina stets täfci ges Interesse bekundet. Vor 35 Jahren war er Offizier auf den Schiffen, die die ersten Pioniere von Odessa nach Jaffa brachten 1925 tat er auf dem Schiff „Gianicolo“, das große Chaluzim-Transporte durchführte, als erster Offizier Dienst, 1929 wurde er Kom mandant der „Adria“, mit der er 65 Palä stinareisen vollbrachte, dann war er wäh rend vier Reisen Befehlshaber des „Car naro“ und ist seither Kommandant der „Italia“, die 31 Fahrten hinter sich hat 50.000 Passagiere, zum größten Teil jüdi sehe Immigranten, sind auf diesen Reisen durch Kapitän Steindler nach Palästina ge bracht worden. Am 1. August 1933 hatte Kommandant Steindler die Ehre, den Hafen Haifas in praxi zu eröffnen (wenn auch die offizielle Einweihung erst am 31. Oktober stattgefunden hat), denn die „Italia“ war das erste Schiff, das in den neuen Hafen eingefahren ist und an dem neuen Quai angelegt hat. Damals wurde Kapitän Steindler von Freunden und Verehrern in das Goldene Buch des Keren-Kajemeth eingetragen. Es gibt in Palästina wohl kaum einen Juden, der nicht mit Stolz und Liebe von dem jüdischen Kommandanten spricht, dessen Freundlichkeit ihm die Überfahrt erleichtert und verschönt hat. Aber auch von Nicht juden, hohen Beamten der Palästina-Regierung und bekannten Persönlichkeiten der arabischen Welt, wie König Ali vom Hodschas, wird Kapitän Steindler warme Sympathie entgegengebracht. Der Autoverkehr ln Palästina Die Entwicklung des Autoverkehrs in Palästina geht aus dem statistischen Material hervor, das soeben von Generalmspektor der Palästina-Polizei Roy Godfroy S p ic e r veröffentlicht wurde. Danach ist die Zahl der in Palästina in Benutzung stehenden Motorfahrzeuge von 400 im Jahre 1922 auf 6126 im Jahre 1933 gestiegen. Während 1921 nur 450 Kilometer Autostraßen in Palästina vorhanden waron, botrug die Gesamtlänge der Autostraßen im Jahre 1933 1015 Kilometer. Die Einkünfte aus Lizenzwesen® beschäftigt. Zionisten! Unterstützt den Stadtkibbuz des jüdischen Jugendbundes Gdud-Z’irim. Schaffet Arbeit! für Schneider, Schuhmacher, Tapezierer, Tischler, Elektriker, Mechaniker, Chauffeure und Friseure. Wenden Sie sich bei Arbeitsvergebung aller Art an uns. Stadtkibbuz der Gdud-Z’irim Wien, II., Ferdinandstraße 4/9. Tel. R 45-0-91. LETZTE NACHRICHTEN Judenhetze des „Bundes völkischer Europäer“ Prag, 24. April. Der vom Reiohspropagandaministerium zur Führung der Judenhetze auf internatio nalem Bode<n begründete „Bund Völkischer Europäer“ (Berlin W 9, Bellevueetraße 16) läßt durch seine Unterabteilung „World leagoie against the lie“ (Weltliga gegen die Lüge) in zahlreichen nationalsozialistischen und gleichgeschalteten deutschen Zeitungen einen „Jüdische M o r d p 1 ä n e“ über schriebenen Aufsatz erscheinen, der in seiner Mischung von Grauen und Naivität den Eindruck einer bewußten Parodie auf den Antisemitismus macht, aber in Anbetracht der heute in Deutschland herrschenden Stimmung von schwerwiegenden Folgen begleitet sein könnte. So wird mitgeteilt, daß die Juden beschlossen hatten, die drei Kaiserreiche Rußland, Deutschland und Österreich, die sich den Judenplänen widersetzten, zu vernichten, und diese Absicht auch ausgeführt hatten. Der letzte russische Zar Nikolaus II. wird den Deutschen als eine hehre Gestalt geschildert, die nichts wollte als das Beste der Menschheit, nämlich deren Befreiung vom Judenjoch. Darum wurden „die kaiserliche- Familie, die lieblichen Töchter, der junge Sohn und einige Getreue in Jekaterinburg auf Befehl der jüdischen Sowjetkoramissäre von Jankel Jurowski nach unendlichen körperlichen und seelischen Martern erschossen“. Es wird dann weiter erzählt: „Inzwischen hat sich das satanische Wesen der Judenheit fast auf der ganzen Erde enthüllt. Der Rathenausohe ,Faktor der Notc ist überall an den Völkern, diesen Gegenständen jüdischer Sohächtung und Vivisektion, ausprobiert; dafür wissen aber die Völker auch, daß bei der Judenwirtsohaft, die schlimmer als ein Zuchthaus ist, die wehrlos gemachten Nioht.juden nur der unbegrenzten Lust- und Beutegier der Talinudgläubigen preisgegeben sind.“ Zur Illustrierung der „jüdischen Mordlust“ werden einige in jiddischen Verlagen Warschaus und New Yorks erschienene Ulk- und Glückwunschkarton reproduziert. Auf einer dieser Karten ist ein jüdisches Mädchen dargestellt, welches einen Glückwunschstrauß darreicht; am Horizont sieht man das Hitlerjahr, symbolisiert durch einen Hitlerkopf, versinken. Darüber stehen einige Verne, die der BVE. wie folgt ins Deutsche transskribiert: Sink Hitlerjobr, vergeh — Mit deine Schmerz und Weh — Sink, sink auf ewig hin... — A neues Jahr itzt geht — Mit neue Glück und Frejd. — Es wird von Weh und Leid — Die Welt befreit.“ Der „Bund Völkischer Europäer“ ermahnt die Deutschen, vor diesen jüdischen Karten nicht zu erschrecken, denn das deutsche Volk habe außer dem „Koscher - Frieden“ von Versailles noch eine Jude Revolution dazu überstanden: „So werden Volk und Kanzler trotz der Flüche das Judenjahros 5693‘ und trotz des ebenso tödlich gemeinten Hinweises auf den vor 2000 Jahren von den Juden geschachteten Haman und seine Perser im Regierungsblatt der Zionisten, dem ,Jewish Ohronicle4 in London, Sommer 1932 — sich weiter Gottes und seiner Sonne erfreuen.“ Den Juden aber wird angedroht, daß sie „i n e w i g e N a c h fc versinke n“, wenn sie sich nicht „schleunigst von den Weideplätzen der Menschheit zurückziehen, um irgendwo allein mit sich fertig zu werden“. Der Boykott Deutschlands Prag, 24. April. Wie auf einen Wink von „oben“ bringen mehrere Berliner Zeitungen, voran der „Reichswart“, unter dem Schlagwort etwa „Jüdischer Krieg gegen Deutschland“ Auslassungen, die darauf hmdeuten, daß man den Zom der Massen über die schlechte! Wirtsohafts- und Devisenlage Deutschlands den Juden in die Schuihe schieben will. Die! Zeitungen sprechen von einer „jüdische n Aushungerungsblockade gegenj Deutschlan d“ und deuten an, daß det Jude jetzt daran ist, die „Geltung der deutn sehen Mark im Auslande herunterzudrücken^ womöglich zu beseitigen“. Durch diese Hetzet soll anscheinend das deutsche Volk auf eine! Abwertung der deutschen Mark: vorbereitet werden in der Weise, daß ins voraus die Schuld hieran den Juden in dkl Schuhe geschoben wird. „Reichswart“ droht den Völkern an, daß sie unter die „Juden«* heTrschoft“ geraten werden, falls sie sidbt nicht dem anti-deutschen Boyi kott widersetzen; das neue Deutschland aber werde sich „weder dem Willen des Judentums beugen, noch sich durch dessen; wirtschaftlichen Aushungerungskrieg bre-» chen lassen“. Gesetz jgegen Hassen- und Religionshaß ln Kanada Winnipeg, 23. April. Der Provinziallandtag von Manitoba hat auf Antrag des Abgeordneten Marcus H y-i rn a n einstimmig ein Amendement zum Gesetz gegen Verleumdung angenommen, durch das jedem Angehörigen einer Rasse oder, eines Glaubens, die durch Veröffentlichung und Verbreitung verleumderischer Beschuldigungen angegriffen werden, das Recht eingeräumt wird, Klage gegen die Urheber dieser Angriffe zu erheben. Dem Beschluß kommt im Hinblick darauf, daß zum erstenmal in Kanada ein Gesetz Schutz gegen antisemitische Propageschaffen wurde, besondere Bedeutung zu. Sämtliche Zeitungen von Manitoba hatten sicli für die Annahmo des Gesetzentwurfes, der in nächster Zeit auch den übrigen P r o v i n z i a 11 a n d t a g e n vorgelegt werden soll, eingesetzt. Der kanadische jüdische Kongreß hat die entsprechenden Gesetzesvorlagen für die Provinziallandtage fertiggestellt. Anlaß zu dieser zum Nach Czernowltz und den polnischen Zwi- Behonstationen verkehrt am 17. Mai ein verbiifligtor Sonderzug 2. und 3. Klasse. Vierzehntägiger Aufenthalt am Reiseziel. Auskünfte beim Reisedienst (1er „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung“, I., Schulerstraße 1—3 (Stadtbureau „Der Wiener Tag“), Telephon R 21-6-78. Wichtig für Polenreisende. Zu Pfingsten findet vom 17. Mai bis 4. Juni eine besonders billige Roiso nach Polen statt. Wogen Platzreservierung ist. es notwendig, sich schon jetzt. anmelden zu woflon. Auskünfte und Anmoldungen: Polnisches Vorkehrsbureau „Francopol“, Wien, III., Reinweg l, Telephon U16-4-90. TRETET DER JÜDISCHEN KULTURSTELLE BEI!